Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?14755

Die Seite mit den schwulen Backrezepten hat er schon gefunden, nur: Wie sagt er es jetzt Mutti? (Bild: danielfoster437 / flickr / by-sa 2.0)

Der schwule Psychoanalytiker Udo Rauchfleisch ist skeptisch, ob das Internet tatsächlich beim Prozess der Selbstfindung hilft.

Von Carsten Weidemann

Früher -also vor 1995 - da lief es noch ganz anders mit dem Coming-out. Wer sich Informationen beschaffen wollte, der musste sich mit hochrotem Kopf und klopfendem Herzen an die Kasse wagen, um den Ratgeber "Schwul - na und?!" zu bezahlen. Die Kassiererinnen in den Buchhandlungen waren die ersten, die "es" erfuhren. Oder die freundlichen Damen von der Ausleihe bei der Stadtbibliothek. Und natürlich die Schreibkräfte, die in den Stadtmagazinen die Kleinanzeigenseiten betreuten.

Und heute? Ein Klick auf Suchmaschine, schon wird man fündig: "Schwul" - 1,9 Millionen Einträge, "Lesbisch" - 1,9 Mio. Einträge. "Homosexuell" - 2,7 Mio Fundstellen. Für homosexuelle Jugendliche ist es ein Leichtes, sich heute die Informationen zu beschaffen, die sie benötigen, um ihre sexuelle Identität zu klären. Ist aber deshalb das Coming-out heute ganz easy und problemlos?

Ich "google", also bin ich? Schwule und Lesben haben später Sex 

Der Schweizer Psychotherapeut Udo Rauchfleisch ist skeptisch. In einem Interview mit dem Magazin "Beobachter" weist er darauf hin, dass Schwule und Lesben im Schnitt zwei Jahre später als Heterosexuelle "reale" sexuelle Beziehungen eingingen. Das Web sieht er eher als Hemmschuh, "weil die Jugendlichen zwar im Internet surfen, sich outen und online allerlei Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen können. Aber es scheint, als zögere dies ein Coming-out im realen Leben eher hinaus", so seine These. Das "virtuelle" Coming-out ist für ihn nachrangig: "Letztlich zählt eben immer noch die Anerkennung im Kreis der Familie, bei Freunden, am Arbeitsplatz." Die vorhandenen Statistiken zeigen dem Experten zudem: "Nach wie vor sind unter homosexuellen Jugendlichen Angsterkrankungen, Depressionen, auch der Wunsch, sich umzubringen, wesentlich häufiger als bei gleichaltrigen heterosexuellen Jugendlichen."

Rauchfleisch, der zunächst verheiratet war und drei Kinder hat, lebt inzwischen mit seinem Lebenspartner in Basel. Er hat sich bereits Anfang der Neunziger Jahre mit dem Thema homosexuelle Männer in der Kirche befasst. Sein Buch "Schwule. Lesben. Bisexuelle. Lebensweisen, Vorurteile, Einsichten." ist ein Standardwerk und in diesem Jahr bereits in vierter Auflage erschienen.



11 Kommentare

#1 FelixAnonym
  • 04.08.2011, 15:38h
  • Ich bin da auch sehr zwiegespalten:
    einerseits ermöglicht das Internet die schnelle und einfache Information. Andererseits erlaubt es bei selbstmordgefährdeten Jugendlichen durch Suizidforen auch darüber die schnelle und einfache Information.

    Und wenn schwule Jugendliche dann Gay Pornos gucken, könnten sie das Gefühl bekommen, dass nur Hengste mit Riesen-Fleischpeitschen begehrt sind, was bei eher kleinerer Bestückung zusätzlich belasten kann. Oder sie denken, schwul sein, sie nur auf Sex reduziert und wissen gar nicht, dass es in erster Linie auch um Liebe geht. Und dass es auch schwule Kultur gibt.

    Es ist wie mit vielen Dingen:
    das Internet hat sowohl Vor- als auch Nachteile... Sowohl Nutzen als auch Gefahren...
  • Antworten » | Direktlink »
#2 hugoAnonym
  • 04.08.2011, 16:09h
  • Projekte wie »It gets better« können helfen, sicher auch Seiten wie dbna und so. Gerade »It gets better« ist für Menschen im coming out, die fernab der jeweiligen Szene-Schwerpunkte in tiefer Provinz leben, eine gute Hilfe. Doch natürlich ist es wichtig, das going public im Real Life zustande zu bekommen. Und all die Ängste zu überwinden, die damit verbunden sind, »es« gegenüber Freunden, in der Familie oder gar in der Schule zu offenbaren.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 LarsAnonym
  • 04.08.2011, 16:39h
  • Immerhin haben schwule Jugendliche, neben der Möglichkeit mit anderen schwulen Jugendlichen zu komunizieren, durch das Internet die Möglichkeit schwule Pornographie und Erotik zu konsumieren und Bilder von Boys zu sehen.
    Früher gab es für mich in der Pubertät an medialer Erotik nur die bei meinem besten Freund heimlich konsomierten Softpornos nachts im TV wenn Mama und Papa geschlafen haben, die mich aber aufgrund von einseitiger Darstellung von nackten Frauen eher gelangweilt als angetörnt haben.
    Auf der anderen Seite führte dies dazu das ich mich ziemlich schnell auf die reale Suche nach anderen Jungs gemacht habe die so empfinden wie ich.
    Die Gefahr heute ist, wie im Artikel richtig beschrieben, das sich homoseuxelle Jugendliche zu stark in der virtuellen Scheinwelt verlieren können.
    Aber ich denke die Vorteile mit dem Internet als zusätzliches Medium überwiegen etwas, schon durch das Gefühl das andere auch so empfinden wie man selber.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 dobrapivo
  • 04.08.2011, 17:18h
  • Die Frage nach dem ersten sexuellen Kontakt halte ich für total irrelevant und überhaupt nicht aufschlussreich, wenn es um das Thema Slebstfindung geht.
    Man schaue nur bei GR wieviele vermeintliche Heterosexuelle ne schnelle Nummer suchen, obgleich die Frau/Freundin zu Hause sitzt und nichts ahnt. Die poppen wie wild. Gefunden hat sich von denen aber noch keiner.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 gayromeoAnonym
  • 04.08.2011, 17:45h
  • Antwort auf #4 von dobrapivo
  • ja es ist schon sehr auffällig das die user bei gayromeo die "gay" angegeben haben ( zum glück sind gays dort noch die mehrheit!) viel offener zu ihrer orientierung stehen und eher bilder mit gesicht zeigen als user die "bisexuell" oder "keine angabe" angegeben haben...ich kann diese verklemmten bisexuellen ( genauso wie die verkappten schwulen und auch die "nur mal ausprobieren wollen heten") die keine eier in der hose haben und noch ihre frau betrügen nicht ab.
    natürlich gibt es bei den bisexuellen auch welche die offen bi sind, aber das scheint die minderheit zu sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
#7 chrisProfil
  • 04.08.2011, 19:49h Dortmund

  • Also ich möchte dem Herren Experten aus dem Bericht wiedersprechen. Ohne die Möglichkeiten mich im Internet über die Coming-Out Erlebnisse und Reaktionen Anderer zu informieren hätte ich mich dazu nicht überwinden können. Gerade die Berichte über das Outing bei Eltern war wichtig. Ich muss auch dazu sagen, dass ich mit dem Mann, den ich am Abend meines Coming-Outs online traf, seit fast neun Jahren zusammen bin.

    Heute ist das Web für mich vorallem Job.

    Dass der Herr Experte aus dem Bericht ein Problem darin sieht, dass sich das familiäre Coming-Out verzögert, weil sich die Leute online Outen, finde ich übertrieben. Die Onlineidentität nimmt Druck aus verzweifelten Gemütern, sie ersetzt aber bei den meisten auf Dauer nicht die physischen Kontakte mit anderen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 NotionConcept
  • 04.08.2011, 21:45h
  • @ Felix:

    ich denke man sollte mit 16-20 schon wissen, dass Porno fiktiv ist. Und die Größe des besten Stücks wird wohl niemand in den Suizid treiben. Zumal man ja auch ständig live damit zu tun hat in dem Alter (Im Sportunterricht beim Duschen, Frei/Hallenbäder, …) und somit bestätigt bekommt, dass nicht alle Kerle XXL haben.

    Und die schwule Kultur ist nicht immer eine Hilfe beim Coming Out im Jugendalter. Und sie dient auch nicht zwangsweise der Selbstfindung.

    @ Artikel:

    Dass man später sexuelle Beziehungen eingeht als Heterosexuelle ist für mich definitiv kein Nachteil, sondern eher ein Pro Internet. Man informiert sich zu Schwulen Themen und lernt damit auch AIDS und HIV kennen und weiß, wie man sich davor schützen muss – anders als viele heterosexuelle Teenies, die ohne Gummi vögeln, weil „wird schon nichts passieren“ oder weil die Frau die Pille nimmt. Außerdem ist eine verzögerte Sexualität auch nichts schlimmes. Die Jugendlichen lernen sich eher, schneller und leichter kennen, haben ein breites Spektrum an Informationsangeboten und an Kontakten und Hilfen – da ist es nicht so wild, wenn sie sich erst im Klaren sein wollen bevor sie sexuell werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 maxime68
  • 05.08.2011, 08:12h
  • wenn der Herr Psychoanalytiker schwul ist (und nicht bisexuell), warum hat er dann so spät zu seiner wahren sexuellen Orientierung gefunden?

    Es gibt immer noch genügend Gegenden in Deutschland und anderen Ländern, die so abseits gelegen sind, dass man nicht mal eben in die nächste Stadtbücherei gehen kann, geschweige denn, dass es einen Bücherladen dort geben würde. In so einer Gegend bin ich aufgewachsen und hätte viel drum gegeben, wäre der Zugang zu Informationen sowie anderen lebischen und schwulen Jugendlichen einfacher gewesen.

    Es ist doch kein Drama, wenn diese Jugendlichen später Sex haben, wenigstens lassen sie sich nicht mehr durch den gesellschaftlichen Zwang zu etwas verleiten, was sie im schlimmsten Fall tod-unglücklich macht.

    Viel wichtiger ist es, dass Aufklärung über LGBT-Themen Bestandteil des Unterrichts-stoffes wird, und somit zweifelnde Jugendliche schonmal den Anstoss in die richtige Richtung bekommen. Denn wer nicht weiss, was mit den Gefühlen nicht stimmt, dem hilft auch keine Suchmaschine.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 ju_wienAnonym