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Wo geht die Gay-Community in München demnächst aus? (Bild: jerome_Munich / flickr / by 2.0)

Das Glockenbachviertel war in den vergangenen Jahren beliebt bei Schwulen und Lesben. Das ändert sich gerade drastisch.

Von Carsten Weidemann

Die Münchner Abendzeitung schlug Alarm: In einem großen Bericht vom 30. April schildert sie, wie sich gerade die Stimmung im Glockenbachviertel, dem traditionellen Treffpunkt der schwul-lesbischen Community in der bayrischen Landeshauptstadt, verändere. Homofeindliche Töne seien jetzt öfters zu hören, Szenekneipen hätten dicht gemacht. Das "Rosa Viertel" drohe, seine bunte Vielfalt zu verlieren, was die CSU-Stadträte Richard Quaas und Georg Schlagbauer jetzt sogar als Thema in den Stadtplanungsausschuss brachten.

Zwei Trends kommen nach Meinung der Politiker in dem Stadtbezirk zum Tragen: Zum einen steigen die Mieten und liegen höher als im Durchschnitt. Schwule und Lesben mit geringerem Einkommen ziehen weg. Zum anderen eröffnen immer mehr allgemeine Bars und Clubs, die mehr heterosexuelles Publikum anziehen - und damit auch mehr Leute, die sich weniger tolerant zeigen. Auch wenn nach Angaben der Polizei keine steigenden Fallzahlen aus dem Viertel registriert werden, so ergeben die Beobachtungen von Anwohnern und langjährigen Szenegängern ein anderes Bild. Beschimpfungen und Tätlichkeiten hätten zugenommen.

Nur noch drei von neun schwulen Kneipen sind übrig

Dass es einen Verdrängungswettbewerb gäbe, so schreibt die Abendzeitung, zeige sich auch an der Zahl der Kneipen: "In der Hans-Sachs-Straße gab es einmal neun Schwulen-Kneipen, jetzt sind drei übrig geblieben. Auch die Teddy-Bar musste umziehen, residiert nun in der Pestalozzistraße, das Mylord machte ganz zu", schreibt das Blatt.

Was tun? Münchens offen schwuler Stadtrat Thomas Niederbühl von der Rosa Liste hofft zum einen, dass die Münchner Partykarawane, die sich mit Schwulen und Lesben nicht so gut vertragen mag, einfach bald weiterziehen wird. Zum anderen gäbe es nach wie vor nichtkommerzielle Anlaufstellen: "Immerhin hat die Stadt es aber geschafft, schwul-lesbische Organisationen im Glockenbachviertel in städtischen Gebäuden anzusiedeln", so Niederbühl.



#2 LolitaAnonym
  • 01.05.2011, 20:51h
  • Es gibt kein Menschenrecht auf billige Altbauwohnungen in der Innenstadt. Wer nicht das Geld hat, solche Wohnungen zu bezahlen, muss eben in die Vororte ziehen. So funktioniert nunmal Marktwirtschaft.
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#3 seb1983
  • 01.05.2011, 21:39h
  • Antwort auf #2 von Lolita
  • Vom Prinzip her zwar richtig, aber es liegt an den Städten durch entsprechende Weichenstellung ein funktionierendes Miteinander zu schaffen. Das beinhaltet auch eine ausreichende Bereitstellung bezahlbaren Wohnraumes und etwa auch eine vorhandene Nahversorgung und Verkehrsversorgung etc. etc.
    In der Regel werden entsprechende Bevölkerungsgruppen aber dann auf andere Stadtteile ausweichen und es geht von vorne los.
    Aufhalten lässt sich so etwas kaum, man kann den Besitzern ja nicht verbieten zu modernisieren, wenn man nach DDR Manier die Mieten deckelt verfaulen die Innenstädte.
    Bei einem bleibt sich München aber treu: Billig wirds nirgendwo...
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#4 vingtans
  • 01.05.2011, 22:34h
  • sowas ist doch in der städteentwicklung natürlich.

    strukturschwache bezirke ziehen sozial ausgestoßene an oder ärmere an.

    früher waren das auch homosexuelle.
    nach und nach wertet sich das viertel dann auf, sei es weil zu den "Armen" auch kreative Studenten und Künstler gehören oder sei es weil Klichee´s über hippe Schwule sich verbreiten.

    Das war in Kreuzberg so,in St-Georg in Hamburg, Marais in Paris oder Soho in London...

    Stadtteile wandeln sich,,, who cares?!
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#5 jochenProfil
  • 01.05.2011, 22:34hmünchen
  • Es gibt, meiner Meinung ,mehrer Gründe fürs Szenesterben:

    Der wichtigste:
    -"Gayromeo.com" und ähnliche Internet-Dating-Portale. Die Homos bleiben immer öfter lieber gemütlich daheim vorm Pc sitzen , als abends auszugehen. Und das übrigens nciht nur in München, wie mir Freunde in Köln und Berlin berichten.

    - das totale Rauchverbot in Bayern . Die nun staatl. verordnetete untolerante und alternativlose Zwangsnichtrauchergastronomie bewirkt, dass besonders kleinere (schwule) Lokale den kürzeren ziehen. Da viele rauchende Gäste sich nun immer öfter auch private Alternativen suchen um sich der staatlichen Bevormundung zu entziehen. (Man muss wissen, dass in Bayern jetzt sogar auch dort das Rauchen verboten ist wo der Nichtraucherschutz gewährleistet wäre. Nämlich: Verbot von abgetrennten Rauchernebenräumen, Verbot von Raucherclubs, Verbot von kleinen Raucherkneipen, Verbot von Filteranlagen zur Verbesserung der Luft).
    Dieses rigide Rauchverbot setzt einer schon leicht schwächelnden Homoszene zusätzlich zu.

    - den anfangs toleranten Heteros, die es schrill fanden zwischen Ledertypen oder Transen abends wegzugehen, sind leider immer öfter untolerante Nachzügler gefolgt, die keine Ahnung haben, dass die Homos "zuerst" da waren.
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#6 GaygreenAnonym
  • 01.05.2011, 22:59h
  • Es ist zum Kotzen... diese spießbürgerliche Heterowelt, warum muss die sich auch noch da ausbreiten? Man sieht: Heteros gehen gern dahin, wo es chic ist, kämpfen aber nicht dafür...
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#7 jochenProfil
  • 01.05.2011, 23:58hmünchen
  • Antwort auf #2 von Lolita
  • Sehr richtig, Lolita!

    Darum sinds meist die Armen, und die sich nichts leisten können, die an brüllend-lauten und luftverpesteten Strassen wohnen müssen.
    So funktioniert halt mal der Kapitalismus...äh.. verschrieben .. ich meinte: die voll plausible Marktwirtschaft.
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#8 Ilovelife
  • 02.05.2011, 01:50h
  • @seb1983

    "ein funktionierendes Miteinander zu schaffen."

    Dafür kriegste jetzt hoffentlich ausnahmsweise mal janz viel grün
    Eben dieses funktionierende Miteinander braucht aber Kreative, und die werden durch übertriebene Mieten abgeschreckt. Hat sogar der große Ude (Münchner OB) im Interview- Duell mit Wowi bekannt, dass München wohl doch etwas unter dem Wegzug der Kreativen leidet und man die massenhaft auftretenden porschefahrenden P1- Betriebswirte leider nicht so schnell ausbürgern kann
    Ist bei sueddeutsche.de leider nicht mehr auffindbar...

    Glockenbachviertel, hm. Ich war da zuletzt 2007 und hab eigentlich nur den "Bau" in guter Erinnerung. Zielgruppe klar definiert: Kerle, möglichst natürlich, wenig stylish. Und man wird als "Preiss" nicht dumm angemacht, wenn man ein Becks bestellt. Keine Ahnung, obs da heut noch so ist. Die Jungs in dem schwulen Infoladen waren sehr nett und hilfsbereit und witzelten schon mal über ihre Stadt ("mir san a großes Dorf hier", oder so ähnlich). In die Sauna M54 ging ich gar nicht erst rein, da war schon der Empfang möchtegern- schickimickimäßig und das massenhaft bereits in den Kassenbereich gaffende Übergewicht mein wertvolles Geld einfach nicht Wert. Die "Eiche" hab ich nicht ausprobiert, soll sich aber angeblich lohnen.

    Tja, was soll man sagen, man blickt als Berliner manchmal schon etwas wehmütig in Richtung München: wir haben den Hauptstadtflair, die die Jobs...so isses nun leider mal.
    Ich kann eigentlich jeden verstehen, der sich aus beruflichen Gründen entscheidet, dorthin zu gehen, egal, ob das Drumherum überteuert und auf Dauer langweilig ist...und im Fall der "alten Münchner" häufig noch offen reaktionär und "Ratzinger-katholisch"... aber die werden ja eh bald von den FDP- Yuppies vertrieben
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#9 MaxAnonym
  • 02.05.2011, 08:13h
  • Oar, na so ein Mist aber auch.
    Da können sich die Schwulen nicht noch mehr im Homo-Ghetto abgrenzen.
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#10 KonstantinEhemaliges Profil