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Stell dir vor, der Papst redet im Bundestag, und keiner geht hin... (Bild: Jacob Poul Skoubo / flickr / by-nd 2.0)

Etwa sechs Mitglieder der SPD-Fraktion wollen der Rede von Papst Benedikt XVI. am 22. September im Deutschen Bundestag aus Protest fernbleiben. Dies berichtet die Rheinische Post. Darüber hinaus wollen die sozialdemokratischen Politiker eine Erklärung veröffentlichen, in der dem Oberhaupt der katholischen Kirche eine Mitschuld an der Unterdrückung von Millionen Menschen vorgeworfen wird.

Der Düsseldorfer Tageszeitung liegt ein Textentwurf des SPD-Bundestagsabgeordneten Rolf Schwanitz hervor, der mit der Bitte um Unterzeichnung an alle 146 Fraktionskollegen verschickt wurde. Darin heißt es u.a.: "Wir lehnen die dem Papst eröffnete Möglichkeit einer Rede vor dem Bundestag ab und werden uns an diesem Ereignis nicht beteiligen." Die Rede sei mit dem "Grundsatz der religiösen Neutralität des Staates unvereinbar". Der Bundestag werde als "schmückendes Beiwerk missbraucht", das Parlament sei aber kein Ort der "religiösen Missionierung". Der Papst sei der "letzte absolute Monarch" in Europa und trage mit seinen Auffassungen, etwa zu Frauenrechten und Empfängnisverhütung, die Mitschuld "an der bisher global nicht gestoppten Aids-Epidemie sowie an der Unterdrückung, Ausbeutung und Stigmatisierung von Millionen Menschen", heißt es in Schwanitz' Entwurf.

Der Initiator des Aufrufs gehört zum Führungszirkel des Seeheimer Kreises


Will den Papst nicht reden hören: Rolf Schwanitz, Ex-Staatsminister im Bundeskanzleramt und Gründer des Arbeitskreises "Laizistinnen und Laizisten in der SPD" (Bild: Deutscher Bundestag)

Rolf Schwanitz, ehemaliger Staatsminister im Bundeskanzleramt und anschließend Parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium, gehört nicht etwa zum linken Flügel der SPD. Der Abgeordnete aus dem sächsischen Plauen ist Mitglied des Führungszirkels des konservativ-pragmatischen Seeheimer Kreises. Im vergangenen Jahr initiierte Schwanitz die Gründung eines Arbeitskreises "Laizistinnen und Laizisten in der SPD", deren Sprecher er seitdem ist. Als Ziele der Gruppe nannte er: "Religionsgemeinschaften und auch Religionsfreie müssen dieselbe Rangigkeit und dieselbe Wertschätzung in der Gesellschaft durch den Staat genießen, aber keine Privilegierung zu einer Seite."

Im seinem Schreiben an die SPD-Fraktionskollegen erwähnte Schwanitz, dass "weitere Mitglieder der Fraktion" ihm gegenüber signalisiert hätten, die Rede des Papstes im Bundestag zu boykottieren. Nach Informationen der Rheinischen Post handelt es sich dabei um sechs Abgeordnete. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier soll vergeblich versucht haben, das Thema kleinzuhalten. Fraktions-Geschäftsführer Thomas Oppermann verhinderte eine Diskussion zum Thema in der Fraktionssitzung.

CDU-Abgeordnete reagierten erwartungsgemäß entsetzt auf die Initiative des SPD-Politikers: "Ich bin schockiert über so viel Ignoranz und Verblendung", sagte Hermann Kues, Vorsitzender des christlichen Kardinal-Höffner-Kreises, gegenüber der Rheinischen Post: "Unser Staat ist ohne Christentum gar nicht vorstellbar."

Bislang hatte sich nur der Grünen-Abgeordnete Volker Beck öffentlich gegen eine Rede des Papstes im Deutschen Bundestag ausgesprochen (queer.de berichtete). Dafür wurde er jedoch von Fraktionschefin Renate Künast gerüffelt (queer.de berichtete). (cw)



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#1 MarekAnonym
  • 25.06.2011, 14:18h
  • Bravo!

    Der Papst ist mit seinen Verhütungsmärchen mitschuldig an Millionen Kranken und Toten sowie verhungernden AIDS-Waisen.

    Und er hat vor seiner Zeit als Papst massiv zur Verheimlichung von Kindesmissbrauch beigetragen und immer wieder (bei Strafandrohung) Schweigen verlangt.

    Und mit seinem Homohass sät er Hass und Zwietracht in der ganzen Gesellschaft und ist mitschuldig an Diskriminierung, Gewalt, Mobbing und Selbstmorden.

    Dass dieser Menschenhasser, dem es nur darum geht, Macht und Geld für seinen totalitären Fascho-Verein zu maximieren, vor dem Deutschen Bundestag reden soll, ist ein Schlag ins Gesicht jedes echten Demokraten.

    Das zeigt, dass ein Grundprinzip der Demokratie - die Trennung von Staat und Kirche - in Deutschland nicht gegeben ist!

    Ich hoffe, dass diese 6 Abgeordneten ihr Rückgrat behalten und nicht umkippen. Und hoffentlich schließen sich noch mehr Abgeordnete an, bei der SPD, aber auch bei den Grünen und der Linkspartei, die bisher noch alle teilnehmen wollen.
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#2 WirZwei
  • 25.06.2011, 14:23h
  • Endlich eine Reaktion aus der SPD, nachdem Volker Beck von den Grünen im Alleingang ebenfalls Kritik am Papstauftritt im Deutschen Bundestag geäußert hatte.

    Zur aktiven Beteiligung von der Seite der Bevölkerung sollten so viele Leute wie möglich an der Demonstration am 22. September in Berlin unter dem Bündnisnamen "Der Papst kommt!" teilnehmen. Wer online die Resolution unterschreiben möchte, kann das hier tun:

    derpapstkommt.lsvd.de/?page_id=480

    Dem Bündnis gehören auch Verteter der Grünen und der SPD an.
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#3 hwAnonym
#4 KathiGr
  • 25.06.2011, 14:26h
  • Einfach spitze! Auf dass noch viele weitere Bundestagsabgeordnete diesem Beispiel folgen mögen! Am besten alle außer denen der CDU und ihrem Schoßhündchen.
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#5 yomenAnonym
#6 FelixAnonym
  • 25.06.2011, 14:29h
  • Schön, dass sich nicht alle dem von oben verordneten, kollektiven Freudentaumel anschließen, sondern auch noch ihr Hirn nutzen.

    Wobei ich schon überrascht war, dass diese letzten sechs Aufrichten aus der SPD kommen. Das hätte ich eher den Grünen oder vor allem der Linkspartei zugetraut.

    Jetzt, wo einige Aufrechte den Anfang gemacht haben, erwarte ich, dass sich auch weitere Politiker anderer Parteien anschließen.

    Vom politischen Arm der katholischen Kirche, der Union, brauchen wir da nichts zu erwarten. Von ihren Schoßhündchen der FDP ebenso wenig.

    Aber Grüne und Linkspartei können jetzt zeigen, wie ernst es ihnen wirklich ist!
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#7 indiana jonesAnonym
#8 SebiAnonym
  • 25.06.2011, 14:50h
  • Antwort auf #2 von WirZwei
  • "Dem Bündnis gehören auch Verteter der Grünen und der SPD an."

    Aber es ist ein riesiger Unterschied, ob man sich nur irgendwelchen Bündnissen anschließt und irgendwo unterschreibt oder ob man wirklich ein Zeichen setzt.

    Was bringen Unterschriften, wenn die Fraktionen von Grünen und Linkspartei dann doch gesammelt anwesend sind und dem Papst zujubeln?! Das bestärkt nicht nur den Papst in seinem Hass, sondern wäre auch ein fatales Signal an die Öffentlichkeit.

    Ich erwarte, dass bei Grünen und Linkspartei auch mehrere Abgeordnete die Rede offen boykottieren.

    Daran werden sich Grüne und Linke messen lassen müssen...
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#9 Gandalf the GayAnonym
  • 25.06.2011, 14:55h
  • Jetzt müssen Grüne und Linkspartei zeigen, ob auch sie Hasspredigern in den Arsch kriechen und die Politik der Unterdrückung, Lügen und des Hasses tolerieren ODER ob sie wirklich für Menschenrechte, Liebe, Respekt und Vernunft stehen.

    Jetzt zählt es! Jetzt müssen Grüne und Linkspartei Gesicht zeigen und zeigen, wie ernst es ihnen wirklich ist.

    Ich erwarte noch viel mehr Boykotte!!!
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#10 Tim JohannesAnonym
  • 25.06.2011, 15:29h
  • Mit ist der Papstbesuch ganz egal. Mein Mann und ich sind da in Stockholm und besuchen einen Nackt-Gottesdienst von Bischöfin Eva Brunne. Das gibt uns mehr.

    Möge der Bundestagspräsident nunmehr beschließen, auch mal einen Vertreter der lutherischen Kirche im Parlament reden zu lassen! Immerhin gibt es in Deutschland mehr Protestanten als Katholiken.

    Aber erst freuen wir uns über die von der FDP durchgesetzten Steuersenkungen
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