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(Bild: Universal Music)

Mit "I Like" gelang der Amerikanerin der satte Durchbruch bei uns. Mit ihrem zweiten Album legt sie nun beatgewaltig nach.

Keri Hilson steht am Rand der noch im Dunkeln liegenden Bühne und betet: "Bitte, Gott, lass meine Stimme jetzt nicht versagen." Die letzten 48 Stunden waren mehr als hektisch für sie: Studioaufnahmen, Videodreh, Live-Performances, keine Zeit zum Durchatmen - und insgesamt höchstens vier Stunden Schlaf für die Sängerin aus Georgia.

Vor ihrem Auftritt im Paradise Theater in NYC, wo sie ihr neues Album "No Boys Allowed" präsentieren wird, nun also dieses kurze Gebet. "Großartig nervös bin ich eigentlich nie", meint sie jedoch, "aber ich bin heute so übermüdet, dass ich mir schon ein wenig Gedanken mache, ob meine Stimme das auch alles mitmacht." Dann atmet sie ganz tief durch und tritt hinaus auf die Bühne. Im nächsten Moment sind alle - Boys, Girls, alle zusammen - außer sich: die Menge jubelt, unzählige Handykameras sind auf sie gerichtet. Dann beginnt Keri zu singen: ihre Stimme ist kristallklar, durchdringend, sie klingt gefühlvoll und aggressiv zugleich. Das Publikum hört gebannt zu. "Wow", flüstert einer der Anwesenden in der Menschenmenge. "Ihre Stimme ist der Wahnsinn."

Youtube | Keri Hilson live: Pretty Girl Rock

Weltweite Hits und der Durchbruch mit "I Like"


(Bild: Universal Music)

Dabei war sie zu Beginn ihrer Karriere gar nicht für ihre Stimmgewalt bekannt: Hilson machte sich zunächst als Songschreiberin einen Namen, als sie diverse Hits für Größen wie Britney, Ciara, Ludacris, Kelly Rowland, Mary J. Blige oder auch Usher komponierte. Später war sie dann als Gast auf Timbalands Riesenhits zu hören (z.B. "The Way I Are").

Heute hat sie über drei Millionen Facebook-Likes auf ihrem Konto. Keine Frage: Keri Hilson hat viel erreicht in den letzten Jahren. Gerade in den letzten beiden. Denn rund zwei Jahre ist es her, dass ihr Debütalbum "In A Perfect World..." die internationalen Charts erobert hat: Allein die Single "I Like" machte dem Songtitel alle Ehre; sie hielt sich drei Wochen lang auf Platz 1 in Deutschland (sowie ein Vierteljahr in den Top-3). Mehr noch: Gold gab's schon nach vier Wochen, "I Like" lief auch im Radio rauf und runter und entpuppte sich schließlich sogar als einer der zehn größten Hits des Jahres 2010. Während "In A Perfect World..." auch in die Top-5 der Billboard-Charts ging und ihr zwei Grammy-Nominierungen (Best New Artist, Best Rap/Sung Collaboration) bescherte, lehnte sich die 28-Jährige jedoch nicht etwa zurück, sondern machte sich schon bald daran, ihren Nachfolger aufzunehmen: "No Boys Allowed".

Keri Hilson will einen richtigen Mann - keinen unreifen Jungen


(Bild: Universal Music)

Ein sehr persönliches Album, wie sie sagt, und ein provokanter Titel, der jedoch nicht das bedeutet, was man vielleicht auf den ersten Blick vermuten könnte. "Ich will die Männer damit nicht kategorisch ausschließen. Mir geht es dabei eher um den Punkt im Leben einer Frau, an dem man einen Mann braucht. Einen richtigen Mann, meine ich. Einen Erwachsenen. Keine kleinen Jungs mehr." Genau genommen ist das gesamte Album - angefangen mit dem poetischen "Beautiful Mistake" (was schon ein Single-Hit in den Staaten war) bis zum krassen "The Way You Love Me", wobei Polow da Don in diesem Fall für den fetten Club-Beat gesorgt hat - ein Aufruf zu mehr Selbstbewusstsein.

Ihre Message ist nirgends so deutlich wie im Fall von "Pretty Girl Rock", der ersten Singleauskopplung: Keri artikuliert sie über einem von Ne-Yo und Chuck Harmony produzierten Midtempo-Track, in den sie sich sofort verliebt hat. "Ich weiß noch genau, wie Ne-Yo mir den Beat im Studio vorgespielt hat", erzählt sie. "Und ich war sofort hin und weg. Mir ist sehr wichtig, dass die Frauen, die das Stück hören, nun nicht denken, dass ich einen auf großspurig machen will. Im Gegenteil: Ich will damit sagen, dass keiner das Recht hat, uns Frauen zu sagen, wie wir uns in unserem Körper zu fühlen haben. Denn ehrlich gesagt fühlen sich die meisten doch erst dann gut, wenn andere sie schön finden. Dabei sollte man sich auch unabhängig davon schön fühlen dürfen!" (cw/pm)