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Gérard Depardieu und Jérémie Renier spielen den kommunistischen Bürgermeister Maurice Babin und seinen schwulen Sohn Laurent (Bild: Concorde Filmverleih)

Spätestens nach dem triumphalen Start in Frankreich und dem Publikumserfolg auf den Filmfestivals in Venedig und Toronto ist klar: Mit seinem 13. Film, wird François Ozon an den internationalen Erfolg seiner "8 Frauen" anknüpfen. Ozon belebt die patriarchalische Gesellschaft der Siebziger Jahre liebevoll ironisch mit Kostümen, Farben, Ausstattung und französischen Chansons. In den spritzigen Dialogen nimmt die Komödie auch den heutigen französischen Politzirkus und den Präsidenten aufs Korn und gibt der Farce von der Revanche einer Frau eine bissige Aktualität. Im Interview spricht Ozon über sein neues filmisches Schmuckstück:

Was ist das Hauptthema von "Das Schmuckstück"?

Mich reizte schon seit langem, einen Film über die Stellung der Frauen in der Gesellschaft und der Politik zu machen. Als ich vor ungefähr zehn Jahren das Theaterstück "Potiche" von Barillet und Grédy entdeckte, war mir sofort klar, dass es eine gute Vorlage für einen Film sein würde. Aber ich brauchte eine gewisse Zeit, um mir das Stück anzueignen und um herauszufinden, wie ich es adaptieren und modernisieren könnte.

Eine Modernisierung im Look der Siebziger Jahre?

Die Handlung in den 70er Jahren spielen zu lassen, schaffte eine Distanz und erlaubte es uns, im Ton einer Komödie auf die heutige Wirtschaftskrise anzuspielen. Wenn die Handlung heute gespielt hätte, wäre daraus ein ernsterer Film geworden. Aber ich wollte auf keinen Fall der Nostalgie der 70er Jahre und ihrer Klischees erliegen: den Schlaghosen, dem psychedelischen Orange, der sexuellen Befreiung. Ich wollte eine eher realistische Sicht auf die 70er Jahre zeigen. Vor allem weil der Film in einer Kleinstadt spielt, wo die Menschen nicht sofort den neuesten Trends und Attitüden folgen.


Diva Deneuve und Regisseur Ozon bei der Premiere in München (Bild: Concorde Filmverleih)

Die Komödie trägt eindeutig ihre Handschrift, ist aber dennoch anders...

Bei der Verfilmung des Fassbinder-Stücks "Tropfen auf heiße Steine" (2000) ging es um das Eingeschlossen sein und die Gefangenschaft des Paares. Bei "8 Frauen" (2002) war die Idee, Frauen - oder besser gesagt Schauspielerinnen - in einen Käfig zu sperren und dann zu beobachten. "Das Schmuckstück" dagegen erzählt die Geschichte einer Emanzipation. Also mussten wir Suzanne aus ihrem anfänglichen Gefängnis befreien, um sie mit der Außenwelt zu konfrontieren. Bei der Arbeit an der Adaption wurde mir klar, dass ich bloß die natürlichen Erzählstränge des Stücks weiterverfolgen musste, um Anklänge an die heutige Gesellschaft und Politik zu finden. Die Frauen sind zwar heutzutage stärker in der Politik und in den Chefetagen vertreten, aber viele Dinge und Ansichten haben sich in den letzten dreißig Jahren nicht geändert.

Die Originalvorlage ist für das Boulevardtheater gedacht, warum haben Sie daraus ein Melodram gemacht?

Als ich das Stück las, fand ich es sehr witzig, aber am meisten berührte mich die beinahe tragische Beziehung zwischen Suzanne und Babin. Ich habe darin sofort ein melodramatisches Potenzial gesehen: das Vergehen der Zeit, die enttäuschte Liebe, das Altern, eine gewisse Melancholie... Ich liebte die Szene, in der Babin Suzanne vorschlägt, zusammen zu leben, sie aber findet, sie seien zu alt für solche Dinge. Ich spürte, dass man diese Szene ernster und nicht so ironisch spielen sollte wie es in Boulevardtheatern üblich ist. Die ersten Szenen, die die Zuschauer im Theater so zum Lachen brachten, sind in meinem Film besonders grausam. Von Anfang an zu dieser Grausamkeit zu stehen macht die vielen Schicksalswendungen im Laufe des Films umso befreiender. Der Zuschauer soll mitfühlen und sich mit dieser Trophäenfrau identifizieren, "die nicht als Schmuckstück im Regal stehen bleibt". In diesem Sinne ist es ein feministischer Film: er nimmt den Weg der Figur ernst: Man folgt Suzanne, man liebt sie und freut sich über ihre Entfaltung, so wie in den amerikanischen Erfolgsgeschichten. In den für das französische Boulevardtheater typischen leichten Komödien spielt man mit gesellschaftlichen, familiären, emotionalen und politischen Grenzüberschreitungen, aber am Ende kommt jeder wieder auf die Beine. Die bürgerlichen Zuschauer wollen über das Lachen, was ihnen Angst einjagt, aber unter der Bedingung, dass am Ende wieder Normalität einkehrt. In meiner Bearbeitung des Stücks wollte ich die Verhältnisse wirklich verändern: Suzanne findet als Frau einen wirklichen Platz in der Gesellschaft, sie stellt das Patriarchat tatsächlich auf den Kopf und ihr Sohn hat wirklich eine inzestuöse Beziehung.

Youtube | Das Schmuckstück - Offizieller Trailer

Reden wir mal speziell über den Sohn, gespielt von Jérémie Renier. Er ist der schwule Farbtupfer in der Geschichte...

Der Sohn Laurent ist eine typische Figur aus den Komödien Molières. Jacques Demy hat diese Tradition in seinen Filmen aufgenommen: junge Menschen verwickeln sich unschuldigerweise in inzestuöse Liebesgeschichten, bis ein deus ex machina die Spannung auflöst. Ursprünglich sollte Paul nicht homosexuell sein, aber dadurch konnte ich eine letzte Wendung herbeiführen. Ich wollte die Idee vom Inzest auf eine Beziehung zwischen zwei Männern übertragen, die die Frage aufwirft: Ist es auch Inzest, wenn keine Gefahr besteht, ein Kind zu bekommen? Die finale Wendung ist nicht, dass er schwul ist - das merkt man, wie ich glaube, sehr schnell - sondern, dass er unwissentlich eine Beziehung mit seinem Halbbruder hat. Oder auf jeden Fall mit jemandem, der sein Halbbruder sein könnte. Es war wunderbar, zehn Jahre nach "Ein kriminelles Paar" (1999) wieder mit Jérémie Renier zu arbeiten. Ich habe seine Karriere verfolgt und bewundere seine Arbeit als Schauspieler. Ich wollte ihn in diesem Film lächeln sehen, fröhlich, kess und sexy - ganz anders als in den düsteren Rollen, die er normalerweise spielt. Seine blonden Haare und seine schlanke Erscheinung passten ganz hervorragend zum Look der Siebziger Jahre.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 24.03.2011, 17:48h
  • Der Sohn in diesem Film scheint mode- und auch frisurentechnischen in den 70er Jahren hängen geblieben zu sein! Wer hat sich dieses Outfit nur ausgedacht?!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 alexander