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  • 11. April 2011, Noch kein Kommentar

Rudolf Brazda ist vermutlich der letzte noch lebende Zeitzeuge, der im KZ den rosa Winkel tragen musste

Die Biografie des schwulen KZ-Überlebenden Rudolf Brazda: "Das Glück kam immer zu mir"

Rudolf Brazda, geboren 1913, ist vermutlich der letzte noch lebende Zeitzeuge, der wegen Homosexualität in einem Konzentrationslager inhaftiert war. Alexander Zinn hat seine bemerkenswerte Lebensgeschichte aufgeschrieben. Es ist die erste Biografie eines Homosexuellen aus der NS-Zeit, die sowohl auf persönlichen Erinnerungen als auch aus Akten aus der Zeit beruht.

Rudolf Brazdas Lebensgeschichte ist ebenso erschütternd wie erstaunlich. Kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung lernt er seine erste große Liebe kennen und lebt mit seinem Freund offen zusammen - sogar eine Hochzeit feiern sie. Ab 1937 geraten jedoch auch sie in die Verfolgungsmaschinerie der Nationalsozialisten. Sie werden verhaftet und Brazda 1942 nach Buchenwald verschleppt. Optimismus, Humor und viel Glück ermöglichen es ihm, Verfolgung und Terror zu überleben und das Grauen auszuhalten.

Bis heute hat Rudolf Brazda keine Entschädigung erhalten

Alexander Zinn verbindet die persönliche Biografie mit der Geschichte der Verfolgung von Homosexuellen während des Nationalsozialismus - eine Geschichte, die 1945 noch nicht zu Ende war. Der Paragraf 175 blieb bis 1969 in der durch die Nationalsozialisten verschärften Fassung bestehen, Homosexuelle wurden erst spät als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt. Eine Entschädigung hat auch Rudolf Brazda bis heute nicht erhalten.

Die nationalsozialistische Homosexuellenverfolgung ist bislang nur lückenhaft aufgearbeitet. Die Geschichte von Rudolf Brazda steht für eine Verfolgtengruppe, deren Schicksal fast ein halbes Jahrhundert ignoriert wurde. Das Werk von Alexander Zinn trägt dazu bei, die Lebensbedingungen und die Verfolgung Homosexueller im "Dritten Reich" weiter aufzuklären. Es möchte die Homosexuellen dem Vergessen entreißen und all jenen ein Denkmal setzen, die später in die Mühlen der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie gerieten.

Alexander Zinn: "Das Glück kam immer zu mir". Rudolf Brazda - Das Überleben eines Homosexuellen im Dritten Reich, 356 Seiten, 31 s/w-Abb., Campus Verlag, Frankfurt 2011, 24,90 €



Rudolf Brazda gestorben

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