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  • 12. Juni 2011, noch kein Kommentar

Ein 40 Jahre alter schwuler Taiwan-Chinese reflektiert sein Leben

Nach 17 Jahren in deutscher Übersetzung: Chu Tien-wens Roman "Notizen eines einsamen Mannes"

Von Carsten Weidemann

In Chu Tien-wens "Notizen eines einsamen Mannes" erinnert sich der vierzigjährige Ich-Erzähler Xiao in fünfzehn Kapiteln an eine Reihe von Liebhabern, während sein Freund aus Kindheitstagen, Ah Yao, an den Folgen von Aids stirbt. Der von einem buddhistischen Grundton getragene Roman ist nun im Angkor Verlag erstmals in deutscher Übersetzung erschienen.

Hauptthema ist die Sterblichkeit, der Erzähler wägt Ah Yaos "riskanten" Lebensstil, seinen politischen Aktivismus und seine Hassliebe zur eigenen Mutter ab. Die Zerbrechlichkeit romantischer Liebe wird der Macht des Eros gegenübergestellt, über den Trost des Schreibens philosophiert und über die Kälte einer jüngeren, von Videospielen besessenen Generation. Das Leben am Rande der taiwanesischen Gesellschaft wird über Metaphern und Anspielungen wie auf den Filmemacher Fellini, den 2009 verstorbenen Ethnologen Lévi-Strauss, den Philosophen Michel Foucault und sogar den Popstar Michael Jackson reflektiert. Dabei gelingt noch ein knapper Streifzug durch Taiwans Geschichte seit Chiang Kai-shek bis heute. Am Ende macht der Erzähler eine Pilgerfahrt zum Ganges.

Der Roman erhielt den Literaturpreis der China Times


Chu Tien-wen schrieb den Roman bereits im Jahr 1994 (Bild: Taiwan Book Fair Foundation)

Chu Tien-wen, Jahrgang 1956, ist eine der bekanntesten Autorinnen Taiwans. Sie entstammt einer Familie von Literaten und veröffentlichte ihre erste Geschichte mit 16 Jahren. 1994 erschien der Roman "Notizen eines einsamen Mannes", der ihr gleich den Literaturpreis der China Times einbrachte.

Der Angkor Verlag publiziert seit dem Jahr 2000 in erster Linie Bücher aus dem asiatischen Kulturkreis und Zen-Buddhismus sowie Belletristik aus der ganzen Welt. Die Übersetzung aus dem Englischen wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes unterstützt durch litprom -Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.

Chu Tien-wen: Notizen eines einsamen Mannes. Aus dem Englischen von Guido Keller, unter Berücksichtigung des Taiwanesischen von Xiaoyuan Wang, Angkor Verlag, Frankfurt 2011, 236 Seiten. 19,90 €