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  • 03. August 2004, noch kein Kommentar

Mit "Politiker wollen Homo-Kunde an Schulen" entfachte die Zeitung "Bild" eine deutschlandweite Diskussion über Homosexualität und Schule. Dirk Jung sprach mit dem Berliner Lehrer Detlef Mücke, der vor 25 Jahren die Arbeitsgemeinschaft Schwule Lehrer bei der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft in Berlin gegründet hat.

Wie sieht denn Deine persönliche Homo-Kunde im Unterricht aus?
Wenn meine Schüler mich im Unterricht fragen, ob ich homosexuell bin, dann beantworte ich ihnen dies offen und ehrlich - damit ist das Thema gegessen. Oder ich verweise noch auf unsere Webseite www.schwulelehrer.de. Danach wollen meine Jugendlichen (Gesamtschule 7.-10. Klasse) immer so Dinge wissen wie: "Herr Mücke, waren sie auch auf dem CSD? Wir haben sie gar nicht gesehen..."

Die Lehrpläne sind so offen gehalten, dass Lehrer auch jetzt schon gleichgeschlechtliche Lebensweisen in unterschiedliche Fächer einbauen können. Sollte das noch ausgebaut werden?
In der Grundschule sind wir schon soweit - dort wird bereits Homosexualität erwähnt. Wir verhandeln gerade, dass es in der Sekundarstufe 1 in Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen auch in Deutsch unter dem Thema "Erste Liebe" oder in Geschichte beziehungsweise Sozialkunde und im Fremdsprachenunterricht aufgenommen wird.

Müssen auch die Schulbücher neu geschrieben werden?
Die Schulbuchverlage sind dazu bereit, aber die müssen erst ein Verfahren durchlaufen, so dass sie konform sind mit dem Lehrplan.

Gibt es denn außer einem Mehr an "Homo-Kunde" noch etwas anderes, was an den Schulen passieren müsste, um mehr Akzeptanz zu erreichen?
Es läuft ja im Moment die Akzeptanz-Kampagne des schwulen Magazins "Du&Ich". Die suchen Schulen, die sich im Rahmen ihrer so genannten Profilbildung mit verschiedenen Lebensformen auseinandersetzen. Manche Schulen machen das schon. Wir von der Arbeitsgemeinschaft unterstützen all die Initiativen, wo Schulen sich im Rahmen ihrer Profilbildung - das ist eine Art Leitbild, das sich jede Schule selbst gibt - mit Homosexualität beschäftigen.

Hast Du Erfahrung mit Modellen, bei denen externe Profis an die Schule geholt werden, um dann den Unterricht zu gestalten?
Das ist immer gut. Denn eigentlich sind Lehrer ausgebildet für Sexualkundeunterricht. Sexualkunde ist ja fächerübergreifend. Ein Physiklehrer kann, wenn er "Du schwule Sau" hört, seinen Unterricht abbrechen und das einfach thematisieren. Das ist sein pädagogischer Auftrag. Nun muss er dazu aber auch befähigt werden, über Sexualität zu sprechen, das fällt etlichen schwer. Wenn Lehrer bei so einem Thema rot anlaufen, weil sie selbst keinen eignen Standpunkt haben, wäre es gut, wenn sie sich dazu gar nicht äußern würden. Stattdessen sollten sie sagen, wir behandeln das nächste Woche und sie holen sich dann Kompetenz von außen durch Menschen, die sich im schwul-lesbischen, bisexuellen oder Transgender-Bereich auskennen.

Welche Auswirkungen wird die Homo-Kunden-Diskussion haben?
Mich wundert, dass die "Bild"-Zeitung so intensiv darüber berichtet - vielleicht ist sie auch ein Promoter. Guido Westerwelle (FDP) hat nach seinem Outing in der "Bild" das gesagt, was ich bereits seit langem sage: nämlich, dass schwul-lesbische Lebensweisen mit einer Selbstverständlicheit akzeptiert werden sollten. Und es ist einfach ein selbstverständlicher Umgang mit diesen Lebensformen erfolgt. Dazu trägt auch so eine Headline der "Bild" bei. Wir sind auf einem guten Weg.