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Bislang regenbogenfrei: Im vergangenen Jahr stimmten nur 15 von 41 anwesenden Stadträten für eine Beflaggung des Magdeburger Rathauses zum CSD (Bild: Matthew Black / flickr / by-sa 2.0)

Die aktuelle Schelte an Oberbürgermeister Trümper ist vorgeschoben. Das eigentliche Problem ist die fehlende Mehrheit im Magdeburger Stadtrat für die Unterstützung lesbisch-schwuler Belange.

Von Oliver Müller

Mit Entsetzen und ehrlichem Befremden habe ich bereits im letzten Jahr die Diskussion um das Hissen der Regenbogenfahne und der vom Stadtrat mehrheitlich leider nicht gewollten Unterstützung der Christopher-Street-Day-Festwoche zur Kenntnis genommen, die einmal mehr provinzpossenhaft erscheinen muss: Magdeburg als Land hinterm Regenbogen? Nein: Wohl eher hinterm Mond!

Dabei erscheint mir die aktuelle Schelte an Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) zur Ablehnung der Schirmherrschaft etwas unehrlich und vorgeschoben. Sie soll wohl eher vom eigentlichen Problem ablenken: Darf man doch nicht vergessen, dass es nämlich im gesamten Stadtrat offenbar leider keine Mehrheit für die Unterstützung der Belange von Lesben, Schwulen und Transgender gibt - von der Bereitschaft, eine bunte Regenbogenfahne vor dem Rathaus zu hissen, ganz zu schweigen.

Magdeburg will weltoffene Stadt sein und benimmt sich dabei jedoch bei fast allem was irgendwie, neu, fremd und anders daherkommt wie eine "Zicke". Es muss auch verwundern, dass, was in anderen Städten problemlos möglich ist - so wie in Halle oder Berlin, wo die Rathäuser bspw. bereits seit Jahren zu CSD-Zeiten regenbogenbeflaggt sind - allein in Magdeburg partout nicht möglich sein soll. Doch diese Einstellung erscheint fast virulent und systemisch: Ob Bürgerentscheid, Sozialticket: Magdeburg hinkt lieber hinterher und träumt von neuen Tunneln und alten Kirchen.

Wird dieses Jahr wirklich alles anders?


Oliver Müller ist stellvertretender Fraktionsvorsitzende von DIE LINKE im Magdeburger Stadtrat (Bild: privat)

Zudem muss es bezeichnend für den Zustand einer Partei/Fraktion sein, wenn, wie bereits im letzten Jahr geschehen, der sachsen-anhaltische Landesvorsitzende des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), Martin Pfarr (SPD) in einem gesonderten Schreiben an die Magdeburger Stadtratsfraktionen um Unterstützung des CSD bittet und als symbolisches Zeichen dafür auch die Rathausbeflaggung vorschlägt und dazu gar SPD, B90/Die Grünen und DIE LINKE zu einem interfraktionellen Antrag ermutigt, jedoch die eigenen SPD-Genossen weder Antrag noch die Sache selbst mit parlamentarisch zu unterstützen bereit sind.

Nun, wenn man den dieser Tage in den Medien veröffentlichten Reaktionen von SPD und Jusos, FDP, sowie den CDU-Youngsters der Jungen Union Glauben schenken darf, wird zumindest dieses Jahr alles anders: Eint sie doch offenbar auf einmal alle der Wunsch nach Unterstützung des CSD und einem regenbogenbeflaggten Rathaus.

Pikanterweise hatten gerade die Fraktionen vorgenannter Parteien genau dieses Begehren und unserem zugrunde liegenden Antrag von DIE LINKE und B90/Grünen unisono noch 2010 abgelehnt. Und zwar mit recht zweifelhaften Begründungsmustern: So sagte der Vorsitzende der FDP-Fraktion, H.-J. Schuster, in seiner persönlichen Erklärung: "Ich lehne es ab, auf einem öffentlichen Gebäude eine Flagge, die keine institutionelle Flagge ist, aufziehen zu lassen."

SPD-Fraktionschef: "Diskriminierung ist aus Sicht unserer Fraktion vordergründig nicht erkennbar"


Kreativer Protest: Mit bunten T-Shirts will die Facebook-Initiative "Let´s make Magdeburg support the CSD" auf der Stadtratssitzung am Donnerstag die Regenbogenflagge nachbilden

Der Vorsitzende der SPD-Tierschutzpartei-future!-Fraktion, H.-D. Bromberg, wusste gar zu berichten: "Wer die öffentliche Situation in der BRD, im besonderen in Magdeburg, mit offenen Augen wahrnimmt, muss feststellen, dass Schwule und Lesben anerkannte Persönlichkeiten im politischen oder kulturellen Leben sind, wie auch auf anderen gesellschaftlichen Ebenen. Diskriminierung ist aus Sicht unserer Fraktion vordergründig nicht erkennbar, so dass es der beantragten besonderen Unterstützung nicht bedarf. Zum Hissen der Regenbogenflagge schließe ich mich der Beurteilung der FDP-Fraktion an."

So gaben denn im Jahr 2010 lediglich 15 von 41 anwesenden Stadträten ihre Ja-Stimmen. Dies widerspiegelt deutlich die Situation und das landläufige Meinungsbild zu diesem Thema im Magdeburger Stadtrat. Insofern gewinnt die aktuell geführte Diskussion zum Verhalten des Oberbürgermeisters eher Alibi-Charakter und hinterfragt bedauerlicherweise nicht wirklich das eigene Verhalten der Mehrheit des Stadtrates.

Genau das jedoch möchte die Fraktion DIE LINKE gern tun und hat deshalb erneut zur Stadtratssitzung am Donnerstag einen Eil-Antrag zur Beflaggung des Rathauses mit der Regenbogenfahne gestellt. Es bleibt also spannend!

Oliver Müller ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender sowie jugend-, familien- und gleichstellungspolitischer Sprecher von DIE LINKE im Magdeburger Stadtrat.



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#1 JacquelineAnonym
  • 21.06.2011, 14:37h
  • Danke lieber Olli für die Aktualisierung des Beitrages auch mit den letzten Abstimmungsergebnissen
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#2 LeoAnonym
  • 21.06.2011, 14:45h
  • Danke für diesen erhellenden Beitrag! Da sieht man mal wieder, wer sich für unsere Rechte einsetzt, wenn es darauf ankommt, und wer nur verlogene Reden im Wahlkampf schwingt oder schwingen lässt!
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#3 abg.-watchAnonym
  • 21.06.2011, 14:58h
  • "So gaben denn im Jahr 2010 lediglich 15 von 41 anwesenden Stadträten ihre Ja-Stimmen."

    Wer waren die ?

    Nebenbei: Was ist da los ?

    Frauen in Fraktionen:

    Grüne: 0/6
    FDP: 1/5
    CDU : 2/13
    SPD: 4/14
    LINKE: 6/13
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#4 daVinci6667
  • 21.06.2011, 15:11h

  • Ja ich habe schon mehrfach festgestellt, dass es in der deutschen SP (SPD) sehr viele konservative Traditionalisten gibt. Daher tut sich in großen Koalitionen homopolitisch jeweils absolut nichts.
    Dem Vorsitzende der SPD-Tierschutzpartei-future!-Fraktion, H.-D. Bromberg, möchte ich zurufen, Hey, es gibt auch schwul-lesbische Tiere. Unterstützen Sie bitte deren Anliegen, zuerst aber kommen die GLBT-Menschen, einverstanden??
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#5 daVinci6667
  • 21.06.2011, 15:19h

  • Antwort an #3
    Danke für die Info. Wenn ich also richtig rechne, haben nicht mal alle Grünen/ Linken Abgeordneten uns unterstützt??
    Boah, was für ein schreckliches Provinznest, oder ist Magdeburg nun die rückständige, schwulenfeindliche Rest-DDR???
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#6 tierischhhhAnonym
  • 21.06.2011, 16:12h
  • Antwort auf #4 von daVinci6667
  • Pärchenbildung gibt es zwecks Vermehrung häufiger zwischen Männchen und Weibchen, aber verlieben können sich auch 2 gleichgeschlechtliche Tiere!
    Was den Sex betrifft sind Tiere eh nicht hetero, schwul und lesbisch. Die sind alle bi und vögeln rum wie sie lustig sind.
    Was sagt eigentlich die RKK zur Bisexualität der der Tiere, also unserer Vorfahren?
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#7 daVinci6667
  • 21.06.2011, 16:27h

  • Antwort an #6 tierischhhh
    Ich denke bei den meisten Gattungen hast du recht. Es gibt aber auch Tiere, z.B. Wellensittiche, die verhalten sich äußerst monogam, wenn sich die beiden richtigen gefunden haben. Ich war schon stolzer Besitzer eines lesbischen und eines schwulen Wellensittichpaares. Die waren extrem süß und unzertrennlich!

    Falls du mal in Zürich bist, kannst du im Zoo eine Führung besuchen, in der einige homosexuelle Tierpaare gezeigt werden.
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#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 21.06.2011, 19:53h
  • Magdeburg muß in Sachen CSD und Beflaggung von anderen Städten wie Berlin, München, Hamburg und Köln noch viel lernen!
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#9 ohaaaAnonym
#10 wanderer LEAnonym
  • 21.06.2011, 22:43h
  • Vielleicht mal unter allen den gleichgeschlechtlich Liebenden - nicht nur Szeneschwulen und -lesben, auch nicht nur den generationengleich Gepaarten - abstimmen lassen, wie viele von ihnen überhaupt die Regenbogenfahne für sich akzeptieren? Die kommt aus der italienischen Friedensbewegung, vor 1990 haben Schwule hier (!) die nicht benutzt. Außerdem steht sie für Vielfalt und Toleranz im allgemeinen sprich Beliebigkeit. Man bedenke: Wer für alles offen ist, der kann nicht ganz dicht sein. Deshalb mag ich den Regenbogen nur im Original nämlich am Himmel, dort wo er hingehört.
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