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  • 20. Juli 2011, noch kein Kommentar

Ein Teenager auf dem Weg nach oben: Miloš (Bild: Deutsche Grammophon)

Der junge Gitarrist aus Montenegro hat sein Album "Mediterraneo" vorgelegt.

Von Jan Gebauer

"Die Musik auf diesem Album ist ein Spiegel meiner Persönlichkeit: Sie erzählt dem Zuhörer, wer ich bin", sagt der 28-jährige Gitarrist Miloš Karadaglić. Wie vielleicht von einem Bürger des kleinen, unruhigen Landes Montenegro zu erwarten, dessen Karriere durch die kühne Entscheidung begann, nach London umzusiedeln, kennzeichnet ihn eine außergewöhnliche Zielstrebigkeit.

Miloš' Liebesgeschichte mit der Gitarre nahm ihren Anfang, als er acht Jahre alt war und sein Vater ihm eine Aufnahme vorspielte, auf der Andrés Segovia ihn mit Albéniz' Asturias verzauberte. Ausgerüstet mit der staubigen alten Gitarre der Familie, der ein paar Saiten fehlten, wurde er an einer speziellen Musikschule angemeldet, an der er innerhalb von sechs Monaten alles lernte, was seine Lehrer ihm beibringen konnten. Dank dieser raschen Fortschritte kam er in eine andere Klasse, in der nach der strengen Fernando-Sor-Methode unterrichtet wurde.

Direktlink | Milos Karadaglic - Guitar

Studium bei der Royal Academy of Music in London


(Bild: Deutsche Grammophon)

Schon mit neun Jahren gab Miloš sein erstes öffentliches Konzert, mit elf gewann er seinen ersten nationalen Wettbewerb und am gleichen Tag auch einen Gesangswettbewerb. Er avancierte zum Fernseh- und Rundfunkstar und besuchte Gitarren-Meisterklassen in Belgrad.

Im Alter von 16 Jahren machte er schließlich seinen Kindheitstraum wahr und bewarb sich an der Royal Academy of Music in London um einen Studienplatz. Als Miloš bei der Academy anrief, teilte man ihm mit, dass die Bewerbungsfrist für das kom-mende akademische Jahr in Kürze ablief. "Während meine Eltern bei der Arbeit waren, filmte ich mich selbst beim Spielen meiner Lieblingsstücke, eines pro Tag, fünf Tage hintereinander, in unserem Wohnzimmer." Er bekam sein Stipendium. "Ich hatte sehr viel Unterstützung von zu Hause und alle waren so stolz auf meinen Erfolg. Als ich schließlich in London ankam, hatte ich schreckliches Heimweh. Aber gleichzeitig war ich in dieser Institution plötzlich von den großartigsten Lehrern umgeben - ich war in der großen, weiten Welt angekommen. Und rasch hatte ich das Gefühl, als habe mir jemand Flügel verliehen, als könne ich fliegen."

Seine Heimat Montenegro beeinflusste das Album "Mediterraneo"


(Bild: Deutsche Grammophon)

Der Teenager Miloš hatte sich John Williams zum Vorbild gewählt, mit Anfang 20 wurde dann Julian Bream seine Leitfigur. "Sein Klang und seine Technik waren ganz anders als meine, aber es war unwahrscheinlich bereichernd, sich seine Aufnahmen anzuhören, auf wirklich jeder Ebene." Wenn er auf der Bühne steht, ist das für ihn fast wie ein Traum, sagt der Künstler. "Hinterher kann ich mich nicht mehr an viele Details erinnern. Ich weiß nur, dass ich mich gut gefühlt habe, sehr energiegeladen und emotional." Die Farben und Timbres des Albums "Mediterraneo" sind Ausdruck seines Wunsches, die Vielfalt der musikalischen Klangwelt zu vermitteln, in die er hineingeboren wurde, mit Einflüssen sowohl des östlichen wie westlichen Endes des Mittelmeers. "Montenegro selbst", sagt er, "ist ein Schmelztiegel der Kulturen, weshalb die Musik, mit der ich aufgewachsen bin, auch so spannend und vielfältig ist."