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  • 24.07.2011           40      Teilen:   |

Utøya: Lesbisches Paar rettete Jugendliche

Torill Hansen erzählt Medien auf ihrem Boot von ihrem mutigen Einsatz
Torill Hansen erzählt Medien auf ihrem Boot von ihrem mutigen Einsatz

An der spontanen Rettungsaktion von Jugendlichen von der Insel Utøya war auch ein lesbisches Paar beteiligt, berichten norwegische Medien. Zusammen mit anderen Besuchern eines Camping-Platzes retteten Hege Dalen und Torill Hansen mit ihren Booten Menschen, die sich auf der Insel vor dem Attentäter versteckten oder über das Wasser fliehen wollten.

Es wird geschätzt, dass Urlauber und Anwohner mit rund 20 Booten bis zu 300 Menschen retten konnten. Bis die Polizei eintraf, hatte Anders Breivik 85 Besucher des Sommercamps der Jungsozialisten erschießen können - er verletzte zahlreiche weitere Jugendliche schwer, mindestens zehn davon schweben in Lebensgefahr. Eine zusätzliche Person erlag am Sonntag im Krankenhaus ihren Verletzungen, bis zu fünf Jugendliche werden noch vermisst.

Hege und Torill aus einer Kleinstadt in der norwegischen Region Oppland machten Urlaub auf dem gegenüber der Insel gelegegen Campingplatz. Sie wollten mit Verwandten den zehnten Geburtstag der Tochter feiern, doch die Fernsehbilder der Bombenexplosion in Oslo ließen sie inne halten. Dann hörten sie Schüsse.

"Wir rannten zum Steg und konnte Schießpulver riechen. Dann hörten wir furchteinflößende Schreie. Wir sahen viele Leute, die von der Insel wegschwammen", erzählt Hege. "Im Bruchteil einer Sekunde haben sich Anwohner und Leute vom Campingplatz auf Boote geschmissen." Nach kurzer Diskussion entschied sich auch das Paar zur Hilfe, die Verwandten kümmerten sich um ihre Tochter.

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Hege Dalen, fotografiert von ihrer Partnerin
Hege Dalen, fotografiert von ihrer Partnerin

So fuhren auch Hege und Torill gemeinsam zur Insel rüber und retteten bei fünf Fahrten insgesamt 40 Jugendliche. Einmal landeten sie direkt auf Utøya und konnten Jugendliche aufnehmen, die sich in einer Höhle versteckt hatten. Einmal wurden sie beschossen, eine Kugel verfehlte knapp das Boot.

Doch am meisten bedrückt sie, dass sie bei der ersten Fahrt, bei der sie ganze zehn Leute aus dem Wasser fischten, eine Person zurücklassen mussten. "Das Boot war kurz vorm Kentern. Es war furchtbar, entscheiden zu müssen, wen wir mitnehmen", erzählt Torill dem Sender NRK. Sie wissen nicht, ob jemand anders die Person retten konnte. "Es waren so viele Leute im Wasser. Ich frage mich, wie viele ertrunken sind."

Die Jugendlichen seien hauptsächlich in Schwärmen geschwommen, es sei möglich, dass Jugendliche ertranken, weil andere über sie hinweg schwammen. Ein fürchterlicher Gedanke, wie so vieles, was das Paar quält. Die meisten der Jugendlichen, die Hege und Torill retteten, waren schwer verletzt. Auch innerlich: "Sie haben von nahem gesehen, wie der Attentäter auf Menschen geschossen hat", berichtet Torill dem Portal vg.no. "Sie waren aus Kälte und Angst blau angelaufen."

Die beiden Frauen am Tag danach, im Hintergund Utøya
Die beiden Frauen am Tag danach, im Hintergund Utøya

So waren die Jugendlichen in Schock, aber nicht einfach zu beruhigen: Als sie auf dem Festland bewaffnete Polizisten sahen, schrien viele los - der Attentäter hatte sich als Polizist ausgegeben, die Jugendlichen ihm vertaut. Andere suchten Freunde und Verwandte, die Handys der Frauen gingen rund. Ein Mädchen versuchte ewig, ihren Bruder zu erreichen, der noch auf der Insel weilte.

"Wir konnten beide die Nacht nicht schlafen", erzählt Hege. Die Emotionen, die Eindrücke des Tages waren zu stark. Als sie bei einer der Fahrten auf der Insel landeten - der Täter war inzwischen gefasst - sahen sie Jugendliche auf einem Steinhügel am Meer. "Es sah aus, als ob sie säßen", den Fluss betrachteten - ein romantisches Bild. "Doch sie waren tot."

Das Paar, das inzwischen profesionell betreut wurde, will den Urlaub fortsetzen. Der Geburtstag der Tochter wird noch einmal gefeiert. (nb)

Dank an Pertti K.

Links zum Thema:
» Der Spiegel über einen deutschen Camper, der ebenfalls zur Hilfe eilte
Mehr zum Thema:
» Oslo, Utøya - Wie berichten? (25.7.2011)
» Die kruden Homo-Theorien des Oslo-Attentäters (24.7.2011)
» Der offen schwule Chef der Jungsozialisten will weiterkämpfen (23.7.2011)
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Tags: norwegen, oslo, utøya
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Reaktionen zu "Utøya: Lesbisches Paar rettete Jugendliche"


 40 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
24.07.2011
17:39:07


(+13, 13 Votes)

Von rettung


wunderbare frauen. tiefsten respekt dafür.


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#2
24.07.2011
17:59:27


(+10, 10 Votes)

Von doktor
Aus Kulmbach (Bayern)
Mitglied seit 08.10.2009
Antwort zu Kommentar #1 von rettung


danke für deine worte.
danke für den artikel.


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#3
24.07.2011
19:15:35


(+8, 8 Votes)

Von jojo


"Im Bruchteil einer Sekunde haben sich Anwohner und Leute vom Campingplatz auf Boote geschmissen."

ich finde es sehr tröstlich, inmitten all des grusels von solcher mitmenschlichkeit und solchem mut zu lesen.

die tat erschüttert ja in ihrer unfassbaren kälte unsere vorstellung von menschlichkeit. wir würden uns gerne einreden, dass diese tat wirklich allem widerspricht, was menschlich ist, aber das stimmt leider eben nicht. gewalt gegen schwächere, kalter egoismus und politisch/religiöser fanatismus sind auch in unseren westlichen gesellschaften leider nicht so geächtet, wie wir es gerne hätten. sie sind im gegenteil fester bestandteil auch unserer gesellschaften. die tat verkörpert die schlechten tendenzen unserer gesellschaft in extremform. letztlich ist sie ein extremer ausdruck des "unmenschlichen", das leider eben auch zum menschsein gehört. so löblich es ist, gegen diese tendenzen anzuarbeiten, so unrealistisch wäre es, diese gewalttat komplett ins reich des wahnsinns zu verdrängen, als habe sie kein mensch begangen, sondern ein außerirdischer oder ein monstrum. es war ein mensch, der inmitten einer westlichen gesellschaft geprägt wurde und tendenzen ausgelebt hat, die eben leider auch zu dieser gesellschaft gehören.

umso tröstlicher ist es, zu sehen, dass mitmenschlichkeit und solidarität in dieser gesellschaft nach wie vor mindestens ebenso prägend sind.


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#4
24.07.2011
19:29:45


(+7, 7 Votes)

Von Marc


Alle die da geholfen haben, sind die wahren Helden und wahren Stars der heutigen Zeit!!

Auch sie brauchen jetzt nicht nur Dank und Ehre, sondern auch Hilfe um das Geschehene zu verarbeiten.

Sich entscheiden zu müssen, wen man rettet und andere zurücklassen zu müssen, ist wohl mit das schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Das ist sehr belastend und überschattet, dass sie Leute gerettet haben. Ich hoffe, sie verkraften das und können das verarbeiten.

Ich wünsche Ihnen, allen anderen Helfern, den Überlebenden und den Angehörigen aller Toten alle Kraft der Welt.

Wann wird diese wahnsinnige Welt endlich friedlich?! Wieso können Menschen nicht andere in Frieden leben lassen?!


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#5
24.07.2011
19:53:45


(+2, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Die beiden Frauen haben einen Orden verdient!


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#6
24.07.2011
20:16:44


(+4, 6 Votes)

Von Lapushka
Antwort zu Kommentar #4 von Marc


"Wann wird diese wahnsinnige Welt endlich friedlich?! Wieso können Menschen nicht andere in Frieden leben lassen?!"

Vermutlich nie. Der Mensch als Kollektiv ist offenbar leider nicht in der Lage, aus Fehlern zu lernen.
Aber...die Hoffnung stirbt zuletzt.

Trotzdem absoluten Respekt für die Retter. Zivilcourage ist wirklich keine Selbstverständlichkeit, besonders nicht wenn es gilt, in eine Situation einzugreifen, in der wahllos auf Menschen geschossen wird.


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#7
24.07.2011
21:19:19


(+5, 5 Votes)

Von gatopardo
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Antwort zu Kommentar #3 von jojo


Habe den heutigen Morgen in einem nichtschwulen spanischen Forum der konservativen Zeitung "El Mundo" mitgemischt. Abstruse Verschwörungstheorien wurden geäussert und einige Oberschlaumeier reden sich einen ganz anderen Hergang herbei, der natürlich von den regierenden norwegischen Sozialisten verschleiert wird usw..
Ja, Solidarität von Mitmenschen, wie sie z.B. spontan von Anwohnern und diesen beiden Damen kam, ist sehr tröstlich und hilft ein wenig über unsere Lähmung hinweg.


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#8
24.07.2011
21:31:17


(+3, 3 Votes)

Von alexander
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Antwort zu Kommentar #7 von gatopardo


ich kann vor entsetzen zu diesem thema nicht gross stellung beziehen !
es gibt nichts zu sagen, ich bin sprachlos, zumal das : warum, wieso, weshalb, ohnehin zweitrangig ist .
toll, dass so viele sofort, ohne wissen um die situation, richtig reagiert haben !
offensichtlich müssen wir uns , auf grund unserer "sozialisation" des öfteren auf solche greueltaten einstellen.
da hilft auch das "hineingeheimnissen" nicht weiter.
( es hat schon was von naturkatastrophen, denen man nicht entgehen kann?)


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#9
24.07.2011
21:33:29


(+1, 7 Votes)

Von Planlos
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also das was die damen getan haben in aller ehren !aber wieso spielt deren sexuelle orientierung bei der rettung von jungentlichen eine rolle???

ansonsten gebe ich allen anderen recht das was dort pasiert ist,ist wahnsinn und absolut nicht nachvollziebar oder durch logik zu verstehen ! es gibt nunmal wahnsinn der nicht bekämpft werden kann egal wieviel freiheit wir aufgeben oder wie sehr wir die religion verantwortlichen machen wollen solche geister werden niemals aussterben und immer einen grund finden ihre taten zu begründen...also micht macht das nur fassungslos und mann fühlt sich etwas ohnmächtig angesichts solcher grausamkeiten vor unserer haustür !!!


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#10
24.07.2011
21:33:58


(+3, 3 Votes)

Von Ralf
Antwort zu Kommentar #7 von gatopardo


"Abstruse Verschwörungstheorien wurden geäussert und einige Oberschlaumeier reden sich einen ganz anderen Hergang herbei, der natürlich von den regierenden norwegischen Sozialisten verschleiert wird usw.."

Na, 9/11 war es doch auch nicht anders, da gab es auch die wildesten Verschwörungstheorien usw.
Will man irgendwas nicht wahr haben greift man dazu alles als Lügen abzustempeln und Diskussionen sind kaum mehr möglich.
Das schlimme ist, fast alle Anhänger von extremistischen Strömungen greifen zu dieser selben Waffe und meinen zuhause vom Computer aus zu wissen was gefaket ist und das sie selber die ultimative Wahrheit besitzen.


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