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Vor wenigen Wochen hat sich der offen schwule Medienjournalist Stefan Niggemeier in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" über den Kabarettisten Serdar Somuncu aufgeregt. Nach dessen Witz, Guido Westerwelle verhalte sich "nicht dilettantisch, sondern dilettuntisch", unterstellte ihm Niggemeier, ein Problem mit Homosexuellen zu haben: "Er macht daraus auch keinen Hehl. Aber weil er als Kabarettist auftritt, denken die, die nicht mitlachen, er meint das ironisch."

In einer anderen Sendung habe Somuncu erzählt, wie er sich vor Hella von Sinnen und Anne Will ekelt. Niggemeier schreibt dazu: "Er hetzt [in der Show] so überzeugend gegen Lesben, dass es egal ist, ob er da womöglich eine Rolle spielt und das demaskierend meint: Die Show ist geilster Porno für Lesbenhasser".

On3-Südwild, das Jugendmagazin des Bayerischen Rundfunks, hat den 17. Mai, also den Internationalen Tag gegen Homophobie genutzt, um mit Somuncu zu sprechen. Der sagt, er sei nicht verantwortlich für die Missverständnisse, die aus seiner Arbeit entstüden. Und, im großen und ganzen: er sei kein Nazi. Stefan Niggemeier habe dieses Anti-Nazi-Sein zu wenig berücksichtigt, er hätte sich mehr mit seiner Arbeit beschäftigen sollen, denn er mache sich als Kabarettist über alles und jeden lustig.

Stattdessen werde "Lobby-Echauffage" betrieben, und es sei eines seiner Ziele, "dies zu entlarven". Das Problem ist nur: Die wenigen Ausschnitte, die der BR-Beitrag aus dem Schaffenswerk Somuncus zusammenfasst, zeigen keine Witze auf Meta-Ebene, wie er behauptet, sondern homopbobe Schenkelklopfer, die doch eher seine als die Homophobie des Publikums entlarven. Und was soll die Meta-Ebene überhaupt sein? Wenn Somuncu derart missverstanden werden kann, hat er ein Problem, nicht Niggemeier. (nb)



#1 nachdenkenProfil
  • 19.05.2011, 22:27hBerlin
  • Das schlimme bei solchen Darbietungen sind die zahlenden Zuschauer, die sich sowas anschauen und sich auf ihre fetten Schenkel klatschen. Ein großer Teil seiner Programme ist alles andere als lustig. Aber die bewegten Gutmenschen erfreuen sich ja solcher Darbietungen – im tiefsten Innern wird dann doch die Einfachheit ihrer Denkstrukturen befriedigt und ein „Biotürke“ darf dies natürlich sagen. Dies ist wie die heimlich verspeiste Bratwurst des militanten Vegetariers.
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#2 CodyXD
#3 julian21
  • 19.05.2011, 22:46h
  • An seiner Idee, die Doppelzüngigkeit des Publikums zu entlarven, ist ja nichts auszusetzen.

    Das fiese an seinem Programm ist aber, dass die "Minderheiten" fertig gemacht werden, der nicht schwule/lesbische/behinderte Otto-Normal-Verbraucher mit rassitischen, homophoben oder wie auch immer xenophob gearteten Tendenzen aber ohne JEGLICHEN Hinweis auf diese Widerlichkeiten nach Hause gehen darf.

    Das zeigt auch wunderbar dieser Kommentar (übrigens von einem 48-jährigen) zum verlinkten YouTube-Video:

    "diletuntisch ist ein schönes Wort..warum soll man nicht auch Schwächen von Homosexuellen benennen können. Diese Vergötterung und Wichtignehmerei von Schwulen und Lesben geht mir gehörig auf den Senkel. Mittlerweile ist die allgemeine sexuelle Ausrichtung auf dem Korridor der Ausgrenzung angelangt. Ein kritisches Wort und schon bist du homophob. Hallo, denkt doch mal nach..wer ist denn hier derjenige der sexuell aufdringlich und belästigend mit anderen umgeht.."

    Wenn ich Serdar Somuncu ernst nehmen kann, dann nur, wenn er den doppelzüngigen ach so toleranten Kleinbürgern wie diesem netten Herrn, ihre verlogenen Attitüden in die Fresse drückt!

    Aber das tut er nicht. Im Gegenteil: Die Leute fühlen sich ja sogar noch bestätigt und meinen, wenn das, was sie denken, schon so jemand wie Somuncu ausspricht, dann kann sie das auch ruhig machen. Was dann am Ende dabei rauskommt, ist eine Gesellschaft, die meint sie könnte jede Minderheit diskriminieren.

    Und was soll das Gerede von der angeblichen "Minderheitenlobby"? Nur weil ich ein weißer, deutscher, schwuler Mann bin, heißt das noch lange nicht, dass ich mich nicht gegen den Hass gerichtet auf andere Leute einsetze. Im Gegenteil sogar: Gerade als Schwuler bin ich mir doch darüber bewusst, wie beschissen es ist diskriminiert zu werden.
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#4 marley
  • 19.05.2011, 23:09h
  • Antwort auf #2 von CodyXD
  • Ich finde wir werden schon oft genug als Witzfiguren dargestellt,ich sag nur Traumschiff Surprise.Irgendwann reicht es auch mal,ich habe auf jeden Fall kein gebrochenes Handgelenk und denke auch nicht nur an Analsex,ich hasse diese primitiven Klischees
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#5 KhamelionEhemaliges Profil
  • 19.05.2011, 23:21h
  • Ich bin sowieso kein Fan von Leuten die sich über andere "Gruppen" lustig machen.
    Am schönsten ist es wenn man über sich selber lachen kann.
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#6 hwAnonym
  • 19.05.2011, 23:27h
  • Antwort auf #1 von nachdenken
  • meiner 35-jährigen erfahrung nach, schwappte mir bei der ausstrahlung seiner ausführungen ein weiteres déjà-vu eines auschnittes von schmierigkeiten überassimilierter entgegen.
    wobei sich solche, jung wie alt, wohl eher im milieu von "nachdenken" bewegen.
    das ist ja, so oder so, ihre zielschicht. von denen kommt dann auch der aalglatte verpiss-sprech.

    aber dazu vielleicht ein anderes mal mehr. ach so, ich bin 50. zufällig entwickelte sich nach dem militärputsch in der türkei (1980) mein freundeskreis so, dass der anteil türkischer freunde und bekannter über die jahre konstant hoch blieb und auch sehr privat blieb.
    privat im sinne von sehr vertraut. diese vilen menschen sind so zwischen 16 und ca. 75 jahre alt.
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#7 Patsy_LoveProfil
  • 20.05.2011, 17:26hBerlin
  • Ich als Tunte muss ja mal sagen, dass ich es überhaupt schon eine Unverschämtheit finde, dass ein Bezug zwischen Tunte und Westerwelle hergestellt wird, der wohl alles andere als eine Tunte ist. Pah!
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#8 draganProfil
  • 20.05.2011, 17:39hDresden
  • Antwort auf #7 von Patsy_Love
  • stimmt. der ist abgedunkelt und feige.

    in der bravo meinte er:

    „Das war nichts anderes als ein Kellerraum, wo die Eltern die ältesten Sofas reingestellt haben. Da war es schön abgedunkelt, gut zum Feiern. Praktisch war auch, dass man die knarrende Treppe hören konnte, falls dann doch die ältere Generation sich mal nach unten traute. Dann war man vorgewarnt und konnte das Bier verstecken (lacht)“.

    „Ich war vor allem richtig frech“, beichtet er.
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#9 JohnAnonym