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Teilnehmerin beim CSD Tel Aviv (Juni 2011) (Bild: ninasaurusrex / flickr / by-nd 2.0)

Antisemitismus oder berechtigte Kritik? Die schwul-lesbische Jugendorganisation IGLYO will eine Konferenz in Tel Aviv abhalten, doch einige Homo-Aktivisten fordern den Totalkoykott Israels.

Von Dennis Klein

IGLYO (steht für: "International Gay and Lesbian Youth Organisation") ist die Dachorganisation von mehr als 50 schwul-lesbischen Jugendgruppen in aller Welt. Zu den Mitgliedern gehören etwa die LesBiSchwule Hochschulgruppe Göttingen, der schweizerische Verein HalloWelt oder die Organisation "Israel Gay Youth". Eigentlich hat IGLYO es sich auf die Fahnen geschrieben, Homophobie in der Gesellschaft zu bekämpfen, doch jetzt kämpft man lieber unter sich: Grund ist der Plan, die jährliche Hauptversammlung im Dezember 2011 in der israelischen Stadt Tel Aviv abzuhalten.

Mehrere israelkritische Organisationen wie "Queers Against Israeli Apartheid" haben sofort Alarm geschlagen. Sie werfen Israel vor, gegenüber Palästinensern eine Politik zu betreiben, wie sie Südafrika gegenüber Schwarzen betrieben hat - und fordern daher den Boykott des mehrheitlich jüdischen Staates. Mehrere Homogruppen haben sich dieser Forderung angeschlossen, so etwa die britische Studentengruppe NUS-LGBT oder die türkische Organisation Kaos-LG. Sie bemängeln, dass der Staat Israel die Konferenz aktiv unterstütze, um sich so von anderen Menschenrechtsverletzungen reinzuwaschen. Dieses "Pinkwashing", heißt es, führe zu einer weiteren Unterdrückung von Palästinensern.

"Unterstützung Israels erhöht Homophobie in der arabischen Welt"


Homo-Aktivist Peter Tatchell will Israel wegen seiner Politik gegenüber Palästina boykottieren

Die angebliche Strategie Israels habe auch Auswirkungen auf die islamische Welt, glaubt der prominente britische Aktivist Peter Tatchell: "Die IGLYO-Konferenz in Israel abzuhalten, wird voraussichtlich die bereits existierende Homophobie in der arabischen Welt vergrößern", erklärte der Mitbegründer der Gruppe OutRage!. "Lesben und Schwule werden dann - zurecht oder zu unrecht - als Unterstützer Israels wahrgenommen".

Befürworter der Konferenz in Tel Aviv werfen den antiisraelischen Aktivisten dagegen vor, beim jüdischen Staat eine andere Messlatte anzulegen als bei anderen Ländern: "Es ist doch völlig falsch, eine jüdische oder israelische Organisation nach ihren politischen Positionen abseits des Themas schwul-lesbische Rechte zu fragen", erklärte etwa Jack Gilbert, der frühere Präsident des Weltkongresses für schwule, lesbische, bi- und transsexuelle Juden. "Es besteht die Gefahr, dass Leute das als Vorwand nehmen, jüdische Produkte oder israelische Organisationen zu boykottieren. Und das führt zu Antisemitismus".

IGLYO: Israel wird wie alle anderen Länder behandelt


Logo der schwul-lesbischen Israelgegner

IGLYO will sich der Kritik nicht beugen und weiterhin nach Tel Aviv fahren. In einem offenen Brief erklärte der Vorstand: "Manche schlagen vor, dass IGLYO keine Konferenz in einem Land abhalten soll, in dem Menschenrechtsverletzungen stattfinden. Allerdings hat IGLYO immer seine Mitgliedsorganisationen unterstützt, unabhängig von der Politik innerhalb des Staates."

Der Streit um Israel hat bereits in den letzten Jahren die schwul-lesbische Community entzweit wie kaum ein anderes Thema: So hat etwa der Stadtrat in Toronto im vergangenen Jahr darüber debattiert, den CSD-Zuschuss zu streichen, weil eine antiisraelische Gruppe an der Parade teilnehmen wollte (queer.de berichtete). Dieses Jahr sorgte die Ankündigung einer Gruppe aus Tel Aviv für Aufregung, beim Berliner Straßenfest aus Angst vor negativen Reaktionen auf jegliche Zurschaustellung der israelischen Fahnen zu verzichten (queer.de berichtete). Das hat zum Vorwurf geführt, dass sich Juden in Deutschland immer noch schämen müssten, den Davidstern offen zu zeigen.

In Israel verstehen die meisten Aktivisten den Streit nicht: So weisen die CSD-Organisatoren in Tel Aviv gerne darauf hin, was sie in ihrem Land erreicht haben. Homosexualität ist dort seit 1988 legal, seit 1994 werden Homo-Partnerschaften anerkannt. Im Nahen Osten und in arabischen Staaten werden Schwule dagegen in fast überall verfolgt, teilweise droht ihnen sogar die Todesstrafe. Zudem diene Israel als Zufluchtsort für viele Schwule aus der Region, die vor Homo-Verfolgung in ihrem Heimatland fliehen würden. Und dann gibt es noch den CSD: In Tel Aviv feierten erst Anfang Juni zehntausende Israelis und Ausländer ausgelassen den Gay Pride in der Metropole. In Riad oder Teheran können Schwule und Lesben davon nur träumen.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 28.06.2011, 17:41h
  • Die YGLIO handelt genau richtig und läßt sich nicht durch die Gegner der Konferenz redensartlich vor "den Karren spannen"! Tel Aviv ist als Konferenzort genau richtig und daß dabei noch die Homophobie in den arabischen Staaten verstärkt wird, halte ich für an den Haaren herbeigezogen!
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#2 daVinci6667
  • 28.06.2011, 18:04h

  • Mir scheint dass da einiges miteinander vermischt wird. Israel wegen seiner Palästinenser-Politik zu kritisieren ist richtig. Nur ist das noch lange kein Grund diese Konferenz nicht in Israel abzuhalten! Ansonsten wird man bald nirgendwo mehr etwas abhalten können. Wie wäre es mit Kanada? Nein unmöglich! Kanada muss wegen dem grausamen Robenschlachten ebenso kritisiert werden, aber deswegen nicht dahin fahren? Frankreich geht auch nicht, weil die immer noch an der Kernenergie festhalten! Deutschland? Ganz unmöglich! Die haben es zugelassen, dass ein deutscher homophober Wicht Papst geworden ist und ihn nicht mal ausgebürgert! Im Gegenteil, die heben die Trennung von Kirche und Staat auf und lassen ihm im Parlament sprechen!
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#3 Axel HaaseAnonym
  • 28.06.2011, 18:06h
  • Es ist sicher so das es immer "einige Homo-Aktivisten" gibt die für alles Mögliche oder auch gegen alles Mögliche sind. Manche verzehren Scheiße und nennen sowas "Schokolade". "Einige Homo-Aktivisten" haben auch schlicht weg den Schuss nicht gehört.

    Natürlich ist Tel Aviv ein geeigneter Ort für eine internationale Konferenz. Ob für schwule Jugendliche oder den internationalen Verband für Gartenzwerge. Es ist doch völlig absurd und verrückt ab Morgen keine Konferenzen mehr in den USA abzuhalten weil die Guatanamo nicht schließen. Oder Frankreich zu boykottieren weil dort so viele Atomkraftwerke stehen. Oder die Niederlande weil dort ein Gericht ein unbequemes Urteil gegen einen Rechtsradikalen gefällt hat. Die Düsseldorfer sollten vielleicht auch mal Köln boykottieren weil das ja schließlich auch schon Tradition hat.

    Nein, derartige aufrufe zu einem Boykott sind völliger Unfug. Die betreffenden "Homo-Aktivisten" können ja gerne - wie das so in "Homosexuellen Kreisen" üblich geworden ist - eine Gegenveranstaltung organisieren. Wie wäre es mit Teheran oder Riad? Aber man sollte sich dann nicht wundern, wenn "einige Homo-Aktivisten" zum Boykott einer solchen Veranstaltung aufrufen würden.
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#4 FenekAnonym
  • 28.06.2011, 18:20h
  • Israel macht sicher einiges, was nicht in Ordnung ist. Wobei wir auch nicht nachvollziehen können, wie es ist, in ständiger Angst und umzingelt von Feinden zu leben.

    Aber viele westliche Staaten verdienen dank Rüstungsgeschäften kräftig mit daran (auch Deutschland). Dann finde ich es verlogen, Israel komplett zu boykottieren. Dann müstte man auch Deutschland komplett boykottieren. Im Übrigen gibt es ja auch in Israel genug kritische Stimmen. Gerade denen schadet man mit einem Totalboykott, der nur den extremen Kräften nutzt.

    Und außerdem:
    in der Region dort ist Israel - was Homosexualität, Frauenrechte, Bürgerrechte, etc. betrifft - mit Abstand der liberalste Staat (wenn auch dort nicht alles rosig ist).
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#5 Sven_
  • 28.06.2011, 18:33h
  • Ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen.
    Ich kenn kein Land das rein von "Schuld" ist!

    Und wie wir (die Welt) festgestellt haben, bringt Krieg keinen Frieden und Boykotte und Handelsembargos auch keine Verbesserung in der Zivilgesellschaft.

    Was mich aber auch arg stört, ist, dass Israelkritik immer mit Judenfeindlichkeit übersetzt wird. Fand das schon bei der Diskussion um Kanada so komisch.
    Es gibt ja auch viel Kritik an China, das wird ja auch nicht auf eine religiöse Ebene gehievt.
    Und genau wie China oder Deutschland ist Israel kein jüdischer Gottesstaat. Es gibt einen christlichen Gottesstaat, das ist der Vatikan und einige islamische Gottesstaaten wie bspw. Iran.
    Zu dem, wenn ein Land kritisiert wird, dann richtet sich das nicht gegen die gesamte Bevölkerung (das machen nur Dummbratzen), sondern gegen die Politik, also Führungsriege.

    Wenn man will, dass sich in der Bevölkerung die Ansicht über Schwule und Lesben ändert, muss man da sein!
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#6 hwAnonym
  • 28.06.2011, 18:33h
  • Ich denke auch, dass man vor Ort die Möglichkeit nutzen sollte, die schwule "Community" in ihrer ganzen Bandbreite wahrzunehmen und Gespräche zu suchen.

    " Im Übrigen gibt es ja auch in Israel genug kritische Stimmen. ...- mit Abstand der liberalste Staat (wenn auch dort nicht alles rosig ist).

    Dazu eine aktuelle israeelische Meldung

    Human trafficking report ranks Israel with 3rd world nations
    US State Department annual Trafficking in Persons report paints grim picture of phenomenon, states 'Israel is destination-country for men, women subjected to forced labor, sex trafficking'

    "At the bottom of the list are Tier 3 states such as Iran, North Korea, Algeria, Myanmar, Kuwait, Syrian, Lebanon, Libya and Yemen."

    "Some, however, subsequently face conditions of forced labor, including through such practices as the unlawful withholding of passports, restrictions on movement, inability to change or otherwise choose one’s employer, nonpayment of wages, threats, sexual assault, and physical intimidation," the report read.

    www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4088190,00.html
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#7 Geert
  • 28.06.2011, 18:46h
  • Selbstverständlich gehört die Konferenz nach Tel Aviv! Israel ist das EINZIGE Land im Nahen Osten, wo die Schwulen und Lesben frei leben können. Ich begreife es einfach nicht, wie man als politisch denkender Schwuler arabische Terrorregime unterstützen kann, die Schwule verfolgen und in vielen Fällen sogar töten!
    Man stelle sich nur einmal vor, Israel sei -rein theoretisch- nicht das Zufluchtsland der Juden, sondern das Zufluchtsland der Schwulen (rein theoretisch!). Würden nicht auch die Schwulen eine hohe Mauer um das Land bauen, um sich vor arabischen Schwulenmördern zu schützen?
    Ich verstehe nicht, dass das nicht in die Köpfe einiger Leute hinein will....
    Die Schwulenorganisationen in aller Welt sollten sich 100 %ig hinter Israel stellen. Und die Deutschen, die 6 Millionen ermordete Juden auf dem Gewissen haben, sollte ganz, ganz still sein!
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#8 Peter BAnonym
  • 28.06.2011, 19:06h
  • Antwort auf #7 von Geert
  • Dann darf ich als Österreicher laut sein? :D

    Ich halte nichts davon, Israel nicht kritisieren zu dürfen (egal ob berechtigt oder nicht), weil es den Zweiten Weltkrieg gab. Freie Meinungsäußerung muss mMn erlaubt sein!

    de.wikipedia.org/wiki/Godwins_Law

    PS: Irgendwie ein Paradoxon, ohne den 2. Weltkrieg gäbe es Israel nicht und man könnte es nicht kritisieren und wegen dem 2. Weltkrieg, darf man nicht kritisieren.
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#9 ascentAnonym
  • 28.06.2011, 19:43h
  • Man muss es diesen Menschen leichter machen:

    Israel refuses citizenship for gay man married to Jewish immigrant

    www.haaretz.com/print-edition/news/israel-refuses-citizenshi
    p-for-gay-man-married-to-jewish-immigrant-1.369936


    Warum ?

    “According to the Israel Central Bureau of Statistics, as of 2005, 650,000 Israelis have left the country for over one year and not returned.” The great majority of these were Jews. In addition, polls show that at least 60% and as high as 80% of remaining Israeli Jews “sympathize with those who leave the country.”

    Gideon Levy, ein Reporter der links-liberalen Zeitung HAARETZ, meint dazu:

    „Während unsere Vorfahren von einem israelischen Pass träumten, gibt es jetzt viele unter uns, die vom Pass eines anderen Landes träumen.“

    Bis jetzt haben die USA mehr als eine halbe Million Pässe für Israelis ausgestellt, und weitere 250.000 Bürger Israels haben US-Pässe beantragt.

    Deutschland steht mit 100.000 Pässen für israelische Juden an zweiter Stelle und gibt jährlich 7.000 neue aus.

    Ian Lustick, ein Politikwissenschaftler der University of Pennsylvania: „Die große Gefahr für den jüdischen Staat besteht darin, dass seine Bürger, auf die Frage, ob sie in Frieden mit ihren Nachbarn im Mittleren Osten zusammenleben oder lieber nichts mit ihnen zu tun haben wollen, Letzteres vorziehen. …

    Die Geburtenraten der Ultra-Nationalen und Ultra-Religiösen sind dem Central Bureau of Statistics auch bekannt.

    Das heißt nicht nur theoretisch, dass ein wachsender Prozentsatz der in Israel bleibenden Juden zu den ideologisch fixierten Offizieren, Arbeitgebern, Beamten und Angestellten gehören wird.

    In einer Gesellschaft, die durch Auswanderung und Hardcore-Kapitalismus ihren Mittelstand zusehends verliert, wird es keine echte politische Opposition mehr geben, und die Rechtsparteien werden noch aggressiver gegen diejenigen Juden vorgehen, die sie als „antizionistische Elemente“ diffamieren.

    Im heutigen Israel lassen sich noch Unterschiede feststellen zwischen den jüdischen Israelis, die ein vernünftiges, humanes Abkommen mit den Palästinensern wollen, und denen, die das nicht wollen.

    Wenn die Entwicklungen aber so weitergehen wie bisher, wird sehr bald eine Zeit kommen, in der es viel schwieriger sein wird, solche Unterschiede zu erkennen.

    Mit anderen Worten, wenn die humanen Frauen und Männer, denen es um ihre wirtschaftliche und körperliche Sicherheit geht, anfangen, sich nach einem Land umzusehen, in dem sie oder auch ihre Kinder sicherer leben werden können, wenn sie zusammenpacken und Israel verlassen, wird sich auch die Normalität des täglichen Lebens mit ihnen verabschieden.

    Oder wie G.W. Bush es einmal formulierte, wird sich eine Gesellschaft dann aufspalten, „in solche, die für und solche, die gegen uns sind“. „Für uns zu sein“ bedeutet dann, Rassist zu sein und Gottes auserwähltem Volk anzugehören und alle anderen als Feinde – als Amalekiter – zu betrachten; das wird von allen Juden erwartet werden, die sich dann noch in Israel aufhalten.

    Auch so gesehen ist es richtig, israelische Schwule zu unterstützen, die das "Pink Washing" korrupter und verantwortungsloser
    Eliten (Katzav, Olmert, Natanjahu, Lieberman, etc.) durchschauen und sich auch gegen diese wehren.

    Man würde sie mit diesen alleine lassen:

    Mit "Schlachtet die Araber" und "Tod den Linken" ziehen sie brüllend durch den palästinensischen Teil von Jerusalem. Weitere Slogans: "Möge euer Dorf brennen!" und "Mohammed ist tot".
    Die Polizei schaut zu.

    www.youtube.com/watch?v=3t_ZjetcSMQ
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#10 marley
  • 28.06.2011, 19:54h
  • Von Apartheid kann man da nicht reden,diese Mauern wurden nicht dort aufgebaut um Araber zu ärgern,sondern ganz einfach deshalb weil es leider nötig ist,bzw weil es noch keine bessere Lösung gibt.Wenn Israel so intolerant wäre,warum werden dann homosexuelle Menschen in Israel nicht ummauert?Eben deshalb weil von uns keine bedrohung ausgeht.Israel ist ein Einwanderungsland mit Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen.Es gibt allerdings zu viele Stimmen in der arabischen Welt die behaupten das Israel kein Existenzrecht hätte,und es gab schon zu viele Anschläge und Raketenangriffe auf Israel um das ganze als bloßen Rassismus abzutun
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