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Am 1. April 2001 öffneten die Holländer den Hafen der Ehe (Bild: Sugar Daze / flickr / by-nd 2.0)

Die Niederlande öffneten vor genau zehn Jahren als erstes Land die Ehe für Schwule und Lesben – in Deutschland müssen sich gleichgeschlechtliche Paare aber noch immer mit einer Ehe zweiter Klasse zufrieden geben.

Von Dennis Klein

Am 1. April 2001 haben sich Helene Faasen und Anne-Marie Thus als erstes homosexuelles Paar das Ja-Wort gegeben. Das Paar wollte mit damit Zeichen setzen: "Es war unser Ziel, Menschen darauf aufmerksam zu machen, wie schrecklich es ist, wenn einem etwas verweigert wird, was für die meisten selbstverständlich ist", erklärte die 44-jährige Faasen anlässlich des Jubiläums gegenüber AFP. "Ein Heterosexueller würde sich niemals Gedanken darüber machen, ob er heiraten darf oder nicht. Er muss einfach Glück haben und die Liebe seines Lebens finden." Heute lebt das Paar mit einem zehnjährigen Sohn, einer neunjährigen Tochter, einem Hund und zwei Kaninchen ganz bürgerlich in der Universitätsstadt Maastricht.

Die Niederlande sind das große Vorbild vieler Homo-Aktivisten: 1998 führte das Land die "Geregistreerd partnerschap" ein. Nur drei Jahre später beendeten die Holländer mit dem Zweiklassensystem bei der Anerkennung von Partnerschaften und öffneten die Ehe für alle. Seitdem sind neun weitere Staaten auf drei Kontinenten dem Schritt Amsterdams gefolgt.

Die Gesetzgebung beeinflusst die öffentliche Meinung


Der LSVD blickt neidisch auf die Niederlande (Bild: Carolina Georgatou / flickr / by-nd 2.0)

Der deutsche Lesben- und Schwulenverband begrüßt die Ehe-Öffnung als Fortschritt für alle Homosexuellen, nicht nur die Heiratswilligen: "Heute sind die Niederlande der Staat in Europa, in dem die geringsten Vorbehalte gegen Homosexuelle bestehen", erklärte LSVD-Sprecher Manfred Bruns und führt das direkt auf die liberale Gesetzgebung zurück. Gleichzeitig bedauert er, dass Deutschland weiter hinter dem Nachbar zurückzufallen droht – und das dank einer einzigen Partei, der Union. Zwar hätten CDU/CSU mittlerweile – wenn auch mit Bauchschmerzen – eingetragene Partnerschaften anerkannt, "sie sprechen sich aber weiter gegen die volle Gleichstellung aus", beklagt Bruns.

Dennoch ist selbst in Holland ist nicht alles eitel Sonnenschein, auch wenn uns unsere Nachbarn einige Schritte voraus sind. So bemängelt die Homo-Gruppe COC Nederland anlässlich des Jubiläums, dass sich Standesbeamte in manchen Gemeinden noch immer weigerten, Schwule und Lesben zu vermählen. "Was wäre los, wenn in diesen Gemeinde auch Ehen mit Juden oder Menschen anderer Hautfarbe verweigert würden", fragte die COC-Vorsitzende Vera Bergkamp rhetorisch. Sie verlangt von Innenminister Piet Hein Donner (CDA) ein Gesetz, das es Standesbeamten verbietet, Ehepaare aufgrund ihrer sexuellen Orientierung abzulehnen.

Nicht nur die Öffentlichkeit, auch Schwule und Lesben stehen selbst nach zehn Jahren der Ehe kritisch gegenüber: So sind nur 20 Prozent der homosexuellen Paare verheiratet – bei Heteros sind es 80 Prozent, wie aus Zahlen der Behörde Centraal Bureau voor de Statistiek hervorgeht. Insgesamt haben in den Niederlanden 15.000 Homo-Paare geheiratet. Sie machen rund zwei Prozent aller Ehen aus, sowie ein Prozent aller Scheidungen – und das ganz unspektakulär: Die apokalyptischen Vorhersagen von katholischen Würdenträgern und von Konservativen, dass die Ehe-Öffnung zu Sodom und Gomorrha sowie zur Vernichtung der Hetero-Ehe führen würde, haben sich in den Niederlanden – oh Wunder – nicht erfüllt.

Umfrage zum Artikel

» Bis wann öffnet Deutschland die Ehe für Schwule und Lesben?
    Ergebnis der Umfrage vom 01.4.2011 bis 11.4.2011


#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 01.04.2011, 10:05h
  • Kinder, wie die Zeit vergeht! Ist es wirklich schon zehn Jahre her? Die Niederlande sind halt mit der Homoehe uns um Jahre voraus!
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#2 GeertAnonym
  • 01.04.2011, 11:15h
  • Die Niederlande sind uns in allem ca. 20 Jahre voraus - in guten und in schlechten Dingen.
    Die Öffnung der Ehe wird in Deutschland wohl erst 20 Jahre nach der Öffnung der bürgerlichen Ehe in den Niederlanden kommen, andererseits fühlen sich in Deutschland die Schwulen zur Zeit noch nicht so von der Gewalt moslemischer Jugendlicher bedroht wie in niederländischen Großstädten. Wenn wir wissen wollen, wie es in 10-20 Jahren in Berlin, Frankfurt und Hamburg aussehen wird, können wir das jetzt schon in den Problemgebieten Rotterdams, Amsterdams und Utrechts beobachten.
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#3 jojoAnonym
  • 01.04.2011, 11:50h
  • schade, dass das mit der neuauflage von sodom und gomorrha nicht geklappt hat. aber ich geb nicht auf. und die vernichtung der hetero-ehe steht bei mir immer noch ganz weit oben auf der agenda. aber nicht vergessen, mädels: das eigentliche ziel bleibt natürlich die endgültige abschaffung aller werte!
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#4 NicoPumpkinProfil
  • 01.04.2011, 14:21hPBG
  • Ik hou van Holland.
    Nicht nur wegen der Homo-Ehe-Sache, sondern einfach weil sie nette Nachbarn sind.
    Wenn man mal für 'nen halben Tag rüberfährt nach Groningen oder Winschoten, sieht man sofort Unterschiede zu Papenburg ;)

    Ich werd' auf jeden Fall immigrieren.
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#5 Timm JohannesAnonym
  • 01.04.2011, 14:45h
  • Wie Manfred Bruns richtig erklärt, haben mittlerweile selbst CDU/CSU die Lebenspartnerschaften anerkannt und akzeptiert: selbst deren Parteiprogramm wurde überarbeitet und modernisiert. Das ist durchaus gesamtgesellschaftlich ein Fortschritt.

    CDU/CSU wehren sich jedoch bei der Gleichstellung dieser Lebenspartnerschaften, wie dies insbesondere derzeit bei der Einkommenssteuer oder im Adoptionsrecht zu beobachten ist.

    Der LSVD fordert richtigerweise die Eheöffnung wie in den Niederlanden und solange es dazu keine Mehrheiten gibt, wird die Strategie des Ausbaus der Lebenspartnerschaften weiterverfolgt: sicherlich dürfte nach Baden-Württemberg auch dort jetzt die Gleichstellung im Landesrecht zügig umgesetzt werden.

    Auf Bundesebene scheint dieses Jahr noch die Verabschiedung der Gleichstellung bei den verpartnerten Bundesbeamten/Soldaten zu kommen: die Erste Lesung war bereits im Dezember 2010. Dann aber wird es anscheinend in dieser Legislaturperiode schwierig werden: sowohl Eheöffnung als auch der Weg einer Einkommensgleichstellung werden von der CDU/CSU im Bundestag blockiert und die FDP stimmt hier nicht gegen ihren Koalitionspartner.

    Die Eheöffnung dürfte wohl erst kommen, wenn die Regierung Merkel 2013 kippen sollte und es für Rot/Grün reicht. Das aber "steht in den Sternen", ob es 2013 eine Ende von Merkel/Westerwelle geben wird: denn bis zur Bundestagswahl wird noch viel an Ereignissen uns "überrennen".

    Da halte ich eher den Sturz von Sarkozy und eine linke Regierungsmehrheit in Frankreich, die dort die Eheöffnung bringen dürfte, derzeit für wahrscheinlicher. An das Ende von Merkel im Jahre 2013 glaube ich nicht, denn selbst wenn die CDU einige Prozente verlieren sollte, wird es dann eine Neuauflage der Grossen Koalition geben und in dieser Kombination wird dann wieder NICHTS geschehen. Das hat die SPD bereits in der letzten Grossen Koalition leider ausreichend unter Beweis gestellt. Eine Eheöffnung wird die CDU/CSU auch in einer Grossen Koalition nicht mitmachen.

    Ob Rot/Grün 2013 eine Mehrheit hat, halte ich derzeit für kaum vorhersagbar. Und an Rot/Rot/Grün auf Bundesebene glaube ich nicht, dazu sind die Inhalte zwischen den dreien Parteien viel zu groß, das kann nicht "gutgehen".
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#6 SarahAnonym
  • 01.04.2011, 16:19h
  • Ehe kann man in Österreich momentan ganz vergessen. Also, egal ob es nochmal CDU/CSU bei euch geben wird, bei uns steht die Hölle an.

    Auf ersten Platz laut einer neuen Umfrage steht die FPÖ. Ausländer raus- die einzige Ideologie mit Plakaten wie z.b bei der Bundeswahl "Daham statt Islam" etc. Die Wortkombination "Wiener Blut" war ebenso sehr interessant. Aber zur schlimmsten Sache komme ich noch- der Obmann bezeichnete 2009 (erst 2010 gab es bei uns Verpartnerungen) Homosexualität als Krankheit. Soweit ich weiß, gab es weder eine Entschuldigung noch sonst einen "entkräftigenden" Kommentar.

    Ja, und dieser Obmann ist der beliebteste Politiker.
    Zumindest momentan. Obwohl er nachweislich in der Jugend zu rechtsextremen Gruppierungen gehörte.

    In dem Licht sind die Niederlande der Himmel.
    Und Deutschland...wohl zumindest eine Spur näher.

    Ich freu mich für Euch!
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#7 HistorikerAnonym
  • 01.04.2011, 17:00h
  • "dass die Ehe-Öffnung zu Sodom und Gomorrha sowie zur Vernichtung der Hetero-Ehe führen würde, haben sich in den Niederlanden - oh Wunder - nicht erfüllt."

    Schade, aber zu erwarten.

    Wenn Schwule dem Zwangskonstrukt der kapitalistischen Kleinfamilie nichts als deren billigen Abklatsch entgegenzusetzen haben.

    Hetero-Ehe und Ehe insgesamt sind aber dennoch auf dem absteigenden Ast, und das ist auch sehr gut so.
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#9 FloAnonym
  • 02.04.2011, 23:24h
  • "Die Gesetzgebung beeinflusst die öffentliche Meinung"

    Und genau deshalb ist die volle rechtliche Gleichstellung (Art. 3 GG, Eheöffnung, etc.) eben auch für diejenigen wichtig, die selbst nicht heiraten wollen.

    Weil eben mit rechtlicher Diskriminierung nicht erwartet werden kann, dass sich die Gesellschaft verändert.
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#10 FloAnonym
  • 02.04.2011, 23:30h
  • Antwort auf #5 von Timm Johannes
  • "mittlerweile selbst CDU/CSU die Lebenspartnerschaften anerkannt und akzeptiert"

    Wozu sie gezwungen wurden. Nachdem jahrelang alle Klagen gescheitert sind und auch die Gesellschaft nicht Schwarz-Gelb folgt, blieb ihnen nichts anderes übrig.

    "ob es 2013 eine Ende von Merkel/Westerwelle geben wird"

    Ich denke, das politische Aus für Westerwelle dürfte schon weit früher kommen.

    "Eine Eheöffnung wird die CDU/CSU auch in einer Grossen Koalition nicht mitmachen."

    Umso wichtiger sind 2 Dinge:
    1. Die FDP unter 5% halten, denn nur so kann man die Union wirksam an ihrer Alleinherrschaft hindern (denn die Schoßhündchen von der FDP machen zum Machterhalt ALLES mit).

    2. Um dann noch eine große Koalition zu verhindern, muss man einfach Grüne und Linkspartei möglichst stark machen. (übrigens sind das die beiden Parteien, die für Homorechte am meisten tun)
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