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  • 08.08.2011           21      Teilen:   |

Das Ende von Gayromeo?

Damit "Mutti" fit bleibt, müsste bald was passieren - Quelle: Screenshot Gayromeo
Damit "Mutti" fit bleibt, müsste bald was passieren
Bild: Screenshot Gayromeo

Was die großen sozialen Netzwerke Facebook und Google+ besser machen und wo die Zukunft der schwulen Datingplattform liegen könnte.

Von Christian Scheuß

Es stand im Jahr 2005 im Buch "Gay Online Dating": "Gayromeo ist der Marktführer unter den deutschen Datingportalen." Das gerade mal drei Jahre zuvor von zwei Berlinern gegründete Portal konnte bereits mit 512.000 Profilen aus aller Welt aufwarten, und bekam nicht ganz zu Unrecht die Titel "Blaue Seiten" und "Schwules Einwohnermeldeamt" verliehen. Wie gay.com oder gaydar ist Gayromeo Teil einer technischen Entwicklung, die seit der Jahrtausendwende immer größere Teile der menschlichen Kommunikation virtuell stattfinden lässt. Und zweifelsohne hat dies auch die Strukturen der Community wesentlich beeinflusst und geändert.

Doch nun scheint der Zenit des Erfolgs erreicht. Das User-Wachstum bei Gayromeo ist inzwischen stark gebremst. Von 2005 ab konnte man innerhalb von sieben Jahren die Profilzahl nur noch verdoppeln. Rund 1,2 Millionen Nutzer weltweit weist die Suchstatistik aus. Davon liegt der Großteil in Europa (ca. 870.000) mit rund 370.000 Menschen in Deutschland. Zweitgrößter Markt ist Asien (ca. 272.000), erschlossen durch den Aufkauf der Nutzerdatenbank der Plattform "Guys4Men" im Jahr 2009 und durch eine großzügige Handhabung bei den eigentlich kostenpflichtigen Plus-Accounts, die lange Zeit an asiatische Nutzer verschenkt wurden.

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Das mobile Grindr macht dem blauen Riesen Dampf...

1,2 Millionen Profile, das ist sicherlich eine unglaublich große Zahl, die Gayromeo nach wie vor lebendig hält. Doch die neuen "Gelben Seiten" haben den "Blauen Riesen" innerhalb von zwei Jahre locker überrundet. Das 2009 in Los Angeles gegründete Internet-Startup "Grindr" jubelte vor wenigen Wochen am 10. Juni: "Mit zwei Millionen Usern in 192 Ländern umfassen wir nun beinahe den gesamten Planeten, um Gleichgesinnte zusammen zu bringen." Grindr ist eine sehr puristische Datingplattform, die außer ein paar Bildern und Schlagworten wenig Raum zur Selbstdarstellung bietet. Doch die "Killerfunktionen" der Kalifornier lauten "Mobiles Internet" und "Lokale Suche". Grindr ist optimiert für Smartphones und zeigt an, wer sich gerade in der näheren Umgebung aufhält. Trotz inzwischen nachgeschobener App hinkt Gayromeo hier gewaltig hinterher. Die lokale Suche gibt es nach wie vor nicht, und für viele Funktionen muss man immer wieder zurück auf die Website wechseln, die auch für Tablet-PCs nicht optimiert ist.

Neben dem technischen Stillstand bei den blauen Seiten ist aber auch die Selbstvermarktung nach wie vor eine Schwachstelle. Die 2009 gegründete "Planet Romeo Foundation" unterstreicht zwar die Nähe der Macher zur Community, aber die Öffentlichkeit erfährt kaum etwas davon. Die Entwickler von Grindr sehen sich dagegen nicht nur als Szeneprojekt, sie begreifen sich auch als Teil der Internet-Revolution und kommunizieren zum Beispiel ihre Teilnahme an Konferenzen und Diskussionen für Web-Experten in ihrem Blog.

Und dann sind da ja auch noch die ganz großen Player, Facebook und Google. Facebook gibt an, weltweit rund 690 Millionen Menschen zu vernetzen, das noch im Beta-Stadium befindliche Google+ konnte innerhalb kürzester Zeit geschätzte 20 Millionen Anmeldungen verzeichnen. Der Kampf dieser Goliaths beschert den Usern kostenlos all die Funktionen, die man bei den schwulen Datingplattformen vermisst oder schlecht umgesetzt vorfindet: Eine Vernetzung jenseits sexueller Interessen, eine Teilhabe am Leben anderer durch Fotogalerien, Live-Chat oder - ganz neu bei Google+ - der Gruppenvideokonferenz. Und durch das freiwillige Teilen von Wissen der Nutzer entstehen Datenschätze, auf die alle zugreifen können.

Natürlich ist es nicht ganz fair, milliardenschwere Firmen mit einem vergleichsweise kleinen schwulen Fisch im Web-Teich zu vergleichen. Doch Abgucken schadet nicht. Nur ein Beispiel, wie so etwas bei Gayromeo aussehen könnte: Gäbe es eine mobile Version, die es möglich macht, mitzuteilen, in welcher Bar man sich gerade befindet und wie man die bewertet, entstünde innerhalb kurzer Zeit ein exakter und brandaktueller Gay Guide, auf den jeder andere zugreifen könnte.

Wer immer auch das Rennen macht in den kommenden Jahren: Die Jungs von Gayromeo haben viel zu tun...

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Tags: gayromeo, grindr, mobil, dating
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Reaktionen zu "Das Ende von Gayromeo?"


 21 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
08.08.2011
17:52:26


(+4, 6 Votes)

Von CarstenFfm
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ich denk mal Facebook wird Gayromeo nicht das Wasser abgraben, denn
-Es ist nicht anonym
-Es ist nicht Men Only
-Es ist jugendfrei.

Gay Dating wird sicher so bald nicht auf sozialen Netzwerken für den Mainstream stattfinden, sondern auf speziellen Plattformen.

Aber es ist schon bedauerlich, dass Gayromeo technisch etwas veraltet ist (fehlendes Drag & Drop mal als ein Beispiel) und auch nicht mehr wahrnehmbar weiterentwickelt wird.

Schließlich sind sie damls 2003 ff populär geworden, weil sie Gaydar, Gaychat und andern damls populären Plattformen überlegen (und auch billiger) waren. Aber den Vorsprung muss man halten, sonst kommt wieder was anderes.


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#2
08.08.2011
17:54:05


(+2, 2 Votes)

Von balu


guter artikel und hoffen wir das sich gayromeo dem zeitgeist anpasst und neue features setzt, sonst berappeln die sich nicht mehr.

die konkurrenz durch facebook ist natürlich nicht klein zureden. war es vor ein paar jahren noch so das die mehrheit der schwulen jungs die ich kannte bei gayromeo, funkyboys, dbna u.a war, haben sich viele dort abgemeldet und sind nur noch bei facebook weil sie auch dort ihre schwulen kontakte finden und pflegen können und das in kombination neben dem allgemeinen freundes- und bekanntenkreis, der auch komplett dort versammet ist.
fast schon unheimlich welche macht facebook bereits hat und das trotz der miserablen datenschutzpolitik.


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#3
08.08.2011
18:18:46


(+9, 11 Votes)

Von Karl33


Das letzte, was ich bräuchte, wäre, dass ich jeden Tag erfahre, was meine siebenhundert virtuellen "Freunde" gerade Belangloses erleben. Sobald dieses Feature bei Gayromeo eingeführt wird, bin ich raus.

Außerdem: Gayromeo verhökert nicht bereitwillig meine Daten an Werbekunden, sondern beinhaltet sogar aktiven Schutz vor Werbung. Da schütteln die Datenkraken von Facebook natürlich nur die Köpfe.

Und was die Mitgliederzahlen angeht: Man kann bei Gayromeo sein Profil löschen, wenn man nicht mehr dabei sein will. Wahnsinn, oder? Und Dateileichen werden nicht zu stolzen Bergen aufgeschichtet, sondern irgendwann automatisch entfernt.

Zusammengefasst könnte man sagen: Gayromeo hat Qualitätskriterien, die sich nicht in erster Linie an den Wünschen der Werbekunden orientieren. Weshalb man damit weniger "erfolgreich" ist als die großen Datendealer, dürfte jedem klar sein, der mit einigermaßen wachen Augen durch diese Welt geht.


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#4
08.08.2011
18:24:37


(+3, 5 Votes)

Von decisionneurotic
Profil nur für angemeldete User sichtbar


ich glaube, man muss eindeutig die plattformen unterscheiden. ich habe selber schon webportale für firmen und vereine designed und entwickelt und kann mir durchaus vorstellen, dass die immer nörgelnde gratiscommunity was zu meckern hat. facebook, google und co haben milliarden an geldmitteln liquide, beschäftigen hunderte von menschen zur webentwicklung und bei gayromeo (oder anderen portalen)? die einnahmen durch werbemittel sind sicher nur begrenzt nennenswert und die community verzichtet gern auf mitgliedsbeiträge. doch das altbekannte prinzip: no money, no service gilt auch im internet. sicher könnte einiges "hipper" sein, aber mal ehrlich? ne xtube-integration? wofür? mensch datet doch nicht, um am ende einen porno zu gucken!

ich jedenfalls bin sehr gern gayromeo-nutzer und die app fürs iphone sowie die ersten versionen für mobile geräte zeigen, dass die entwickler auf hochtouren arbeiten. ein gedanke noch: es ist letztlich viel schwerer, ein altes internetportal mit hunderttausenden nutzern auf facebook-niveau zu standardisieren, da sich die programmierungen mit sicherheit meilenweit unterscheiden!

aber wenn jeder für einen guten service auch ein bisschen honorar entgegenbringt (oder fleißig über das dildokingbanner einkauft), wird es vielleicht auch schneller was :P


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#5
08.08.2011
18:25:32


(+2, 4 Votes)

Von decisionneurotic
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Antwort zu Kommentar #3 von Karl33


jawoll, karl. daran habe ich noch gar nicht gedacht. ih sehe das genauso!


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#6
08.08.2011
18:41:49


(+5, 5 Votes)

Von BurgerBerlin
Aus Berlin
Mitglied seit 28.12.2010


Vielleicht ändern sich auch einfach die Zeiten und Gayromeo ist ein Opfer der sich öffnenden Gesellschaft. Eine jüngere Generation, die die sozialen Netzwerke als Bestandteil ihres Lebens sehen und dies nicht nur reduziert auf die Anmeldung auf dem heimischen PC am Abend um irgendwelche Dates auszumachen. Vielleicht sind solche Prozesse auch ein üblicher Lebenszyklus eines Produktes wie Gayromeo. Die Szene bzw. schwul-lesbisches Leben unterliegt ja auch Veränderungen oder wer kauft heute noch schwule Pornos unter dem Ladentisch bzw. in dunklen Pornoschuppen. Zwischenzeitlich ist überall eine Vermischung zu beobachten und dies wird sich in Zukunft auch fortsetzen.


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#7
08.08.2011
18:41:51


(+3, 3 Votes)

Von Kai


Das Hauptproblem von gayromeo ist die wahnsinnige Sturheit der Macher. Ich habe vor fünf Jahren zufällig entdeckt, dass sie einen winzigen Programmierfehler haben, der es unmöglich macht eine einzelne "0" (nur die Ziffer, sonst nichts) in einer Message zu verschicken. Das ist ein oft auftretender PHP-Programmierfehler und ich schrieb ihnen einen Bugreport und eine Bemerkung, wie man das fixen kann (es fehlt ein "=" an einer Stelle). Antwort: "Ja, danke, aber sowas korrigieren wir nicht." Das war dann übrigens auch der letzte, aber nun wirklich nicht der erste Verbesserungsvorschlag, den ich ihnen geschickt habe. Jeder einzelne wurde ziemlich unfreundlich abgekanzelt.

Die Macher von gayromeo sind einfach zu selbstherrlich geworden und sehen keine Notwendigkeit, ihre Plattform weiterzuentwickeln. Schade ist nur, dass die anderen Plattformen alle keuscher und spießiger sind. Man stelle sich nur mal vor, man wolle bei Facebook nach hardcore-SM-Partnern suchen...


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#8
08.08.2011
18:45:16


(0, 4 Votes)

Von schwulenaktivist
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Eine interessante Analyse/Interpretation. Aber die hinkt, vor allem im Vergleich mit den Heteroportalen. Die Situation ist eine ganz andere. Ausserdem will nicht jeder seine sexuellen Vorlieben mit facebook verbinden. ZB bieten das sogar Pornoseiten an...

Es könnte durchaus mehr aus GR wachsen, aber die Schwulen sind nicht bereit, dafür zu bezahlen!

Was den Guide betrifft, so vergesst es! Der Neid und die Gemeinheiten sind zu gross, als dass da eine wirkliche Information mittels Bewertungen entstehen könnten. Damit kämpfte schon weiland John Stamford...

Es gibt übrigens auf allen Plattformen Myriaden von Juxprofilen, "toten Seelen" und einmaligen Versuchen, die leider nicht gelöscht werden...


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#9
08.08.2011
18:53:55


(-1, 7 Votes)

Von LittleDevil
Aus Metropole Ruhr (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 08.08.2011


Also für mich ist Gayromeo doch schon seit mindestens zwei Jahren tot:
Neue Leute kennenlernen geht gar nicht mehr aufgrund der Kommunikationsverweigerung und das einzige, worum es bei GR noch geht, ist SEX!

Leute für gemeinsame Freizeitaktivitäten findet man da schon gar nicht mehr, weil ja eigentlich niemand wirklich deshalb bei GR ist
Ich weiss, manche machen auch andere Erfahrungen...

Technisch ist GR wirklich von gestern. Die Apps, die ich unter Android auf dem Smarty hab, stürzen dauernd ab, liefern keine aktuellen Messages etc etc pp.

Und es stimmt tatsächlich: Wer an dem Menschen wirklich interessiert ist, an seinen Interessen, seiner Freizeitgestaltung, seiner Person, der findet bei Facebook und Google+ ein viel besseres Umfeld, als auf den blauen Seiten!

Pinkmap.com ist übrigens so ein Geoloca-Dating-Portal, allerdings ist da ja kaum einer online und die wenigsten nutzen das Ding tatsächlich als "Spontan-Treffmöglichkeit".

MySpace war auch mal ein ganz großes Ding, dann kam Facebook . Gayromeo`s Zeiten, zumindest was das soziale, menschliche Miteinander angeht, da stimme ich mit dem Autor dieses Artikels überein, ist tot! Und ich bedaure es nicht einmal. Die Anfangszeiten waren noch klasse und es ergaben sich viele nette Bekanntschaften, aber das ist lange, sehr lange her...

Tschüß Gayromeo


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#10
08.08.2011
18:59:03


(0, 2 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Grindr ist tatsächlich viel cooler, bin da selbst noch nicht, aber entwickelt sich längst zum Eingriff in mein Privatleben: Letztens saß ein Freund bei mir zum Kaffee, plötzlich springt er wie von der Tarantel gestochen auf, weil mein Nachbar, kein Witz, ihm einen blasen möchte. Hab`dann kurz einen Blick aufs Fotos des zwei Häuser weiter wohnenden Supertypen blicken dürfen, scharf, dann war der Kumpel samt seines Smartphone weg und 18 Minuten später erleichtert zurück. Ist also schon eine super App, wenn es um praktische Möglichkeiten des Sexdatings geht. Ansonsten:
Tschüssi Mutti? GR "leidet" tatsächlich an Aufenthaltszeitverlust, zumindest meinerseits, war just gerade seit fast einer Woche wieder on! Das mit den Penisfotos bleibt aber ein eindeutiger Vorteil, ist halt so, und steh' (hihi) ich zu, hab mich noch nicht getraut "hardcore-pics" in begrenzten Kreisen bei G+ zu posten, geht das, darf man das? Auf jeden Fall gibt es jetzt ein +1 für Scheuß' Text ;-) Übrigens warte ich auf ein neues Buch zum Thema Queer-Onliner, Herr Scheuß ;-)


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