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Drei Heteros und eine Hetera mit lesbischer Mutter: Wir sind Helden (Bild: Billy & Hells)

Den neuen "Wir sind Helden"-Song "Meine beste Freundin" gibt's auf queer.de zum Gratis-Download. Im Interview erklärt Sängerin Judith Holofernes seine Geschichte und warum Marianne Rosenberg ein Cover der "Ballade von Wolfgang und Brigitte" aufgenommen hat.

Von Anton Fugazi

Judith, warum koppelt ihr von einem Album wie "Bring mich nach Hause", das ein gutes Jahr alt ist, jetzt noch "Die Ballade von Wolfgang und Brigitte" als vierte Single aus?

Weil das schön ist. "Wolfgang und Brigitte" ist mein Herzenslied auf dem Album. Und das ging vielen Fans wohl auch so.

Die lesbisch-queeren Liebesgeschichten in "Wolfgang und Brigitte" sind schon bei Erscheinen eures Albums breit in der Presse besprochen und bemerkenswert gefunden worden. Warum den Song also nicht früher auskoppeln?

Andere Songs erschienen immer größer, richtiger, radiotauglicher zu sein und ich hatte schon Angst, dass es mit "Wolfgang und Brigitte" als Single nichts mehr wird. Jetzt hat es doch noch geklappt und ich freu mich wirklich sehr darüber.

Auch, weil nun auch "Meine beste Freundin" als B-Seite von "Wolfgang und Brigitte" endlich ein Zuhause in eurem Gesamtwerk gefunden hat?

"Meine beste Freundin" ist uralt, 12 Jahre glaube ich. Das war einer der Songs, die ich schon live gespielt habe, als ich noch solo unterwegs war. Den habe ich sozusagen in die Band mitgebracht. Und seitdem habe ich immer mal wieder gedacht: Eigentlich ist das doch ein tolles Lied, wir sollten das nochmal aufnehmen, aber es hat nie so richtig auf eines der Alben oder eine andere Single gepasst.

Audio / MP3 | "Meine beste Freundin" von Wir sind Helden

Die vierte Single-Auskopplung "Die Ballade von Wolfgang und Brigitte" aus dem jüngsten Album erscheint am 12. August 2011

Und zu "Wolfgang und Brigitte" passt der Song gut?

Finde ich schon.

Weil beides Emanzipationsgeschichten sind?

"Wolfgang und Brigitte" ist erst mal eine große komplizierte, ziemlich erwachsene Liebesgeschichte. Dass Brigitte am Schluss mit einer Frau zusammen ist, ist nach all den Wirrnissen fast eine versteckte Pointe. Und auch wenn meine Mutter lesbisch lebt, seit ich zwei war, ist das ist nicht ihre Biografie. Schade, sonst wäre ich wohl auf Ibiza aufgewachsen! "Meine beste Freundin" ist da schon viel autobiografischer.

Wie viel denn?

Sehr viel. Ich hatte zwischen 11 und 17 auch einen besten Freund, bei dem völlig klar war, dass sexuell zwischen uns nichts läuft, aber sonst viel. Wir haben im Chor im Duett unsere ersten Soli gesungen, stundenlang Musik gehört, endlos geredet. Ich war wohl der erste Mensch dem er gesagt hat, dass er auf Jungs steht. Wir sind zusammen mit 15 nach Amsterdam gefahren und haben bekifft auf Hotelzimmerfußböden gesessen. Dann wollte er unbedingt noch ausgehen, ist das erste Mal in die schwule Szene, ganz allein, hat sich verlaufen und hat in der Nacht glaube ich ein bisschen mehr gesehen, als er wollte. Wir mochten uns einfach sehr. Er hat mir oft gesagt: "Du bist so schön!", aber es trotzdem geschafft, mitschwingen zu lassen, dass mein Körper für ihn insgesamt eher befremdlich ist. (lacht) Das kommt im Lied ja auch vor, "Toll, dass eine Frau mit deinen Hüften sich das traut (…)", ist ein ziemlich direktes Zitat. Für ein frühblühendes Teenagermädchen eher… zwiespältig.

Das Lied ist ja auch nicht unbedingt nett zu dem kleinen Kerl, oder?

Ach doch. Natürlich mache ich mich lustig, aber ich hoffe doch, dass die Liebe, die dahinter steht, auch mit rüber kommt. Und dieser Freund hat sich immer über seinen großartigen Humor ausgezeichnet, und hat wie ich ein Herz für's Alberne.

Warum brauchen Mädchen in dem Alter einen besten schwulen Freund?

Man hilft sich gegenseitig beim Erwachsenwerden, denke ich. Ich war, auch weil ich mich schon damals so inbrünstig mit Musik beschäftigt habe, immer ein bisschen ein Freak. Er teilte mein musikalisches Interesse und das Gefühl, irgendwie rauszufallen. Das war gut für mich. Und er wusste, dass er bei mir so sein kann, wie er ist. So eine Beziehung kann ein toller Schutzraum sein. Übrigens nicht nur für Teenager. Schwule Männer sind eine Bereicherung für jedes Frauenleben. Ich komm jedenfalls nicht so richtig weg von ihnen.


Mit Marianne Rosenberg hatte Judith Holofernes schon seit Teenagertagen "ein Ding" (Bild: Seregel, Styling: Antje Gohlke)

Woran merkt man das aktuell?

Ich habe gerade jemandem in meinem Umfeld, der ein spätes Coming-out hatte, erst mit Ende 20. Und als der die ersten Male in der schwulen Szene war, kam er auch ziemlich entmutigt zurück. Weil er eigentlich eine romantische Seele ist und nicht bloß rumvögeln will. Und hat mich dann gefragt, ob er jetzt auch so werden muss. Muss er natürlich nicht. Aber plötzlich befand ich mich in der Situation, jemanden Armistead Maupins "Stadtgeschichten" und ein paar andere Bücher in die Hand zu drücken und so eine Art "Grundkurs entspannte Homosexualität" zu geben. Das war schon lustig.

Bist du mit dem Jungen aus "Meine beste Freundin" noch befreundet?

Wir haben uns nach der Schule ein bisschen aus den Augen verloren, uns aber vor gar nicht allzu langer Zeit mal wieder gesehen. Was sehr schön war.

Mit "Wolfgang und Brigitte" und "Meine beste Freundin" sind schon zwei queere Songs auf der Single. Soll das Marianne Rosenberg-Cover von "Wolfgang und Brigitte", das ihr als drittes Lied auf die CD presst, dem Ganzen die Klischee-Krone aufsetzen?

Nein. Ich hab schon seit Teenager-Tagen ein Ding mit Marianne Rosenberg.

Wäre ich jetzt nicht drauf gekommen. Warum tust du das?

Sie hat eine großartige, ganz unverwechselbare Stimme. Die ich ständig im Ohr hatte, weil Marianne und wir unsere Alben zur gleichen Zeit im gleichen Studio aufgenommen haben. Es gab eine Woche Überschneidungszeit, in der wir uns in der Küche über den Weg liefen, uns nett fanden und ich auf dem Flur zwanghaft "Er gehört zu mir" gesummt habe. Schon damals dachte ich immer "Wir müssen diese Stimme doch irgendwie auf unser Album kriegen!" Ich hab mich nicht getraut, sie zu fragen, aber als klar war, dass "Wolfgang und Brigitte" jetzt doch noch ausgekoppelt wird, habe ich gesagt: "Ich ruf sie jetzt an und frag sie, ob sie das macht." Und sie hat ja gesagt, worüber ich mich wirklich gefreut habe. Als sie uns dann ihre Version des Songs geschickt hat, war ich völlig aus dem Häuschen. Marianne Rosenberg singt meinen Song! Das hat was Unwirkliches.

Haben die drei Hetero-Jungs von "Wir sind Helden" nicht gesagt: "Marianne Rosenberg?! Echt?!"?

Nein. Marianne ist eine gestandene Musikerin, dass können auch die Hetero-Jungs anerkennen. Der Produzent von unserem letzten Album "Bring mich nach Hause" ist der Engländer Ian Davenport. Während Marianne im Nebenstudio sang, haben wir versucht ihm zu erklären, was der deutsche Begriff "Schlager" bedeutet und warum Marianne mit diesem Stigma herumläuft, eigentlich aber nicht viel damit zu tun hat. Ian hat uns nicht verstanden und gesagt: "Es gibt gute Musik und schlechte Musik. Sonst nichts. Und die Lady da kann echt singen." So einfach ist das, wenn man mal alle Vorurteile weglässt.

Direktlink | Wir sind Helden - Die Ballade von Wolfgang und Brigitte


#1 FloAnonym
  • 08.08.2011, 12:48h
  • Zwei tolle Lieder und ein tolles Video!

    Wir sind Helden und Marianne Rosenberg sind zwei gute Beispiele für tolle deutsche Musik von internationalem Niveau. (Ebenso wie Rosenstolz.)

    Das ist wahre Musik!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 JungenAnonym
#4 maaaartinAnonym
  • 08.08.2011, 17:12h
  • Antwort auf #3 von Jungen
  • in dem verlinkten artikel steht was von rollenbildern. das wort "bezugsperson" findet sich dort nicht. vielleicht brauchen manche jungen einfach ein bißchen mehr übung in sache leseverstädnis. so von mann zu junge.
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#5 baluAnonym
  • 08.08.2011, 18:07h
  • gefallen hat sie mir schon deswegen:

    Die BILD -​Zei­tung ist kein au­gen­zwin­kernd zu be­trach­ten­des Trash -​Kul­tur­gut und kein harm­lo­ses “Guil­ty Plea­su­re” für wohl­fri­sier­te Auf­stre­ber, keine wit­zi­ge so­zia­le Re­fe­renz und kein Li­fes­tyle -​Zi­tat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zei­tung das, als was ihr sie ver­kau­fen wollt: Hass­ge­lieb­tes, aber wei­test­ge­hend harm­lo­ses In­ven­tar eines ei­gent­lich viel schlaue­ren Deutsch­lands.

    Die Bild­zei­tung ist ein ge­fähr­li­ches po­li­ti­sches In­stru­ment – nicht nur ein stark ver­grö­ßern­des Fern­rohr in den Ab­grund, son­dern ein bös­ar­ti­ges Wesen, das Deutsch­land nicht be­schreibt, son­dern macht. Mit einer Agen­da.

    www.wirsindhelden.de/2011/02/warum-ihr-vielleicht-auch-hier-
    seid/#more-1079
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#6 TimonAnonym
  • 08.08.2011, 18:51h
  • Antwort auf #3 von Jungen
  • Ich glaube, jeder weiß instinktiv selbst, was er braucht...

    Und wenn ein Heteromädel und ein schwuler Junge beste Freund sind, heißt das ja nicht, dass die gar keine anderen Leute haben.
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#7 KasperAnonym
#8 traffficAnonym
#9 Andreas11Profil
#10 jayAnonym