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  • 28. Juli 2004, noch kein Kommentar

Der amerikanische Künstler Robert Mapplethorpe war oft als schwuler Pornograf dargestellt worden. Seine Fotos mit nackten Menschen in teilweise sexuellen Posen waren zuviel des Guten für so manchen prüden US-Bürger. Einige Museen sagten daher in den 80er Jahren Ausstellungen ab. Der republikanische Kongress-Abgeordnete Dick Armey hat die Bilder 1989 als "moralisch verwerflichen Müll" bezeichnet und wollte deswegen gleich sämtliche staatliche Kunstförderung stoppen; der texanische Multi-Millionär war kein unbedeutender Provinzpolitiker - von 1995 bis 2001 war er Präsident des Repräsentantenhauses und hatte damit einen der einflussreichsten Positionen in Washington inne. Trotz des Widerstandes ist der 1989 an Aids verstorbene Künstler inzwischen fast universell als einer der größten Fotografen des 20. Jahrhunderts anerkannt.

Das Deutsche Guggenheim präsentiert daher in seinen Ausstellungsräumen Unter den Linden bis zum 17. Oktober "Robert Mapplethorpe und die klassische Tradition: Fotografien und manieristische Druckgrafik". Hinter dem komplizierten Titel versteckt sich ein faszinierender Vergleich von Mapplethorpes Werk mit der klassischen Kunst, genauer gesagt der Druckgrafik des so genannten niederländischen Manierismus. Das war ursprünglich eine italienische Kunstströmung, die sich nach dem Tod des Malers Raffael 1520 entwickelte. Anders als bei den idealisierten Bildern der Hochrenaissance, die auf Gleichgewicht und Harmonie wert legt, zeigen Manieristen eine bewegte Dynamik - so waren die klassischen Proportionen nicht mehr wichtig. In den über 120 Exponate zählenden Ausstellung sind Werke von Meistern wie Hendrick Goltzius, Jacob Matham und Jan Saenredam vertreten.

Die energie- und gefühlsgeladene Macht der Liebe und des Eros, die die Manieristen in vielen ihrer Kunstwerke feiern, bestimmt auch das Schaffen Robert Mapplethorpes. Der von immenser Leidenschaft für den menschlichen Körper geprägte Künstler bezeichnete die Fotografie einmal als "perfekte Methode Skulpturen zu machen". Selbst das, was von Kritikern als "Schweinkram" bezeichnet wird, kann er damit in eine kunstgeschichtlich relevante Sprache fassen. Seine Bild-Kompositionen zeigen verschiedenartige menschliche Gesten, die von der Perfektion Michelangelos bis zur Eleganz des 18. und 19. Jahrhunderts reichen. (dk)

"Robert Mapplethorpe und die klassische Tradition: Fotografien und manieristische Druckgrafik", Ausstellung bis zum 17. Oktober 2004 im Deutschen Guggenheim, Unter den Linden 13/15, 10117 Berlin. Täglich 11-20h, Do. bis 22h. Eintritt: 3 € (ermäßigt: 2 €), Montags Eintritt frei. Kostenlose Führung täglich 18h.

Bilder: Robert Mapplethorpe Foundation.

28. Juli 2004