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Lässt seine Protagonisten verschiedene "Auswege" aus der schwulen Midlife Crisis erkunden: Peter Rehberg (Bild: Ralf Rühmeier)

Leben wie die Heten, Selbstmord oder Jugendwahn? In seinem neuen Roman "Boymen" beschäftigt sich Peter Rehberg mit dem Älterwerden.

Von Angelo Algieri

"Ja, ich hab Angst, alt zu werden", so sang schon die Theatergruppe Brühwarm mit Rio Reiser Ende der Siebziger. Und weiter: "Mit 30 biste draußen" aus der Szene, so die Angst des 24-jährigen Ich-Erzählers im Lied "Mittendrin im Jugendrausch". Doch was heißt dies für unsere Zeit? Ist mit 30 eine Grenze erreicht? Wie verhält man(n) sich, wenn man(n) älter wird? Wann fängt der "Ernst des Lebens" an? Oder heißt es gerade für Schwule, um nicht älter zu werden: jung sterben?

Mit diesen und anderen Fragen des Älter- und Erwachsenwerdens beschäftigt sich der 45-jährige gebürtige Hamburger und Wahl-Berliner Peter Rehberg in seinem neuen Roman "Boymen". Anders als in Manntolls' Lied, verlagert Rehberg das kritische Jahr um zehn Jahre nach hinten. Sein Protagonist Felix ist 39 Jahre alt, lebt in der Provinz im US-Bundesstaat New York und lehrt am College von Ithaca Deutsche Literatur. Sein Freund hat mit ihm Schluss gemacht. Felix vertraut seinen Gefühlen den neuen Kollegen Anna und Marco an. Doch was soll Felix mit dem Leben anfangen? Will er so ein Leben führen wie sein Ex-Freund Jack: Karriere machen, ein eigenes Haus in einer Vorstadtidylle haben und heterolike leben? Nein, dieses Leben möchte Felix nicht - aber eine Alternative hat er für sich auch nicht. Felix lässt sich für ein Semester krank schreiben, um sein Leben neu zu ordnen.

Im Sex-, Drogen- und Muckibudenrausch

So fliegt er nach San Diego zu einem Kongress: Er möchte über Kontakte einen neuen Job. Doch er hat keine Lust dazu. Stattdessen lernt Felix den zwanzigjährigen Clay über Gayromeo kennen. Felix erlebt unter der warmen Wintersonne San Diegos, am Hausstrand Clays, ein Liebes- und Drogenrausch - ganze zwei Monate lang. Bis Clay unerwartet Selbstmord begeht. Er wollte jung sterben. Ein schwerer Einschnitt für Felix. Er fährt daraufhin nach New York - und verarbeitet dort mit Anna sein Trauma und der dringenden Frage: Was soll aus mir werden? Kann ich noch ein "jugendliches" Leben mit 40 führen? "Macho-Marco" - der sich als bisexuell entpuppt - und die "Sexhauptstadt" Berlin sind seine Rettung. Felix gerät diesmal in einen Sex-, Drogen- und Muckibudenrausch. Doch ist das, was er will? An seinem 40. Geburtstag hört er mit dem exzessiven Leben auf - er möchte vorerst eine Pause machen. Und sich vielleicht neu verlieben.

In tagebuchähnlichen und realistischen Eintragungen zeichnet Autor Rehberg treffend einen widersprüchlichen Protagonisten und Ich-Erzähler unserer Zeit. Rehberg versteht es verschiedene "Auswege" aus dieser Midlife Crisis zu beschreiben. So entscheidet sich der Ex-Freund von Felix ein heterolikes Leben zu führen. Nach dem Motto: mein Haus, mein Freund, mein Auto. Während Twen Clay sich dem Älterwerden entzieht und Selbstmord begeht. Felix wiederum probiert den Lifestyle von Jack und genießt die Jugendlichkeit von Clay und stellt fest, dass er einen anderen Weg vorerst geht: in Berlin Macker werden wie Marco. Rehberg dekliniert anschaulich den verschiedenen Umgang schwuler Männer mit dem Älterwerden.

Felix pendelt zwischen den Gegensätzen hin und her


Rehbergs Roman ist im Hamburger Männerschwarm Verlag erschienen

Doch der Autor geht weiter: Er zeigt zusätzlich die Bandbreite von Felix' Widersprüchlichkeiten. Nachvollziehbar sind sie nicht immer - allerdings steht Rehberg in bester postmoderner literarischer Tradition. Felix pendelt zwischen Gegensätzen: Erwachsensein vs. Pubertät, Liebe vs. Sex, Karriere vs. Job, hetero vs. schwul, Drogen vs. Nüchternheit, Gesundheitswahn vs. Selbstzerstörung, jung bleiben vs. älter werden - diese Liste ließe sich weiter fortführen. Diesem Ping-Pong-Druck, der sowohl von der Hetero- als auch von der schwulen Welt ausgeübt wird, lässt Felix ständig die Positionen von einem zum anderen Extrem hüpfen. Bipolarität statt eines Sowohl-als-auch.

Wer jetzt einen großen literarischen Wurf erwartet oder gar eine Handlungsanweisung für Midlife-Crisis-Betroffene, der sollte besser den Philosophen Seneca "Von der Kürze des Lebens" lesen. Auch die Schriftsteller Oscar Wilde mit "Das Bildnis des Dorian Gray" oder Michael Cunningham mit "In die Nacht hinein" loten reflektierter die Themen Vergänglichkeit, Begehren und Kunst aus. Rehberg versucht ebenfalls den Spagat zwischen Literatur und dem Älterwerden. Allerdings wirken Felix' "12 Wahrheiten" banal und aufgesetzt. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Trotzdem: Rehbergs Roman ist amüsant und unterhaltsam - nicht nur für 40-Jährige. Zudem bringt es der gewiefte Autor, ehemaliger Chefredakteur des Gay-Magazins "Männer", für die zerrissene Generation der 40-Jährigen mit einem Begriff raffiniert auf dem Punkt: Boymen.

Peter Rehberg: Boymen. Roman. Klappenbroschur. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2011. 208 S., 17 €



20 Kommentare

#1 sameAnonym
#2 GeorgFalkenhagenProfil
  • 30.04.2011, 12:39hBremen
  • Mir (61) fällt zu diesem Thema nur ein: TRAUT EUCH,
    verdammt noch mal. Wir sind viele, SEHR viele und unausrottbar obendrein!
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#3 hardcumgirlProfil
  • 30.04.2011, 15:08hHusum
  • Mir haben ältere Männer immer gefallen.
    Meistens bodenständig, lebenserfahren, einfach tolle, reife Persönlichkeiten.
    Sicher nicht alle, aber viele.
    Ausserdem werden Männer mit dem Alter oft besser aussehend, markanter und männlicher.
    Aber wenn man ausschliesslich auf Twinks und hühnerbrüstige Bürschen steht, weiss man das natürlich nicht zu schätzen

    In der Szene mag das sicher anders aussehen, aber das ist ja auch bei Heteros so.
    Ab 30 hat man gefälligst auf Ü30 Parties zu gehen und nicht mehr die coolen, jungen zu belästigen und alt werden ist sowieso verboten, koste es, was es wolle.
    Hollywood lebt es vor.

    Aber Szene ist eben Szene und nicht das "normale" Leben ausserhalb.

    Den Wunsch mit dem jung Sterben Wollen kann ich ein Stück weit nachvollziehen, auch wenn ich persönlich nichts davon halte. Nur wenn man jung stirbt, kann man unsterblich werden.
    Auch da ist Hollywood bzw. die Musikszene das Vorbild.
    Eigentlich kann man nur dann wirklich von bloßen Star zum Mythos, zur Legende werden.
    Die Sehnsucht nach der Konservierung der Jugend wird dabei eine wichtige Rolle spielen.

    Ich habe nie verstanden, warum das so ist (bei manchen). Warum man den natürlichen Lauf des Lebens nicht annehmen und umarmen kann. Jeder Mensch macht diese Lebensabschnitte durch und für jeden halten diese Abschnitte neue Erfahrungen und Chancen bereit.
    Vielleicht liegt es auch an der Gesellschaft.
    Früher wurden alte Menschen viel mehr einbezogen und mit Respekt behandelt.
    Heute sollen sie bitte möglichst nicht auffallen und durch ihre Anwesenheit die coolen Hedonisten an die Endlichkeit des Seins erinnern.
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#4 Geert
  • 30.04.2011, 16:05h
  • Nichts ist peinlicher als ältere Männer, die nicht zu ihrem Alter stehen können. Und keiner wird von junger Männern mehr verachtet als Lederopas, die mit 65 Jahren noch in Chaps herum laufen, 55jährige, die sich in Anzeigen als "Boys" bezeichnen oder sich kleiden wie 20jährige. Wer zu seinem Alter steht, wird auch in fortgeschrittenen Jahren das finden, was er sucht - entweder den Freund fürs Leben oder eben auch passende Sexpartner. Die Menschen wollen aber, dass man zu sich selbst steht. Also gibt euer richtiges Alter bei Gayromeo an, sonst ist der Frust bei einem ersten Treffen umso größer....
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
#6 daVinci6667
  • 30.04.2011, 22:48h

  • Also wir leben nach dem Motto,
    lebe so lang du kannst und so lange die Gesundheit noch Lebensqualität bietet! Das heisst auch, solange unsere Schniedel noch geil werden! Selbstmord kommt sowieso nicht in Frage. Warum der AHV, der Pensionskasse und der Lebensversicherung das Geld schenken? Ne, die sollen blechen, am besten bis wir über 100 sind. Ist alles ehrlich verdient und einbezahlt! Ob die in den Jugendwahn verfallenen unser alter und runzliger Anblick gefällt, ist egal. Sie brauchen uns ja dann nicht anzugucken! Hurra, wir leben noch und tun das noch sehr lange!
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#7 GeorgFalkenhagenProfil
  • 01.05.2011, 00:18hBremen
  • Aha, Herrr Geert hält also den Anblick von Lederkerlen für unerträglich. Dazu fällt mir nur KNAST ein, sorry. Und connection, new action etc. pp.

    Darf ich mal fragen, warum diese Ausgrenzerei nicht endlich einmal beendet werden könnte?! Den "Boy" on demand for sex only gibts zum Glück nicht im Internet, mein Schatz. Ob dies für die so genannte wahre Liebe zutrifft, kann ich nicht beurteilen; denn damals gabs sowas noch nicht, mein Kind.

    Damals, da lernte ich meinen Junker kennen, 1985. Wir sind seit 25 Jahren Kameraden und fast 10 Jahre "verheiratet". In Tüttelchen. Unser bester Freund ist ne Hete und da erzähl' du uns mal besser Nichts über den szeneinternen Selbsthass.
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#8 Ilovelife
  • 01.05.2011, 01:50h
  • Gayromeo in Amiland? Da scheint der Autor aber selten "drüben" zu sein. Die bevorzugen doch Manhunt und gay.com
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#9 yomenAnonym
  • 01.05.2011, 02:54h
  • Antwort auf #2 von GeorgFalkenhagen
  • und mir (40) fällt dazu immer nur ein: die auf ihr äußßeres fixierten 22-jährigen sind die lächerlichen 50-jährigen "boys" von morgen.

    natürlich nur, wenn sie nicht die chance bekommen, zu reifen.

    ich muss gar nicht polarisieren! die jugend ist wunderschön (anzuschauen)!

    wer aber über dieses stadium nicht hinausgeht, verpasst die schönen seiten beim reifen und älter werden!!!
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#10 vielseitigkeitAnonym
  • 01.05.2011, 06:16h
  • Antwort auf #3 von hardcumgirl
  • "Mir haben ältere Männer immer gefallen. Meistens bodenständig, lebenserfahren, einfach tolle, reife Persönlichkeiten."

    wen soll das bezüglich des themas interessieren was du als frau für männer magst und was soll dein persönlicher geschmack für eine allgemeine bedeutung für SCHWULE männer haben?

    "Ausserdem werden Männer mit dem Alter oft besser aussehend, markanter und männlicher."

    *schleim, schleim, schleim*
    wie ich solche pauschalisierenden phrasendrescher hasse.
    eingetrichteter heteroschwachsinn.
    ( zumal du als frau auch mal älter wirst, aber da unterscheidet "ihr" heten ja gerne, das ist auf einmal nicht mehr so interessant, trotz der ebenfalls steigenden lebenserfahrung, reifen persönlichkeit usw.
    ganz schön ungerecht so zu unterscheiden wer im alter mehr "wert" ist. und ihr frauen macht da fleissig mit, na super.

    bei uns schwulen ist das so gesehen alles gleichberechtigt was die themen altern etc angeht!

    und in einem weiteren satz tust du über "hühnerbrüstige" ( du könntest auch schlanke, athletische schreiben aber das wirkt nicht so schön plakativ und negativ, ne?) twinks herziehen, als wäre dein geschmack der einzig richtige, den man leider nur verkannt hat.
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