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(Bild: Dominic's pics / flickr / by 2.0)

Wenn die Schubladen nicht mehr stimmen. Neue Ufer erkunden mit "Happy Together", der queer.de-Beziehungsserie, Teil 9.

Von Carsten Weidemann

Lange Zeit war B. mit Männern glücklich. Erfahrungen mit Frauen hatte er zwar in seiner Pubertät sammeln können, doch später wurde ihm doch klar: Mit den Kerlen klappt es besser, sowohl im Bett als auch in der Beziehung. Die Eltern machten keinen großen Stress, als sie erfuhren, dass ihr Sohn lieber mit Männern zusammenlebt. B. nutzte gern die Szeneläden, um Leute zu treffen. Mit seinem schwulen Bekanntenkreis ging er gern auf das Verzaubert-Filmfestival. Das Coming-out ließ sich als insgesamt gelungen und abgeschlossen betrachten. B. galt überall als der schwule B.

Doch dann passiert es: B. trifft in seinem Job - in einem schwul-lesbischen Betrieb - auf A, diese unglaubliche Power-Frau. Und die Liebe schlägt ein. Bei beiden. Für das Paar, das sich da frisch gefunden hatte, war all das kein großes Problem. Auch A hatte in der Vergangenheit Erfahrungen sowohl mit Männern wie mit Frauen gehabt. Höchst irritiert reagierte dagegen das Umfeld. "Ich dachte, du bist schwul?" Den vermeintlich plötzlichen "Sinneswandel" wollte zunächst kaum einer glauben.

Die sexuelle Orientierung ist Teil der eigenen Identität. Wenn Schwule und Lesben ihren Coming-out-Prozess durchlaufen, rückt ebendiese Orientierung in den Mittelpunkt. Sie kann sehr prägend sein, vor allem, wenn eine homophobe Umwelt das eigene "So Sein" negiert. Das ist wohl der Hauptgrund, warum jemand, der sich bislang als schwul oder lesbisch bezeichnet hat und dann aus dieser Schublade ausbricht, für Verwirrung sorgt. Die "monosexuelle" Norm in unserer Kultur wirkt auch "andersrum" bis in die Community hinein.

Offen sein für das, was einem das Herz rät

Beziehung, Liebe und Sexualität zu Menschen beiderlei (biologischen) Geschlechts aufbauen zu können, ist eigentlich etwas Wunderbares. Wer bi ist, dem stehen wesentlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Es gibt einem die Chance, wesentlich freier und selbstbestimmter sein Beziehungsleben zu gestalten. Wer sich nur in der einen Schublade aufhält, der wird mit Sicherheit einige Erfahrungen nicht machen.

Nach der Selbsteinschätzung der Befragten in repräsentativen Studien zu urteilen, ist Bisexualität unter Frauen in westlichen Industriestaaten weiter verbreitet als unter Männern. Darüber hinaus geben Menschen mittleren Alters bisexuelle Neigungen häufiger an als Personen jüngeren Alters. Hierbei könnte es sich um einen Generationeneffekt handeln, da die Häufigkeit homosexueller Handlungen unter männlichen Jugendlichen laut einer Studie des Instituts für Sexualforschung an der Universität Hamburg in den letzten 30 Jahren von etwa 18 Prozent auf zwei Prozent gesunken ist. Erklärt wird dies unter anderem mit Befürchtungen, als "Schwuler" zu gelten.

Wichtig ist es, sich von Identitätszwängen und Beziehungsnormen, die einem von außen aufgedrückt werden, zu befreien. Es ist völlig egal, das Mutti sich jetzt doch wieder Hoffnungen macht wegen möglicher Enkel, und es ist nicht wichtig, dass das Label "schwul" oder "lesbisch" aus Sicht der Freunde nicht mehr passt. Wichtig ist, was einem das eigene Herz sagt. Wenn die Schmetterlinge im Bauch einen Aufruhr starten, sollte man ihnen folgen. Das zweite, das bisexuelle Coming-out läuft dann auf jeden Fall einfacher.

Wöchentliche Umfrage

» Sex mit dem anderen Geschlecht?
    Ergebnis der Umfrage vom 18.4.2011 bis 25.4.2011


#1 Grete ItaliaAnonym
#2 hardcumgirlProfil
  • 16.04.2011, 22:44hHusum
  • Schubladen können manchmal hilfreich sein. Um dem was man ist einen Namen zu geben und auch, um Gleichgesinnte zu finden.

    Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht von ihnen einsperren lässt.
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#3 bisexismusAnonym
  • 16.04.2011, 22:58h
  • Antwort auf #1 von Grete Italia
  • na, wunderbar!

    soll das jetzt das neue umerziehungsprogramm für schwule werden?

    macht euch mal locker, denn sonst habt ihr ja nur die halbe chance, "spaß" zu haben. und zudem könntet ihr ganz viel "verpassen"!

    nämlich genau das, was die gesellschaft uns allen immer aggressiver als vermeintlich unwiderstehlich "sexy" verkauft und ohnehin von kleinauf als norm einhämmert.

    wann schreiben sich leute wie der autor dieser komplexhaften darlegung bisexueller überlegenheit endlich hinter die ohren:

    wir leben NICHT in einer "monosexuellen kultur", sondern in einer HETEROsexistischen kultur! wer noch nicht einmal das begriffen hat, empfiehlt sich nicht gerade als (selbst-) bewusster sexueller "aufklärer" oder "erzieher"!

    auf den punkt gebracht wird es in folgendem absatz des obigen artikels:

    "Beziehung, Liebe und Sexualität zu Menschen beiderlei (biologischen) Geschlechts aufbauen zu können, ist eigentlich etwas Wunderbares.

    [Heißt im Umkehrschluss: Beziehung, Liebe und Sexualität nicht zu Menschen beiderlei biologischen Geschlechts aufbauen zu können, ist nicht wunderbar, oder was?!]

    Wer bi ist, dem stehen wesentlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung.

    [ein wirklich unschlagbares argument - denn wer will nicht "mehr möglichkeiten"?? ich selbst scheiße auf eure möglichkeiten! kapiert endlich, dass mich eure hetero-kacke nicht interessiert!]

    Es gibt einem die Chance, wesentlich freier und selbstbestimmter sein Beziehungsleben zu gestalten.

    [schwule und lesben können also niemals so frei und selbstbestimmt sein wie "bisexuelle", denn freiheit von der heterror-norm zählt nicht!]

    Wer sich nur in der einen Schublade aufhält, der wird mit Sicherheit einige Erfahrungen nicht machen.

    fazit: das uralte argument "die richtige ist halt noch nicht gekommen" in neuer verpackung. schwule führen eben nur ein schubladendasein - kein wunder, dass sie nie ihre "traumfrau" /"powerfrau" treffen. das erinnert an das argumentative niveau religiöser terroristen, die schwule in umerziehungslager stecken!

    kurz gesagt: "bisexualität" ist einfach in jeder hinsicht der beschränkten homosexualität überlegen!

    jetzt haben wir also schriftlich, was viele schon lange vermuten: so sieht sie aus, die schöne neue "freie" welt, die schwule in der "community" erwartet, wenn sie nicht endlich aufwachen und mit ihrer emanzipation als schwule und männer weiterhin auf halber strecke stehenbleiben!
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#4 eMANcipation*Anonym
  • 16.04.2011, 23:12h
  • Antwort auf #1 von Grete Italia
  • Ich denke, dass nach der Lektüre des obigen Artikels die allermeisten jetzt verstanden haben, was für eine langweilige, beschränkte, Lebens"chancen" verringernde und unfreie Schubladenexistenz Schwule und Lesben führen. Das war ja überdeutlich.

    Wenn die Urheber solcher Botschaften tatsächlich die Solidarität der schwul-lesbischen Community mit Bisexuellen fördern wollen, was ja in letzter Zeit verschiedentlich in genau derselben Tonlage und mit ähnlichen Worten anklang, würde ich diese Strategie allerdings nochmal gründlich überdenken.
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#5 Ilovelife
  • 17.04.2011, 00:29h
  • Keiner hat eine Kugel, die einem was über die Zukunft verrät. Kenne zumindest niemanden. Solange mir nicht irgendwelche Umpoler erzählen, dass frau/mann eine "Veränderung" von der Homo- zur Heterosexualität durchleben kann bzw. aus "religiösen" Gründen ja auch durchleben muss, mit der Bisexualität als so eine Art Brücke: heiteres Geschichtchen zum Wochenende.

    So und falls jemand hier einwerfen sollte, dass ja sowieso alle Mensche Bi sind, freue ich mich auf Eure 296 Kommentare und den entsprechenden genialen Zickenkrieg. Schönes Wochenende!
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#6 Schwul u. freiAnonym
  • 17.04.2011, 00:41h
  • Antwort auf #2 von hardcumgirl
  • "Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht von ihnen einsperren lässt."

    Keine Sorge, ich werde mich ganz sicher nicht in die Schublade "bisexuell" einsperren lassen, nur weil das denen, die sich da verorten, ein Gefühl der Überlegenheit verschafft (das sie, psycho-/soziologisch vielsagend, offensichtlich bei jeder Einlassung zu ihrer sexuellen Identität brauchen).
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#7 daVinci6667
  • 17.04.2011, 00:55h

  • "Hierbei könnte es sich um einen Generationeneffekt handeln, da die Häufigkeit homosexueller Handlungen unter männlichen Jugendlichen laut einer Studie des Instituts für Sexualforschung an der Universität Hamburg in den letzten 30 Jahren von etwa 18 Prozent auf zwei Prozent gesunken ist. Erklärt wird dies unter anderem mit Befürchtungen, als "Schwuler" zu gelten."
    Einfach nur erschreckend! Hab zwar gehört, dass diese Prozentzahl gesunken sein soll, aber 2% heisst ja wohl, dass der Druck sich zu verstecken und zu verleugnen unter Jugendlichen massiv zugenommen hat! Weniger als früher sind wir kaum geworden.

    Zum eigentlichen Thema des Artikels: Ja, ich persönlich kann mir vorstellen mich auf seelisch-emotionaler Ebene in eine Frau zu verlieben. Man möchte dann einfach gerne viel Zeit mit einer symphatischen, lieben Person verbringen. Ich glaube sowas kann jedem unabhängig der eigentlichen sexuellen Orientierung geschehen. Leider klemmen da aber viele Hetero-Männer bei anderen Männern sofort ab, weil das zu verwirrend für sie wäre. Wir Schwule sind da meist offener, auch gegenüber Frauen. Wichtig ist rauszufinden was einen bei der anderen Person so anzieht. Femininen sexuellen Reizen gegenüber bin ich eindeutig immun. Nur mit Männern kann ich beides ausleben.
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#8 gruppenzwangAnonym
#9 marley
  • 17.04.2011, 01:18h

  • naja das kommt halt vor dass man das Ufer ein zweites mal wechselt,einige haben wohl ein problem damit,ich versteh nur nicht warum.vielleicht kann es mir hier jemand erklären
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#10 FindeAnonym
  • 17.04.2011, 02:31h
  • "Wichtig ist was einem das eigene Herz sagt."

    Der entscheidende Satz. NUR darauf kommts an.
    Ob man nun bi oder schwul ist. Das zählt.
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