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Auch wenn nur Prosecco geschlürft wird - der Aufenthalt in der Gay Sauna wird in vielen Gemeinden sexsteuerpflichtig (Bild: Dennis Klein)

Klamme deutsche Kommunen versuchen seit Jahren, neue Einnahmequellen zu erschließen - und besteuern daher auch schwule Saunen, was zu Protesten in der Szene führt. Das zeigt das Beispiel Dortmund.

Von Dennis Klein

Mitte letzten Jahres hat Dortmund die "Vergnügungssteuer für die Einräumung der Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen und das Angebot sexueller Handlungen" erhoben. Die beiden großen Parteien verkauften diese Sonderabgabe in den Medien als Kampf gegen die Straßenprostitution. Nun bedroht die Steuer aber die schwule Szene, weil auch Saunen besteuert werden: Betreiber drohen inzwischen offen damit, aus der Stadt abzuziehen. Das über 2.000 Quadratmeter große Jumbo-Center hat reagiert und ab dem 1. April ihre Öffnungszeiten drastisch reduziert - statt sieben Tage die Woche bleibt die Sauna nur noch drei bis vier Tage geöffnet.

Jumbo-Betreiber Richard Scherff begründet das mit den Kosten: Die Stadt verlangt nun pro Monat rund 4.500 Euro pro Monat an Sexsteuer - egal, ob Gäste kommen oder nicht und zusätzlich zur Umsatzsteuer und anderen Abgaben, die der Betrieb ohnehin zu zahlen hat. Nach Einführung der Steuer hatte er bereits den Eintrittspreis von elf auf 13 Euro erhöht, um die zusätzlichen Kosten zumindest teilweise aufzufangen - das führte jedoch zu einem Besuchereinbruch. Nun reagierte er und schränkte das Angebot notgedrungen ein: "Wir müssen an langsamen Tagen schließen", so Scherff gegenüber queer.de. "Dortmund ist keine Stadt mit einem Potenzial wie Düsseldorf oder München. Hier gibt es etwa viel mehr Hartz-IV-Empfänger, die sich das Geld einteilen müssen." Er denkt nun darüber nach, die Sauna zu verkleinern, da die Steuern nach der Fläche berechnet werden. Auch in anderen Städten wie Köln oder Duisburg gibt es derartige Vergnügungssteuern, die aber meist unter den Dortmunder Sätzen liegen und teilweise anders berechnet werden.

Sex keine Ware, aber trotzdem besteuert


Das Jumbo-Center bittet um Verständnis

In der Dortmunder Szene ist man über die Methode der Haushaltskonsolidierung empört: "Die Stadt Dortmund sieht nicht ein, dass in der schwulen Szene in solchen Lokalitäten Sex nicht als Ware gehandelt wird, sondern wenn, dieses unentgeltlich zwischen den Gästen geschieht", erklärte Dirk Killing vom Fetischclub MSC Rote Erde Dortmund. Schließlich ist im Jumbo-Center - wie in den meisten schwulen Saunen - gewerblicher Sex verboten. Die Einnahmen erzielt der Betrieb einzig aus dem Eintrittspreis und dem Verkauf von Getränken. Killing warnt davor, dass so die schwule Szene in der Ruhrgebietsmetropole "vernichtet" wird: "Was hier geschieht ist der Anfang vom Ende der schwulen Infrastruktur in Dortmund".

Auch der Dortmunder Bundestagsabgeordnete Michael Kauch (FDP) hat sich in den Streit um die Sexsteuer eingeschaltet: "[Die Steuer] bringt
der Stadtkasse wenig Geld, aber viel Kontrollaufwand", erklärte Kauch im Interview mit dem Homo-Magazin "Fresh". Schlimm sei, so der Liberale, dass in dieser "Provinzposse" auch "Existenzen der Betreiber gefährdet werden".

Szene-Aktivisten befürchten nun Auswirkungen für die Aids-Prävention. Immerhin arbeiten die Saunen in der Region mit den Aids-Hilfen zusammen und bieten kostenlos Kondome sowie Gleitgel an. "Nun ist es abzusehen, dass sich die Gäste wieder vermehrt auf Dortmunds Parkplätzen, öffentlichen Toiletten und Parkanlagen nach Gleichgesinnten umschauen", glaubt Killing. Dort haben die Männer keinen Zugang zu Präventionsinformationen oder Kondomen. Der Aktivist ist sich sicher: "In Folge dessen wird sich die Neuinfektionsgefahr im Dortmunder Raum drastisch erhöhen."



#1 ichbinkatholischAnonym
  • 04.04.2011, 16:16h
  • tja, wenn mann sonst nicht weiss, wie mann seine freizeit verbringen soll. armselig!
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#2 Zuzo DoAnonym
  • 04.04.2011, 16:19h
  • Dortmund ist ein gutes Beispiel wie wenig sich um die Belange homosexueller Prostituierter gekümmert wird.
    Der Strassenstrich wurde in Dortmund verboten und alle reden nur von den weiblichen Huren.
    Die Gegner bemängeln das die Huren jetzt keine "offizielle" und einigermaßen sichere Arbeit mehr haben ( wobei man beim Strassenstrich natürlich nicht von sicher sprechen kann wenn man in ein fremdes Auto steigt!) und die Befürworter sehen die ausbeuterische Lage der Huren.

    Obwohl Dortmund eine der größten Stricherszenen NRW`s hat assozieieren die meisten mit Strassenstrich ausgebeutete Frauen und kaum einer interessiert sich für die Lage der männliche Prostituierten, obwohl diese von einem Prostitutionsverbot genauso betroffen sind wie die weiblichen!
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#3 vingtans
  • 04.04.2011, 16:28h
  • also da ich zu den schwulen gehöre die saunagänger eher belächelt, stört mich die steuer nicht im geringsten.

    man hat das gefühl die schwule szene bestünde eh nur aus fickshuppen.
    was sind da ein paar mehr oder weniger?!
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#4 RobbyAnonym
  • 04.04.2011, 16:33h
  • Eine Provinzposse die seinesgleichen sucht mit Sicherheit und rückt auch gerade schwule Amüsierbetriebe wieder in die Rotlichtecke.

    Aber die Befürchtung der Szeneaktivisten und AIDS Hilfe finde ich eher theatralisch als realistisch.
    Die großen Zeiten der Szenebars und Saunen ist doch längst vorbei. Wenn man heute unter der Woche z.B. in Köln oder Berlin ausgeht ist eher Geisterbahn statt Party angesagt. Gespentstische Leere in den meisten Kneipen die Saunen sind auch schrecklich leer.
    In Köln haben Traditionskneipen Insolvenz angemeldet andere sind nach dem Auscheiden der Pächter ganz verschwunden
    Am Wochenende sind die Läden zwar halbwegs gut gefüllt so sah es vor ein paar Jahren noch unter der Woche aus und am Wochenende war kein reinkommen mehr.

    Der urbane Schwule von heute zückt sein Smartphone und sucht sich das Schmankerl für den abend direkt auf dem Heimweg oder spätestens dann zuhause online.
    Das Problem lautet nicht Hartz IV sondern eher "blaue Seiten" und ich kann mir nicht vorstellen das die "Klappen" wiederbelebt werden wenn es auch komfortabler geht ich muss mich ja nicht mal bewegen wenn ich was machen will.
    Die Chatsysteme sind die Onlineshops der sexuellen Wunscherfüllung, wozu brauche ich das dann noch offline wenn ich online alles ins Haus bestellen kann ? Beziehung inklusive.

    Irgendwann wird die schwule Szene wieder feststellen das es auch ein Leben offline gibt nur dann dürfte es zu spät sein und die meisten Instutituonen werden verschwunden sein und ob man die dann wieder aufbauen kann wage ich zu bezweifeln.
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#5 FlorianAnonym
  • 04.04.2011, 17:05h
  • ich finde es schade das es so vielen schwulen nur um sex geht. das kneipen- und saunensterben zu zeiten des internets beweisen es.
    spass am gemeinsamen feiern, unternehmungen u.v.m. mache ich ab und zu, neben ausgehen in "hetero"kneipen, gerne in der schwulen szene weil es auch mal schön ist "unter sich" zu sein.
    dieses zwanghafte jetzt gehe ich raus nicht zum feiern, sondern nur um was zum ficken zu suchen, kann ich nicht nachvollziehen.
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#6 AnyoneProfil
  • 04.04.2011, 17:18hDortmund
  • Saunen sind ein wichtiger Bestandteil der schwulen Subkultur. Ja, die emanzipierte Tunte des heutigen Jahrtausends begegnet potentiellen Partnern nicht in der KLappe, Parkplätzen oder in Saunen. Aber vergesst bitte nicht die Familienväter, Leute die einfach Bock auf Sauna haben und ficken wollen, Partner die gemeinsam in der Sauna Spaß haben wollen, den Bauern vom Lande und und und ....
    (Möchte jetzt nicht noch jedes Fetisch aufzählen)
    Die Sauna für den Herrn gibt es übrigens bereits über 2.000 Jahre ... (die blauen Seiten sterben bereits nach noch nicht mal 10 Jahren)
    Es kotzt mich an, wenn auf neopolitischen Umwegen versucht wird schwule Saunen zu schließen ... und es kotzt mich noch mehr an, wenn die Tunte von heute nicht mehr für ihre Rechte kämpft.
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#7 Katrin
  • 04.04.2011, 17:43h
  • Gute Ideen für Steuereinnahmen sind nunmal ein florierender Arbeitsmarkt für Unternehmensberater. Wir sollten auch mal in den Kirchen eine Sexsteuer einführen: Fürs unters Röckchen greifen und in die Hose langen.
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#8 BingoAnonym
  • 04.04.2011, 17:57h
  • Antwort auf #7 von Katrin
  • "Fürs unters Röckchen greifen und in die Hose langen."

    Die weit überwiegende Zahl der Missbrauchsopfer in den Kirchen sind zwar Jungen, aber klar das Frauen als erstes an die armen unterdrückten Mädchen/Frauen denken.
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#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 04.04.2011, 18:00h
  • Die "Sexsteuer" ist nichts Neues. Vergangenes Jahr wurde sie in Köln eingeführt. Weshalb Dortmund nachzieht, ist mir ein Rätsel!
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#10 chrisProfil
  • 04.04.2011, 18:48hDortmund
  • Also was die hier in der Umgebung von Dortmund momentan treiben ist schon eine echte Dummheit. Die Diskussion um das Geschäft mit dem Sex wird bei uns vor allem in der Lokalpresse breit getreten. Neben der Sexsteuer machen die nun noch den Straßenstrich dicht. Die Prostituierten werden jetzt einfach im Untergrund verschwinden und man verliert den Überblick und die halbwegs gute Sicherheitslage, die den Frauen bis jetzt noch zur Verfügung steht. Das alles angeblich, zum Schutz der Familien. Und die Dortmunder Szene, die man als "gewöhnlich" Husche ohne spezielle "Vorlieben" eh schon fast suchen muss, wird durch die Besteuerung mit Sicherheit auch nicht vielfältiger.
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