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Auf einer langen Zugfahrt wünschen sich wohl die meisten, das mal was Aufregendes passiert: Szene aus dem Film "Drei Affen" (Bild: arsenal)

Im Mai hatte der Berliner Autor Falk Stein die queer.de-User um sexy Plots für sein neues Buch gebeten. Eine Phantasie von "cityboy" hat er nun als Short Story umgesetzt.

Von Falk Stein

Endlich sitze ich auf meinem Platz. Gerade so habe ich ihn die Bahn noch erwischt und lasse die Landschaft an mir vorbeiziehen. Doch werde ich das Gefühl nicht los, dass ich im falschen Zug sitze. Alles ist anders als beim letzten Mal - nicht, dass dies etwas zu bedeuten haben müsste, so etwas passiert mir ständig. Ich putze meine Brille: die Bäume und Büsche da draußen, die Hügel und Felder, selbst der Himmel und die Wolken - alles sieht anders aus. Irgendwie. Nicht so - ich suche das passende Wort - magisch wie sonst.

Es ist warm, die Fenster lassen sich nicht öffnen. Ich seufze, vermutlich ist es bloß wieder mein Verfolgungswahn, bekanntlich ein Resultat meiner schweren, traumatischen Kindheit.

Andererseits: auch keinen meiner Freunde und Klassenkameraden habe ich bisher entdecken können, weder meinen besten Freund mit seinem knallroten Haarschopf noch meine beste Freundin, die ihre Nase immer in ein Buch steckt.

Sollte ich tatsächlich im falschen Zug sitzen? Unwillkürlich fasse ich an meine Stirn, kratze vorsichtig mein kleines Souvenir von damals, aber es rührt sich nicht - sonst ein untrügliches Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Ach, wird schon alles seine Richtigkeit haben. Ich seufze wieder und ziehe meinen Mantel über mein Gesicht. Die Reise dauert, da kann ich ruhig ein wenig dösen.

Als ich wieder zu mir komme, ist es draußen dunkel. Es ist heiß, die Klimaanlage scheint ausgefallen. Ich knöpfe mein Hemd auf, blicke aus dem Fenster. Stockschwarze Nacht, nur hin und wieder fliegen Lampen vorbei, die ihren matten Schein auf Mauern werfen. Wir fahren unterirdisch, so viel ist sicher. Ich erschrecke. Wo sind wir? Ein Tunnel?
Jetzt bin ich mir ich sicher, dass wir im falschen Zug sitzen. Ich springe auf und nehme meinen Mantel. In dem Moment öffnet sich die Tür und jemand ruft laut mit deutlich französischem Akzent: "Grenzkontrolle, Ausweise bitte."

Die prächtige Brustbehaarung des Zollbeamten


Heiße Zugphantasien hatte auch schon Tom of Finland: Szene aus seinem Comic "Sex on the Train" (Bild: Tom of Finland Foundation)

Reflexartig ziehe ich mein wichtigstes Utensil, halte es dem vermeintlichen Angreifer entgegen und hole Luft, um ihm einen Spruch entgegenzuschleudern - dann begreife ich: es ist nur ein Zollbeamter. Mit einer Mischung aus Überraschung und Amüsiertheit blickt er mich an: "Ist das ein abgebrochener Queue oder was soll das? Den Ausweis bitte!"

Er ist groß, breitschultrig und auch er trägt sein Hemd weit geöffnet. Schweißperlen rinnen von seiner Stirn, von seinem schlanken, muskulösen Oberkörper und seine prächtige Brustbehaarung glänzt feucht.

"Das ist ein Zauberstab", sage ich und muss schlucken. Meine Kehle ist ausgedörrt, mir versagt die Stimme. Was für ein Zauber geht bloß von diesem Kerl aus? Lässig lehnt er sich gegen die Gepäckablage. Die knapp geschnittene Uniform betont seinen perfekt geformten Körper, den er sich wohl in Jahre langer Arbeit im Fitnessstudio antrainiert hat - im Schweiße seines Angesichts.

Apropos im Schweiße: sein männlicher Duft, der das Abteil erfüllt, raubt mir die Sinne. Das herbe Aroma kriecht mir in die Nase, geht mir durch Mark und Bein und legt sich zentnerschwer auf meinen Kopf. Denken? Fehlanzeige. Ich bin wie blockiert, hole Luft, weiß aber nichts zu sagen. Kann nur lächeln. Immerhin.

Er grinst auf eine schurkige, aber anziehende Art: "Zauberstab? Da kenne ich bessere Zauberstäbe." Seine Augen blitzen. Ich schlucke wieder und spüre, wie tausende Schmetterlinge mit ebenso vielen Hummeln in meinem Magen lateinamerikanische Tänze tanzen. Er wiederholt: "Den Ausweis!"

Ich nicke, bin paralysiert wie das Kaninchen vor der Schlange und durchsuche meine Taschen. Wo ist mein Ausweis? Ich suche und suche. Langsam wird er ungeduldig: "Wird's bald?"

Der Grenzer zeigt seinen Zauberstab


Im Himmelstürmer Verlag ist Falk Steins erotischer Kurzgeschichten-Band "Verruchtes Berlin" erschienen

Ich finde nichts. Ich habe ihn nicht. Dann fällt es mir siedendheiß ein: Ich muss ihn im Haus meines furchtbaren Onkels vergessen haben. Ich flüstere kleinlaut: "Ich habe ihn nicht dabei." Er kommt einen Schritt auf mich zu, steht direkt vor mir. Ich kann ihn riechen. Ich rieche seinen frischen Schweiß, seinen heißen Atem, Zigarettenrauch, eine Ahnung eines herben Parfums und einen Hauch von Waschpulver. Ich schnuppere noch einmal und muss die Augen schließen.

"So, so, keinen Ausweis. Aber einen", er macht eine Pause und schnaubt spöttisch, "einen Zauberstab. Zauberstab? Ein Zauberstäbchen. Ich werde dir mal einen Zauberstab zeigen. Meinen Zauberstab."

Ich höre, wie er den Reißverschluss öffnet. Ich öffne die Augen, erschrocken, erregt. Der Zollbeamte schließt den Vorhang des Abteils. Dann nimmt er meine Hand und legt sie auf seinen Schritt. Er beugt sich nach vorne und nimmt mit der anderen Hand meinen Kopf, hält ihn fest, zieht ihn nach vorn. Seine Lippen schmecken salzig. Unsere Zungen liebkosen sich, wir atmen den Atem des anderen. Rasch entkleiden wir uns, halten uns in den Armen, spüren den heißen Körper des anderen. Ich habe keine Erfahrung, lasse mich einfach leiten. Lasse zu, dass diese fremde Macht von mir Besitz ergreift, die am besten wohl mit grenzenloser Lust und tierischem Trieb zu umschreiben ist. Als es bei mir soweit ist, versuchen wir es ein wenig herauszuzögern, so unglaublich einmalig ist das Gefühl. Doch dann, als es keinen Weg mehr zurückgibt, brennt mit einem Mal mein Mal auf der Stirn. Ich stöhne laut auf, weiß nicht, ob aus Schmerz oder purer Geilheit. Er hat Recht gehabt: sein Zauberstab ist um einiges machtvoller als der meine.

Wir liegen aneinander gekuschelt auf den Polstern, küssen uns zärtlich. "Willkommen in Frankreich", sagt er, "wie heißt du?" Ich lächele und sage: "Harry", und will vorsichtig die zickzackförmige Narbe berühren - aber sie ist verschwunden.



#1 schwulenaktivist
  • 17.07.2011, 17:17h
  • In der Pornografie ist es wie bei der Religion - es ist immer einer da, der dich liebt, äh fickt...
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 17.07.2011, 19:57h
  • Bei diesem Plot kann man gar nicht mehr still auf seinem Stuhl sitzen! Wie heißt doch die Parole der Regisseure beim Filmdreh: "Action, please!"
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