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Erst zwölf Länder haben seit 1989 die Homo-Ehe eingeführt. Vor allem in Asien und Afrika haben schwul-lesbische Aktivisten einen harten Stand.

Von Dennis Klein

In Deutschland hat die Homo-Ehe gerade ihren dritten Geburtstag hinter sich - durchgesetzt hat sie sich international noch nicht. Bislang gibt es die eingeschränkte Ehe - so genannte Eingetragene Partnerschaften - in erst zehn Ländern, zwei weitere wollen im kommenden Jahr nachziehen. Zudem haben zwei Staaten, die Niederlande und Belgien, die Ehe für Schwule und Lesben vollständig geöffnet - denn "die Menschen wollen Flitterwochen, keinen 'Eingetragenen-Partnerschafts-Urlaub'", so Henk Krol, Chefredakteur des holländischen Homo-Magazins "Gay Krant".

Vor genau 15 Jahren führte Dänemark als erstes Land die "registreret partnerskab" ein. Die pragmatischen skandinavischen Nachbarn folgten in den nächsten Jahren. Damit begann die Homo-Ehe ihren Siegeszug durch Westeuropa: Zuletzt öffnete Belgien die Ehe. Dabei beinhalten die Eingetragenen Partnerschaften je nach Land verschiedene Rechte. So gibt Schweden Homo-Paaren beispielsweise das volle Adoptionsrecht, Deutschland jedoch nicht.

Bereits einige andere Länder gewähren Schwulen und Lesben viele eheähnliche Rechte. So hat Spanien bereits 1994 gesetzlich festgeschrieben, dass Homo-Paare im Mietrecht gleichgestellt sind. Zudem hat die neu gewählte sozialistische Regierung angekündigt, im nächsten Jahr die Homo-Ehe einzuführen, ebenso wie Großbritannien. Auch verbesserte Labour stufenweise die Rechtslage, so kann beispielsweise bereits seit 1997 ein ausländischer Partner eines EU-Bürgers eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung erhalten.

Sogar das konservative Österreich hat 1998 ein Zeugnisverweigerungsrecht für schwul-lesbische Paare eingeführt. Dem will die ÖVP/FPÖ-Koalition jedoch derzeit keine weiteren Schritte folgen lassen. In Osteuropa ist die Situation ernster: Dort ist die Mehrheit der Bevölkerung noch äußerst homophob. Bislang gibt es lediglich in Ungarn ein Gesetz, das Homo-Paaren zumindest im Renten- und Erbschaftsrecht Heterosexuellen gleichstellt.

Auch in außereuropäischen Ländern steht die Homo-Ehe auf der Tagesordnung, insbesondere in Nordamerika. Zwar gibt es weder in den USA noch in Kanada bundeseinheitliche Regelungen, jedoch haben einige Staaten bzw. Provinzen bereits die Homo-Ehe eingeführt. Anders als in Europa waren diese Gesetzesinitiativen meist Reaktionen auf Gerichtsentscheide.

Den Anfang machte Kanada: Hier entschied im letzten Jahr ein Gericht in der Provinz Ontario, dass das Ehe-Verbot für Homos gegen den Gleichheitsgrundsatz in der Bundesverfassung verstoße. Mit sofortigem Effekt wurde damit die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet. Derzeit steht das Standesamt neben Ontario auch in British Columbia, Québec und Yukon offen. Eine Mehrheit der Kanadier sprach sich nach jüngsten Meinungsumfragen zudem für die Homo-Ehe aus.

Anders in den USA: Dort sind nach wie vor knapp zwei Drittel der Bevölkerung gegen die Öffnung der Ehe. Dennoch machte der Staat Massachusetts im Mai diesen Jahres Schlagzeilen, als dort Schwule und Lesben ganz legal ins Standesamt strömten. Der oberste Gerichtshof des Staates hatte das Verbot zuvor als Bruch der Staatsverfassung angesehen. Der Ostküstenstaat hat damit Vermont und Kalifornien überholt, die bereits die Eingetragene Partnerschaft eingeführt hatten. Paare haben jedoch selbst in diesen Staaten nur Rechtsgleichheit in Gebieten, in denen die Bundesregierung nicht das Sagen hat. Fragen wie Steuern oder Immigration bleiben damit ausgeklammert.

Erste Anzeichen für die Anerkennung von schwul-lesbischen Partnern gibt es auch außerhalb Europas und Nordamerikas. Seit Mitte letzten Jahres steht die Homo-Ehe in Buenos Aires (Argentinien) in den Büchern - die erste in Südamerika. Lediglich im das Adoptions- und Erbschaftsrecht sind Homo-Paare nicht gleichgestellt. Auch Australien und Neuseeland kennen schwul-lesbische Partner teilweise an. Düster sieht es jedoch in Afrika und Asien aus. Lediglich Südafrika debattiert über die Einführung von Eingetragenen Partnerschaften. Hier haben Homo-Paare nach einer Gerichtsentscheidung bereits heute das Recht, Kinder zu adoptieren – damit ist das Land am Kap in dieser Frage weiter als die meisten europäischen Staaten. Allerdings ist in fast allen Ländern auf dem schwarzen Kontinent und in Asien Homosexualität verboten - mancherorts droht gar die Todesstrafe.

Trotz der Erfolge für die Homo-Ehe in den westlichen Demokratien ist die weitere Gleichstellung jedoch keine Einbahnstraße. Insbesondere in den USA gibt es derzeit heftigen Gegenwind. Präsident George W. Bush will kurz vor den Wahlen die Verfassung ergänzen, so dass die Homo-Ehe auf ewig verboten bleiben soll. Der Kongress hatte zwar bereits 1996 die Anerkennung von schwul-lesbischen Vermählungen durch den Bund mit dem so genannten "Gesetz zur Verteidigung der Ehe" verboten, jedoch reicht das dem republikanischen Staatsoberhaupt nicht mehr: "Wir müssen uns wehren gegen allzu aktive Richter und städtische Bedienstete." Der Kampf um die Homo-Ehe geht in die nächste Runde.


Homo-Ehe eingeführt:
1989: Dänemark
1993: Norwegen
1995: Schweden
1996: Island
1996: Grönland
1997: Niederlande (2001: Ehe)
1999: Frankreich
2001: Deutschland
2001: Portugal
2002: Finnland
2003: Belgien (Ehe)
2004: Schweiz

Angekündigt von der nationalen Regierung:
2005: Großbritannien
2005: Spanien


3. August 2004, 13:01 Uhr



#1 TobiAnonym
  • 03.08.2004, 17:48h
  • Schön wäre es, wenn es in Deutschland die Homo-Ehe gäbe, aber unter Homo-Ehe verstehe ich das, was die Niederlande und Belgien machen - die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben. Alles andere fällt unter den Namen "eingetragene Partnerschaft" und ist aus zweierlei Gründen diskriminierend: erstens ist es diskriminierend für Schwule und Lesben ein Rechtsinstitut außerhalb der Ehe einzurichten und zweitens haben eingetragene Partnerschaften nicht die gleichen Rechte (wenn es so wäre, könnte man ja gleich die Ehe öffnen).

    Natürlich sind in manchen Fällen (wie z.B. bei Partnern aus EU-fremden Staaten) eingetragene Partnerschaften eine letzte Möglichkeit, aber dies ändert nichts daran, dass sie weiterhin diskriminierend sind und das Ziel die Öffnung der Ehe wie in Belgien und den Niederlanden bleiben muss!
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