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Die so genannte Ex-Gay-Bewegung, die die "Heilung" von Homosexualität verspricht, bläst zum Angriff in den USA.

Von Dennis Klein

Randys Geschichte ist herzzerreißend: Schon früh verließ sein Vater die Mutter und so wuchs er "ohne den körperlichen Kontakt auf, den nur ein Vater geben kann". So erfuhr der arme Junge nie "die Bestätigung, ein richtiger Mann zu sein." Dann kam es, wie es kommen musste: Ein älterer Kollege zeigte plötzlich Interesse am kleinen Randy, "er konnte mich formen, wie er wollte." Und das tat er auch: "Die gelegentliche Berührung hat schnell zu Sex geführt und als ich 19 war, wurde ich von mindestens drei anderen älteren Männern sexuell missbraucht." Aber er konnte nichts machen, denn er war selbst ein "Gay". Bis ihm die Wohltätigkeitsorganisation Exodus half: Sie machte ihn zum "Ex-Gay", einem geheilten Schwulen, und endlich konnte er die Welt und die Liebe Gottes wieder genießen. Und wenn er nicht gestorben ist...

Exodus war diese Geschichte soviel wert, dass die Organisation sie jetzt auf einer ganzseitigen Anzeige in der "Los Angeles Times" veröffentlichte. Bei der Zeitung (Auflage: über eine Millionen) haben sich über 200 Leser über diese "Hassanzeige" beschwert. Die "L.A. Times" steht jedoch weiter hinter der Annahme dieser Werbung. "Gruppen müssen unsere Werbestandards einhalten und ihre Aussage auf legale und verantwortungsvolle Weise kommunizieren", so die Zeitung lapidar. Exodus habe diese Vorgaben eingehalten.

Konservative Grundstimmung in den USA

Exodus will derlei Werbeaktionen jetzt verstärken, da seit der Wahl George W. Bushs zum Präsidenten konservative Strömungen in Amerika an Gewicht gewonnen haben. Dutzende von Gruppen drängen sich inzwischen auf der Markt der Schwulenheiler, Exodus ist die größte und bekannteste. Sie wurde bereits 1976 von in der Kirche aktiven "Betroffenen" gegründet. Heute gehören nach Angaben der Organisation über 100 Gruppen in den USA und Kanada zu Exodus.

Die Argumentation ist stets die Gleiche: Homosexualität ist nicht angeboren, sondern das Ergebnis der Umwelt verursacht durch eine Abwesenheit oder Schwäche der Vaterfigur. Da Homosexualität von fast allen Kirchen als Sünde angesehen wird, war es für die Organisation leicht, junge Christen zu rekrutieren und ihnen ein Zuhause geben. Statt schwulem Schweinkram seien "warmherzige Umarmungen zwischen heterosexuellen Männern" an der Tagesordnung, so die Exodus-Webseite. Dadurch könnte endlich ein "normales Verhältnis zwischen Männern" erreicht werden.

Ex-Gays in Deutschland

Die Ex-Gay-Welle ist auch nach Deutschland herübergeschwappt. Der damals 36-jährige Günter Baum gründete bereits 1994 die "Selbsthilfeinitiative Wüstenstrom". Er war zuvor mit dem Anführer der amerikanischen Gruppe "Desert Stream" zusammengetroffen, einer besonders fundamentalistischen Variante der Ex-Gay-Bewegung. In einem fünftägigen Crashkurs bildete er fortan Seelsorger aus, die "Wege aus der Homosexualität" aufzeigen sollten. Heute erinnert er sich: "Das machte mir auch Bauchschmerzen, weil ich merkte, da ist keinerlei Hintergrund in Form von psychologischem Grundwissen da." Für eine Beratungsstunde soll die Organisation aus dem schwäbischen Tamm "Spenden" in Höhe von 30 bis 90 Euro verlangen, so Insider.

Baum hat alle Beratung nicht geholfen: Er fühlte sich zwar als "Mister-Ex-Gay-Germany", seine sexuelle Orientierung änderte sich jedoch nicht. Als es dann nach zwei Jahren zu einem "sexuellen Ausrutscher" kam, wurde er aus der Initiative ausgeschlossen - und landete direkt in der Psychotherapie. Damit war er jedoch in guter Gesellschaft: So hat Exodus-Mitbegründer Michael Bussee 1979 die Gruppe verlassen und ist mit Exodus-Koordinator Gary Cooper "durchgebrannt" - die beiden Rebellen heirateten später.

Im Jahr 2000 wurde dann der Vorsitzender der Organisation, John Paulk, in einer Schwulenbar in Washington D.C. gesichtet. Besonders heikel: Er war so etwas wie der Exodus-"Posterboy" und mit einer nicht minder prominenten "Ex-Lesbe" verheiratet. In der Bar sei er jedoch "nur mal pinkeln" gegangen und habe nicht gewusst, dass dort auch Homosexuelle verkehrten, sagte er tags darauf verdutzt der Presse. Später gab er zu, dass er Männer treffen wollte - 13 Jahre nach seiner "Heilung".

29. Juli 2004, 17:14 Uhr



22 Kommentare

#1 rogerAnonym
  • 29.07.2004, 18:18h
  • vielleicht sollte ich auch eine organisation gründen......
    denn ich bin der meinung, das heterosexualität geheilt werden kann!!!!

    welchen schwachsinn lassen sich die amis denn demnächst einfallen einfallen????
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#2 OlafAnonym
#3 meronAnonym
  • 30.07.2004, 12:05h
  • dazu ist nur eines zusagen
    <<<.....wenn auch die Seele im Elend versinkt,hauptsache das Gold in die Kasse springt<<<
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#4 manniAnonym
  • 30.07.2004, 21:50h
  • Amerika ist halt immer noch das Land der unbegrenzten Moeglichkeiten........
    UM KNETE ZU MACHEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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#5 Jörg WegenerAnonym
  • 02.08.2004, 09:14h
  • Ich schließe mich der Meinungen an: Amerika versucht aus allem Kohle zu machen.Sie versuchen uns mit ihrem Popcornkino eine Welt vorzukaukeln,die es so in Amerika gar nicht gibt.Das Gegenteil ist der Fall.Jeder der FAHRENHEIT 9/11 gesehen hat,weiß wovon ich spreche.Wenn Amerika das Land der unbrenzten Möglichkeiten wäre-wären Schwule freier als sonstwo auf der Welt.Hier in Deutschland haben wir es recht gut.
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#6 StephenAnonym
  • 02.08.2004, 15:48h
  • Hallo, ich habe den Artikel über Exodus und die sogenannte \"Heilung der Homosexualität gelesen\". Ich habe die amerikanischen konservativen Christen ja schon lange für etwas seltsam gehalten, aber was da abgeht, ist schon nicht mehr feierlich! Was haltet ihr von einem öffentlichen Brief an Exodus mit folgendem Inhalt:

    Hi,
    I am not gay and I believe in the love of Jesus Christ. I believe, that the bible isn´t writen by god or jesus (and in fact, it isn´t!). It is simply writen by man. Jesus only tells us to love each other, forgive each other, do good things to each other and live in peace. Everything else only reflects the way (and opinions) of human life from 2000 years ago. Jesus tells us, that unbelieveable things could be done, only by the love of human beings. Remember the priest Maximilian Kolbe, who died in a Concentration Camp in Nazi-Germany (1936 - 1945), to save the live of a father of two sons. This man deserves our respect and should always be kept in mind as a shining example. And this is what I call real Christianity! This PSEUDO-CHRISTIANITY what you practise, because your mind is too poor that it can´t acquire to the thought, that life is something colorfull, dissolves me with pity. It´s sad to know, that christians still burn men and women at the stake (in a verbal way) because they are different, rather said gay. And while you are reading this, thousands about the success of your \"way out of homosexuality\". I tend to doubt your way.
    Yours sincerely,of women, children and men in the third world are suffering from starvation, war and hate. And still you do absurd witch-hunt instead of keeping your eyes open for the real scourges of mankind. Only imagine, how many children still could be alive, if only you had given your money for the third world, instead of advertising your campaigns about \"healing from gay\". Ask Michael Bussee or Gary Cooper about the success of your \"way out of homosexuality\". I tend to doubt your way.
    Yours sincerely, Stephan.
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#7 Astrid OhletzAnonym
  • 02.08.2004, 18:37h
  • Günter Baum leitet inzwischen übrigens die Organisation Zwischenraum; wer mal reinschauen mag: www.zwischenraum.net.

    Astrid
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#8 DeeJayAnonym
  • 03.08.2004, 23:14h
  • Exodus..da werden dann direkt dicke Geschütze schon mit dem biblischen Namen dieser zweifelhaften Gruppierung aufgefahren. Ich bin nicht bibelfest, aber wenn ich richtig liege, ist Homosexualität in der Bibel eher im Alten Testament verpöhnt - im Neuen ist es nur Paulus, der dauernd mit erhobenem Zeigefinger durch die Bibelverse (sch)wirrt. Jesus himself äußert sich, meines geschmälerten Wissens, nirgends weder abfällig noch zustimmend zur Homosexualität - er rettet aber einer Ehebrecherin das Leben und ist mit einer Hure befreundet - beide nach dem Alten Testament genau so sündige Menschen wie "ein Mann, der neben einem anderen Mann liegt".
    Ein bißchen sehr umgangssprachlich, aber für mich haben die amerikanischen Fundamentalisten ordentlich einen an der Klatsche. Schön, was Stephan dazu geschrieben hat - würde ich unterschreiben.

    Ganz interessant, dass in diesem Augenblick, in dem ich es schreibe, sich auf Vox die Serie "Six Feet Under" mit dem Thema "Schwule und Kirche" beschäftigt - ein (vermeintlich) schwuler Pfarrer soll die Gemeinde verlassen, weil Gott sein Liebesleben nicht gutheissen kann. Der schwule David, Diakon in der Gemeinde, outet sich bei dieser Beratung und seine Stimme soll bei der (Ab)wahl des Pfarrers nicht gezählt werden. Um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, die bei Einschalten des Bischofs auftreten könnten, legt der Pfarrer dem Diakon nahe, von seinem Amt zurück zu treten - nicht ohne anzumerken, dass er nur für schwul gehalten werde. Der Diakon tritt nicht zurück.
    Amerika ist schon strange - die o.g. Serie, die sich sehr und teilweise recht offenherzig mit Homosexualität beschäftigt (und das in einem recht ungewöhnlichen Kontext), wurde bereits mehrfach in den USA mit Preisen überhäuft.
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#9 DavidAnonym
  • 05.08.2004, 14:34h
  • Das die Kirche nicht merkt, das die sich widerspricht. Zum einen dürfen Schwule nicht Priester werden. Zum anderen soll Homosexualität abänderbar sein, bzw. eine freie Entscheidung.
    Nun, dann braucht sich der schwule Priester einfach für die Asexualität zu entscheiden, oder wie?
    ich dachte der Priester hat asexual zu sein und nicht hetero- oder homosexuell.
    Auch das das Verhalten, was man ja ändern möchte, gerade auf die Gehirnwäsche beruht und deshlb behandelt werden soll. Erst wird den Leuten in der Erziehung eingebleut, wie falsch das doch ist, dann wird sie von den Betroffenen heimlich ausgelebt und sofort mit Schuldgefühlen belastet, und daraufhin soll man davon geheilt werden können.
    Klar, wie sollen die den mit ihrer Sexualität glücklich sein, wenn das als nicht richtig
    erkannt wird.
    Einfach pervers! Nicht die Homosexualität ist krank und therapiebedürftig, sondern die Homophoben und denen, denen das als Krankheit eingebleut wird.
    Wann kommen die Wunderheiler, die einen von der "falschen Hautfarbe
    "erlösen"?
    DAS ist nicht normal!
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#10 andyAnonym
  • 11.08.2004, 08:17h
  • ich liebe jesus und ich bin schwul. niemand hat mich verführt und mit zehn habe ich meinen schulkameraden im winterlager "verführt" . ich habe mit ihm bewusst geschlaffen und ich wußte , was ich tue und was ich möchte . jesus liebe ich sehr und kein ami und fanatischer in deutschland kann mir liebe zu jesus betrüben.und darauf kommt es nur an . ich habe einen freund und ich bin glücklich .ich bin geil und danke dafür jesus sehr , daß ich meine homosexualität habe . vielleicht würden wir eine organisation gründen , die egoismus und haß unter den menschen vertreibt ??
    das wäre eine coole alternative.
    andy
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