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Initiator der MILK Karrieretage: Anders Wikberg von der Camwik UG

Wozu brauchen wir eine schwul-lesbische Karrieremesse? Anders Wirkberg, Initiator der MILK am 28. Mai in Berlin, gibt im Interview Auskunft.

Von Carsten Weidemann

Herr Wikberg, Sie veranstalten am kommenden Samstag in Berlin die MILK. Wozu brauchen wir denn eine eigene Karrieremesse gezielt für Schwule und Lesben?

Der Andrang von Ausstellern und Teilnehmern letztes und auch dieses Jahr wieder scheint die Frage mit "ja" zu beantworten. Es geht darum, die Hürden zu senken, die viele von uns haben, wenn sie sich für eine Firma interessieren. Viele fragen sich: Darf ich da offen sein? Darf ich mich selber sein, oder muss ich dort die "Lüge" leben? Zudem ist es auch interessant, innerhalb der "Familie" ein professionelles Netzwerk aufzubauen, genau wie das beim Fußball, Skat oder Rotary auch gemacht wird. Dazu eignet sich die MILK besser als ein Nachtclub. Ein gutfunktionierendes Netzwerk wird im Berufsleben immer wichtiger.

Haben es Homosexuelle auf dem Arbeitsmarkt schwerer als Heteros?

Natürlich kämpfen viele mit Vorurteilen, aber wir sind der Überzeugung, dass Arbeitgeber in erster Linie an der Person interessiert sein sollten, die gegenüber sitzt, und nicht mit wem man zuletzt im Bett war. Je selbstverständlicher man mit dem Thema umgeht, desto schwieriger wird es auch, dies als Schwäche zu sehen und ggfs. auszunutzen. Wir sind auch nicht die einzige Gruppe, die mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Wir sollten auch Frauen, Ausländer, Alte oder Junge nicht vergessen. Wenn man Menschen aus "Fleisch und Blut" kennenlernt, ist es auch für die Arbeitgeber einfacher zu sehen, dass dies beim Kaffeetrinken oder beim Sommerfest kein Problem sein wird.

Gibt es - abgesehen von Szenebars oder Gay-Verlagen - wirklich Unternehmen, die ein Interesse haben, gezielt schwul-lesbische Mitarbeiter einzustellen?

Wir haben sie nie spezifisch gesucht. Uns ging es darum, Firmen zu finden, denen bei der Einstellung von Mitarbeitern die sexuelle Orientierung egal ist. Die nach der Devise handeln: Die am besten geeignete Person wird eingestellt. Letztendlich haben wir 50 Aussteller gefunden.


MILK-Gründer Anders Wikberg (li.) und Stuart B. Cameron auf der Bühne: Die erste Messe fand 2010 in München statt

Welche Unternehmen sind dabei?

Wir sind sehr glücklich, dass alle Aussteller vom Vorjahr auch dieses Jahr wieder kommen wollten. IBM ist diesmal unser Platin-Partner. Hier sind einige der Aussteller: Accenture, Allianz, Axel Springer, Cisco Systems, Google. Es freut uns ganz besonders, dass auch Firmen wie Apple, BSR, Deutsche Post und die Deutsche Telekom entschieden haben, dieses Jahr dabei zu sein. Auf unserer Homepage haben wir eine komplette Ausstellerliste veröffentlicht.

Sollte jemand, der konkret einen Job sucht, seine Bewerbungsmappen mit zur Messe nehmen?

Auf jeden Fall! Die Firmen, die teilnehmen, sind auf der Suche nach Mitarbeitern. Geht auf sie zu und fragt, was für Euch vorhanden sein könnte. Vergesst aber auf keinen Fall, Visitenkarten mitzubringen und fleißig mit den Besuchern zu mingeln.

Zur Messe gehört ein sehr umfangreiches Rahmenprogramm. Was sind die Highlights?

Ich denke, das hängt zum Teil davon ab, wo man sich in der Karriäre befindet. Ein Geschäftsführer wird sicher unser Get-Together the Entscheider toll finden, während ein Student vielleicht eher an Seminaren wie "Erfolgreich bewerben ist (keine Kunst" interessiert sein wird. Am besten sollte man sich vorher auf unserer Webseite infomieren und das MILK Messemagazin runterladen.


Anders Wikberg: "Nicht vergessen, Visitenkarten mitzubringen und fleißg mit den Besuchern zu mingeln"

Ein Forum auf der Messe lautet "Nutzt Du Deinen Körper, um Karriere zu machen?" Was hat mich denn darunter vorzustellen?

Auch wenn der Titel absichtlich zwiespältig ist, geht es hier nicht darum, wie man sich am besten nach oben schläft... Der Sprecher, Hans Hirschi, ist Kommunikationsexperte und wird zum Thema "Körpersprache" referieren und woran man denken kann, wenn man z.B. einen wichtigen Vortrag hält, am Bewerbungsgespräch sitzt usw. Sicher einer der Höhepunkte des Tages.

Schirmherr der Messe ist Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der auch ein Grußwort sprechen wird. Welche anderen prominenten Redner oder Teilnehmer haben zugesagt?

Wir freuen uns, auch Herrn Thomas Klein, den Geschäftsführer der österreichischen Kultlimonade Almdudler, zu begrüßen. Er spricht Themen wie Familientradition an, sexuelle Konflikte und was es bedeutet, wenn man bereits als 20jähriger das Familienunternehmen übernehmen muss, aber gar nicht unbedingt will, und wie das einen jungen Menschen prägen kann.

Haben Sie bei der Vorbereitung der Messe auch ablehnende Reaktionen von Unternehmen erfahren?

Leider ja, aber ich bin sicher, dass auch diese Firmen mit der Zeit zu uns finden werden. Es wärmt jedoch mein Herz, wenn ich daran denke, wie insbesondere IBM uns mit offenen Armen willkommen geheißen hat. Es ist eine Freude zu sehen, dass es auch noch andere Leute gibt, die das Thema genau so passionert angehen wie wir. Unsere Aussteller sind Firmen, die sich wirklich anstrengen, schönen Worten auch Taten folgen zu lassen. Unsere Teilnehmer glauben wirklich an "Diversity", um erfolgreich sein zu können.

Und was sind die Pläne für 2012?

Das verraten wir zum Ende der Messe in unserer Abschlussrede. Wer nicht dabei sein kann, folgt uns am besten auf Facebook, wo wir alle Neuigkeiten umgehend veröffentlichen.

MILK Messe am Samstag, den 28. Mai ab 9 Uhr im Automobilhaus Spree, Stralauer Allee 44, 10245 Berlin.

Redaktionskommentar

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#1 GalbertAnonym
  • 22.05.2011, 10:10h
  • Ob jemand auf dieser Messe einen Job findet, wird entscheidend von seinem Aussehen abhängen! Darüber sollte man sich im Klaren sein.
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#2 schwulenaktivist
  • 22.05.2011, 12:18h
  • Antwort auf #1 von Galbert
  • Ich will Galbert nicht widersprechen, aber an folgendes erinnern: Dass ich seit 34 Jahren einen schwulen Buchladen in Basel führe - erst schweizweit von Bedeutung und heute nur noch als lokales Kuriosum - hatte nie etwas mit meinem Aussehen zu tun, sondern damit, mit den unterschiedlichsten Leuten selbstverantwortlich zusammenarbeiten zu können!
    Wer sich wegen seiner "Hässlichkeit" nicht auf die heterosexuellen Karrierespiele einlassen kann, oder aus anderen Gründen auch nicht will, der kann sich trotzdem weiterentwickeln.
    Ab einem gewissen Alter nützt auch das Aussehen nichts mehr. Daher sind Entscheidungskompetenz und Durchhaltevermögen, sowie Flexibilität gefragt.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 AgnostikerbaerAnonym
  • 22.05.2011, 13:01h
  • Für die einen stellt sich die Frage, wie man beim "Get-Together der Entscheider" am besten kommuniziert, was das mit einem macht, wenn man schon als "20jähriger das Familienunternehmen übernehmen" muss, derweil andere noch auf eine Karriere-Chance mittels Seminar "Erfolgreich bewerben ist (keine Kunst)" hoffen. Claro, dass dazu gehört, sich alle Persönlichkeitsressourcen willigst abmarkten zu lassen und selbstverständlich immer "Visitenkarten mitzubringen und fleißig mit den Besuchern zu mingeln".

    Abseits der "schwul-lesbischen Karrieremesse" und den Auskünften des Herrn Wirkberg gibt es jedoch auch einen anderen Zugang zu den gesellschaftlichen zusehends krisenträchtigen Zuständen. Zwar noch nicht gerade in D'land, wo man mit Herrn Wirkberg wohl immer noch auf das segensreiche Wirken der "Platin-Partner" wie "Accenture, Allianz, AxelSpringer, Cisco Systems, Google, Apple, BSR, Deutsche Post und Deutsche Telekom" hoffen wird. Etwas weiter südlich fängt dagegen gerade an, die Post anzugehen, nicht die "Deutsche Post" allerdings. Zwar gibt es noch viele Illusionen in Richtung Volkskapitalismus, aber die von kapitalistischer Krise, Arbeitslosigkeit und Sozialabbau gebeutelten Spanier begeben sich nicht auf "Karrieremessen", sondern auf die Straße, protestieren gegen das marktwirtschaftlich geschaffene Elend, diskutieren und lernen gemeinsam. Irgendwo muss jede Bewegung auch im Kopf mal beginnen und vielleicht steht irgendwann dann einmal die Erkenntnis an, dass der ganze Irrwitz und das Elend "System" haben ... :-)

    www.keimform.de/2011/spanishrevolution/
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#4 MaxiAnonym
  • 22.05.2011, 13:43h
  • Abi frisch bestanden, Studiengebühren zu teuer.
    Ich suche jetzt eine gayfriendly Firma, die es mir ermöglicht mich nach oben zu schlafen.
    Mal ehrlich, da hätte ich nichts gegen. Vorausgesetzt mein Chef sieht nicht aus wie eine Vogelscheuche und ist cool drauf.
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#5 HannchenAnonym
#6 alexander
#7 VolkundWeltAnonym
  • 22.05.2011, 20:14h
  • Manchmal frage ich mich, wie weit man Selbstdiskriminierung eigentlich treiben kann...
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#8 Aramis
  • 22.05.2011, 20:27h
  • An und für sich, finde ich die Idee gut und sie hat auch ihre Berechtigung... bedauerlicherweise sind solche Messen leider immer nur in den ganz großen Städten... für die "Familie vom Land" ist der Anfahrtsweg meist zu weit... und gerade die bräuchten Unterstützung...
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#9 FoXXXynessEhemaliges Profil