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Protest gegen Russland beim Berliner CSD vor einer Woche (Bild: Charles Meacham)

Ein Agenturjournalist wird entlassen, der angesichts der Bilder vom CSD in Berlin einen hasserfüllten Blogeintrag schrieb. Derweil droht in Russland die nächste Homo-Demo.

Von Norbert Blech

Die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti hat in der letzten Woche einen politischen Korrespondenten entlassen, der in einem Blog-Eintrag von einer Bombe träumte, die gezielt Homos tötet.

Angesichts von Bildern des Berliner CSDs, bei dem auch eine Gruppe russischsprachiger Teilnehmer mitmarschiert war (queer.de berichtete), schrieb Nikolai Troizky, er hoffe, "dass es eine solche Abscheulichkeit in Russland niemals geben wird". "Solch eine 'Freiheit und Demokratie' brauche ich nicht. (...) Notgedrungen denkt man an eine gewaltige Bombe, die nur diese Homos töten würde. Ehrlich, die Erde wäre um einiges sauberer, wenn alle diese perversen Kreaturen krepiert wären."

Das Posting hatte er mit den Schlagwörtern "Wilde, Arschlöcher, Schwachköpfe, Kreaturen, Schwuletten, Scheiße" versehen. In einem späteren Eintrag bezeichnete er Homosexuelle als "Viehkreaturen, die ihr menschliches Aussehen verloren haben". Zu diesen "Wesen" gehöre mit Klaus Wowereit der Regierende Bürgermeister, weswegen dessen Wähler "Arschlöcher" seien.

Ein Sprecher von Ria Novosti sagte, man zensiere nicht, aber die Kommentare Toizkys verstießen gegen die Richtlinien der Agentur. Extremismus jeglicher Form werde nicht geduldet. Der Journalist selbst kritisierte später, er wäre auf dem Altar der politischen Korrektheit und der europäischen Werte geopfert worden. Liubov Sliska, Vizesprecher der Duma und Mitglied der Putin-Partei Einiges Russland, kritisierte ebenfalls die Entlassung, da Toizky gute Gründe für seinen Kommentar gehabt habe: Russland sei ein Land der Familienwerte und habe keinen Platz für die Rechte von Homosexuellen.

Erneut verbotener Protest in Moskau


Flugbegleiter Maxim Kupreew (Bild: Gay Russia)

Der Hauptorganisator des Moskauer CSDs, Nikolai Aleksejew, begrüßte die Entscheidung der Nachrichtenagentur, kritisierte aber, dass es keine genauere Untersuchung des Vorfalls gegeben habe - Troizky könne sich so "zum Opfer von Homo-Aktivisten" machen.

Indessen haben die Aktivisten von Gay Russia rund um Aleksejew ihre nächste Aktion geplant: Am Mittwoch soll es um 13 Uhr eine Demonstration vor der Zentrale der Fluglinie Aeroflot geben. Hintergund ist die kürzliche Bildung einer Gruppe von schwulen und lesbischen Mitarbeitern der Fluglinie durch den Flugbegleiter Maxim Kupreew, der mit den Aktivisten von Gay Russia verbunden ist.

Aeroflot selbst lehnt die Gruppe ab. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP hatte Sprecherin Irina Dannenberg gesagt, es sei notwenig, das Privatleben vom Arbeitsleben zu trennen. Kupreew berichtet von Schikanen seitens der Unternehmensführung. Aeroflot ist Teil der "Sky Team"-Allianz, andere Partner-Airlines wie Air France und KLM haben schwul-lesbische Gruppen und Diversity-Ansätze.

Die russischen Behörden haben den Protest am Dienstag aus vermeintlichen Sicherheitsgründen verboten. Aleksejew kündigte an, dass trotzdem demonstiert werde. Die Unterlagen der Stadtverwaltung zu dem Verbot würden an den Rat der Europäischen Union weitergeleitet, "als weiterer Beweis, dass Russland den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ignoriert."

Von Botschaftsprotesten zum Europarat


Peter Tatchell (r.) und andere Aktivisten demonstrierten am Freitag in London (Bild: Peter Gray)

Nach den Urteilen des Europäischen Gerichtshofes, die in den CSD-Verboten Verstöße gegen die Menschenrechte sahen, ist damit der nächste Schritt der politischen Eskalation erreicht: Aktivisten aus Russland und Europa wollen erreichen, dass Russland seine Stimme im Europarat verliert, sollte es weiterhin Demonstration von Schwulen und Lesben verbieten. Eine solche Forderung wurde zum Berliner CSD bei einer Mahnwache vor der russischen Botschaft laut (queer.de berichtete) und am letzten Freitag vor der russischen Botschaft in London wiederholt.

"Russland darf nicht erlaubt werden, sich dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte straflos zu widersetzen", sagte der britische Aktivist Peter Tatchell, der selbst am verbotenen CSD in Moskau in diesem Jahr teilgenommen hatte. "Russische LGBTs brauchen mehr als nette Worte", so Tatchell weiter, der Europarat müsse Russland disziplinieren. Wenn Russland noch länger erlaubt sei, den Europäischen Gerichtshof zu ignorieren, ergänzte der Aktivist und Moskau-Besucher Peter Gray, werde das Gericht und der Europarat Ansehen verlieren.

An diesem Freitag ist ein weiterer Protest vor der russischen Botschaft in Paris geplant. Dabei ist die politische Eskalation beidseitig. Erst am letzten Wochenende hatte der Generalsekretär des Europarats, Thorbjorn Jagland, Russland ermahnt, Urteile des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte umzusetzen. Ein geplanter Gesetzentwurf, der die Urteile nicht bindend machen würde, hätte "ernste Folgen" für Russland und für den Europarat, so Jagland.

Mit Dank an Andrey und Wanja von Quarteera



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#1 yomenAnonym
  • 05.07.2011, 22:47h
  • ich schreibs immer wieder:

    homos werden von heteros in die welt gesetzt!

    ums genauso bösartig zu beantworten:

    homos lassen sich auch mit bomben nicht ausrotten!!!
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#2 testAnonym
#3 Lapushka
  • 05.07.2011, 23:52h
  • "Ehrlich, die Erde wäre um einiges sauberer, wenn alle diese perversen Kreaturen krepiert wären."

    Aber nicht für lange, Mäuschen. Die wachsen schliesslich nach
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#4 st. olichnayaAnonym
  • 06.07.2011, 09:16h
  • danke für eure tolle berichterstattung. es ist gut zu lesen, dass sich tapfere menschen nicht einschüchtern lassen.

    am rande: ich glaube, dass Liubov Sliska eine Frau ist.
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#5 FloAnonym
#7 ArthasAnonym
#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 06.07.2011, 15:54h
  • Manche Journalisten haben wirklich eine kranke Phantasie! Dieser Typ sollte aufpassen, daß ihn in der nächsten Zeit keine Bombe trifft! Am besten als Kriegsberichterstatter nach Afghanistan!
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