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Schwule und lesbische Eltern sind seit Jahren ein Streitfall der Politik (Bild: Wiki Commons / ScienceGenetics / CC-BY-SA-3.0GFDL)

Schwulen und lesbischen Paaren sollte ein volles Adoptionsrecht wie Eheleuten eingeräumt werden. In einer öffentlichen Anhörung des Rechtsausschuss am späten Montagnachmittag schloss sich die Mehrheit der Sachverständigen dieser Forderung an, berichtet der Informationsdienst des Deutschen Bundestags.

Anlass für die Anhörung war ein entsprechender Gesetzesentwurf der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Nina Dethloff vom Institut für Deutsches, Europäisches und internationales Familienrecht an der Universität Bonn sagte, das geltende Verbot der gemeinschaftlichen Adoption durch eingetragene Lebenspartnerschaftes widerspreche dem Kindeswohl. Faktische Eltern-Kind-Beziehungen der in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsendem Kinder müssten umfassend rechtlich abgesichert werden können, sagte Dethloff.

Sozialwissenschaftliche Untersuchungen belegten, dass die Entwicklung von Kindern entscheidend durch die Qualität der innerfamiliären Beziehung geprägt sei und nicht durch das Geschlecht der Personen, bei denen sie aufwachsen. Die derzeitige Ungleichbehandlung von Lebenspartnern und Eheleuten sei folglich nicht aus Gründen des Kindeswohls gerechtfertigt und widerspreche dem Grundgesetz.

Zustimmung kam auch vom Lesben- und Schwulenverband Brandenburg: Constanze Körner äußerte, es gebe "keine sachliche Grundlage für die Ungleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Paaren". Dirk Siegfried, Rechtsanwalt und Notar aus Berlin, wies auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Anfang Juli 2009 hin: Daraus ergebe sich, dass die Privilegierung der Ehe gegenüber der Lebenspartnerschaft bei der gemeinsamen Adoption nicht zulässig sei. Professor Herbert Grziwotz von der Universität Regensburg war der Meinung, die Ehe als Kern einer bürgerlichen Familie, bestehend aus den Eltern und ihren Kindern, sei längst "obsolet" geworden. Wie bei Ehegatten komme es auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren im Rahmen einer Kinderannahme entscheidend nicht auf deren Interessen, sondern auf das Wohl des Kindes an.

Kinderwohl oder Elternwohl?

Ein Adoptionsrecht sei kein Instrument zum Abbau gesellschaftlicher Diskriminierung, findet hingegen Professor Klaus F. Gärditz von der Universität Bonn. Es erscheine fraglich, ob der familienrechtliche Status überhaupt Einfluss auf tatsächliche Diskriminierungen in der Gesellschaft habe. Die Gleichstellung werde zum Vehikel, etwaige Diskriminierungen abzubauen, mit denen sich die gleichgeschlechtlichen Lebenspartner konfrontiert sähen. Es ginge dann aber in erster Linie um das Elternwohl, nicht mehr um das Kindeswohl, das im Adoptionsrecht im Vordergrunde stehen sollte.

Ablehnend äußerte sich auch Professor Bernd Grzeszick vom Institut für Öffentliches Recht, Verfassungslehre und Rechtsphilosophie von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Die Ehe als Strukturprinzip stehe ein "exklusives Recht" zur gemeinsamen Fremdkindadoption zu. Zum anderen werde diese Differenzierung vom Kindeswohl zumindest gestattet, da die Gefahr von Ablehnungen und Stigmatisierungen von Lebenspartnerschaften ein "hinreichender Unterschied" zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft sei.

Ablehnung über Ablehnung

Der Gesetzentwurf der Grünen (17/1429) sieht ein gemeinschaftliches Adoptionsrecht für Lebenspartnerschaften vor, bisher ist dies nur möglich, ist einer der Lebenspartner selbst biologischer Vater oder Mutter (im Rahmen der sogenannten Stiefkindadoption). Durch die Ungleichbehandlung würden vor allem die Kinder benachteiligt, kritisieren die Grünen. "Nach bestehender Rechtslage ist Eingetragenen Lebenspartnerinnen oder Lebenspartnern anders als Eheleuten eine gemeinsame Adoption nicht möglich. Handelt es sich um Pflegekinder oder um das Adoptivkind eines Partners, so verkennt die rechtliche Behandlung dieser Kinder die bestehende Elternschaft und benachteiligt sie damit z. B. durch fehlende Unterhalts- oder Erbansprüche gegenüber beiden Eltern", heißt es in dem Entwurf.

Ein ähnlicher Gesetzentwurf der Länder Berlin und Hamburg war im April im Bundesrat gescheitert (queer.de berichtete); Entwürfe von SPD und Linkspartei zur Gleichstellung von Ehe und Lebenspartnerschaft, die auch ein Adoptionsrecht vorsehen, hatte der Rechtsausschuss des Bundestags zudem im Januar mit schwarz-gelber Mehrheit abgelehnt (queer.de berichtete). (nb/hib/pm)



#1 GuddySmith
#2 KathiGr
  • 06.06.2011, 18:52h
  • Ich drück' ganz feste die Daumen, dass es bei diesem Anlauf endlich klappt. Da die Mehrheit der Experten für das volle Adoptionsrecht ist (Was auch sonst!?), sehe ich doch einen kleinen Hoffnungsschimmer. Ich will ja später auch mal adoptieren, aber nur zusammen mit 'ner Ehefrau und nicht mit 'ner eingetragenen Partnerin.
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#3 FDP-ChristianAnonym
  • 06.06.2011, 19:44h
  • Ich bin mir bei dieser Sache immer nicht sicher.
    Ich würde einen Volksentscheid zu diesem Thema machen. Dadurch werden die Kritiker, die immer behaupten, es gäbe keine gesellschaftliche Mehrheit dafür, widerlegt. Sollte allerdings das Gesetz so vom Volk gestoppt werden, hatten die Kritiker Recht und damit muss man leben.
    Ich denke, dass es wichtig ist, hier nicht nur zwischen homophil und homophob zu unterscheiden, sondern WIRKLICH das Kindeswohl in den Mittelpunkt zu stellen.
    Die Experten sind sich zwar einig, dass auch gleichgeschlechtliche Paare Kinder aufziehen können. Wenn aber die Kinder dadurch Diskriminierung erleben, finde ich dies schon bedenklich.

    Insgesamt eine sehr schwierige und umfangreiche Frage. Daher find ich es immer befremdlich, wenn Schwule gleich die Homophobiekeule rausholen, wenn mal einer Kritik übt...
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#4 GolemProfil
  • 06.06.2011, 20:07h-
  • Antwort auf #3 von FDP-Christian
  • Wenn die Kinder entsprechender Eltern Diskriminierungen erleben sollten, so ist dies natürlich traurig und bekämpfenswert, aber Gleichberechtigung darf nicht mit dem Verweis auf Homophobie verhindert werden, die eine Diskriminierung nicht mit einer anderen. Das würde einer Kapitulation gleichkommen und man könnte mit dem gleichen Argument auch andere Freiheiten beschneiden und Diskriminierungen rechtfertigen. ("Ich bin ja auch dafür, dass Schwangerschaftsabbrüche legal seien sollten, aber da Frauen hinterher als kinderfeindliche Schlampen, die den Volkskörper zerstören beschimpft werden könnten, sollte man es verbieten.")

    Ich bin auch skeptisch, was die Volksentscheide anbelangt. Prinzipiell wären sie begrüßenswert und da offensichtlich eine Mehrheit der Deutschen für Gleichberechtigung ist, wäre das ein starkes Signal. Andererseits würde das suggerieren, dass man nicht prinzipiell für Gleichberechtigung ist, sondern diese zur Disposition stellt. Es gibt aber Dinge wie Menschenrechte und Gleichberechtigung, die auch eine Mehrheit nicht antasten dürfen sollte.
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#5 FelixAnonym
  • 06.06.2011, 20:12h
  • Klar, das sagen alle Experten. Und dabei geht es gerade ums Kindeswohl, weil
    1. die Kinder besser in schwul-lesbischen Familien aufwachsen als im Heim oder auf der Straße
    und
    2. die Kinder in schwul-lesbischen Familien Rechtssicherheit brauchen!!

    Dennoch lehnen Union und FDP das weiter ab! Die FDP hatte das zwar mal im Wahlkampf versprochen, hat das aber nach der Wahl als erstes fallen gelassen!

    Das Schlimmste ist:
    nicht nur, dass Union und FDP wissenschaftliche Fakten, Argumente und Expertenmeinungen ignorieren! Sondern sie schei.... auch aufs Kindeswohl. Sie behaupten, es ginge ihnen ums Kindeswohl, aber das genaue Gegenteil ist der Fall: sie instrumentalisieren Kinder, um ihre Hasspropaganda zu verbreiten!

    Schwarz-Gelb muss weg! Nicht nur wegen Homorechten und anderen Grundrechten, sondern auch wegen des Kindeswohls und zig anderer Dinge!
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#6 alexander
  • 06.06.2011, 20:12h
  • Antwort auf #3 von FDP-Christian
  • mach dich mal mit "volksentscheiden" vertraut, kannst noch viel lernen.
    was glaubst du übrigens, wie ein volksentscheid über den verbleib der fdp und ihrer minister in der regierung, im moment ausfallen würde ??????
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#7 Peter BAnonym
  • 06.06.2011, 20:16h
  • Antwort auf #3 von FDP-Christian
  • Ich zitiere dich: "Ich würde einen Volksentscheid zu diesem Thema machen." und "Ich denke, dass es wichtig ist (...) WIRKLICH das Kindeswohl in den Mittelpunkt zu stellen."

    Verstehe ich dich also richtig, dass die Bevölkerung - oder du - das Kindeswohl besser als die hier angefragten Sachverständigen (die die entsprechenden Studien hoffentlich kennen) beurteilen können? Das wage ich zu bezweifeln.

    "Wenn aber die Kinder dadurch Diskriminierung erleben, finde ich dies schon bedenklich." Wenn du so argumentierst solltest du auch dafür sein, dass Schwarze/Türken... keine Kinder adoptieren dürfen, weil Schwarze/Türken.. mehr diskriminiert werden, als der Durchschnittsbürger!
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#8 Lapushka
  • 06.06.2011, 20:19h
  • Antwort auf #3 von FDP-Christian
  • "Wenn aber die Kinder dadurch Diskriminierung erleben, finde ich dies schon bedenklich."
    Was glaubst du, was Kinder von "interracialen" Paaren sich anhören mussten, als die Apartheid noch im Gange war oder in der Zeit danach?
    Es ist nicht immer leicht, gesellschaftliche Vorurteile abzubauen und es ist nicht immer bequem - aber das ist kein Grund, es nicht zu tun.

    Mögliche Diskriminierung ist kein Grund, Eltern eine Adoption zu verweigern, sondern eher ein Grund, etwas an der Gesellschaft zu ändern.
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#9 Werwolf138Anonym
  • 06.06.2011, 21:17h
  • Bedenken sollte man dabei, dass es in Deutschland mehr adoptionswillige Paare gibt als Kinder. D.h., dass der Zugang extrem schwierig zu solchen Kindern ist und oft an Alter, Reichtum oder Dauer der EHE scheitert. Die Studie (wo es in Deutschladn genau eine gibt) wurde unter außschließlich lesbischen Paaren durchgeführt, die ihre Kinder aus hetero-Beziehungen hatten und die Kinder auch Kontakt zum leiblichen Vater hatten, mit dem sie die ersten Jahre zusammenlebten. Man kann keine Äpfel mit Birnen vergleichen und ich habe meine Absolution heißt nicht, dass das Traumschloss auch funktioniert, sondern am Fehlerpunkt Kind scheitert.
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#10 MikoAnonym
  • 06.06.2011, 21:21h
  • Antwort auf #3 von FDP-Christian
  • Ja, stotternde Kinde werden auch gehänselt und gemobbt. Lasst uns die wegsperren.

    Oder arme Leute sollten zwangssterilisiert werden, damit sie keine Kinder bekommen, die in der Schule als Asi-Kinder gemobbt werden.

    Und Heimkinder erst...

    Sorry, aber wir sollen Familien ihr Glück verwehren, damit Kinder nicht gehänselt werden. Ich war als Kind sehr dick und wurde deshalb gehänselt. Ein Kumpel wegen seiner Brille, eine Freundin wegen ihrer Sommersprossen, ein anderer, weil er so klein war, etc etc.

    Gerade wenn die Kinder eine tolle Familie haben, überstehen sie viel.

    Im Übrigen:
    Union und FDP schaffen ein Klima, dass Schwule minderwertig seien und das soll dann Argument sein, dass sie keine Kinder erziehen können?

    Es geht gerade ums Kindeswohl, deswegen MUSS das Adoptionsrecht für Schwule und Lesben geöffnet werden! So wie es alle Experten fordern...
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