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Die neuen Internetadressen sollen in den nächsten Jahren das Surfen individueller machen (Bild: danielfoster437 / flickr / by-sa 2.0)

Ab Ende 2012 wird voraussichtlich die schwule Domain .gay auf den Markt kommen - jeder kann seine eigene Adresse jetzt vorbestellen, die neue Freiheit macht es aber auch Zensoren leichter.

Von Dennis Klein

"2012 beginnt die nächste Stufe der Internetrevolution", kündigte unlängst United Domains an. Bei der amerikanischen Firma kann jeder Internetadressen für den Eigengebrauch registrieren. Die Branche freut sich, seit die Adressenvergabestelle ICANN neue Endungen für Internetadressen erlaubt hat. Denn ab nächstes Jahr soll alles anders werden: Statt schnöde Seiten mit Endungen wie .com oder .de anzusteuern, sollen künftig .shop, .music oder .hotel möglich sein. Auch lokale Endungen - oder Top Level Domains (TLDs) - wie .nyc, .berlin oder .koeln - soll es in gut einem Jahr geben. Für besondere Aufregung sorgten Endungen wie .xxx für Pornoanbieter und .gay für schwul-lesbische Seiten.

Mitte Juni hat die Branche bei einer Konferenz in Singapur den Weg für die schöne, neue Internetwelt freigemacht. Derzeit können sich Interessenten, die eine neue TLD einführen wollen, bei der ICANN bewerben. Die Registrierung kostet für sie 185.000 Dollar. Insbesondere die Einführung von reinen Werbe-Endungen - wie .bmw oder .eplus - wären für große und mittlere Konzerne möglich.

Auch die lange umstrittenen Endung .gay können demnach beantragt werden. Für sie hatten sich jahrelang zwei Gruppen eingesetzt, die dot.gay Alliance und die Organisation dotgay. Beide haben die neue TLD beantragt und wollen damit auch die Community stärken: So sollen 51 Prozent (dot.gay Alliance) bzw. 67 Prozent (dotgay) der Profite an schwul-lesbische Gruppen in aller Welt gehen.


Neben .gay soll es viele weitere neue Endungen geben

Lange Zeit hatte sich die ICANN, die bis 2009 eine direkte Tochter des US-Handelsministeriums war und auch heute noch von der amerikanischen Regierung beeinflusst wird, gegen die Einführung von .gay-Adressen. Während die Bush-Regierung aus ideologischen Gründen diese TLD - und insbesondere die Endung .xxx - ablehnte, fürchtet die Obama-Regierung eine Verspargelung des Internets: Denn konservativen Staaten in Afrika und Asien könnte es so leichter gemacht werden, schwul-lesbische Seiten zu blockieren. Anders als bisher müssen sie nicht mehr mit komplizierten Filterprogrammen unliebsame Inhalte blockieren, sondern können alle .gay-Adressen auf einen Schlag zensieren. Tatsächlich haben sich Staaten im Nahen Osten bereits deutlich gegen .gay ausgesprochen.

Zudem ist noch nicht klar, ob die neuen Adressen überhaupt Erfolg haben. Immerhin sind in den vergangenen Jahren bereits vereinzelt neue Endungen hinzugekommen, ohne dass Normal Normalverbraucher das bemerkt hat. So gab es 2006 einen großen Hype um die TLD .asia, der als panasiatischer Endung eine große Zukunft vorausgesagt wurde. Sie blieb aber weit hinter den Erwartungen zurück, ebenso wie die Adresse .mobi, die vor Jahren für Handynutzer eingerichtet wurde.

Wer sich trotzdem eine der neuen Internetadressen sichern will, kann sie bereits jetzt bei Anbietern wie United Domains unverbindlich vorbestellen. Noch ist unklar, wie viel eine Adresse kosten wird - Experten gehen aber von zirka 50 US-Dollar pro Jahr aus. Der Antrag ist bislang groß: Interessenten haben bereits über 300.000 der neuen Adressen vorbestellt.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 27.06.2011, 18:10h
  • Die neuen Endungen werden schneller kommen als gedacht. Mittlerweile sind Endungen wie .com und .net auch langsam ausgereizt. Mal sehen, ob dann auch die Endung .str8 für Heteros sowie . acdc für die Bi- und .trans für Transgender geben wird!
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#2 AutobatterieAnonym
  • 27.06.2011, 23:55h
  • Zur Bemerkung, daß die neuen Adressen leichter zu zensieren sind (andere sprechen ersatzweise von filtern, was gemäßigter klingt), möchte ich noch was ergänzen.

    Regierungen könnten beschließen, daß schlüpfrige Webseiten sich als ".gay", ".xxx" usw. adressieren lassen *müssen*. Heute noch nicht, aber vielleicht morgen.

    Und dann sind, wie im Artikel angemerkt, mit einem Zensureintrag auf einen Schlag alle schlüpfrigen Webseiten zensiert. Theoretisch geht das jetzt schon, wenn eine Regierung meint, alle deutschen Webseiten sind die Ursache allen Übels auf der Welt, dann zensiert sie ".de" und das ist alles. Es gibt dabei eine Menge Randeffekte, im Prinzip funktioniert das aber so, und bei ".xxx" kann man sicher sein da hat man auch nur ".xxx".

    Der Denkfehler ist, daß wir glauben nur Diktaturen machen das, dabei bauen westliche ach so demokratische Regierungen doch gerade selbst Strukturen auf um das Internet zu kontrollieren, unter dem Deckmantel namens Urheberrechtsverletzung oder Kinderpornographie oder Glücksspielstaatsverträge.

    Dem Zensursystem ist es egal was es zensiert. Es kennt kein gute Zensur, schlechte Zensur.

    Autobatterie
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#3 xaggiAnonym
  • 29.06.2011, 13:39h
  • Jetzt werden wir also nicht nur im RL diskriminiert, sondern auch Online!

    Mit dieser Einführung werden wir doch nur noch mehr ausgegrenzt und vielleicht wird das nicht unbedingt in Deutschland passieren, aber in anderen Ländern wird das sicherlich sofort genutzt werden um Seiten zu verbieten!
    Damit wird es ihnen nur einfach gemacht!

    Und im Übrigen: Wie kann man sich darüber freuen? Wir wollen die gleichen Rechte wie Heten (welche uns eigentlich zustehen), warum dann bitte andere Domains?
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