Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?14300

Traditionell steht die Kirche Schwulen und Lesben ablehnend gegenüber

In Berlin sollen im Vorfeld zum CSD Gottesdienste für gläubige Schwule und Lesben veranstaltet werden – Evangelikalen ist das offenbar ein Dorn im Auge.

Von Dennis Klein

"Wenn ihr ihr bleiben wollt, wenn ihr queer bleiben wollt, ohne angefochten, kritisch beäugt, diskriminiert zu werden: dann suchet der Stadt Bestes!". Mit diesen Worten eröffnete vergangenes Jahr der evangelische Pfarrer Manfred Moll das lesbisch-schwule Stadtfest in der Zwölf-Apostel-Kirche in Berlin-Schöneberg. Seine Predigt ermunterte die oft von der christlichen Kirche geschmähten Homosexuellen, sich nicht kleinkriegen zu lassen: "Ja, ihr sollt ihr sein – denn indem ihr seid, wie ihr seid, habt ihr der Stadt etwas zu geben."

Dieses Jahr soll das Straßenfest zum zweiten Mal mit einem Vesper in der Kirche in der Nähe des Nollendorfplatzes beginnen. Am 17. Juni um 19:30 Uhr veranstaltet das ökumenische Rogate-Kloster den Gottesdienst. Superintendentin Birgit Klostermeier wird predigen, die Musik liefert der schwule Chor Männer-Minne, Pfarrer Daniel G. Conklin und Frater Franziskus vom Rogate-Kloster übernehmen die liturgische Gestaltung. An der Veranstaltung wollen Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) und der Schöneberger Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak (CDU) teilnehmen.


In der evangelischen Zwölf-Apostel-Kirche in Berlin wurde im vergangenen Jahr das Rogate-Kloster gegründet (Bild: Wiki Commons / Beek100 / CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0GFDL)

Doch die ökumenische Feier stößt auch auf Widerstand. Frater Franziskus erklärte gegenüber queer.de, dass "evangelikale Splittergruppen" bereits per Mail und Brief gegen die offene Haltung gegenüber Schwulen und Lesben protestiert haben. Sie drohen sogar damit, den Gottesdienst am 17. Juni zu stören. "Die Schreiber sprechen uns die Zugehörigkeit zur Kirche ab, werfen uns einen falsches Bibelverständnis vor und zweifeln unsere Arbeit an", fasst Franziskus die Kritik zusammen.

Das Rogate-Kloster ist in Berlin eine neue Einrichtung: 2010 gegründet, soll es ein Kloster für alle Konfessionen in Deutschland sein – "ein Ort der Hoffnung, in dem ohne Trennung gebetet und heilige Eucharistie (Abendmahl, Red.) gefeiert werden kann", heißt es auf der Rogate-Website. Homo-Aktivisten begrüßen die Aktivitäten des Klosters als "großen Schritt, die Kirche für alle Menschen, ganz gleich welcher sexuellen Identität, zu öffnen", wie André Rostalski, Landeschef der schwul-lesbischen Arbeitsgemeinschaft in der SPD (Schwusos) erklärte. "Insbesondere ihr Einsatz gegen Hassgewalt und im Kampf gegen Homophobie ist einzigartig und jede Unterstützung wert".


Schwul-lesbischer Gottesdienst in der Zwölf-Apostel-Kirche

Angesichts der Bedrohung durch Evangelikale fordert Rostalski das Erzbistum Berlin und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg auf, "sich mit aller Deutlichkeit hinter das Rogate-Kloster" zu stellen. Die Unterstützung ist allerdings fraglich: So sprachen sich beide Kirchen im vergangenen Jahr noch generell gegen die Homo-Ehe aus (queer.de berichtete). Die evangelische Kirche ist letzten Monat immerhin dem "Bündnis gegen Homophobie" beigetreten (queer.de berichtete). Die katholische Kirche betreibt dagegen offensiv Politik gegen Homo-Rechte: So bezeichnete Weihbischof Matthias Heinrich die Ehe als "geschützte Marke", die Schwule und Lesben nichts angehe (queer.de berichtete).

Der Gott von Pater Franziskus ist dagegen nicht auf diese politischen Fragen spezialisiert: "Gottes Barmherzigkeit ist größer als alle menschliche, geistliche und geistige Enge", erklärte er auf die Frage, warum Schwule und Lesben einen Gott anbeten sollen, der sie nach Angaben seiner lautstärksten Repräsentanten als Menschen zweiter Klasse ansieht. Der Gott von Franziskus ist freundlicher: "Wir glauben, dass Christus alle annimmt und in jedem sein Antlitz sichtbar werden kann."

Termine:
Rogate-Vesper, 17. Juni, 19:30 Uhr, Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg, U-Bhf. Nollendorfplatz.

Evangelischer CSD-Gottesdienst, 24. Juni, 18 Uhr, St. Marien-Kirche, Karl-Liebknecht-Str. 8, Berlin-Mitte, U-Bhf. Alexanderplatz.



Auch Westerwelle lobt Papst

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich positiv über die Aussagen von Papst Franziskus zur Homosexualität geäußert.
Online-Abstimmung über Potsdamer CSD-Motto

Auf der Homepage des CSD Potsdam können User aus elf Motto-Vorschlägen ihren Favoriten auswählen.
Serbien: Homophober Politiker verurteilt

Ein Gericht in Belgrad hat einen nationalistischen Politiker wegen diskriminierender Äußerungen gegen Homosexuelle schuldig gesprochen.
Der innere Kampf gegen Konfuzius

In Taipeh fand am Samstag Asiens größte Schwulen- und Lesbenparade statt. Viele Teilnehmer leiden unter den traditionellen Wertvorstellungen in Taiwan.
#1 Timm JohannesAnonym
  • 24.05.2011, 14:31h
  • Also die Bedeutung der evangelikalen Christen ist in Europa insgesamt und auch hier in Deutschland eher gering; das hat historische Gründe.

    Die Evangelische Allianz mit Hartmut Streeb und dem Nachrichtenblatt idea versucht zwar immer zu suggerieren, dass es viele evangelikale Christen in Deutschland geben würde, aber das stimmt nicht. Es ist eine krasse Minderheit unter deutschen Christen.

    Die grossen Fortschritte (u.a. Frauenordination) in den Landeskirchen der EKD in den letzten Jahrzehnten beweisen, dass die deutschen lutherischen, unierten und reformierten Christen in ganz grossen Mehrheiten nicht evangelikal sind. Die EKD mit ihren Landeskirchen hat:
    * moderne evangelische Sexualmorallehre: kein Sündenverständnis homosexueller Handlungen und keine Verurteilung aufgrund der Bibel
    * modernes einheitliches Pfarrdienstrecht, das in allen Landeskirchen gilt, mit Zulassung verpartnerter homosexueller Pfarrer im Pfarrhaus
    * offen homosexuelle Bischofsanwärter wie beispielsweise Horst Gorski in Hamburg
    * in verschiedenen ("nicht allen") Landeskirchen das Angebot, Segnungsgottesdienste bei Gang in das Standesamt zu erhalten

    Die Bedeutung freikichlicher Kirchen in Deutschland ist eher gering und dort ist die Haltung sehr zersplittert.

    Auch orthodoxe Kirchen spielen eher eine untergeordnete Rolle in Deutschland.

    Eine sehr wichtige Rolle spielen aber bei uns in Deutschland die Katholiken und wir haben einen deutschen Papst ! Und daher ist das Memorandum "Kirche 2011", das von 311 katholischen Theologieprofessoren unterzeichnet wurde, auch so wichtig, da es unter anderem eine Reform der katholischen Sexualmorallehre fordert, die Öffnung des Zölibates will und Frauen im Amt erlauben möchte.

    Leider ist das Problem, das gerade Ratzinger ein Vertreter der Gegenseite ist und nicht zu den Freunden der Reformtheologen des Memorandums "Kirche 2011" zählt. Hier gilt sei dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine Teilung der katholischen internationalen Theologenwelt: auf der einen Seite Zeitschrift ''Communio'' (Festhalten am Status quo und Traditionsverständnis) und auf der anderen Seite Zeitschrift ''Concilium'', das von Reformtheologen wie Küng mitgegründet wurde und dem insbesondere auch viele südamerikanische/spanische Befreiungstheologen und feministische katholische Theologen angehören.

    Ratzinger stärkt seit Jahren in verschiedenen Themenfeldern (Piusbruderschaft, "alte" Liturgie mit Latein und Hinwendung des Priesters mit Blickrichtung Altar, usw.) das konservative Lager und so sind auch die Bischofsernennungen seitens Ratzinger sehr eindeutig zu bewerten, da Rom nur rechtskonservative Vertreter ernennt. Dies zeigte bereits der Streit um Meissner in Köln unter dem letzten Papst und ist derzeit auch in Berlin zu beobachten, wo ein Nachfolger für das katholische Bistum Berlin gesucht wird.

    ----

    Achso eines kann ich Autoren wie Carsten Weidemann, Dennis Klein, usw. nur empfehlen. Schreibt die Splittergruppen evangelikaler Christen nicht "hoch", denn ihre Bedeutung ist gering in Europa und in Deutschland; ausserdem spielt Ihr dann "nur" der international agierenden Evangelischen Allianz und Hartmut Streeb den Ball zu und erledigt seine Lobbyarbeit. Die Bedeutung evangelikaler Christen ist zwar in den USA hoch, aber nicht hier in Europa und in Deutschland.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 gegenfanatikerAnonym
  • 24.05.2011, 15:07h
  • Das ist doch scheissegal welche bedeutung die haben! Fakt ist, das dies Fanatiker drohen! Und einer Religiösen Extremistengruppe, deren Mitglieder davon labern, dass das was sie tun von Gott befohlen sei (George Walker Bush!), ist alles zuzutrauen!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Side-FX23Anonym
  • 24.05.2011, 15:30h
  • Es ist ziemlich unerheblich, wie groß oder klein der Einfluss dieser sogenannten "Christen" ist! Wer Hass sät wird Hass ernten! Das sollten die als "Christen" doch mittlerweile wissen. Drohgebahren gegen Andersdenkende-/lebende Menschen sind äusserst unchristlich und müssen angeprangert werden! Nur so wird ein Diskurs aufrechterhalten.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 24.05.2011, 15:42h
  • Ich hoffe, daß die Evangelische Kirche Deutschland entschieden gegen diese Störenfriede, welche den Gottesdienst stören wollen, vorgeht!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 SebiAnonym
  • 24.05.2011, 17:10h
  • Diese Radikal-Religiösen haben nicht nur ein Problem mit Demokratie, demokratischen Grundwerten und Grundrechten! Sie zeigen auch immer wieder, dass es ihnen gar nicht um wirklichen Glauben geht, sondern dass sie den nur missbrauchen, um ihre faschistische Ideologie zu verbreiten!

    Anders kann ich mir nicht erklären, dass diese angeblich Gläubigen sogar Gottesdienste stören wollen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 alexander
  • 24.05.2011, 17:18h
  • zeigt es doch, dass die evangelikalen, die bislang offenbar "im untergrund werkelten", glauben langsam oberwasser zu bekommen !!!

    wehret den anfängen !

    oder sollte man besser, das alte testament im rücken, mit den gleichen waffen zurückschlagen
    ( aug um auge, zahn um zahn), und deren gottesdienste stören ???
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Geert
  • 24.05.2011, 17:34h
  • Die Radikalisierung evangelikaler Splittergruppen ist etwas, das von Amerika herüber geschwappt ist. Abschreckenstes Beispiel in den USA ist die berüchtigte Westboro Baptist Church. Diese Radikalisierung ist also ein Teil der Amerikanisierung Europas.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 KonstantinEhemaliges Profil
  • 24.05.2011, 18:06h
  • Zum Glück ist mir noch nie jemand von diesen Faschisten persönlich über den Weg gelaufen! Jeder weitere Kommentar erübrigt sich des Anstands halber.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 stromboliProfil
  • 24.05.2011, 19:13hberlin
  • und.. sollen wir jetzt alle vor der kirche wache halten?
    Das ist erst mal ein problem "gläubiger christen" untereinander, nicht meines als emanzipierter homo!
    Vor den karren lass ich mich so nicht spannen!
  • Antworten » | Direktlink »
#10 zzjjjAnonym