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Schnaps, das war sein letztes Wort... (Bild: Derek Bower)

Die Anti-Aids-Kampagne eines Designers ärgerte die Alkoholindustrie. Seitdem kursieren die Motive im Web. Virales Marketing ungewollt.

Von Carsten Weidemann

Eine der schönen Seiten im Internet: Informationen, die Unternehmen am liebsten unterdrücken möchten, tauchen an anderer Stelle wieder auf. Das, was unter den Teppich gekehrt werden sollte, wirbelt auf einmal mächtigen Staub auf. Und zwar viel mehr, als wenn es das Unternehmen einfach dabei belassen hätte. Ein kleines Beispiel nahm seinen Anfang im Februar 2010.

Der Brite Derek Bowers ist ein kreativer Mensch. Er ist Grafikdesigner und ein Experte im Spiel mit Fotomontagen und Schriftarten. Anfang 2010 bekam er den Auftrag, für eine Safer Sex-Kampagne der Regierung neue Motive zu entwickeln, die sich mit den steigenden Zahlen diverser sexuell übertragbarer Krankheiten in England befassen. "In welche Richtung die Motive gehen sollten, das war völlig offen gelassen worden," berichtet Derek. "Es sollte allerdings nicht zu anzüglich oder anstößig werden, und ich wollte auch keinen Schock-Faktor."

Viel Alkohol erhöht die Risikobereitschaft beim Sex

Bei seinen Recherchen zum Thema stieß er auf eine bekannte Tatsache: Exzessiver Alkoholgenuss vor dem Sex erhöht die Risikobereitschaft. "Ich nutzte deswegen verschiedene Alkoholflaschen". Der Markenschnaps heißt in seiner Version "Chlamydia", den in der schwulen Szene so gern beworbene Wodka benennt er in "Geintal Herpes" um. Diese witzige Umdeutung fand die Alkoholindustrie alles andere als komisch und machte Druck. Derek Bowers, der seine Entwürfe auf einer Website veröffentlicht hatte, machte einen Rückzieher: "Dieses Projekt ist wegen verschiedener Beschwerden einer Anzahl von großen Unternehmen im Alkoholgeschäft entfernt worden."

Seitdem kursieren die Motive munter und fröhlich von einem Blog zum anderen, versehen mit den entsprechenden zynischen Kommentaren. Die Industrie hat sich offensichtlich keinen Gefallen damit getan, auf ihr Markenrecht zu setzen und die aus ihrer Sicht negative Verbindung von zu Alkohol und Geschlechtskrankheiten zu unterbinden. Virales Marketing anders herum.



#1 EnyyoAnonym
  • 11.06.2011, 19:59h
  • Toller Designer - dass er damit Probleme kriegt hätte er nach dem Einführungskurs Marketing wissen sollen.

    Und jetzt sind's die pöhsen Alk-Firmen.

    Mister Bowers wäre sicher auch nicht begeistert, würde man seine Werke ungefragt mit Krankheit und Elend in Verbindung bringen!

    Naja, wenn dadurch etwas weniger gesoffen wird, hat's ja letztlich doch seinen Zweck erfüllt.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil