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Dilma Rousseff konnte als Kandidatin der Sozialisten bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2010 ihren konservativen Gegenkandidaten mit 56 Prozent der Stimmen besiegen (Bild: Roberto Stuckert Filho/Presidência da República)

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hat ihr Veto gegen den Gebrauch von Aufklärungsvideos und -broschüren in Schulen eingelegt, die Homophobie bekämpfen sollten.

Die sozialistische Politikerin empfindet die Materialien im "Anti-Homophobie-Kit" als "unangemessen", erklärte ein Sprecher des Präsidialamtes: "Die Präsidentin mag die Videos nicht und hat die Produktion einstellen lassen", hieß es aus Brasilia.

Das Kit besteht aus vier bereits gedruckten Broschüren und drei Videos, die auch im Internet zu sehen sind. Die von einem kleinen Unternehmen produzierten Materialien enthalten keinerlei sexuelle Darstellungen, sondern rufen dazu auf, Mitglieder von sexuellen Minderheiten zu akzeptieren. Ursprünglich wollte das Bildungsministerium die Broschüren und Videos an den 6.000 öffentlichen Schulen in Brasilien verteilen. Der verantwortliche Minister kündigte jedoch an, dass die Regierung weiterhin Homophobie unter Jugendlichen bekämpfen wolle, allerdings nur mit weniger umstrittenen Materialien.

Konservative Abgeordnete und Kirchengruppen hatten vor dem Veto Druck auf die Regierung ausgeübt, die Materialien nicht an Schulen zuzulassen. Sie argumentierten, dass Minderjährige homosexuell werden könnten, wenn sie mit schwulen oder lesbischen Themen in Berührung kommen. Mehrere Abgeordnete drohten damit, alle zukünftigen Gesetzesvorhaben der Regierung stoppen zu wollen, wenn die Videos nicht zurückgezogen werden. Sie loben nun die Präsidentin für ihr Veto: "Mit der Entscheidung wurde verhindert, dass die Schulen mit Material überschwemmt werden, das nicht die Homophobie bekämpft, sondern vielmehr zu Homosexualität stimuliert", erklärte etwa der Abgeordnete Jair Bolsonaro von der konservativen Fortschrittspartei.

Warnungen vor homophober Gewalt

Homo-Gruppen erklärten, mit der Entscheidung verurteile die Regierung viele junge Schwule, Lesben und Transsexuelle zum Tode. Homo-Gruppen schätzen, dass in den letzten Jahrzehnten tausende Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung ermordet worden sind. Die Regierung veröffentlicht jedoch keine Statistiken über Hassverbrechen. Vor zwei Jahren warnte eine Homo-Gruppe, dass die Passivität der Behörden zu einem "Homocaust" führe (queer.de berichtete). Die USA gewähren daher schwule Brasilianern Asyl, da sie im eigenen Land nicht sicher seien (queer.de berichtete).

Die harsche Reaktion von Homo-Gegnern hängt auch mit einem homofreundlichen Urteil des obersten Bundesgerichts zusammen. Das Supremo Tribunal Federal hat Anfang des Monats entschieden, dass die Regierung Homo-Beziehungen anerkennen muss, weil sie sonst gegen den Gleichheitsgrundsatz in der Verfassung verstößt (queer.de berichtete). Damit können Schwule und Lesben ihre Beziehungen registrieren und erhalten die selben Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Eheleute. Konservative sahen durch das Urteil die "Institution Ehe" gefährdet. Auch Präsidentin Rousseff hat erklärt, dass sie die Ehe-Öffnung in ihrem Land strikt ablehnt, weil Hochzeiten religiöse Feste seien. Die gläubige Katholikin unterstützte jedoch die Einführung von eingetragenen Partnerschaften. (dk)

Youtube | Eines der "unangemessenen" Videos des Anti-Homophobie-Kits


#1 NaaaAnonym
#2 tarantulaAnonym
  • 26.05.2011, 13:39h
  • Antwort auf #1 von Naaa
  • leg dich nicht mit emancipation an!
    das führt doch nur wieder zu sehr viel produzierten text, durch den wir uns durchwühlen müssen.

    wenn dann noch stromboli mit einsteigt, wirds richtig anstrengend...
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#3 NelsonAnonym
#4 stromboliProfil
#5 eMANcipation*Anonym
  • 26.05.2011, 14:41h
  • Zunächst einmal finde ich es erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit diese Meldung ihren Weg zu queer.de gefunden hat. Herzlichen Glückwunsch!

    Das sah jahrelang in Hinblick auf das Programm "Schule ohne Homophobie" oder auch das Verfahren des obersten Gerichtshofes zur Gleichstellung homosexueller Partnerschaften, das von der Regierung der Arbeiterpartei in Brasilien einschließlich Präsidentin Dilma ausdrücklich unterstützt wurde, deutlich anders aus.

    Der oben zitierte Abgeordnete Bolsonaro ist übrigens als größter Homo-Hasser in der brasilianischen Politk bekannt und hat wegen zahlreicher verbaler Ausfälle derzeit mehrere Gerichtsverfahren, u. a. auch wegen Rassismus, am Hals. Das sollte man vielleicht erwähnen, um nicht den Eindruck zu erwecken, Leute à la Norbert Geis kämen in Brasilien völlig ungeschoren davon.

    Und jetzt werde ich euch noch so richtig schockieren:

    Ich mag die drei Videos, die da produziert wurden, auch nicht! Unter anderem deswegen, weil in einem der Videos (mit dem bezeichnenden Titel "Probabilidade" = Wahrscheinlichkeit) Bisexualität dargstellt wird als Orientierung, mit der man "die Wahrscheinlichkeit verdoppelt, jemanden zu treffen, den man mag".

    Gleichzeitig rückt keines der drei Videos junge Schwule in den Mittelpunkt, und ich habe generell die angemessene Thematisierung von Homophobie und deren Ächtung vermisst.

    Des Weiteren sei darauf hingewiesen, dass es sich im exakten Wortlaut ausdrücklich um eine "suspensao", d. h. eine "Aussetzung" des kit educativo in der aktuellen (!) Form handelt. Von einem "cancelamento" (so würde das in Brasilien heißen), also einer Aufhebung des Projekts, war hingegen ausdrücklich nicht die Rede.

    *********************************
    Gerade habe ich per E-Mail von der brasilianischen Schwulen- und Lesbenvereinigung erfahren, dass sie vom Generalsekretariat der Präsidentin für nächste Woche zu einem Treffen bezüglich des "kit educativo" eingeladen worden sind.

    Generell würde ich mir wünschen, dass über das gepflegte Nichtstun in Sachen verpflichtender Aufklärungs- und Antidiskriminierungsmaßnahmen in diesem unseren Lande ebenso vehement berichtet wird, wie über die aktuelle Episode in Brasilien (davon hätten wir alle konkret mehr). Insbesondere nachdem die dortigen, sehr beachtlichen Fortschritte in der hiesigen Berichterstattung über Jahre hinweg ausgeblendet worden sind.

    Wo sind denn die Aufklärungsmaterialien und -videos, die flächendeckend in deutschen Schulen eingesetzt werden sollen? Solange es die nicht gibt, können sie natürlich auch von niemandem "gestoppt" werden.

    Alles in allem: Dass auch in Brasilien reaktionäre Teile der Gesellschaft Widerstand gegen den notwendigen Fortschritt leisten, sollte niemanden überraschen. Dass sie dabei mit der Verdrehung von Tatsachen und Angstkampagnen arbeiten, auch nicht. Es gibt aber vor dem Hintergrund der Fortschritte in den letzten Jahren keinen Grund anzunehmen, dass die Homo-Bewegung, deren Anliegen von regierenden Arbeiterpartei in erheblichem Umfang sogar institutionell verankert worden sind (z. B. Nationaler Rat für Schwule und Lesben, direkt angegliedert an die Präsidentschaft der Republik), nicht sehr entschlossen für weitere wichtige Fortschritte kämpfen und diese auch, solange zwar der Kongress teilweise von konservativen Kräften blockiert wird, diese aber nicht die Regierung kontrollieren, auch erreichen wird.
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#6 NaaaAnonym
  • 26.05.2011, 15:22h
  • Antwort auf #5 von eMANcipation*
  • ooooh was für lauwarme ausreden...

    und seeeeehr lustig wie du schreibst das du gaaaaaanz plötzlich die videos auch nicht magst.
    davon gabs vorher nie nen wort zu lesen. da hast du vorher immer nur gejubelt wie toll es ist das in den schulen soooviel mit materialien aufgeklärt wird.
    lustig ist auch der rat für schwule und lesben. is toll so nen rat. vorallem wenn sich die präsidentin null dran gebunden fühlt was da beschlossen wird und nach katholischer facon die materialien ausm verkehr zieht.( wie findest du es eigentlich das sie die ehe öffnung strikt ablehnt??? Na mal nen paar kokrete worte dazu???).
    dann schreibst du die regierende arbeiterpartei trage die anliegen in erheblichem umfang mit. das scheinen die schwulen und lesben in brasielien aber anders zu sehen:

    "Homo-Gruppen erklärten, mit der Entscheidung verurteile die Regierung viele junge Schwule, Lesben und Transsexuelle zum Tode. Homo-Gruppen schätzen, dass in den letzten Jahrzehnten tausende Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung ermordet worden sind. Die Regierung veröffentlicht jedoch keine Statistiken über Hassverbrechen. "

    wie kann es eigentlich sein das deine achsooo fortschrittliche regierung keine statistiken zu hassverbrechen veröffentlicht?

    tja und dann hätts dir auch gut angestanden mal was dazu zu sagen das über die hälfte deiner ach so gerechten und sozialen arbeiterpartei den lobbyinteressen von Umweltverbrechern zugestimmt hat.
    du bist doch derjenige der gegen den bahnhof da in stuttgart immer gewettert hat. und wenn über die häfte der abgeordneten deiner favourisierten partei , in einheit mit rechten, den weg frei machen für viel massivere umweltverbrechen dann findest du dafür keine worte?
    www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/agrarlobby-duepiert-pr
    aesidentin-roussef/


    ach emanzi du bist immer nur moralisch wenns dir grade passt.
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#7 eMANcipation*Anonym
  • 26.05.2011, 16:00h
  • Antwort auf #6 von Naaa
  • Jetzt überraschst du mich aber mit deiner Naivität. Dass ich eine Partei oder zentrale Inhalte von deren Politik der letzten Jahre in Brasilien "favorisiere", heißt ja nicht, dass ich ihr unterstelle, immer eine ideale Politik zu machen. Oder - und jetzt kommt der notwendige Realismus ins Spiel - unter den herrschenden ökonomischen und damit auch politischen Machtverhältnissen überhaupt machen zu können.

    Wir sollten etwas genauer hinsehen, wer zum Beispiel so alles von der massiven Ausweitung des Sojaanbaus, allgemein des Agrobusiness, in Brasilien profitiert und/oder daran beteiligt ist. Da machst du es dir ein bisschen zu einfach, wenn du dir einbildest, das liege allein oder vor allem in der Verantwortung der brasilianischen Regierung. Vielleicht müsste man sich auch in Europa Gedanken darüber machen, was einem der Erhalt des Regenwaldes im Amazonasgebiet konkret wert ist?!

    Ich bin eben weniger Träumer als vielmehr Realist. Spätestens seitdem ich zwei Jahre lang die Lebenswirklichkeit der weniger oder am wenigsten privilegierten Menschen in Brasilien aus nächster Nähe kennen lernen und auch viele Freundschaften schließen durfte. Und miterlebt habe, was die erste umfassende Sozialpolitik der Regierungen Lula/Dilma, die deutliche Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes, Programme des sozialen Wohnungsbaus usw. an deutlichen und existenziellen (!) Verbesserungen, auch für meine überwiegend schwulen Freunde und Bekannten, bewirkt haben.

    Daneben ist für jeden, der einmal längere Zeit in Brasilien gelebt hat, die generelle Offenheit der großen Mehrheit der Bevölkerung gegenüber sexueller Vielfalt deutlich erfahr- und spürbar, die in den letzten Jahren auch politisch, vor allem von der Exekutive, weniger von der Legislative, wo die Regierung über keine echte Mehrheit verfügt (traditionelle Fragmentierung der brasilianischen Parteienlandschaft), und auch sehr deutlich von der Judikative zunehmend gewürdigt wurde. Teilweise in einer Deutlichkeit, die ich hierzulande von Regierungschefs und Staatsoberhäuptern und sogar von Verfassungsrichtern noch nicht erlebt habe.

    (Schwule Medien in Deutschland berichteten nur teilweise - wer sich tatsächlich dafür interessiert und nicht nur, offensichtlich mit dem Ziel privater Kleinkriege, stänkern will, hätte das über diverse aussagekräftige Links, die nicht nur von mir in zahlreichen Threads eingestellt wurden, auch tun können!)

    Also, ein paar oberflächliche und teils unzutreffende (siehe "Aussetzung" vs. "Aufhebung" u. a.) Darstellungen reichen sicherlich nicht aus, um die homopolitische und sonstige Entwicklung in Brasilien angemessen zu beschreiben. Wir warten jetzt am besten mal ab, was bei der Sitzung von ABLGT und brasilianischen Regierungsvertretern in der kommenden Woche herauskommt. Queer.de wird ja bestimmt darüber berichten.

    Und auch beim "código florestal" (Waldgesetz) ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, obgleich die Übermacht des Agrobusiness jedem, der auch nur die geringste Ahnung von den globalen ökonomischen Zusammenhängen hat, eigentlich klar sein sollte.

    Dass wir weltweit einen grundsätzlichen Wandel brauchen, um genau daran etwas zu verändern - davon musst du MICH wahrlich nicht überzeugen!
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#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 26.05.2011, 18:52h
  • Müssen denn die Brasilianer denn den gleichen Mist wie in Tennessee verzapfen? Das ist doch die Höhe!
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#9 hwAnonym
#10 eMANcipation*Anonym