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Tabu-Thema Pädophilie: "Als Jonathan starb" erzählt die Beziehung zwischen dem 27-jährigen Maler Jonathan und dem 8-jährigen Serge

Schwere Kost: Mit der unkritischen Neuausgabe von Tony Duverts Pädophilen-Roman "Als Jonathan starb" verklärt der schwule Männerschwarm Verlag den Missbrauch von Kindern.

Von Angelo Algieri

Er bezeichnete sich selbst als pädophil und homosexuell. Der französische Autor Tony Duvert (1945-2008) machte um seine Neigung für Jungs keinen Hehl. In seinem Essay "L'enfant au masculin", das er 1980 veröffentlichte, schreibt er, dass er mit mehr als 1.000 Kindern und Jugendlichen - ab sechs Jahre aufwärts - Sex gehabt habe. Dennoch bekam er 1973 für seinen Roman "Paysage de fantaisie" den renommierten Literaturpreis "Prix Médicis". Darin geht es um Kinder, die der Prostitution zur Verfügung stehen. Duvert hatte für diesen Preis einen bekannten Befürworter: der Semiologe und Schriftsteller Roland Barthes. Doch schon am Abend der Preisverleihung gab es Streit zwischen ihnen - das Thema: Pädophilie.

Nun ist im Männerschwarm Verlag Tony Duverts fünfter Roman "Als Jonathan starb" erschienen. In Frankreich wurde er 1978 veröffentlicht. Bereits 1984 übersetzte der Berliner Verlag rosa Winkel diesen Roman - er diente für die 2011er Ausgabe als Vorlage. Übersetzer und Verleger Joachim Bartholomae hat diese Vorlage teils neu übersetzt, teils neu redigiert.

Die Hippie-Mutter überlasst ihren Sohn einem Pädophilien

In Duverts einzig ins Deutsche übersetzten Roman geht es um eine Beziehung zwischen dem 8-jährigen Jungen Serge und dem 27-jährigen Maler Jonathan. Barbara, die Mutter von Serge, möchte ihr Hippie-Leben ausleben und fährt nach Amerika. Ihren Sohn überlässt sie Jonathan. Dieser lebt in einem Haus an einem Dorf - mitten in der französischen "Pampa". Dennoch langweilt sich Serge nicht: Er spielt im Garten und macht einige Versuche, darunter wie er Regenwürmer oder Schnecken in einer Dose brät. Mit Jonathan versteht er sich gut und charakterlich scheint Serge gefestigter zu sein: Er ist weniger aufmüpfig als mit seiner Mutter. Abends schlafen Jonathan und Serge in einem Bett - sie kuscheln nicht nur, sondern haben Sex. So vergehen die Tage, ohne dass beide ein Wort über ihre sexuelle Beziehung verlieren.

Die Mutter kommt erst nach Monaten unangekündigt zurück und holt Serge ab. Jonathan sieht sich nun alleine. Er fühlt sich nutzlos, trinkt und schreibt Briefe. Doch es sollte knapp zwei Jahre dauern bis Serge zu Jonathan zurückkommt. Sie unternehmen wieder viel: Serge erzählt ihm eine gemalte Geschichte, sie gehen ins Freibad, sind jeden Tag in der benachbarten Stadt, kaufen Comics. Anfangs schläft Serge in einem Bett mit Jonathan, später in einem eigenen Bett. Der Sex läuft mal abends, mal spontan. Die Tage vergehen schnell, bis Serge zurück muss. Doch das Kind haut bald von Zuhause ab und will zu Jonathan - doch wird Serge je ankommen?

Pädophiler Sex wird verklärt und verharmlost


Tony Duvert, Jahrgang 1945, starb 2008 einsam in seinem Haus in Frankreich (Bild: Les Éditions de Minuit)

Es ist schwere Kost: Inhaltlich wird pädophiler Sex verklärt und verharmlost. Die sexuellen Handlungen werden zunächst allgemein als "sich lieben" beschrieben und enden im Roman konkreter mit Penetration Jonathans im Arsch des Kindes. Doch Duvert geht noch weiter: Er schreibt dem Kind den ersten Schritt zu, Sex zu wollen. "Ekelhaft!", möchte man zurufen - gerade wenn man bedenkt, dass Duvert selbst pädophil war.

Wer jetzt an Nabokovs "Lolita" denkt und diesen mit Duverts Roman gleich setzt, ist falsch beraten. Lolita ist zum einen eine frühreife 12-Jährige, zum andern überhöht Nabokov Sex und Prostitution mit Minderjährigen nicht. Zudem spricht Nabokov meisterlich andere Themen an. Duvert hingegen propagiert ganz klar den Sex mit Kindern und idealisiert ihn. Seine Kritik an bourgeoise Links-Alternative wirken plump und plakativ.

Zu verstehen allenfalls im Zeitgeist der Siebziger

Duverts Erfolg in Frankreich ist mit dem Zeitgeist der 70er Jahre zu verstehen. In Folge der 68er Revolte entstand nicht nur die Schwulenbewegung, sondern mit ihr die Pädophilenbewegung - etwa die Indianerkommune in Deutschland. Diese Bewegungen wurden vom links-alternativen Lager unterstützt. So sahen viele Links-Intellektuelle in Duverts Romane mit dem Mittel der Pädophilie eine Gesellschaftskritik gegenüber einer autoritären und sexuell-unfreien Gesellschaft.

"Als Jonathan starb" kann deshalb nur im historischen Kontext gesehen werden - als Zeit- und Emanzipationsdokument. In unserer Zeit jedoch, hat Duverts Roman ausgedient. Denn die glorifizierende Pädophilie mutet den Opfern von Kindesmissbrauch Hohn und Spott an. Gerade nach den Kindesmissbrauchsfällen von Dutroux, in katholischen Einrichtungen oder in der Odenwaldschule, hätte ich mir mehr Sensibilität vom Verlag gewünscht: etwa mit einem kritischen Nachwort - gerade um Missverständnisse zu vermeiden. Dass zusätzlich im Klappentext das Wort Pädophilie kein einziges Mal fällt, ist nicht nur beschämende Verharmlosung, sondern rückt den schwulen Verlag ungewollt in ein schlechtes Licht!

Tony Duvert: Als Jonathan starb. Aus dem Französischen von Joachim Bartholomae, nach einer Vorlage von François Pescatore. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2011. 224 S., 19 €



#1 BurgerBerlinProfil
  • 08.04.2011, 15:08hBerlin
  • Danke für den Hinweis auf die extrem verwerfliche Sichtweise der links-intellektuellen in den Siebzigern.
    Phädophilie ist grundsätzlich eine zu verurteilende Straftat an Kindern. Dies gilt für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Da muss auch eine entsprechende Kritik an der damals von vielen links-intellektuellen propagierten Freiheit erlaubt sein, bzw. sie darf nicht verschwiegen werden. Es ist letztendlich egal, ob sich ein „Links-intellektueller“, Lehrer oder ein Mitarbeiter einer Kirche sich an Kindern vergreift. Es gibt keine bessere oder schlechtere Phädophilie – es ist ist schlicht ekelhaft und Strafbar !!
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#2 Geert
  • 08.04.2011, 15:11h
  • Auf ein solches Buch haben die Kampf-Katholiken und Kampf-Evangelikalen in unserem Land geradezu gewartet! Damit lässt sich wunderbar aufzeigen -sozusagen schwarz auf weiss- wie schädlich und pervers Homosexualität ist!
    Mehr davon!
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#3 MinkAnonym
  • 08.04.2011, 15:22h

  • Es gibt keine Einvernehmlichkeit zw. einem 6Jährigen und einem Erwachsenen Sex zu haben. Missbrauch ist sex. Gewalt, ist Folter. Kinderpornografie ist zur Schau gestellte Folter! Diese Folter im Roman zu verklären leistet Kinderfolterern die irrige Rechtfertigung!!!
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#4 SejulenAnonym
  • 08.04.2011, 15:41h
  • Ja wenn der Anfangs wirklich 8 ist, das ist heftig. Aber trotzdem fällt wieder der unterschiedliche Umgang auf:

    Es ist zum kotzen das Lolita als Weltklasseliteratur gilt und niemanden interessiert das es sich um ein Kind handelt ( und mit 12 ist man auch noch ein Kind!) und das im Gegesatz dazu wenn es um einen Jungen geht das Thema viel empfindlicher bewertet wird.
    Mit dem Wort "frühreif" lässt sich viel entschuldigen, was hat vor allem die körperliche Frühreife mit der geistigen zutun? nix!
    Ich wette wenn Thomas Manns " Tod in Venedig"
    Sex zwischen dem Jungen ( der ähnlich alt ist wie das Mädchen in "Lolita") und dem Mann beinhaltet hätte, dann hätten sich die Leute wesentlich mehr empört und es wäre nie so berühmt geworden wie Lolita, wo es auch um Sex geht.
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#5 anonymusAnonym
#6 dummfugAnonym
  • 08.04.2011, 15:50h
  • Eigentlich bin ich der festen Überzeugung, dass immer dann, wenn 2 Menschen etwas gemeinschaftlich freiwillig tun, ohne andere Menschen oder sich selbst zu stören oder zu verletzten, es ganz allein ihre Sache ist, was sie tun.

    1) Ein 8jähriger kann meines Erachtens garantiert nicht völlig verstehen, was Sex genau ist und bedeutet. Ebensowenig wie ein Kindersoldat verstehen kann, was er mit der Waffe in der Hand tut (man Denke nur an den die letzten Monate des Volkssturms oder die Kindersoldaten in Afrika), kann ein Kind in dem Alter nicht erkennen, was eine sexuelle Zuwendung bedeutet und für Konsequenzen im späteren Leben nach sich zieht.
    2) Noch viel schlimmer: Dem Erwachsenen ist diese Tatsache aber vollständig bewusst, und er verdrängt sie oder verbrämt sie und handelt trotzdem so. Das ist zutiefst verachtenswert.
    Er befriedigt seine eigenen Bedürfnisse unter vollständiger Missachtung der Schäden, die er dem Kind zufügt. Das ist niemals Liebe, wer liebt, will nicht verletzen sondern mag viel lieber leiden.

    Darum brauchen Kinder Schutz. Natürlich sind die Grenzen fließend zwischen Jugendlichem und Mann aber die deutschen Regelungen sind mir lieber als die amerikanischen, wo jeder Staat sein eigenes Süppchen kocht und teilweise Eheschließungen schon ab 12 Jahren erlaubt sind.

    Bücher darf man weder verbrennen noch verbieten, mit Sicherheit aber darf man den Zugang erschweren. Es gibt viele Romane, in denen die Durchführung von Straftaten in allen Einzelheiten dargestellt werden und in denen Verbrechen falsch dargestellt werden oder verteidigt werden. Aber wenn ein literarisches Werk vom Inhalt so zweifelhaft ist, kann der künstlerische Wert niemals so hoch sein, das er zur Auszeichnung gereicht. Und in diesem Fall versucht der Autor wohl gar nicht erst, sich zusammen mit dem Leser zur Problematik auseinanderzusetzen, sondern glorifiziert anscheinend kommentarlos die Pädophilie.

    Vielleicht mag das die Diskussion anregen, aber es schadet. Es schadet misshandelten Kindern - nach dem Motto: Das ist doch nicht schlimm, es geschah aus Liebe. Es schadet sogar dem Täter, statt professioneller Hilfe gibt es nur Abscheu. Es ruft Phantasien wach und beflügelt vielleicht. Es gibt Gegnern Argumente und verhindert objektive Betrachtungen und heizt nur gefühlsgeladene Diskussionen auf. Und erst recht ist es wahrer Zündstoff für diejenigen, die noch nicht einmal zwischen Homosexualität und Pädophilie unterscheiden können.
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#7 MuhahaAnonym
  • 08.04.2011, 15:52h
  • Ein schwieriges Thema,trotzdem muss mal drüber gesprochen werden,einerseits kann sich ja kein Mensch aussuchen auf was er steht,anderseits kann und darf es keine ausgelebte Pädophilie geben,warum steht ja ausser Frage.
    Vielleicht sollte man damit anfangen die Begriffe "Pädophiler" und "Kinderschänder" zu unterscheiden.Denn ich denke mal dass nicht jeder Pädophiler Kinder vergewaltigt,und im Umkehrschluss dass nicht jeder Kinderschänder pädophil ist
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#8 ArthasAnonym
  • 08.04.2011, 16:19h
  • Ich werde diesen Verlag solange boykottieren bis er dieses ekelhafte Buch rausnimmt.
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#9 sortirAnonym
  • 08.04.2011, 16:27h
  • Antwort auf #1 von BurgerBerlin
  • Angelo Algieri:

    "Diese Bewegungen wurden vom links-alternativen Lager unterstützt."

    und dann:

    "Seine Kritik an bourgeoise Links-Alternative wirken plump und plakativ."

    Können Sie sich darauf einen Reim machen?
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#10 joshiProfil
  • 08.04.2011, 16:37hBerlin
  • sowohl bei den bisherigen kommentaren als auch bei dem queer-artikel scheinen mir die autoren mehr darum bemüht zu sein umso eher dieses buch zu verurteilen, damit es auch ja nicht benutzt wird um den "normalen" schwulen zu schaden. das ist unser aller nicht würdig, finde ich.

    ich habe dieses buch nicht gelesen - kann also konkret dazu nichts sagen, allein sich damit in einem buch zu beschäftigen, finde ich mutig.
    bei geschätzt 30% der kinder, die die sexuellen Tätigkeiten Erwachsener in diesem Land mindestens einmal in ihrem Kindesleben ertragen müssen, bräuchte es wahrscheinlich mehr als ein buch um das zu verarbeiten. übrigens meistens heterosexuell, wenn man den kinderschutzorganisationen so zuhört.

    aber hier ist ja alles sofort tabuisiert. und das spiegelt sich auch hier wieder. ich bin gegen jede art von gewalt, gerade mit sexuellem part.
    unsere kinder werden vom babyalter an mit heterosexuellen inhalten konfrontiert und das bei leibe nicht gewaltlos, auch wenn dies meist psychische wunden sind. wo ist euer aufschrei bei 99% aller kinderbücher?
    und zudem nicht alle kinder müssen zwingend sexuell unzurechnungs- und handlungsfähig sein bis sie erwachsen sind, es mag selten sein und man muß den einzelfall dann sehr genau ansehen, aber die bestimmtheit mit der hier argumentiert wird geht mir zu weit. Kann es sein dass sich ein kind in einen erwachsenen verliebt? keine ahnung, aber ausschliessen und von vorneweg verurteilen? das hätten andere leute vor 30 jahren auch problemlos mit uns gemacht und tun es zum teil heute noch.
    kurz, klar es ist ein schwieriges thema, aber hier hätte ich der queer redaktion mehr vorsicht gewünscht. gerade minderheiten neigen aber wohl dazu gegen andere die am pranger stehen besonders ungnädig zu sein....
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