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Der "Forest Bird" kann nun auch gleichgeschlechtliche Ehen im Reservat beobachten (Bild: Jan Tik / flickr / by 2.0)

Der Stamm der Suquamish-Indianer im US-Bundesstaat Washington erlauben gleichgeschlechtlichen Paaren die Eheschließung.

Das Stammesgesetz besagt seit Montag offiziell, dass eine Ehe auch aus zwei Personen des selben Geschlechts bestehen kann. Da die Suquamish-Indianer weitgehend Autonomie genießen, können sie die Definition der Ehe auch gegen den Willen des Bundesstaates ändern. Der Staat Washington bietet seit 2007 eingetragene Partnerschaften an, verbietet es Schwulen und Lesben aber zu heiraten.

Die Eheöffnung wurde bereits bei einem internen Treffen des Stammesrates im März beschlossen - auf Antrag einer 28-jährigen Lesbe: Stammesmitglied Heather Purser wohnt heute zwar in Seattle, ist aber im Reservat aufgewachsen. Als Grund für ihren Einsatz erklärte sie der "Seattle Times", dass sie sich bei ihrem Coming-out allein gefühlt habe. Sie wolle daher anderen jungen schwulen und lesbischen Indianern diesen Schmerz ersparen. "Wenn meine Leute die schwul-lesbische Hochzeit erlauben, wird auch mein Schmerz vergehen", erklärte sie gegenüber der "Seattle Times".

Purser sagte, es sei einfach gewesen, denn Stammesrat zu überzeugen: sie habe dort ihre Geschichte erzählt und das Thema gleichgeschlechtliche Ehe gleich zur Abstimmung gestellt - ihren Angaben zufolge fiel das Ergebnis zu ihrer Überraschung einstimmig aus. Im Juni kam es dann zu einer öffentlichen Anhörung, bei der es ebenfalls keinen Widerstand gegen die Ehe-Öffnung gab. "Die Akzeptanz liegt an den moralischen Werten, die uns als Stamm wichtig sind - ganz oben steht Nichtdiskriminierung."

DOMA verhindert Anerkennung durch Washington

Auch wenn Schwule und Lesben im Reservat heiraten dürfen, erhalten sie nur sehr wenige Rechte. Zwar muss Washington die Gesetze im Reservat anerkennen, das 1996 eingeführte "Gesetz zur Verteidigung der Ehe" (Defense of Marriage Act, DOMA) verbietet es Washington aber, gleichgeschlechtliche Ehen anzuerkennen. Das betrifft sowohl Eheschließungen in Bundesstaaten wie Massachusetts oder New York als auch Hochzeiten in Indianerreservaten. Die Demokraten und Präsident Barack Obama setzen sich jedoch derzeit für die Abschaffung des Gesetzes ein. Außerdem hat ein Bundesgericht entschieden, dass es gegen die US-Verfassung verstößt, allerdings muss noch der Supreme Court urteilen (queer.de berichtete).

Vor den Suquamish haben bereits die Coquille-Indianern aus Oregon Schwule und Lesben 2008 im Eherecht gleichgestellt (queer.de berichtete).

Der Suquamish-Stamm besteht aus 1.050 Mitgliedern. Wie in den meisten Indianerreservaten kämpfen die Suquamish gegen wirtschaftliche Probleme. Die Arbeitslosigkeit liegt im Reservat bei rund 30 Prozent. Haupteinnahmequelle der Indianer ist ein Casino. (dk)



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 03.08.2011, 14:13h
  • Da sieht man einmal wieder, wie fortschrittlich ein Volk sein kann und die Suquamish-Indianer haben dafür meinen Respekt verdient!
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#2 marley
  • 03.08.2011, 17:06h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • Da hast du Recht Foxxxyness,es soll wohl sogar schon mal Indianerstämme existiert haben die homosexuelle für heilig hielten,es wurde uns sogar zugeschrieben 2 Seelen zu besitzen (eine männliche,und eine weibliche)!
    Dass es den Ureinwohnern offensichtlich unter Autonomie besser geht als unter irgendeiner Regierung sollte uns zu denken geben,auch wenn in diesen Reservaten nicht immer alles perfekt ist,aber westliche Beeinflussung bringt halt Nachteile mit sich
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#3 Simon H.Anonym
  • 03.08.2011, 17:41h
  • Eine schöne Meldung, auch wenn es wohl nur weniger Leute betrifft. Aber jeder einzelne Tropfen ist viel wert, denn viele Tropfen ergeben zusammen auch einen See...
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#4 SchokiAnonym
  • 03.08.2011, 17:54h

  • Kommentar zu #2: Du hast völlig Recht. Es gibt da aber auch noch ein Ureinwohnervolk in Mittelamerika, dass ausschliesslich homosexuell, also ist es für sie Standard, dass Mann mit Mann und Frau mit Frau zusammen ist. Ein mal im Jahr gibt es dann die Paarungszeremonie, wo sie dann (was NICHT so fortschrittlich ist!!) Einen Mann und eine Frau für ihre Götter opfern, damit dieser ihnen Potenz verleiht. Das Volk ekelt sich nämlich vor nicht gleichgeschlechtlichem Sex und vollzieht den Akt so schnell wie möglich. Es gibt also das genaue Gegenteil der heterosexistischen Welt! Den Namen habe ich leider vergessen, aber ich zuerst total baff, als ich das gelesen habe! Einfach ein bisschen googlen, dann findet ihr es bestimmt auch!
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#5 klaus f.Anonym
  • 03.08.2011, 17:58h
  • Antwort auf #2 von marley
  • du meinst das konzept "two-spirit", das allerdings mit "homosexuellen" in unserem sinne eher wenig zu tun hat, sondern eher (sozial) intersexuelle beschreibt. dieses konzept gibt es unter vielen stämmen heute noch: es gibt heute mindestens ein dutzend verschiedene two-spirits-organisationen in verschiedenen indianischen gruppen. und die tendenz scheint mir sogar eher steigend.

    in den letzten jahrhunderten und jahrzehnten gab es ja vielerlei versuche, two-spirits und das dazugehörige konzept auszulöschen. sogar die oft sehr christlich geprägten indianischen gruppen selbst waren oft nicht besonders two-spirit-freundlich. viele junge indianerInnen mit nichtheterosexueller identität verließen die reservate und suchten in den schwul-lesbischen subkulturen ihre heimat. mit mäßigem erfolg: dort wurden sie oft als indianerInnen diskriminiert. über den umweg der schwul-lesbischen emanzipationsbewegung fanden sie aber vielfach die möglichkeit, zu ihrer nichtheterosexuellen identität zu stehen und gleichzeitig ihre indianischen traditionen für ihre eigene identitätsfindung wiederzuentdecken. und genau das führt seit ca. 30 jahren zu einer wiederbelebung der two-spirit-traditionen.

    nur sehr teilweise gibt es hier noch eine direkte tradition, meist geht es eher um eine akademisch geprägte und teils ein wenig künstlich wirkende neuerschaffung. oft identifizieren sich auch dieselben personen mal als "two-spirit" und mal als "gay", obwohl sich beides eigentlich konzeptionell ausschließt. politisch geschickt ist das aber: "two-spirit" ist heute zu einem sammelbegriff für verschiedene identitätskonzepte geworden, mit dem sie einerseits die solidarität der westlichen queer-bewegung und gleichzeitig die ihrer indianischen familien herstellen können - eine identitäre brücke zwischen den kulturen, in denen sie gleichzeitig leben.

    den modernen two-sprits kommt hierbei die allgemeine tendenz der indianischen gruppen zugute, sich auf alte traditionen zurückzubesinnen. "indianische traditionen" werden heute wieder als solche wertgeschätzt, auch wenn sie evtl. mal mit christlichen vorstellungen kollidieren. vor einigen jahrzehnten war das noch undenkbar.

    ach, ich könnte noch ewig referieren und bitte um nachsicht für den überlangen beitrag.

    für mich ist das einfach ein sehr spannendes thema, weil es nicht zuletzt auch geeignet ist, unsere vergleichsweise engen westlichen konzepte von homosexualität einmal in frage zu stellen...
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#6 klaus f.Anonym
  • 03.08.2011, 18:04h
  • Antwort auf #4 von Schoki
  • ja, auch ich kenne dieses rein homosexuelle volk, das du da beschreibst. wirklich verblüffend.

    und das verblüffendste ist, dass dieses volk mal in mittelamerika, mal in melanesien, mal in afrika lebt. mal opfern sie menschen, mal sind sie kannibalen, mal sind sie völlig friedliebend. mal sind sie ausgestorben, mal sind sie frisch und munter...

    scheint insgesamt ein sehr wandlungsfähiges völkchen zu sein.
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#7 PetterAnonym
  • 03.08.2011, 18:36h
  • Antwort auf #6 von klaus f.
  • Tja, das sind diese urbanen Legenden, die es zu so ziemlich jedem Thema gibt. Und manchmal werden sie sogar von weniger seriösen Journalisten (z.B. Bild) aufgenommen.

    Aber wissenschaftlicher Überprüfung hält das meistens nicht stand.

    Es gibt sogar Bücher, die urbane Legenden sammeln.
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#8 alexander
  • 03.08.2011, 19:11h
  • Antwort auf #5 von klaus f.
  • ich danke dir für deinen tollen beitrag ! einiges war mir bekannt, bin aber mit der neueren entwicklung nicht vertraut.
    könntest du mir bitte lesetipps vermitteln, wäre dir sehr dankbar !
    für mich hättest du "ewig" weiter referieren können, ich finde das thema auch sehr spannend !
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#9 Mullah v. d. AlmAnonym