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Hormongesteuerte Jugendliche (Bild: SalzgeberMedien)

Der Regisseur Gregg Araki wollte immer schon mal einen queeren Mystery-Film drehen. Jetzt läuft die 2010 in Cannes prämierte Story im Kino.

Von Carsten Weidemann

Eine Szene am Rande eines Filmfestivals vor einigen Jahren. Regisseur John Waters trifft auf Filmemacher Gregg Arakis, der die Begegnung so beschreibt: "Hinter den Kulissen sah er mir tief in die Augen und meinte: ‚Weißt du, Mysterious Skin ist schon toll, aber ich würde mich freuen, wenn du mal wieder einen frühen Araki-Film machst.' Da habe ich ihn angegrinst und war erst mal sehr geschmeichelt, dass sich eine Ikone wie er überhaupt für meine Filme interessiert. Außerdem war ich zu dieser Zeit tatsächlich gerade dabei, einen Stoff zu entwickeln, der auf der Linie von The Doom Generation und Nowhere lag - zwei meiner Filme, die von meinen Fans am häufigsten als ihre Lieblingsfilme bezeichnet werden."

Arakis Lust auf eine neue durchgeknallte und hemmungslose Story war groß, doch es sollte noch eine Weile dauern, bis er die Gelegenheit dazu hatte. 2010 stellte er Kaboom auf dem Filmfestival in Cannes erstmals vor und erhielt dafür prompt den noch recht jungen Filmpreis "Queer Palm".

Die Story: Filmstudent Smith genießt sein College-Leben. Er verliebt sich in Männer, hat Sex mit Frauen, geht auf Partys und hat eine beste Freundin, der er das alles erzählen kann. Doch aus dem Nichts heraus beschleichen ihn dunkle Vorahnungen: er hat wüste Träume, fühlt sich mit Menschen verbunden, die er zuvor noch nie gesehen hat, wird nach dem Genuss von Space Cookies von Gewaltvisionen verfolgt und erhält die obskure Nachricht, dass er "der auserwählte Sohn" sei. Ist das alles nur ein schlechter Trip? Oder ist die Welt, auch über die Grenzen des Campusgeländes hinaus, tatsächlich kurz davor, unterzugehen? Die zunächst harmlose und unterhaltsame Komödie über unentschiedene, bindungsunfähige, hormongesteuerte Jugendliche nimmt schnell einen ungeahnten Verlauf, in den plötzlich Mystery-, Science-Fiction-, Action- und Splatter-Elemente hineinspielen und an dessen Ende die Welt, so wie wir sie kennen, und dieser Film, so wie wir ihn bis hierhin wahrgenommen haben, mit einem lauten KABOOM!!! Auseinander fliegt.

Youtube | Kaboom - Offizieller Trailer

Queerer Mystery-Fim, Vorbild: Twin Peaks

Gregg Araki, geboren und aufgewachsen in Kalifornien, studierte an der School of Cinema-Television der University of Southern California. Bei seinem ersten Film "Three Bewildered People In The Night" (1987) führte er Regie, schrieb das Drehbuch und produzierte. Thematisch ist die Dreiecksgeschichte mit ihrem Wechsel von heterosexuellen zu homosexuellen Beziehungsmustern ein frühes Beispiel für das "New Queer Cinema", das Araki mit seinen nächsten Filmen maßgeblich mitbestimmte und mit dem er bis heute assoziiert wird. In Arakis Roadmovie "The Living End§ (1992) begeben sich zwei schwule und HIV-positive Männer, die nichts mehr zu verlieren haben, auf einen gewalttätigen Trip. Mit seinen politisch inkorrekten Identitätsangeboten setzte sich The Living End von den positiven, um Verständnis bemühten schwulen Selbstbildern ab und wurde schnell zum Kultfilm. Bekannt wurde Araki vor allem durch seine tabulosen Low-Budget-Produktionen der Teen-Apocalypse-Trilogie, dessen Filme "Totally F***ed Up" (1994), "The Doom Generation" (1995) und "Nowhere" (1997) sich um Identitätsprobleme von Teenagern drehen. Seinen größten Kritikererfolg errang Araki 2005 mit dem Kindesmissbrauchsdrama "Mysterious Skin" (2005).

Kaboom ist nicht nur eine punkig-bunte Komödie sondern auch ein verwirrender Mystery-Film, inspiriert von der großen Kult-TV-Serie der Achtziger: "Twin Peaks". "Die Serie war radikal, originell, scherte sich weder um Konventionen, noch wollte sie für jeden verständlich sein. Sie war auf eine verwegene und intrigante Art rein, neu und inspirierend", schwärmt der Regisseur. "Im völligen Bewusstsein, dass das völlig vermessen ist, will sich auch KABOOM dieser Freiheit und Reinheit annähern - unbeirrt von den Zwängen des Marktes und des Mainstreams."



#1 bejonAnonym
  • 15.06.2011, 13:16h
  • Ich bin gespannt, vielleicht ist der Film ganz gut.
    Im Trailer gibts nur Rumgevögel zwischen Mann und Frau und zwischen den Männern wird Anziehung angedeutet, nicht mehr.
    Fände es schade wenn schwuler Sex in einem queeren Film verkrampft und weniger explizit dargestellt wird als Hetensex. Aber ein Trailer sagt nicht alles darüber aus was im Film stattfindet. Ich werde mich ( hoffentlich positiv) überraschen lassen.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 Diz!Anonym
  • 15.06.2011, 16:59h
  • Twin Peaks ist eine Serie der 90er und nicht der 80er und da ist das Ziel schon sehr, sehr, sehr hoch gesteckt. Die Verbindung glaube ich erst, wenn ich es gesehen habe.
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#4 stromboliProfil
  • 16.06.2011, 07:51hberlin
  • Antwort auf #1 von bejon
  • der trailer sagt aber offensichtlich etwas darüber aus, wie schwuler sex in einem film mit schwulen konfigurationen der öffentlichkeit werbemäßig dargeboten wird...
    vornehm zurückgenommen...
    mit feinen worten gesprochen; der übliche scheiß der heterogesellschaft ,wie homos ein eigenes bild zugewiesen bekommen...
    als schwuler regisseur würd ich mir die augen auskratzen, bevor ich mein werk so vermarkten lasse,
    was man seinem großen vorbild Waters nicht nachsagen konnte!
    Wie die zeiten sich ändern!
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