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Aus und vorbei: Keine Freudenschreie und kein Sekt mehr bei den Gay Games in Köln (Bild: Norbert Blech)

Die Gerüchte über einen bevorstehenden Insolvenzantrag haben sich leider bestätigt. Jetzt reden die Gay Games-Macher und benennen Gründe für das Defizit.

Von Carsten Weidemann

Statt mit zehn musste man mit vier Millionen Budget auskommen. Am Ende fehlen der games cologne gGmbH etwa fünf Prozent dieses Budgets, also umgerechnet rund 200.000 Euro. Das geringe Budget sei der Wirtschaftskrise geschuldet, die viele potentielle Sponsoren zurückgehalten habe. Zudem seien Ausfälle durch Diebstähle und nicht eingehaltene Verträge zu beklagen. Das ist die Kurzversion der Analyse, die Geschäftsführerin Annette Wachter jetzt vorlegte.

Die ideellen Erfolge der schwul-lesbischen Spiele im Sommer 2010 "spiegeln sich leider nicht in den Finanzen der games cologne gGmbh wider", heißt es in einer am Ostersonntag verteilten Presseerklärung. Queer.de dokumentiert unten die Passagen zu den Gründen der finanziellen Krise.

Aus der Pressemitteilung: Erschreckende Diebstähle, gebrochene Verträge

Die Kölner Gay Games und vor allem die Planungsphase fielen in die Zeit einer weltweiten Wirtschaftskrise. Kosten stiegen, Sponsoren blieben aus. Unternehmen, die Kurzarbeit anmelden oder Mitarbeiter entlassen mussten, hätten ihren Angestellten und Aktionären nicht vermitteln können, dass sie Geld für das Sponsoring einer Großveranstaltung ausgeben wollten. Teilweise wurden unterschriftsreife Verträge in letzter Minute gestoppt. Die Weltwirtschaftskrise beeinflusste auch die Teilnehmerzahl. Aus zahlreichen Gesprächen und E-Mails wissen wir, dass potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die unsicher in ihre persönliche berufliche Zukunft blickten, schweren Herzens von einer Reise nach Köln absahen. Die Zahl von knapp 10.000 Anmeldungen wurde vor diesem Hintergrund von allen Beteiligten und auch den internationalen Verbänden als großer Erfolg gewertet. Die ursprünglich erhoffte Zahl von 12.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnte jedoch nicht erreicht werden.

Die Planungen der Kölner Gay Games wurden im Laufe der Jahre an diese veränderte Situation angepasst. Während sich die ursprünglichen Budgetplanungen auf zehn Millionen Euro beliefen, wurden diese nach und nach reduziert. Zuletzt wurde mit einem Gesamtbetrag von vier Millionen Euro kalkuliert, der durch die Teilnehmergebühren, zugesagte Zahlungen und Lizenzen gedeckt war.

Durchführbar waren die Gay Games nur durch den unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz der zum Schluss etwa 300 Menschen im Organisationsteam, die teilweise mehr als fünf Jahre neben ihrem Beruf die Planung der Spiele voran trieben und während der Gay Games rund um die Uhr arbeiteten. Unterstützt wurden sie von über 2.600 Volunteers, die in der Gay Games-Woche ca. 10.000 Arbeitsstunden leisteten. Sie alle waren und sind das Herz der Gay Games, ohne die eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht denkbar ist.

Unvorherzusehende Kosten und ausgebliebene Zahlungen führten schließlich dazu, dass die games cologne gGmbH zahlungsunfähig wurde.

Beispielsweise wurden nach der Tragödie bei der Loveparade in Duisburg, bei der nur eine Woche vor den Gay Games 21 Menschen starben und viele weitere zum Teil schwer verletzt wurden, die Sicherheitsanforderungen für die Eröffnungsfeier der Gay Games durch die Behörden neu definiert. Dadurch entstanden Kosten in fünfstelliger Höhe.

Schockierend war für die Organisatorinnen und Organisatoren auch das Ausmaß der Diebstähle, die sie nach den Gay Games zu bilanzieren hatten: Computer, Funkgeräte, Fahnenmasten, Bierbänke und vieles mehr - die Gesamtsumme belief sich auf einen weiteren Betrag in fünfstelliger Höhe, für den keine Versicherung eintritt.

Darüber hinaus blieben zugesagte oder vertraglich vereinbarte Zahlungen in sechsstelliger Höhe aus. Teilweise konnten oder wollten Partner ihre Lizenzzahlungen nicht erfüllen, da sie selbst mit höheren Einnahmen kalkuliert hatten.

Das Defizit beträgt insgesamt etwa fünf Prozent des Budgets. Bis zuletzt bemühte sich die Geschäftsführerin der games cologne gGmbH, Annette Wachter, ausstehende Zahlungen einzutreiben und den noch verbliebenen Verpflichtungen nachzukommen, von denen in den Monaten nach den Gay Games auch ein Großteil erfüllt werden konnte.

Leider sahen wir zuletzt jedoch kaum noch Handlungsmöglichkeiten, so dass wir gezwungen waren, den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Wir haben die Hoffnung, dass es dem Insolvenzverwalter eventuell noch möglich ist, einen Teil der ausstehenden Beträge zu realisieren und zur Deckung der verbliebenen Verpflichtungen zu nutzen.



#1 Geert
  • 24.04.2011, 13:05h
  • Warum muss es überhaupt "Gay Games" geben? Es gibt ja auch keine extra Spiele für Moslems, Juden, Linkshänder und alleinerziehende Mütter.
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#2 SahraWarenknechtAnonym
  • 24.04.2011, 13:21h
  • Der BDI ist ein Frühindikator für die Weltwirtschaft. Andere Indizes bilden dagegen spätere Stufen der wirtschaftlichen Entwicklung ab, wenn aus den Rohstoffen Halbfertig- oder Fertigprodukte entstanden sind.
    Je größer die Anzahl der zu verschiffenden Güter ist, desto größer ist die Nachfrage und desto höher der Verschiffungspreis. Eine Aufwärtsbewegung des BDI signalisiert einen Anstieg des globalen Handels, eine Abwärtsbewegung das Gegenteil.
    Für die letzten 5 Jahre "5Y" anklicken.

    www.bloomberg.com/apps/quote?ticker=BDIY:IND
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#3 Ilovelife
  • 24.04.2011, 13:43h
  • Watt? Weltwirtschaftskrise? Ich dachte, die ist vorbei. Warum nicht gleich E10?

    Dann hieße es: nicht wenige LGBTs... die unsicher in die Zukunft ihres Automobils blickten, schweren Herzens von einer Reise nach Köln absahen, weil sie trotz der tollen Hochglanzanzeigen in "Gay-Mags" ihr Fahrzeug ruiniert, die Lebensmittelpreise hochgetrieben haben und außerdem gar nicht wussten, wer im Fall von E10-Schäden die Haftung übernimmt
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 24.04.2011, 14:25h
  • Schade, daß die Organisatoren Insolvenz anmelden mußten! Die nächsten Olympischen Sommerspiele sind ja schon nächstes Jahr in London und es wird bestimmt der eine oder andere schwule bzw. die eine oder andere lesbische Teilnehmer(in) geben!
    Trotzdem bleibt abzuwarten, ob die Veranstalter der nächsten Gay Games finanziell mehr Erfolg haben werden.
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#5 treuhandAnonym
  • 24.04.2011, 15:08h
  • privatisierung. unglaublich - "Computer, Funkgeräte, Fahnenmasten, Bierbänke"- die liberalen schrecken wirklich vor nichts zurück.
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#6 marley
#7 jojoAnonym
  • 24.04.2011, 16:13h
  • Antwort auf #1 von Geert
  • weil diskriminierungsfreie "schutzräume" immer noch sinnvoll sind, solange man außerhalb von ihnen angestarrt wird wie ein tier im zoo, sobald man sich so verhält, wie es für jeden heterosexuellen selbstverständlich ist.
    linkshänder haben solche probleme ja nicht unbedingt... und was die juden angeht, bist du schlecht informiert:
    de.wikipedia.org/wiki/Makkabiade

    wenn der sport ein anlass ist, um einen weiteren solchen freiraum zu schaffen, der gleichzeitig auch noch internationale kontakte ermöglicht, dann frage ich mal zurück: warum sollte es keine gay games geben?
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#8 Geert.Anonym
  • 24.04.2011, 19:00h
  • Antwort auf #7 von jojo
  • Es geht nicht darum, Freiräume zu schaffen, denn das ist nur ein anderes Wort für Ghettos!
    Es geht darum, dass sich Schwule und Lesben unter die anderen Sportler mischen und dabei selbstbewusst auftreten. Schwule Sportveranstaltungen sind kontraproduktiv. Sie verfestigen nur die Diskriminierung.
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#9 FlorianAnonym
  • 24.04.2011, 19:55h
  • die gay games sind was zum fremdschämen.
    wer gut ist soll sich für die richtigen wettbewerbe qualifizieren, aber sportgames extra für schwule und lesben sind unnötig und mit dem was ich von den gay games im fernsehen gesehen habe kann ich mich mit den albernen leuten nicht identifizieren. kann natürlich sein das es im tv bewusst klischeehaft gezeigt wurde, aber wer an sportwettkämpfen teilnimmt sollte eine sportliche mindestleistung erbringen.
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#10 jojoAnonym
  • 24.04.2011, 21:34h
  • Antwort auf #8 von Geert.
  • nein, ghetto ist eben KEIN anderes wort für schutzraum.

    ich glaube, dass du da einen gegensatz aufbaust, den es gar nicht wirklich gibt.

    wer zu einem schwul-lesbischen sportwettbewerb geht, der bleibt deshalb ja nicht automatisch allen anderen wettbewerben fern, und erst recht verhält er sich deswegen nicht automatisch weniger selbstbewusst, wenn er dann wieder woanders unterwegs ist.

    für mich ist sogar das gegenteil wahr: in räumen, in denen wir uns nicht permanent unter "beobachtung" fühlen und keine sanktionen befürchten müssen, wenn wir uns selbstverständlich zeigen, können wir selbstbewusstsein erlernen. gerade für die jeweils nachwachsenden generationen finde ich solche räume immer noch wichtig.

    und teilweise geht es dabei einfach um entspannung. selbstbewusstsein in einer tendenziell feindlichen umgebung ist anstrengend. manchmal will man das einfach nicht haben. wo ist das problem?

    natürlich hast du recht, dass es wichtig ist, im "wahren leben" selbstbewusst aufzutreten. aber das wird m.e. durch parallele schutzräume in keiner weise behindert, sondern wie gesagt sogar eher begünstigt.
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