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"Homosexuell" wird oft in Kombination mit dem Wort "Schurke" gesehen (Bild: melanieburger / flickr / by-nd 2.0)

Das englische Wort "homosexual" darf künftig in Schottland nicht mehr von Beamten verwendet werden, weil sich Schwule und Lesben dadurch diskriminiert fühlten.

Die schottischen Behörden haben nach Angaben von "Pink News" eine Richtlinie erlassen, in der ausdrücklich die Benutzung bestimmter Worte verboten wird. So heißt es: "Es ist inakzeptabel, das Wort 'homosexuell' zu benutzen. Viele Schwule und Lesben empfinden ihn als beleidigendes Wort, das früher in Gesetzen verwendet wurden, die gleichgeschlechtliche Beziehungen illegal machten." Auch das Wort "heterosexual" soll künftig nicht mehr verwendet werden, da es mit "homosexual" verwechselt werden könnte - statt dessen sollen Polizisten und Co. "straight" verwenden.

Schwul-lesbische Aktivisten unterstützen dieses Vorgehen. So erklärte ein Sprecher für Stonewall Schottland, dass Worte wie "homosexual" in einer Zeit verwendet wurden, in der Schwule und Lesben als krank galten.

Amerikanische und britische Zeitungen haben die Benutzung dieser Worte bereits eingeschränkt, weil sie als Schimpfwort verstanden werden könnten, wie die "Washington Post" in ihren Richtlinien schreibt. Als besonders diskriminierend werden Wortkombinationen wie "practising homosexual" empfunden, die aber weitgehend aus britischen Medien verschwunden sind.

In Deutschland benutzen die meisten Zeitungen das Wort Homosexualität, oft auch in Kombinationen (Homosexuellenparade, Homo-Ehe). Allerdings gibt es im Deutschen kein anderes umfassendes Wort für Schwule und Lesben (wie "gay" auf Englisch) und auch keinen eigenen Begriff für "straight" (außer "hetero"). Queer.de bemängelte zuletzt die Benutzung des Ausdrucks "bekennender Schwuler" oder "bekennender Homosexueller" in deutschen Zeitungen. Auch der noch manchmal auftauchende Begriff "Homosexuellen-Milieu" steht bei deutschen Aktivisten in der Kritik, weil der Begriff Schwule in die Nähe von kriminellen Verhaltensweisen rückt (vgl. Rotlichtmilieu, Drogenmilieu). (dk)



#1 daVinci6667
  • 28.06.2011, 19:16h

  • Mir ist aufgefallen dass deutsche Medien, vor allem die öffentlich-rechtlichen noch häufig dieses Wort verwenden, während man hierzulande in der Tagesschau oder 10vor10 des SF schwul oder lesbisch benutzt. Homosexuell kann schon reichlich antiquiert rüberkommen, auch je nach Betonung des Sprechers klingt es wie eine bedrohliche Krankheit.
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#2 Lapushka
  • 28.06.2011, 19:22h
  • Wat?
    Also ich empfinde dieses "Der praktizierende Homosexuelle", "der bekennende Homosexuelle" usw. auch scheisse.
    Aber "homosexuell" als solches?

    Wobei, wenn Heterosexualität, Homosexualität und Bisexualität komplett aus dem Sprachgebrauch verschwinden würde und man die Leute einfach "machen lassen", egal was und wie herum sie sin, würde und so eine spezielle Beschreibung überhaupt nicht mehr praktiziert werden würde, fände ich das wiederum cool.
    Inzwischen sind diese Worte ja doch ein wenig hysterisch aufgeladen.
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#3 GeorgFalkenhagenProfil
  • 28.06.2011, 20:32hBremen
  • Hm, "gleichliebend" könnte man vielleicht nehmen. Klingt dann aber auch irgendwie zu deutsch bzw. bürokratisch. Außerdem klingt das nicht "quer" genug, zu wenig revolutionär und schließt so genannte Tunten und Transgender nicht so richtig ein. Bleiben wir also beim "queer", liebes queer.de!
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#4 JoonasAnonym
  • 28.06.2011, 21:10h
  • Ich stecke zu wenig in der englischen Sprache, Kultur, Politik und Geschichte drin, um mir ein Urteil darüber erlauben zu können.

    Aber auf deutsch habe ich kein Problem mit dem Wort "homosexuell", obwohl ich selbst ausschließlich das Wort "schwul" bzw. "lesbisch" verwende. (Oder schon mal ironisch "verzaubert" ;) )

    Wo ich wohl Probleme mit habe, sind die erwähnten Wendungen "bekennender Homosexueller", "Homosexuellen-Milieu", etc. Sowas muss aus den Medien verschwinden.
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#5 schwulenaktivist
  • 28.06.2011, 21:39h
  • Ich kann es für die englische Sprache nicht beurteilen, finde es aber Blödsinn Wörter wie "Neger" und "Zigeuner" verbieten zu wollen. Diese Wörter erhalten uns eine geschichtliche Erinnerung.
    Schliesslich war vor 50 Jahren das Wort "schwul" auch unakzeptabel. Es liegt in unserer Hand, dass dies nicht wieder soweit kommt! Das beweist, dass die Verwendung und der Ton entscheidend sind, nicht die historische Vergangenheit. Ich habe darüber einen Essay geschrieben, wie man darüber in Schwulitäten kommen kann
    www.arcados.ch/?page_id=211
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#6 jojoAnonym
  • 28.06.2011, 22:27h
  • ich finde sprachverbote irgendwie komisch.

    aber ich muss an eine untersuchung denken, wonach befragte personen statistisch eher dazu neigten, "schwulen und lesben" gleiche rechte zuzugestehen als "homosexuellen" - bei ansonsten völlig gleicher fragestellung. es schwingt offenbar etwas leicht unheilvolles in dem wort "homosexuell" mit, das die leute beunruhigt.

    und ich vermute, da geht es wieder mal um das "sexuelle".
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#7 KathiGr
  • 28.06.2011, 22:32h
  • Antwort auf #1 von daVinci6667
  • In den gaaanz seltenen Fällen, in denen die deutschen Fernsehsender überhaupt mal über Homo-Belange berichten, wird in der Tat meist "homosexuell" verwendet. Der Begriff klingt schon ziemlich klinisch und wissenschaftlich. Dennoch ist das Wort an sich wertneutral und ein Verbot finde ich daher schwachsinnig. Man könnte JEDES Wort als Schimpfwort missbrauchen, wenn man es nur entsprechend betont.
    Wie bereits in einem älteren Kommentar von mir geschrieben, finde ich es immer dann angebracht "homosexuell" zu benutzen, wenn man in gleichem Zusammenhang "heterosexuell" verwendet bzw. verwenden würde, also z.B. in einer wissenschaftlichen Studie.
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#8 gayAnonym
  • 28.06.2011, 23:48h
  • Ja die englischsprachigen Länder haben es mit ihrem Wort "gay" zwar einfacher, es steht aber nur offiziell für beide Geschlechter. Im alltäglichen Sprachgebrauch ist es oft ein Synonym für homosexuelle Männer. Zum Beispiel LGBT: lesbian und gay wird unterschieden.
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#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
#10 Mullah v. d. AlmAnonym
  • 29.06.2011, 12:00h
  • Grossartige Kommentare! Jetzt hab ich nämlich gelernt, dass "homosexuell" und "homsexual" je nach Sprache wohl was ganz anderes meint und was mit landesspezifischer Sprache und Kultur was zutun hat.
    Ich Depp dachte immer, es sei eine Bezeichnung aus der Pathologie für eine Krankheit und ginge auf Krafft Ebbing und Freud zurück.
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