Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?14748

Rudolf Bradza 2008 am Berliner Mahnmal mit Klaus Wowereit (Bild: LSVD)

Einer der letzten Überlebende des NS-Terrors gegen Schwule ist tot. Rudolf Brazda wurde 98 Jahre alt. Der ehemalige Häftling des KZ Buchenwald ist am Mittwoch Morgen in einem Krankenhaus in Bantzenheim im Oberelsass friedlich im Schlaf verstorben, heißt es in einer Stellungnahme von Angehörigen. Er soll in der nächsten Woche auf eigenen Wunsch eingeäschert werden, seine Überreste neben denen seines Lebenspartners Eduard verstreut werden.

Im April hatte Brazda, der in Frankreich lebt, noch die höchste Auszeichnung des Landes, den Orden der Ehrenlegion, verliehen bekommen. Anfang Juli hatte der Spiegel eine lange Würdigung gebracht, der letzte bekannte Träger des Rosa Winkels lag da bereits im Sterben in einem Krankenhaus im elsässischen Mülhausen.

Die Welt kennt jetzt dank zweier Bioprahien seine Geschichte, sein Leiden, seine danach wieder verspürte Lebensfreude. Dabei wurde das alles erst vor drei Jahren bekannt: Brazda sah eine Dokumentation über das Mahnmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Schwulen in Berlin. Der bis dahin als letzter Überlebende geltende Mann war drei Jahre zuvor verstorben. Brazda meldete sich, wollte zur Eröffnung des Mahnmals kommen. Das klappte nicht rechtzeitig, doch wenige Wochen später besuchten er und der Regierende Bürgermeister Berlins das Mahnmal zum CSD.

Der Sohn tschechischer Immigranten war 20, als Hitler an die Macht kam. Zur gleichen Zeit lernte er in Leipzig seinen ersten Freund kennen, lebte später mit ihm im thüringischen Meuselwitz zusammen. Dort wurde er 1937 denunziert, wegen "unnatürlichen Verhaltens" zunächst in U-Haft gesteckt und dann, nach einem "Geständnis", zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt.

Er wurde des Landes verwiesen, zog nach Karlsbad und schloss sich einer Theatergruppe an, blieb auch nach der Einverleibung des Sudetenlandes durch die Nazis. 1941 musste er erneut für sechs Monate ins Gefängnis, 1942 wurde er einer der rund 650 schwulen Inhaftierten des KZ Buchenwald. Die meisten von ihnen mussten im Steinbruch arbeiten, Brazda wurde verschont, weil ein politischer Häftling, der als Aufseher arbeitete, ein Auge auf ihn geworfen hatte.

Brazda durfte im Sanitätsdienst aushelfen. Ein anderer Aufseher rettet ihm später das Leben, in dem er ihn in einem Schweinestall versteckt, während die anderen Inhaftierten einen Todesmarsch antreten müssen. Am 11. April 1945 wurde das KZ von der US-Armee befreit. Brazda zog nach Mulhouse, lernte dort seinen Lebenspartner Eduard kennen, der vor acht Jahren verstarb.

Youtube | Die Kollegen von Lattemio haben im letzten Jahr ein Interview mit Brazda geführt

Rudolf Brazda damals und vor wenigen Jahren

Zwischen 10.000 und 15.000 schwule Männer landeten während der Nazi-Zeit im KZ, die wenigsten haben überlebt. Für sie ging die Verfolung nach dem Krieg weiter, der Paragraf 175 hatte noch etliche Jahre Bestand. Erst vor rund zehn Jahren wurden die Opfer des §175 (aus der Nazi-Zeit) rehabilitiert. Entschädigt wurde Brazda nie.

Das alles hat ihn nicht gebrochen, nicht die Lebenslust genommen. Dass er seine Geschichte erzählen konnte und interessierte wie junge Zuhörer fand, hat ihm die letzten Jahre seines Lebens verschönert. Alexander Zinn vom LSVD schrieb eine deutschsprachige Biographie mit dem Titel "Das Glück kam immer zu mir." Er besuchte zahlreiche CSD-Veranstaltungen, gab Interviews und sprach zu Schulklassen. Nun ist er verstummt. (nb)

Reaktionen und Würdigungen

In einer Presseerklärung sprach der Berliner LSVD am Donnerstag den Hinterbliebenen von Brazda "unser Mitgefühl und aufrichtiges Beileid" aus. "Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg hatte Brazda für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Zu einer Verleihung ist es nicht mehr gekommen, ein Verleihung posthum ist nicht möglich."

Auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hat mit Bedauern die Nachricht vom Tod von Rudolf Brazda zur Kenntnis genommen. "Ich erinnere mich gut an das Gespräch mit Rudolf Brazda, als wir 2008 gemeinsam das Denkmal für die während des Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen besichtigten. Er ist ein Beispiel dafür, wie wichtig die Erinnerungsarbeit für unsere Zukunft ist. Immer weniger Menschen können authentisch und aus eigener Anschauung Auskunft über die Unterdrückung in der NS-Diktatur geben."

Youtube | Ein längerer Bericht des französischen Magazins Yagg mit Brazda und seinem anderen Biographen Jean-Luc Schwab


Rudolf Brazda wird Ritter der Ehrenlegion

Der letzte noch lebende Rosa-Winkel-Häftling wird mit dem höchsten französischen Orden ausgezeichnet.
#1 Kristian
  • 04.08.2011, 02:09h
  • Zum Glück war es mir gegönnt Rudolf Brazda vor etwas mehr als einem Jahr bei einem Vortrag von William Schaefer in Freiburg kennenzulernen. Auch wenn die Kommunikation etwas schwierig war, war es für mich ein bewegender und beeindruckender Moment. Ruhe in Frieden, Rudolf Brazda, und das ewige Licht leuchte dir.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 stromboliProfil
  • 04.08.2011, 07:27hberlin
  • ich denke , es ist nun an uns, das gedenken an ihn und die vielen mittlerweile namenlosen jener terrorjahre lebendig zu halten und ihren geist des wiederstehens und leidens im kopf jener wach zu halten, die das glück haben, in besseren zeiten leben zu können!
    R.I.P.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 hanckAnonym
#4 FloAnonym
  • 04.08.2011, 09:50h
  • Auch wenn jetzt der letzte schwule KZ-Überlebende gestorben ist, darf seine Geschichte und die Geschichte tausender Unbekannter nie verstummen!!

    Schade, dass er nicht noch die Eheöffnung und die Gleichstellung im GG erlebt hat. Wenn der Staat schon Wiedergutmachung verhindert und das aussitzt, bis das letzte Opfer gestorben ist, wäre wenigstens das nochmal eine schöne Nachricht für ihn gewesen.

    Möge er in Frieden ruhen...
  • Antworten » | Direktlink »
#5 GedenkenAnonym
  • 04.08.2011, 10:27h
  • Auf dem Video sieht man wieder mal, dass in den KZs nur Schwule saßen und keine Lesben. (Bzw. wenn Lesben, dann aus anderen Gründen, z.B. weil sie jüdisch waren)

    Auch alle Geschichtswissenschaftler bezeichnen den lesbischen Kuss im Mahnmal als "Geschichtsklitterung".

    Klar hatten auch Lesben unter dem NS-Regime zu leidern, aber es ist ja wohl ein Unterschied, ob Kneipen und Verlage dicht gemacht werden oder ob man ins KZ gesteckt wird.

    Es ist ein Schlag ins Gesicht aller wirklichen Opfer, dass Alice Schwarzer und einige andere Emanzen sich durchgesetzt haben, das Mahnmal zu entweihen und für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen.

    Wäre das Mahnmal eher gekommen, wären nur genug Opfer am Leben gewesen, um die Stimme gegen diese Verhöhnung zu erleben.

    Leider ist mit Herrn Brazda das letzte Opfer gestorben. Umso wichtiger ist es, dass wir das Gedenken aufrecht erhalten und vor wildgewordenen Kampflesben schützen. Denn solche Lesben schaden der Mehrheit der vernünftigen Lesben, die die Geschichte nicht verdrehen wollen und sich nicht über die wahren Opfer lustig machen.

    Möge Herr Brazda in Frieden ruhen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 MatinAnonym
  • 04.08.2011, 10:31h
  • Farewell Rudi. Wollen wir mal alle hoffen, dass uns dergleichen oder ähnliche Erfahrungen in unserem Leben erspart bleiben. Das Ganze kommt mir aus heutiger Sicht auch absolut bizarr vor. Aber die Zeiten können sich auch wieder ändern. Diesmal sind wir vorgewarnt.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 UngedenkenAnonym
  • 04.08.2011, 13:09h
  • Antwort auf #5 von Gedenken
  • "Auf dem Video sieht man wieder mal, dass in den KZs nur Schwule saßen und keine Lesben. (Bzw. wenn Lesben, dann aus anderen Gründen, z.B. weil sie jüdisch waren)"

    Wie man sogar noch die Todesnachricht eines überlebenden, schwulen Naziopfers dafür missbrauchen kann, um eine erneute Spaltung zwischen den deutschen Lesben und Schwulen über den Mahnmalstreit zu reinitiieren, hast du damit sehr anschaulich demonstriert. Du würdest von mir auch einen direkten Schlag ins Gesicht bekommen. Im Namen aller zwangsheterosexualisierten und vergewaltigten Frauen unter dem Naziregime.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 04.08.2011, 13:10h
  • Rudolf Brazda hat ein sehr bewegendes und auch ereignisreiches Leben gehabt und ihm ist sehr viel Unrecht durch die Nazis widerfahren. Nun wird er zur ewigen Ruhe gebettet und hat seinen Frieden gefunden!
  • Antworten » | Direktlink »
#10 ungerechtAnonym
  • 04.08.2011, 13:45h
  • Antwort auf #8 von Ungedenken
  • soweit ist es bei schwulen gar nicht erst gekommen. bevor schwule männer zwangsheterosexualisiert werden konnten, wurden sie in kz gesteckt und ermordet.
    vergewaltigt wurden ürigens auch männer nicht nur frauen.
    warum verstehen die lesben nicht das sie sich wegen der denkmaldiskussion auf kosten der opfer versuchten ins gespräch zu bringen.
  • Antworten » | Direktlink »