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Die Abgeordnetenkammer in Rom

Das italienische Parlament hat ein Gesetz zur Bekämpfung der Homophobie durchfallen lassen - eine Homo-Gruppe erklärte empört, dass die Politik damit Gewalttätern in die Hände spiele.

In der Abgeordnetenkammer sind am Dienstag die Befürworter des Gesetzes mit 250 zu 293 Stimmen bei 21 Enthaltungen unterlegen. Laut dem Gesetzentwurf sollte "sexuelle Intoleranz" als erschwerender Umstand bei Delikten gegen die Person betrachtet werden, ähnlich wie bei den "Hate Crime"-Gesetzen in den USA. Anlass ist eine Zunahme von Übergriffen insbesondere gegen schwule Männer (queer.de berichtete).

Der Entwurf war von der sozialdemokratischen Abgeordneten Paola Concia eingebracht worden. Sie erhielt dabei Unterstützung von Mara Carfagna, der Ministerin für Chancengleichheit von Silvio Berlusconis Mitte-Rechts-Partei Popolo della Libertà, die das Gesetz gegen heftige Kritik in den eigenen Reihen verteidigte. Carfagna hat sich damit zur Vorkämpferin von Homo-Rechten entwickelt, obwohl sich die ehemalige Miss-Italy-Kandidatin bei ihrem Amtsantritt 2008 noch als Homo-Gegnerin profiliert hatte (queer.de berichtete).

Widerstand von der katholischen Kirche


Die sozialdemokratische Abgeordnete Paola Concia beklagt sich über den katholischen Einfluss in der Politik (Bild: Stefano Bolognini)

Stimmen gegen das Gesetz kamen auch aus der Opposition. So votierte die katholische Oppositionspartei UDC gegen das Gesetz, ebenso wie der katholische Flügel der Sozialdemokraten. Sie argumentierten unter anderem, dass das Gesetz das in der Verfassung verankerten Gleichheitsprinzip verletze - obwohl es bereits jetzt ähnliche Gesetze auf der Basis der Merkmale Rasse, Religion und Nationalität gibt.

"Italien hat die Chance verpasst, sich im Kampf gegen Homophobie europäischen Standards anzupassen", erklärte Paola Concia nach der Abstimmung enttäuscht. Sie sagte weiter, die Niederlage sei ausschließlich auf den Druck der katholischen Kirche zurückzuführen, die nach wie vor die italienische Politik in einem erschreckenden Ausmaß mitbestimme. Amnesty International erklärte in einer ersten Reaktion, Italien habe "eine Chance verpasst". Wütend äußerte sich Paolo Patane von der Homo-Gruppe Arcigay gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: "Dieses Parlament hat gegen die Gerechtigkeit entschieden und unterstützt Gewalttäter." Er appellierte an die EU, die Lage von Schwulen und Lesben in Italien zu verbessern. (dk)



Auch Westerwelle lobt Papst

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich positiv über die Aussagen von Papst Franziskus zur Homosexualität geäußert.
#1 MoonguyAnonym
#2 gatopardo
  • 28.07.2011, 13:37h
  • Was haben wir denn erwartet von einem Land, wo der Vatikan in seinem ureigensten Umfeld unter keinen Umständen auch nur einen einzigen Schritt auf "Perverse" zukommt , während Religionsfuzzis dort überall geschützt werden. Meine ital. Freunde äussern sich verzweifelt und empört über die Tatsache, dass dieses Gründungsland der EU so meilenweit den sogar jüngeren Mitgliedsländern wie Tschechien oder Slowenien hinterherhinkt.
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#3 Lapushka
  • 28.07.2011, 13:44h
  • Ich gebe aber auch Berlusconi bzw. dem Kurs den Italien unter ihm fährt einen Anteil an der Situation.
    Wird Zeit, dass der abhaut und Italien wieder etwas zukunftsorientierter wird.
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 28.07.2011, 13:57h
  • Berlustconi muß endlich weg! Italien kommt nicht vorwärts und ist eine Schande für die Länder, die zwar auch erzkatholisch, aber bei Homorechten und der Homophobiebekämpfung entscheidende Schritte weiter sind!
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#5 daVinci6667
  • 28.07.2011, 14:02h

  • "So votierte die katholische Oppositionspartei UDC gegen das Gesetz, ebenso wie der katholische Flügel der Sozialdemokraten."

    Von den Mitte und Rechtsparteien braucht man sowieso nichts erwarten, das ist klar.
    Doch auch bei rot und grün ist Vorsicht geboten, wie obiges Beispiel zeigt. Ich als Wähler nehme mir die Freiheit, mich zu erkundigen welche Person auf der offiziellen Parteiliste katholisch oder muslimisch sind. Diese streiche ich erbarmungslos durch und ersetze sie mit homofreundlichen Kandidaten aus anderen Parteien. Sicher ist sicher.

    Ich will nicht, dass die armen religiös verblendeten Politiker entweder gegen Homorechte stimmen, oder bei einem Ja ein schlechtes Gewissen bekommen und nachts nicht mehr schlafen können aus purer Angst, nach dem Tod im Fegefeuer zu brutzeln!
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#6 Knueppel
  • 28.07.2011, 15:04h
  • Kommentar meines Lebenspartners (ital. Staatsbürger), als er mir die Meldung aus einem italienischen Internet-Portal gestern mailte: "Ich hasse dieses Land!"
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#7 yomenAnonym
  • 28.07.2011, 15:30h

  • also bidde: das beherbergende land der größten gay-community mit der obertunte ratze, sollte aber weiter sein.

    kommt schon. die kommen doch...die ganze zeit... :-P
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#8 daVinci6667
  • 28.07.2011, 16:15h

  • Antwort an #6 Knueppel
    Mein Mann ist auch Italiener, hassen aber beide Italien keinesfalls.
    Wir mögen keine Katholiken und hassen die gegenwärtige Politik und die überall vorhandene Korruption. (Eine Schande übrigens auch für die EU, dass solche in ihren Mitgliedsländern immer noch möglich ist.)

    Trotzdem Italien ist ein wunderschönes vielfältiges Land. Wir lieben die mediterrane (Ess-)Kultur, die Musik und die dortigen Ferienaufenthalte, auch wenn wir niemals dort leben wollten. Fast täglich werden neben den (italienischsprachigen) schweizer TV- Stationen auch solche aus Italien geschaut. Schwule werden dort kaum und wenn doch nur als Komikfiguren gezeigt. Schade!

    Mein Mann ist beim italienischen Verwandtschaftsteil immer noch ungeoutet. Seine hier lebende, an Schweizer Verhältnisse angepasste Mutter meinte neulich, schwul sein sei für Italiener schon schlimm genug, Hauptsache aber, er erwähne niemals dass er aus der Kirche ausgetreten sei. Das erst wäre eine Katastrophe! Tja, das ist leider Italien 2011!
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#9 MichiCGN
#10 Knueppel
  • 28.07.2011, 18:38h
  • Antwort auf #8 von daVinci6667
  • Schönen Gruß von meinem Freund.

    Er hat es immerhin geschafft sich gegenüber seiner Familie zu outen (schon vor über 35 Jahren). Daraufhin war ich für seine tiefgläubige Schwester, "der Teufel", der ihren Bruder verführt hat

    Er will sein "ich hasse dieses Land" präzizieren:

    Weil
    eine Mehrheit mehrfach Berlusconi gewählt hat,
    weil - so mein Freund - das Land durch und durch homophob sei,
    weil - hier kommen wir zu der wundervollen Landschaft, die ich auch liebe - Umweltbewußtsein und Verantwortung für das Erbe unterentwickelt sind usw.

    Er hat vor einiger Zeit noch gesagt, er würde Italien so lange nicht mehr betreten, wie der Mafia-Freund und Mini-Duce Berlusconi im Amt ist ...

    Gruß
    Knueppel

    PS Ich liebe meinen Freund und seine Familie ist (inzwischen auch die ältere Schwester) mir gegenüber ganz o.k.
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