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Was Sascha (oben) mit seinem Lehrer treibt, davon darf Papi nichts wissen (Bild: Salzgeber)

Ein 19-Jähriger aus Montenegro, der in Köln lebt, verliebt sich in den Klavierlehrer. Eine wunderbare Tragikomödie startet im Kino.

Von Carsten Weidemann

Tim Bergmann! Klingelt da etwas bei der Nennung des Namens? Schauspieler ist er, richtig! Im Jahr 1995 stieg er gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph M. Ohrt in die Badewanne. Bergmann als knackiger wie stockschwuler Automechaniker Edgar. Ohrt als heterosexueller Macho-Polizist Christoph, der sich unter Edgars Obhut in einen toleranten Softie verwandelt. "Echte Kerle" war eine süße kleine Komödie, die vorurteilsfrei mit Stereotypen spielte.

17 Jahre später ist Tim Bergmann immer noch knackig, doch diesmal schraubt er nicht an verölten Maschinen rum. Stattdessen schlägt er als Klavierlehrer zarte Saiten an. In der Komödie "Sascha", die jetzt in den Kinos läuft, spielt er eine der Hauptrollen. An seiner Seite eine Neuentdeckung: Saša Kekez, geboren 1983 in Troisdorf-Sieglar, kroatisch-serbischer Herkunft, der hier sein Spielfilm-Debüt gibt. Das gilt auch für den Regisseur Dennis Todorovic. Ihm ist ein guter Auftakt im Spielfilm-Genre gelungen.

Die Story: Für Sascha entwickelt sich das Leben gerade verdammt kompliziert! Erst recht, wenn man neunzehn ist, schwul und heimlich verliebt in seinen Klavierlehrer. Schwul sein ist in Köln eigentlich kein Problem, es sei denn, man hatte noch kein Coming-Out, blendet aus, dass der Schwarm nicht sehr vertrauenserweckend ist, wird von der Mutter als Konzertpianist und vom Vater für die Familienheimkehr nach Montenegro verplant.

Youtube | Offizieller Trailer zum Film

Migrant aus Osteuropa im Multikulti-Köln

Und wenn für den Vater Homosexualität eine große Schande und absolutes Tabu ist, die beste Freundin sich etwas mehr von den gemeinsamen Treffen erwartet und der Klavierlehrer verkündet, für immer aus Köln weg zu gehen, dann wird es höchste Zeit, Entscheidungen zu treffen trotz aller Angst vor den Konsequenzen - und es gehört schon eine große Portion Mut dazu, endlich zu sich selbst zu stehen!

Überaus realistisch zeigt Dennis Todorovic auf, dass selbst im angeblich so liberalen und multikulturellen Köln das Coming-out mitunter kein Zuckerschlecken ist. Man merkt, dass dem Regisseur die unterschiedlichen Lebenswelten vertraut sind und dass er es trotz aller Kritik liebevoll betrachtet. Die Charaktere sind glaubhaft, detailgenau gezeichnet und gut getroffen. Geschickt changiert der Film zwischen Migrationsmilieu, Künstler- und Schwulenszene und schafft es, eine emotionale Geschichte über das Erwachsenwerden, schwules Melodram und multikulturellen Familiengeschichte miteinander zu verbinden. Todorovic hat viele seiner eigenen Erfahrungen eingebaut, zieht daraus aber universelle Erkenntnisse: "Es macht nur Sinn über Integration zu sprechen, wenn man ihr auch in allen Facetten ins Gesicht schaut, und gerade in den Missverständnissen und in sprachlichen Eigenheiten sitzt schon der Kulturschock" sagt er. "In den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, aber auch unter den Einwanderern aus diesen Ländern in Deutschland steckt eine Auseinandersetzung mit dem Thema Homosexualität noch in den Kinderschuhen und ist von Ignoranz und Gewalt gezeichnet. Filme wie dieser sind dort bitter nötig. Mein Film ist kein Balkanfilm, inhaltlich aber auch kein rein deutscher Film. Ich kann nur aus meiner eigenen Welt erzählen, einer Welt zwischen den Ländern."


Tim Bergmann (links), spielte 1995 noch den schwulen Automechaniker.

"Sascha" hatte bei den 44. Internationalen Hofer Filmtagen seine Deutschlandpremiere. Der Sounddesigner und Komponist Peter Aufderhaar wurde dort für seine Arbeit mit dem Förderpreis Deutscher Film ausgezeichnet. Auf dem Zinegoak Bilbao Festival erhielt "Sascha" den Hauptpreis für den besten Spielfilm und auf dem Mezipatra Festival Prag den Zuschauerpreis.

In Köln ist "Sascha" in der Filmpalette zu sehen, in Düsseldorf im Bambi.

Galerie:
Sascha, Komödie, D 2010
18 Bilder


#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 giacomoProfil
#3 DirkAnonym
  • 24.03.2011, 21:38h
  • Besonders realistisch wirkt die Rollenbesetzung nicht, ein 19 jähriger sollte von jemandem gespielt werden der in etwa genauso alt ist und nicht von einem Schauspieler der sichtlich dem Teenageralter entwachsen ist.
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#4 Ilovelife
  • 25.03.2011, 02:56h
  • Musikerherzchen sollen ja angeblich sensibel sein. Mal sehen, ob das für den Klavierspieler auch gilt. Kennt noch jemand "Trick" aus den Neunzigern? Da wollte der schüchterne Klavierspieler im Klimperrausch seiner selbstkomponierten Musicals plötzlich vom sexy Gogo Boy oral befriedigt werden. Zumindest da war das zierliche Musikerherzchen ein ziemlich eindeutiger Vorwand für ein anstehendes heftiges Spiel...

    Klingt alles ziemlich brav. Ich mag mich jetzt irren, aber mich nervt da schon wieder diese Jammeratmosphäre, Problemfilmstimmung, alles ist ganz, ganz schrecklich, und in (Süd)Osteuropa sowieso... aber vielleicht reißt Tim Bergmann mit seiner Schauspielkunst wenigstens ein bisschen was raus... für ne Auszeichnung in Hof hats ja anscheinend gereicht
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#5 GayreporterAnonym
#6 XRayXProfil
  • 28.03.2011, 08:29hNürnberg / Ansbach
  • Ich finde es immer nur sehr schade, dass solche Filme immer nur in ausgewählten Kinos laufen.

    Es wäre doch mal toll, wenne es ein solcher Film auch in jedem Kino, zumindest jedem größeren laufen würde.
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