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  • 24.07.2011           114      Teilen:   |

Die kruden Homo-Theorien des Anders Breivik

Das Manifest des Attentäters hat das Kreuz des Templerordens auf dem Titel
Das Manifest des Attentäters hat das Kreuz des Templerordens auf dem Titel

Der Oslo-Attentäter beschreibt in seinem Manifest, warum auch Schwule Verräter sein können und bestraft gehören. Dabei hat er homosexuelle Freunde. Und er erklärt, warum man sich als schwul tarnen sollte.

Von Norbert Blech

Der mutmaßliche Attentäter von Oslo und Utøya, Anders Behring Breivik, hat am Samstag Abend ein Teilgeständnis abgelegt. Der 32-Jährige hatte am Freitag im Osloer Regierungsviertel eine Bombe gelegt und dabei mindestens sieben Menschen getötet, wenig später schoss er auf einer Insel bei einem Sommercamp der Jungsozialisten gezielt auf hauptsächlich Jugendliche und tötete mindestens 85 von ihnen.

Zugleich wurde am Samstag ein vom mutmaßlichen Attentäter geschriebenes Manifest bekannt. "2083. A European Declaration of Indepence" hat 1516 Seiten und beschreibt recht konkret die Vorbereitungen zum Attentat und gibt auch Tipps für andere, wie sie die Welt vor Islamismus und "Kulturmarxismus" retten können.

Der beschworene Sieg des Islam in Europa führe unter anderem zum "Mord an Minderheiten, etwa an Schwulen". Das zeige bereits der "spirituelle Führer" des norwegischen Islamrats, der eine entsprechende Tötung debattiere. Allerdings gehörten Schwule selbst teilweise zu den Kulturmarxisten, auch würden diese Multikulturalisten mit angeblich Inhalten pro Minderheiten, pro Schwule, gegen Krieg, für die Umwelt etc. Schwule für sich gewinnen (obwohl es ihnen in Wirklichkeit um die Zerstörung der Werte Europas gehe). So notiert der Attentäter, wie etwa Antifaschisten beim Stockholmer Pride dabei waren. Ebenso wie die (ehemalige) Anführerin der schwedischen Solzialdemokraten, Mona Sahlin. "Wird Sahlin und die anderen Sozialdemokraten sicherstellen, dass homosexuelle Paare in Moscheen heiraten dürfen?", fragt er ironisch.

In ganzen Absätzen spricht sich Breivik für eine konservative Ehe aus (Modell 50er Jahre), was der Medienbeschreibung eines "christlichen Fanatikers" erst nachträglich Sinn verleiht. "Nur weil das traditionelle Verständnis von Ehe stark untergraben wurde, finden sie nun auch Homosexuelle interessant. Schwule und Lesben wollen nicht die Ehe der traditionellen Art, nur die weichgespülte Version, die heute existiert", etwa mit einfachem Scheidungsrecht. Auch spricht er sich für strikte Abtreibungsregeln, einen Stopp der Frauenförderung und eine sehr konservative Sexualerziehung an Schulen aus. Die liberalen Fortschritte von protestantischen Kirchen gehen ihm ebenfalls zu weit, als Beispiele werden u.a. die Unterstützung der Homo-Ehe und die Weihe schwuler Priester genannt. Der Protestantismus müsse durch Katholizismus ersetzt werden.

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"Sag, du denkst, du wärst schwul"

Breivik gibt Tipps, wie man möglichst nicht auffällt
Breivik gibt Tipps, wie man möglichst nicht auffällt

An anderen Stellen gibt sich Breivik durchaus homofreundlich. So beschreibt er sich als "antirassistisch, antifaschistisch und anti-Nazi". Auch kritisiert er, dass er und seine Bewegung als "anti-gay" beschrieben werden. Die Kulturmarxisten "wollen, dass wir als Rassisten, Faschisten und Schwulenhasser gebrandmarkt werden, weil es ihren Job so einfach macht, uns als Abschaum der Erde zu beschreiben. Die Wahrheit ist, dass ich persönlich viele homosexuelle Individuen kenne (...) und ich keine Vorbehalte gegen sie habe. Was sollte es mich kümmern, was hinter verschlossenen Türen geschieht?"

Es folgt ein "allerdings". So kritisiert er die "gay media hysteria", die es seit zwei Jahrzehnten in Westeuropa gebe. Gruppen von "angeblichen Opfern" würden seitens Politik und Medien eine "positive Diskriminierung" erfahren, die zur Diskriminierung Heterosexueller führe. Diese "Verherrlichung" von bevorzugten Gruppen sei zu weit gegangen und "rassistisch und faschistisch". Doch zugleich gibt Breivik den Tipp, man könne von den Kulturmarxisten lernen und Gruppen wie etwa Homosexuellen gezielt gemeinsame Ziele vortäuschen, um sie für den Kampf zu gewinnen.

Um als Attentäter nicht aufzufallen, empfielt er ein Auto von Hyundai ("Ja, das ist sehr schwul, aber extrem effektiv, wenn es darum geht, der Umwelt die richtigen Signale zu senden"). Für Foto-Shootings sollte man auch als Mann unbedingt Makeup einsetzen ("Ja, das klingt schwul, aber 'attraktiv' auszusehen, wird die Wirkung unserer Message signifikant steigern"). Vor allem aber empfiehlt er, als eine von zwei Langzeit-Strategien, sich als schwul auszugeben, um nicht verdächtig zu wirken:

"Sag, du denkst, du wärst schwul und dabei, dein neues Selbst zu entdecken und dass du nicht mehr über das Thema erzählen willst. Erzähl ihnen, dass du darüber beschämt bist und du darüber einfach nicht mehr weiter reden möchtest. Lass sie schwören, das niemandem zu erzählen. Dieses Vorgehen kann deinem Ego eine Delle versetzen, wenn du dir nicht völlig sicher in deiner Heterosexualität bist, denn sie werden tatsächlich glauben, du wärst schwul. Aber das ist eine sehr effektive Strategie, um Fragen zu unterbinden und Personen davon abzuhalten, in deinem Leben rumzuwühlen, wenn du das nicht willst." Die andere Möglichkeit, nicht aufzufallen, ist seiner Meinung nach, sich als Spieler von "World of Warcraft" auszugeben.

Deutschland Ziel von Anschlägen, Schwule "individuell"

Breivik zeit sich auf Bildern martialisch, die Umstände seiner Verhaftung waren weniger heldenhaft
Breivik zeit sich auf Bildern martialisch, die Umstände seiner Verhaftung waren weniger heldenhaft

Breivik hat Wilders und eine Menge islamophober Autoren studiert, selbst Hendryk M. Broder, der fleißig zitiert wird. Er glaubt an die Übernahme Europas durch Muslime ("Europe's Decline - Hurrah! We Capitulate!"). Gerade Deutschland sei "hilflos und unfähig, sich selbst zu verteidigen" - das Land steht bei ihm an der Spitze einer Tabelle der am meisten "multikulturell indoktrinierten" Länder.

Nach Frankreich und vor Großbritannien steht Deutschland auch auf Platz 2 der Länder, die er als "primary targets" beschreibt, die seine Anhänger also mit Attentaten überziehen sollten - in der ersten Phase des Widerstands. Zu den wichtigsten Zielen gehören die Hauptquartiere und Jahrestreffen der politischen Parteien der Kulturmarxisten (im großen und ganzen alle linken Parteien). Als nächstes Ziel folgen jährliche Konferenzen von Journalisten (mind. 500 sollten anwesend sein), dann, noch vor EU- und Regierungsgebäuden und Sendezentralen "Verräter" der Gruppen A und B.

Unter diesen menschlichen Zielen fasst Breivik Politiker, Chefredakteure und Wirtschaftsbosse in der Gruppe A zusammen. Als Verräter zweiter Stufe folgen, unter anderem, Feministen, "Homo- und Behinderten-Aktivisten", Tier- oder Umweltschützer. Die gehöre es, auf einer "individuellen Basis" zu bewerten. So hätten sie sich zu rechtfertigen, wenn sie ihren Einfluss nutzen, um etwa den "kulturellen Genozid an den Ureinwohnern Europas" direkt oder indirekt zu unterstützen.

Muslime und deren Einrichtungen haben nicht die höchste Priorität, denn sie könnten zunächst helfen, die anderen Ziele zu erreichen. Durch einzelne Attacken sollten Muslime aber gezielt aufgewiegelt werden, so dass es zu gewalttätigen Ausschreitungen und Jihad-Aktivitäten kommen werde. Die Medien müssten darüber berichten, was wiederum die Leute gegen Muslime aufbringen würde - eine Gewaltspirale sei unaufhaltsam.

Das Manifest enthält einen weiteren Rat für Attentäter: "Wenn du nicht fliehen kannst und deine Mission nicht beenden kannst, nehme die letzte Möglichkeit: stirb ehrenvoll im Kampf". Der Autor der Ratschlags hat sich nach seinem Attentat ohne Widerstand von der Polizei verhaften lassen.

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Tags: norwegen, oslo, utøya, rechtsextremismus, islamophobie, anders breivik
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Reaktionen zu "Die kruden Homo-Theorien des Anders Breivik"


 114 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
24.07.2011
12:45:48
Via Handy


(-4, 12 Votes)

Von Schoki


Sag ich doch. Der Typ ist ein Wahnsinniger, dessen volle Überzeugung aus dem Christentum kommt. Und seine Weichspülerischen Worte können allen Menschen erspart bleiben. Der Kerl ist einfach krank und gehört ins letzte Loch dieser Welt gestopft.


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#2
24.07.2011
12:56:20


(+4, 12 Votes)

Von Klartext


Wirrer geht es ja wohl nicht... Habe die Passage über uns Homos gar nicht verstanden, was sagt der?

Ich wünsche den Norwegern - als Nordlicht fühle ich mich den Skandinaviern eng verbunden - dass sie ihre Ruhe und Fröhlichkeit irgendwann wieder finden.

An anderer Stelle wurde hier gefragt, warum über den offen schwulen Chef der Jusos berichtet wird. Weil Personen - gerade in dem Zusammenhang - ein Kriterium der journalistischen Auswahl sind. Außerdem könnte er eines Tages der erste schwule Premierminister irgendwo auf der Welt sein könnte, insofern völlig richtig, was queer. de da amcht.


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#3
24.07.2011
13:04:30


(+9, 17 Votes)

Von Flo


"Breivik hat Wilders und eine Menge islamophober Autoren studiert, selbst Hendryk M. Broder, der fleißig zitiert wird."

Da sieht man, was geistige Brandstifter wie Geert Wilders, Henryk M. Broder, etc. anstiften.

Ansonsten:
seine kruden Theorien, die direkt dem Wahnsinn entspringen, verdienen zwar eigentlich gar keine Kommentierung, aber eine Sache muss ich dann doch kommentieren:
Schwule dürfen also schwul sein (wie gnädig), wenn sie sich verstecken und das nur hinter verschlossenen Türen ausleben.

Auch sonst zeigen seine Aussagen, dass er komplett dem Wahnsinn verfallen ist.


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#4
24.07.2011
13:05:58


(+14, 14 Votes)

Von antos
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- Norwegian Psycho -

Aus dem hinteren Teil des Pamphlets, des Vorbereitungs-Tagebuchs:

25. Juni [S. 1.462]

„Since this town has a limited variety of fast food I decided to drive down to tue southern town, eat and pick up some Chinese takeaway. There was a relatively hot girl on tue restaurant today checking me out. Refined individuals like myself is a rare commodity here so I notice I do get a lot of attention in both the southern and tue northern town. It‘s the way I dress and look. There are mostly unrefined/un-cultivated people living here. I wear mostly tue best pieces from my former life, which consists of very expensive brand clothing, LaCoste Sweaters, piques etc. People can see from a mile away that I‘m not from around here."

30. Juni [S. 1.463]

„I guess I have been somewhat reckless in regards to maintaining my sozial network. Choosing Complete isolation and asocial behaviour, in phases like these, would probably a more pragmatical approach for ensuring secrecy. However, complete isolation and asocial behaviour can also defeat the whole purpose if you end up losing the love for the pople you have sworn to protect. Because, why would you bless your pople with the ultimate gift of love if every single person hates you?“

22. Juli [S. 1.470]

„First coming costume party this autumn, dress up as a police officer. Arrive with insignias J Will be awesome as people will be very astonished J

Side note; imagine if law enforcement would visit me the next days. They would probably get the wrong idea and think I was a terrorist, lol :-O“

Drei Haken beim 'aggressiven Narzissmus':

Link:
en.wikipedia.org/wiki/Hare_Psychopathy_Checklist


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#5
24.07.2011
13:06:28


(-15, 23 Votes)

Von Geert


"Breivik hat Wilders und eine Menge islamophober Autoren studiert"

Schwulenpolitisch kann Wilders nicht in einem Atemzug mit homophoben Autoren genannt werden.
Wilders ist nicht homophob, sondern, im Gegenteil, schwulenfreundlich. Er und seine Partei haben immer und überall die Schwulen und Lesben gegen verbale Angriffe aus dem islamischen Lager verteidigt.


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#6
24.07.2011
13:06:29


(+7, 9 Votes)

Von gatopardo
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Welch ein Labyrinth von Weltbild ! Und dann dieses Durcheinanderwirbeln von krassen Gegensätzen. Nein, als Laie in der Psychiatrie muss man sich das Studium solcher Gedankengänge nicht unbedingt antun !


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#7
24.07.2011
13:07:47


(-9, 17 Votes)

Von Geert
Antwort zu Kommentar #2 von Klartext


Die erste lesbische Premierministerin gibt es bereits: in Island!


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#8
24.07.2011
13:14:10


(+15, 15 Votes)

Von antos
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Korektur. Der Mörder schreibt, Stunden vor dem Massaker, mit Smileys:

'First coming costume party this autumn, dress up as a police officer. Arrive with insignias :-) Will be awesome as people will be very astonished :-)'


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#9
24.07.2011
13:29:47


(+7, 7 Votes)

Von GeorgFalkenhagen
Aus Bremen
Mitglied seit 21.05.2010


Da kann man mal sehen, wohin Homophobie führen kann. Jetzt weiß man noch nicht mal, ob man dieses Fremdwort mit Schwulen- oder Menschenhass übersetzen muss. Weil ja hier doch wohl irgendwie beides zusammen zu kommen scheint - der Selbsthass.

Herr Ratzinger & Co. sollten angesichts solcher Dokumente allerdings vielleicht mal intensiver darüber nachdenken, ob sie nicht eine (auch) heterogefährdende Irrlehre verbreiten und damit allen schaden. Nicht zuletzt, sich selbst ...


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#10
24.07.2011
13:40:14


(-9, 17 Votes)

Von schwulenaktivist
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Man sollte nicht immer gleich alles "als islamophob" bezeichnen. Da gäbe es noch viele "heterophobe"... :P


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