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Die Libertines legen ein neues Album vor - man sollte sie hören und sehen, denn noch leben sie.

Von Norbert Blech

Es mag ja zweifelhaft sein, ob man ein Album besprechen darf, dass es bisher nur in Tauschbörsen gibt und erst Ende August erscheint. Aber hier handelt es sich um ein Gesamtkunstwerk, und da das Überleben der Band und ihrer Mitglieder nicht gesichert ist, kommt es auf jeden Tag an.

Das nach der Band benannte zweite Album der Libertines ist ein Wechselbad der Gefühle. Es fängt schon damit an, dass es die Libertines nicht mehr gibt. Sänger und Genie Pete Doherty ist nach drei abgebrochen Drogentherapien raus aus der Band, spricht nicht mehr mit dem zweiten wichtigen Bandmitglied, Carl Barât. Dabei ist es gerade die Kumpelschaft der beiden, die die Band geprägt hat.

Nach ihrem Erstling "Up the bracket" vor zwei Jahren gelten The Libertines, die neben Carl und Pete noch aus dem Bassisten John Hassal und dem Schlagzeuger Gary Powell bestehen, als wichtigste Band Englands. Die Texte Dohertys trafen den Nerv der Jugend, die Musik dazu war wild, unvorhersagbar, schwungvoll. Der damalige Produzent brachte diesen Schwung gekonnt auf dem Album unter, denn es klingt wie live. Nicht umsonst gelten die Libs vor allem als Live-Band: ihre Auftritte sind legendär, denn es wird viel improvisiert und auch gerne mal ins Publikum gehoppst. Oft kam es vor, dass Fans zu einem kleinen Nachkonzert in die (damalige) gemeinsame Wohnung von Doherty und Barât eingeladen wurden. Sie ließen sich auch gerne ein Bier ausgeben oder küssen (auch von männlichen Fans), oft spielten die Libertines "geheime" Gigs, die sie wenige Stunden zuvor auf Webseiten ankündigten. Ohnehin das Web: Neben den beiden offiziellen Alben existieren weitere Libertines-Stücke und ganze Alben von Dohertys Seitenprojekt Babyshambles, von den Künstlern selbst ins Netz gestellt.

Doch fast wäre es nach dem erfolgreichen Start vorbei gewesen für die Libertines. Sänger Pete wurde im letzten Herbst wegen Drogenmissbrauchs schon einmal aus der Band geworfen, brach daraufhin voller Wut bei seinem Bandkollegen Carl ein und stahl Musikinstrumente, dieser zeigte ihn an, Pete landete vor Gericht und im Gefängnis, dann nach drei Monaten Knast überraschende Wiedervereinigung, Tour durch England: "England's screaming" titelte der "NME" über die "Sex Pistols des 21. Jahrhunderts". Doherty schaffte es zusammen mit seinem jetzigen Hausgenossen Wolfman mit der Liebeshymne "For lovers" erstmals in die britischen Top Ten. Die Libertines waren Rock von der besten und schlimmsten Seite: ungekünstelt, erfolgreich, zugleich zerstörerisch. Seit Nirvana hat es das nicht mehr gegeben.

Doch die Drogensucht des 25-Jährigen verschlimmerte sich, nach zwei Therapieversuchen in England und Frankreich schlug gar ein Entziehungsversuch in einem thailändischen Kloster fehl. Vor wenigen Wochen flog er erneut aus der Band; das Kreativduo Doherty und Barât, seit neun Jahren zusammen, redet nicht mehr miteinander. Und Pete Doherty geht es offenbar immer schlechter. Allein in dieser Woche tauchte er bei zwei Solo-Konzerten nicht auf - ohne Absage an die Fans. Dabei hatte ihn gerade die Musik am laufen gehalten.

Dass die Rest-Libertines nun ohne ihn touren, an den wichtigsten Sommer-Festivals teilnehmen, bricht ihm das Herz. "Meine einzige Hoffnung ist tot. So wie ich es sein werde", sagte er vor zwei Wochen düster dem britischen Musikmagazin "NME".

In der gleichen Ausgabe sagte Barât, sollte Doherty wieder clean werden, könnte er wieder in die Band aufgenommen werden. Sieht man sich die Geschichte der Band an, ist eine Reunion sicher keine Unmöglichkeit - doch die Selbstzerstörung Dohertys könnte auch dann wieder alles gefährden. Auch Barât macht sich Sorgen, dass "einer sterben könnte" - sich eingeschlossen. Und meint damit eine Eifersuchtstat Dohertys.

Bereits bei der Aufnahme des Albums waren Securityleute eingestellt, um wüste Schlägereien zwischen den beiden zu verhindern. Sie sind wie ein Hardcore-Homopaar: in der einen Sekunde harmonisch vereint (inklusive Küsse auf der Bühne), in der anderen bereit, den anderen tot zu schlagen.

Dem Album merkt man es nicht an. Es klingt harmonischer als das erste, professioneller, beim ersten Hören auch langweiliger. Doch das legt sich, schnell merkt man das Meisterwerk, die starken Momente, die leisen Momente, die durch die Geschichten der letzten Wochen ihre rechte Würze erhalten. Die erste Single? Sie heißt "Can't stand me now". Bleibt zu hoffen, dass Doherty die rechten Schlüsse draus zieht.



10 Kommentare

#1 KevinAnonym
  • 06.08.2004, 15:25h
  • queer.de ruft also zum illegalen Dateitausch auf? Kein Wunder, dass die Plattenindustrie vor die Hunde geht.
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#2 DanielAnonym
  • 06.08.2004, 19:18h
  • ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN. Die Krise der Musikindustrie hat ja wohl ein paar mehr Gründe als das private Kopieren, das früher erlaubt war und heute weiter erlaubt sein sollte. Bei Musik handelt es sich schließlich wie bei Texten etc. um ein Kulturgut, keine normale Ware. Natürlich gibt es ein Urheberrecht, aber es gibt andere Rechte des Bürgers, die genauso wichtig sind und leider immer mehr eingeschränkt werden. Wir werden schon noch sehen: eine Privatkopie ist was anderes als eine Raubkopie.

    Noch ärgerlicher ist es, aufgrund der "Krise" nun schon Zensur zu fordern. Das ist eine direkte Einschränkung der Meinungsfreiheit, nicht nur nervig sondern auch verheerend. Gut, dass die Queer sich trotz eigener kommerzieller Interessen nicht von dem Quatsch und Justizterror bedrängen läßt.
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#3 KevinAnonym
  • 06.08.2004, 19:54h
  • Eine vor der Veröffentlichung ins Internet geleakte CD ist ja wohl kaum eine "legale Privatkopie". Das ist hingegen eindeutig der Definitionsfall von illegal. Daher ist völlig klar: wer das runterlädt, begeht nach dem neuen Urheberrecht eine Straftat, macht sich strafbar und muss sogar eventuelle Schäden der Plattenfirma begleichen. Queer.de hätte die moralische Pflicht, darauf hin zu weisen. Oder sollte gar nicht erst die Veröffentlichung im Internet erwähnen. Aber der Herr Redakteur scheint seine CDs ja auch ohne Unrechtsbewusstsein aus dem Internet zu beziehen. Und stolz drauf zu sein. Dieser Bericht ist ein Aufruf zu einer Straftat!
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#4 DanielAnonym
  • 06.08.2004, 20:09h
  • Das wird ja immer schöner. In dem Bericht ist nirgendwo der Aufruf, sich die CD zu saugen. Vielmehr wird dem mündigen Leser die Information gegeben, und er kann selbst entscheiden, was er draus macht. Als Nachricht würde hier stehen: Libertines-Album im Netz aufgetaucht. Das ist keine Aufforderung zu einer Straftat, sondern eine legitime Informationen. Ansonsten wäre das eine Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit aus kommerziellen Gründen, die es ja wohl nicht geben darf. Im Übrigen macht sich nach dem neuen Urheberrechtsgesetz, das sicherlich noch juristisch überprüft wird, zwar jemand mit dem Saugen strafbar, bleibt aber straffrei. Sich Kopieen zu privaten Zwecken zu machen, ist also durchaus vom Gesetzgeber akzeptiert. Dafür zahlt der User übrigens Absatzgebühren auf Rohlinge, Brenner etc. Und wer will es armen Teenagern (oder in Deutschland zunehmend auch armen Erwachsenen) übel nehmen, sich mit Musik zu versorgen. Ähnlich wie Wasser ist das ein Grundstoff des Lebens. Und niemand käme auf die Idee, das Trinken aus dem Wasserhahn zu verbieten, nur weil es der Getränkeindustrie schlecht geht. So, hoffe, die Diskussion ist damt beendet.
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#5 KevinAnonym
  • 06.08.2004, 20:28h
  • Der Vergleich mit dem Wasser geht daneben. Die Künstler, ohne die es nunmal keine Musik gibt, müssen schließlich auch von etwas leben. Besser ist ein Vergleich mit Ladendiebstahl: der ist auch strafbar, selbst wenn er nur privaten Zwecken dient und nicht zum Weiterverkauf. Es gibt kein Recht, sich Musik aus dem Internet illegal zu besorgen. Das ist eine Straftat. Queer.de ruft dazu auf. Der Verfasser sollte sich selbst anzeigen, bevor es andere tun.
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#6 Norbert BlechAnonym
  • 07.08.2004, 10:24h
  • Ich habe weder zu einer Straftat noch aufgerufen. Ich möchte doch sehr bitten, das falsche Unterstellen von Straftaten zu unterlassen. Zudem möchte ich hysterische Mitarbeiter von Plattenfirmen sehr bitten, ihre Energie in das Finden kreativer Lösungen zur Beseitigung der vermeintlichen Krise zu setzen anstatt im Forum desinformierende, diffamierende und einschüchternde Zeilen zu posten. Dafür ist es nicht gedacht.
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#7 JanAnonym
  • 07.08.2004, 10:34h
  • Ist ja auch ganz einfach. Ende August erscheint das Album. Wie bei allen Alben gibt es vorher (legale) Pre-Listenings, Promotion-CDs, etc. Es gibt also mehrere Möglichkeiten auch schon vor dem Vö eine CD anzuhören. Nur die Erwähnung dass das Album im Internet saugbar ist, sagt doch gar nichts aus. Alle aktuellen Alben sind irgendwie downloadbar. Das weiss jeder und ist sicher keine Neuigkeit, nur eine Feststellung.

    Soll der Redakteur nun auch jedes Mal seine Quellen mit angeben? Wohl kaum!
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#8 DanielAnonym
  • 07.08.2004, 10:46h
  • Wenn ein Album schon ewig vor dem Start im Internet auftaucht, könnte man ja auch reagieren, indem man die Veröffentlichung vorzieht. Aber das ist von den Marketing-Plattenfirmen wohl zuviel verlangt...
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#9 JohannaAnonym
  • 13.08.2004, 20:11h
  • Soll das wirklich eine Album-Kritik gewesen sein?! Die war ja noch schlimmer als die des NME!!!
    Wo habt Ihr eigentlich diese tollen Bilder her?! (speziell 1. Reihe, ganz rechts) Das sieht echt witzig aus.
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#10 sashaAnonym
  • 26.10.2004, 19:43h
  • die babyshambles-sachen stehen doch legaler weise im internet. quasi denkt sich doherty: "fuck musicindustry!" aber was auch immer. gute band, gute alben.
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