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Steckt ein bekennender Hetero in diesem Shirt?

Die Berichterstattung zum Rauswurf des Theologen David Berger holt den "bekennenden Schwulen" aus der Stereotypen-Mottenkiste.

Von Christian Scheuß

Die katholische Kirche reagiert mit gewohnten Mustern: Sexueller Missbrauch wird vertuscht, bei Schwulen, die sich nicht verstecken, zeigt man sich verhuscht. Kardinals-Saurier Meisner vermeidet ganz bewusst das Wort schwul oder homosexuell in seinem Dekret, mit dem er dem Theologen David Berger einen Tritt in den Arsch gibt. Eine Auseinandersetzung mit Bergers kritischer Betrachtung zum Umgang der Kirche mit Sexualität, die er in seinem Buch veröffentlichte, wird nicht gewünscht. Nichts Neues also unter der katholischen Sonne. Aber ein weiterer guter Grund, im Herbst nach Berlin zur Anti-Papstdemo zu reisen.

Die Massenmedien haben am Donnerstag umfangreich über den Vorfall berichtet, sich dabei aber wieder einmal eines Klischees bedient. Berger wird als "bekennender" Schwuler/Homosexueller deklariert. Terroristen schicken Bekennerschreiben nach Anschlägen, Christen geben Schuldbekenntnisse im Beichtstuhl ab. Aber was bekennen eigentlich Schwule oder Lesben oder Trans*Personen? Mal angenommen, ein Lehrer fliegt von seiner Schule, weil er sich auf eine Beziehung mit einer Schülerin eingelassen hat, spricht dann eigentlich irgendjemand von einem "bekennenden Heterosexuellen"?

Coming-out ja, Bekenntnisse unnötig

Das Coming-out ist kein Bekenntnis, sondern ein Prozess der Selbstfindung zur eigenen sexuellen Identität und der Akzeptanz dieser Tatsache durch das soziale Umfeld. Das "Outen" wie Wowereits "Ich bin schwul, und das ist gut so" ist eine Technik, mit der man diesen Prozess umsetzt. Aber es gibt für einen Menschen mit einer sexuellen Identität jenseits des Mainstreams nichts zu bekennen. Weder etwas Schuldhaftes noch einen Standpunkt, eine Haltung. Ein Schwuler ist ein Schwuler ist ein Schwuler. Mehr nicht. Das Konstrukt des "bekennenden Homosexuellen" ist ein künstliches, das nur existiert, weil eine nach wie vor gefühlte oder gewollte Ungleichheit besteht.

Es hat lang gedauert, um den Journalistinnen und Journalisten klar zu machen, dass das so genannte "Homosexuellen-Milieu" ein Begriff ist, der zur Kriminalisierung einer Gruppe beiträgt und deshalb aus der Liste des Wortschatzes zu streichen ist. Es ist Zeit, den "Bekenner", der die Ungleichheit nur zementiert, in die Mottenkiste zurückzustecken, und ein dickes Vorhängeschloss davor zu machen.



Auch Westerwelle lobt Papst

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Vatikan lehnt Botschafter wegen Homosexualität ab

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Der Kölner Kardinal Joachim Meisner und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis zelebrieren in der ARD-Talkshow "Menschen bei Maischberger" ihre Vorurteile – und weisen natürlich dabei auch auf die Verwerflichkeit von Homosexualität hin.
#1 tom21
  • 06.05.2011, 12:50h
  • Da ich David Berger schon in Talk-Shows gesehen habe, weiß ich das er damit rechnete. Die Kirche hat wohl nur etwas Zeit gebraucht um den Rauswurf schöner zu formulieren.
    Soll die Kirche ruhig weiter fähige Theologen rausschmeißen. In einer Zeit, bei der es auf einen Dialog zwischen den Religionen ankommt und gegenseitige Toleranz, schneidet die katholische Kirche sich langfristig ins eigene Fleisch.
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#2 stromboliProfil
  • 06.05.2011, 13:24hberlin
  • "Ein Schwuler ist ein Schwuler ist ein Schwuler. Mehr nicht..."
    nun, dann bin ich auf deine definition gespannt was den schwulen ausmacht wenn er ein schwuler sein soll aber nicht bekennen soll, was denn nun den schwulen ausmacht...?

    Ich denke, da wird das pferd von hinten aufgezogen, weil das herausarbeiten dessen, was den schwulen vom heten unterscheidet, weiterhin sehr hilfreich sein wird; zumindest solange, solange es auch die heten gibt, die heten sind, weil sie eben heten sind!
    Sicher ; auch das nur ein künstliches, "das nur existiert, weil eine nach wie vor gefühlte oder gewollte Ungleichheit besteht" ,
    oder besser gesagt, bestehen soll.

    Und das erklärt ebenso die notwendigkeit des coming outes! Ohne, lebten wir glücklich und zufrieden bis an unser lebensende ......
    pass acht, dass die den schlüssel von deinem vorhängeschloß nicht wegwerfen!
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#3 sebastian2000Anonym
  • 06.05.2011, 13:28h
  • "...Homosexuellen-Milieu" ein Begriff ist, der zur Kriminalisierung einer Gruppe beiträgt und deshalb aus der Liste des Wortschatzes zu streichen ist..."

    LOl, hört sich eher an wie in 1984 ;)

    Werden die Journalisten dann zur Unperson erklärt oder wie?

    Lächerlich.

    Freie Rede, Freie Wahlen, Freier Waffenbesitz!!!
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#4 PeteAnonym
  • 06.05.2011, 13:40h
  • Wenn ich richtig informiert bin, war Berger sehr lange schon in einer homosexuellen Beziehung und hat seinen Partner oft mitgenommen -ihn als seinen Cousin ausgegeben, war wohl privat “offen". Oder?
    Dafür sind 20 Jahre einfach viel zu lang ein doppeltes Spiel zu spielen, VOR ALLEM in einem Umfeld, in dem er sich dem widerlichsten Anti-Homosexuellen-Gedankengut aussetzen musste. Regelrecht masochistisch.
    In solch einer Situation sucht man sich doch einen anderen Job. Aber die Karriere war wohl verlockend für ihn und nun sein i-Tüpfelchen mit dem Buch, als würde er uns etwas Neues erzählen.
    Bigott ist doch Berger selbst sehr lange gewesen, weil er sich viele sehr sehr menschenverachtende Sprüche anhören musste und wahrscheinlich nichts gesagt hat.
    Für mich ist er unglaubwürdig!
    Correct me if i am wrong!
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#5 FlorianAnonym
  • 06.05.2011, 14:13h
  • Antwort auf #2 von stromboli
  • "weil das herausarbeiten dessen, was den schwulen vom heten unterscheidet, weiterhin sehr hilfreich sein wird"

    Hm was gibts da herauszuarbeiten?
    Klar ist das Coming In und das Coming Out ein Prozess bei dem an sich arbeitet und reift. Trotzdem ist das Unterscheidende zwischen schwul und hetero schlicht die Orientierung auf unterschiedliche Geschlechter.
    Es gibt Schwule die sind im Verhalten, in ihren Einstellungen und ihrer ganzen Lebensanschauung so anders als ich es bin das der einzige gemeinsame Nenner unsere sexuelle Orientierung zu Männern ist.
    Ich finde es wichtig das wir zusammen für unser Schwulsein einstehen und gegen Diskriminierung kämpfen und zusammenhalten, aber den Prototyp schwul gibt es nicht. Wäre auch langweilig.
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#6 LorenProfil
  • 06.05.2011, 14:28hGreifswald
  • Mir gefällt die Bezeichnung "offen" (oder gar "öffentlich") besser als "bekennend", da sie mehr darauf abzielt, dass Homosexuelle ihre sexuelle Orientierung verstecken müssen/mussten (kommt auf Zeit, Ort, Situation, Persönlichkeit etc. an), um sich nicht Repressalien bis hin zur Ermordung ausgesetzt zu sehen durch eine Gesellschaft, die von einer gesetzten Norm Abweichendes diskriminiert und ggfs. verfolgt und bestraft.

    Wer offen und öffentlich lesbisch oder schwul autritt, zeigt dieser zwanghaften oder Zwangs-Gesellschaft und ihren Protagonisten in Politik, Religion etc. den wohlverdienten Stinkefinger.
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#7 maaaartinAnonym
  • 06.05.2011, 14:28h
  • mir drehts beim wort "bekennend" auch regelmäßig den magen um. das bedeutet doch ansonsten meist, dass man eine verfehlung zugibt.
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#8 stromboliProfil
  • 06.05.2011, 14:46hberlin
  • Antwort auf #5 von Florian
  • "Trotzdem ist das Unterscheidende zwischen schwul und hetero schlicht die Orientierung auf unterschiedliche Geschlechter. "
    Das ist schlicht selbstbetrug!
    Zum einen ignoriert es die dir zugewiesene stellung in dieser gesellschaft, auch wenn dir die ecken und kanten mittlerweile dank unsereins abgeschliffen vorkommen, aber nichts destotrotz vorhanden, und leugnet reale unterscheidungen, die vorgenommen werden seitens der heterosexuellen.. bis hin zur homophobie.

    Um zu verstehen wie der mechanismus funktioniert, muss einem das eigene-so-sein, der unterschied, bewusst werden.
    Schon das gleichgeschlechtliche und die abwehr des gegengeschlechtes ist ein faktor, der unterschiede hervorbringt. Umgekehrt funktioniert es ja ebenso!

    Beschäftigen wir uns zudem mit kulturell vogegebenen identifikationsmodellen ( so z.b. unser hang hin zum heterolike-normalen !) werden die unterschiede auch wieder sichtbar! Wer sehn will sieht! Wer nicht... na ja, das kennen wir!
    Die negierung der tatsache, das gleichgeschlechtlich sexuelle orientierung eben in einer heteronormierten welt anders sein muss, als die in einer anders orientierten ( wie auch immer sie sein könnte, begriffe gibt es ja schon welche wie metrosexuell...) , müsste eigentlich ins auge fallen!
    Wenn wir endlich wissen, wer uns gesellschaftlich formt, wissen wir auch was wir sind. Dann können wir auch sagen: "wichtig das wir zusammen für unser Schwulsein einstehen und gegen Diskriminierung kämpfen und zusammenhalten..."
    Kämpf ich dann gegen schwule, die nicht normal genug sind um in das angebot sich einzufügen??
    Man muss halt wissen gegen wen man kämpft und für was!

    zum coming out noch etwas: erinnert ihr euch nicht mehr , dass nicht nur die frage des -wo gehör ich hin in zukunft-, uns bewegte, sondern auch die erkenntnis, "anders zu sein"..?
    spürt mal in der erinnerung nach...
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#9 Dennis
  • 06.05.2011, 15:28h
  • Aber was bekennen eigentlich Schwule oder Lesben oder Trans*Personen?

    . . . wieso sollen müssen schwule/lesben/trans Persoen beichtenß Was geht denn in Euren Köpfen ab? Doch nur das was man Euch irgendwann mal eingetrichtert habt. und nun da ihr Euren Weg kennt kommt ihr ins Scheludern mit "Weretn/Konventionen" aus einer anderen Welt . . . .

    Du willst beichten? Beichte!
    Du willst ficken? Ficke!

    Dieses ganze Outen - dazu komme ich als Vollhete mit 61, die seit 27 Jahren HIV + ist, die das macht wonach es ihm gelüstet (und diese Angaben beruhen auf meiner FREIEN Entscheidung nicht weil ich es muß oder will, nein weil ich es kann!) ist eh voll für n Arsch.

    Jedes Outen - ob sich als Schwuler oder HIV Positiver zu outen oder besser gesagt diesem Eklärunngsnotstand nachzukommen, bestätigt nur eines: Nämlich das man sich zu einer als von der Gesellschaft definierten Randgruppe unter bzw - zuordnet. Gleichzeitig erkennt man man die Schaffung von Ausgrenzung als rechtens an, und festigt die Existenz dieses "europäischen Wertesystem - dieser Kasten" von unterschiedlichen "voll - wertigen / minderwetigeren" Menschen.

    Ich gehöre zu der Gemeinschaft der Menschen, fühle mich der Gemeinschaft der Menschen zugehörig.

    Und diese Gemeinschaft Gruppe unterschiedlichsten Persönlichkeiten - Menschen zusammen.
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#10 schwulenaktivist
  • 06.05.2011, 15:35h
  • Die Heteros sind so dumm und blöd, dass sie selber nicht merken, dass nur der bekennen muss, der seine Orientierung vor ihnen zu verheimlichenm gezwungen wird.
    Aber der Gebrauch dieser Formel ist wohl Absicht!
    Das homosexuelle Bekenntnis und
    das Homosexuellenmilieu sind heterosexuelle Unterdrückungsformeln.
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