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Vielleicht sollten wir von Queer.de auch einmal eine Statistik veröffentlichen, über Anfragen, die im Sande verlaufen. Über Stars, die für Interviews in schwul-lesbischen Medien nicht zur Verfügung stehen, selbst wenn sie aus der Szene kommen. Über Vereine, die eine Presseerklärung mit Ansprechpartner herausgeben, der dann in der Regel nicht erreichbar ist. Und über Behörden, Parteien und Vereine, die Nachfragen ignorieren.

Womit wir beim schwulen Überfalltelefon Köln (SÜT) wären, das vor einigen Tagen seine Jahresstatistik vorlegte, begleitet von einer Pressemitteilung. Queer.de hatte dazu zahlreiche Nachfragen, die innerhalb von zehn Tagen nicht beantwortet wurden - trotz erneuter Erinnerung auch an mehrere LSVD-Verantwortliche.

Unter anderem wollten wir wissen, wie viele der dokumentierten 27 Taten nicht auf schwule Männer entfallen. Der Bericht erwähnt mehrfach, dass das SÜT unter anderem auch von "Hilfe suchenden Frauen" in Anspruch genommen wird, der Anteil dieser aber gering sei. Auch wollte Queer.de wissen, wieviele Fälle sich auf Stricherkriminalität sowie auf Beziehungstaten zurückführen lassen.

Insgesamt kommt das SÜT auf 27 Fälle. Sie verteilen sich, Mehrfachnennungen inklusive, wie folgt: In zehn wurde jemand beleidigt oder mündlich bedroht. Elf Fälle sind Diebstahl oder Sachbeschädigung, in 13 Fällen kam es zu einer Körperverletzung (in fünf Fällen schwer). Erpressung gab es in einem Fall, sexuelle Nötigung und Stalking soll es in zwei Fällen gegeben haben.

Da ist einiges bei, was man nicht gerade als Hassverbrechen im klassischen Sinn beurteilen würde - ein "Verbechen" fand gar im Internet statt (auch dazu hatten wir eine Nachfrage). Das Problem an der laschen Definition: Sie macht in der Frage der Opferberatung durchaus Sinn, verzerrt aber eine Statistik, die allgemein auch als Aussage über fallende oder steigende Gewalt verstanden wird. Man kann davon ausgehen, dass im Bereich der Beleidigung nur ein Bruchteil eines Bruchteils der Fälle gemeldet wird. Melden sich in einem Jahr mal ein paar Personen mehr, ändert das die Zahlen bereits gewaltig.

Mit dem Zahlensalat wird dann wie üblich noch Politik gemacht: 14 Fälle wurden von Tätern "mit vermutlichem Migrationshintergrund" begangen, so das SÜT, das sei überdurchschnittlich. "Aufgrund des sehr geringen Datenumfanges möchten wir jedoch vor voreiligen Schlüssen warnen", schreibt das Überfalltelefon weiter, um dann noch die Simon-Studie, eine Antwort des Bundesfamilienministerium zum Thema Homophobie unter Migranten und Vorfälle in Amsterdam (!) zu erwähnen und Forderungen nach Integrationsanreizen zu stellen.

Die Täter mit Migrationshintergrund seien jünger, schreibt das SÜT, nachdem allgemein die größte Tätergruppe aus dem Bereich 37 Jahre und älter kommt. Könnte das an Stricherkriminalität liegen? Das SÜT teilt es nicht mit, auch eine Nachfrage zur Nationalität der Opfer wird nicht beantwortet. Ob Beziehungstaten unter "Nicht-Deutschen" die Statistiken verzerren, kann also ebenfalls nicht ermittelt werden (beides sind Faktoren, die die weitaus größere Statistik des Berliner Überfalltelefons Maneo ebenfalls unklar beeinflussen).

Das Überfalltelefon fordert die Einrichtung einer bundesweiten Dokumentationsstelle zur Erfassung antihomosexueller Gewalt. Wir meinen: Bitte nicht noch mehr davon. Mit ihrer weiträumigen Erfassung stehen sich die Telefone selbst im Weg. Das SÜT kritisiert den Mangel an Ehrenamtlern, zwischenzeitlich war nur eine Person tätig; es schafft aber einen 19-seitigen Jahresbericht. Die nützliche Aufgabe der Überfalltelefone, Opfer zu betreuen, kann da ins Hintertreffen geraten, bundesweit wird ohnehin nur die Dokumentation gefordert.

Was die Außendarstellung betrifft, wäre es wichtiger und sinniger, man konzentriere sich auf die krassen Fälle, die man ernsthaft als homophobes Hassverbrechen bezeichnen kann. Das SÜT benennt einige Beispiele, die bisher nicht bekannt wurden und zeitnah durchaus Medienberichterstattung, vielleicht auch Handeln ausgelöst hätten. Darunter den Fall eines Försters, der eine Schlägertruppe aufgestellt haben soll, um das Problem cruisender Schwuler auf einem Autobahnparkplatz zu "lösen". Die Männer schlugen auf Schwule ein und zerstörten die Toilettenanlage des Parkplatzes.

Die Pressemitteilung des SÜT und die Statistik in PDF-Form sind online nicht verfügbar



#1 FloAnonym
  • 22.03.2011, 17:08h
  • "Über Stars, die für Interviews in schwul-lesbischen Medien nicht zur Verfügung stehen, selbst wenn sie aus der Szene kommen."

    Ja bitte!

    Dann macht das mal!
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 schwulenaktivist
  • 22.03.2011, 21:07h
  • Ich kann den süffisanten Kommentar durchaus verstehen. Aber weder die heterosexuellen Beratungstelefone, noch die Homosexuellen selber haben ein Interesse an solchen Erhebungen.

    Dann wäre die Frage zu untersuchen, wiederum süffisant, warum ist das so??

    Basel hat vor einiger Zeit ein Projekt vorgelegt, das von der Stadt nicht zur Kenntnis genommen wurde. Ich selber habe in meinem Buchladen Geschädigte kennen gelernt, die von den offiziellen Opferhilfestellen ignoriert, abgewiesen, oder gar nicht erst vorgelassen wurden...

    Inzwischen wird klar, dass auch Männer Gewaltopfer von Frauen werden können.

    Tja, alles politisch nicht korrekt, wie auch der "störende" Migrationshintergrund. Religiöser Hintergrund ist dagegen kein Problem...
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