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  • 30. Juli 2004, noch kein Kommentar

Der Jugendchor SCALA kommt ausgerechnet aus Belgien und interpretiert einzigartig Kurt Cobain, Rammstein, Radiohead oder Wolfsheim neu. Eine musikalische Sensation.

Von Jan Gebauer

Der belgische Jugendchor SCALA singt "New School Rock"-Songs und setzt mit dem neuen Album "Dream On" (Veröffentlichung am 18. August) einen neuen musikalischen Trend. Der Chor aus der belgischen Kleinstadt Aarschot, von zwei Anfang Dreißigjährigen dirigiert, sorgt außerhalb eines klassisch orientierten Publikums international für große Aufmerksamkeit. Warum? Weil ihnen Brahms genauso wichtig ist wie Kurt Cobain, Rammstein, Radiohead oder Wolfsheim. "Smells like Teen Spirit"? Richtig: Die rund 70 Mädchen und Jungen singen Rock- und Popsongs ihrer Musikwelt. Hinter den Dirigenten verbergen sich Steven und Stijn Kolacny, kurz die Kolacny Brothers. Diese haben auch die gesamten Arrangements, Piano- und Keyboard-Einspielungen übernommen. Die düstere Grundatmosphäre, die die Titel umgibt, zieht sich fast wie ein roter Faden durch "Dream On", benannt nach einem Depeche Mode-Titel aus dem Jahre 2001. Erstklassige Versionen von Red Hot Chili Peppers "Under The Bridge", Lou Reeds "Perfect Day", U2s "With Or Without You" oder The Verves "Bittersweet Symphony" haben streckenweise sogar etwas geisterhaftes, fühlt man sich doch an Gruselklassiker wie das "Omen" erinnert. Fast makaber ist die Auswahl des Titels "I Touch Myself" der Gruppe Divinyls, ein Hit der Amerika teilweise Radioverbot bekam, da er verschlüsselt von Selbstbefriedigung handelt.

Die lieblichen jugendlichen Stimmen entfalten besonders bei bedrohlichen Piano-Spannungsbögen eine faszinierende Symbiose mit dem Instrument. Selbst wenn man keine Chöre mag, haben diese jederzeit eigenständigen Interpretation einen magischen Reiz auf den Hörer. Bereits am 12. Juli veröffentlichte SCALA ihre Fassung von Rammsteins "Engel" als Single, geheimnisvoll und eine Nuance beklemmender als das Original. Auf dem Album wird sich der Titel auf einer zweiten CD befinden, die auch Videos des Chors enthält. Bleibt zu hoffen, dass sie soviel Aufmerksamkeit erhalten, dass ihnen auch kommerzieller Erfolg beschieden ist, denn das Projekt ist so außergewöhnlich (gut), dass alles andere eine Schande wäre.

Bittersüsse Symphonien auf Erfolgskurs

Der Erfolg von Scala beruht auf einem glücklichen Zufall. 1996 als klassischer Chor gegründet, haben es sich die Jugendlichen zu eigen gemacht, zum "Warm machen" vor den Auftritten Rock- und Popsongs zu singen. Zufällig war einmal ein Musikmanager der Plattenfirma Pias Recordings anwesend. Er gab den Mädchen den Rat, die Rock- und Popsongs vor Publikum zu interpretieren. Seitdem sammelt der Chor weltweit Erfolge und Preise, unter anderem in ihrer Heimat Belgien, Frankreich, Japan und Kanada – nun soll auch Deutschland erobert werden.

Am 13. August wird Scala daher erstmals ein Konzert hierzulande geben. Radio Fritz holt die Mädchen und Jungen nach Berlin und lässt sie im Großen Sendesaal des RBB auftreten und übertragt das Konzert auch in seinem Programm. Seit mittlerweile zwei Monaten stehen die Telefone bei Fritz nicht mehr still, über tausend E-Mails gingen ein. "Die Reaktionen der Hörer auf "Engel" erreichte Ausmaße, die Fritz vorher so noch nicht kannte", beschreibt Musikredakteur Frank Menzel die Euphorie. In Deutschland war Fritz anfangs das einzige Radioprogramm, das Scala im Programm spielte. "Unsere Hörer wollen wissen: Wer ist das, woher kommen die, und kann man die in Deutschland auch einmal live erleben?" Dieser Wunsch hat sich mit dem angesetzten Termin erfüllt. Zuletzt traten Scala mit der berühmten, französischen New Wave-Band Indochine auf und erhielten fabelhafte Kritiken.

30. Juli 2004, 17:30