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  • 04. Mai 2011, noch kein Kommentar

Der 15-jährige Jan verliebt sich in den Sudanesen Jeremiah, der sich illegal in Deutschland aufhält (Bild: JTB)

Theater-Tipp: "Wenn ich Du wär" am Jungen Theater Bonn über die Beziehung zwischen einem jungen Deutschen und einem illegalen Flüchtling.

Von Carsten Weidemann

Nach dem sensationellen Erfolg mit ‚Beautiful Thing' wendet sich das Junge Theater Bonn (JTB) nun mit einem neuen Stück dem Thema ‚Homosexualität' zu. Vier Jugendliche aus dem Nachwuchsensemble haben gemeinsam mit Intendant Moritz Seibert mit "Wenn ich Du wär" ein eigenes Stück entwickelt, das am 6. und 7. Mai 2011 uraufgeführt wird. Obwohl es darin um ernste Themen geht, ist das Stück eine echte Komödie geworden, mit dem vielleicht ungewöhnlichsten Coming-out der Theatergeschichte...

"Wenn ich Du wär" heißt ein eigentlich harmloses Spiel, mit dem Teenager sich gegenseitig in die unmöglichsten, peinlichsten oder lustigsten Situationen bringen. Für den 15jährigen Jan wird der Gedanke "Wenn ich Du wär" zur schwierigsten Frage seines Lebens, als er Jeremiah kennen lernt, der aus dem Sudan stammt und sich illegal in Deutschland aufhält.

Angst vor Abschiebung, Outing auf Facebook


Durch einen Zufall bekommen Jans Freunde heraus, dass er einen fremden Jungen bei sich beherbergt (Bild: JTB)

Jan freut sich eigentlich auf die Sommerferien, die gerade begonnen haben: Seine Mutter muss nach einem Unfall überraschend zur Kur, seinen Vater kennt er gar nicht, für ein Ferienlager ist kein Geld da, er hat die nächsten vier Wochen sturmfrei. Dass seine Freundin Lea bisher noch nicht mit ihm schlafen will, sollte sich also ändern lassen. Doch seine Zuversicht ist nur von kurzer Dauer: Eine sonderbar gekleidete ältere Dame trifft ein, die sich ihm als seine Oma vorstellt. Sie ist eigens aus Indien angereist, wo sie die letzten zwanzig Jahre in einer Hippiekommune gelebt hat. Jetzt will sie Haus und Sohn ihrer Tochter hüten. Seinen ersten Eindruck, dass sie dafür völlig ungeeignet und somit hier überflüssig ist, findet Jan bald bestätigt: Seine Oma trägt ihm auf, ‚Gras' für sie zu besorgen.

Bei dem Versuch, Omas Wunsch zu erfüllen, lernt Jan einen etwa gleichaltrigen Jungen kennen, Jeremiah, der offensichtlich aus Afrika stammt, aber fließend Deutsch spricht. Er benimmt sich völlig anders, als Jan es in ‚solchen Kreisen' erwartet hätte. Jan ist fasziniert von ihm und von dem Geheimnis, das ihn umgibt. Er folgt ihm heimlich und findet heraus, dass Jeremiah in einem Bretterverschlag haust, sich vor der Polizei verstecken muss und illegal und völlig allein in Deutschland lebt, nachdem seine Eltern schon vor längerer Zeit abgeschoben wurden. Nach und nach gewinnt Jan sein Vertrauen und seine Freundschaft, und kann Jeremiah überreden, erst mal bei ihm zuhause unterzukommen. Jan ahnt noch nicht, dass Jeremiah vor ein paar Menschen noch mehr Angst hat als vor der Polizei und der Abschiebung.

Jeremiah spürt, dass er Jan immer weniger willkommen ist

Lea und Robin, Jans bester Freund, wissen von alldem nichts. Jan hatte Jeremiah versprechen müssen, niemandem von ihm zu erzählen, und er will ihre Freundschaft auf keinen Fall gefährden. Durch einen dummen Zufall bekommen Lea und Robin aber heraus, dass Jan einen fremden Jungen bei sich beherbergt. Der Fall scheint klar: Jan ist schwul. Dank Facebook weiß das bald die ganze Klasse und die ganze Welt. Jeremiah spürt schnell, dass er Jan immer weniger willkommen ist. Bei seinem Freund zu bleiben scheint keine Lösung zu sein, denn auch alte Bekanntschaften holen Jeremiah wieder ein und bringen beide in höchste Gefahr...

Vor dem ernsten Hintergrund des Schicksals illegal in Deutschland lebender Flüchtlinge ist ‚Wenn ich Du wär' aber, auch dank der Mitarbeit der vier Jugendlichen an der Entwicklung des Stückes, vor allem eine Komödie über das Erwachsenwerden, bei der durchaus auch gelacht werden darf.

Premieren: Freitag, 6. Mai und Samstag, 7. Mai, jeweils um 19.30 Uhr, viele weitere Vorstellungen im Mai, Juni, Juli und ab September 2011