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Aufräumarbeiten auf der Canal Street nach den Ausschreitungen in Manchester in der Nacht (Bild: Technical Fault)

Randalierer zogen durch die Canal Street im Gay Village Manchesters, während sich Besucher verbarrikadierten. Auch Szene in Birmingham mittendrin im Chaos.

Von Norbert Blech

Die Randale in England haben am Dienstag die Innenstadt von Manchester erreicht - am Abend breiteten sie sich auch im Gay Village rund um die Canal Street aus. Immer wieder rannten Jugendliche, teils von der Polizei verfolgt, über die Straße.

Mehreren Szene-Bars, darunter Churchills, Via Fossa und View, wurden die Fenster eingeschlagen, vor der Disco Essential wurde ein Lieferwagen in Brand gesetzt. Berichten zufolge verschanzten sich Besucher und Personal des alteingesessenen New-Union-Pubs im Keller, während ein Mob beim Versuch, einzudringen, die Eingangstür beschädigte. Insgesamt sehe die Canal Street nur "leicht zerstört" aus, berichtete am Mittwoch Morgen der LGBT-Sender Gaydio aus Manchester, es hätte schlimmer kommen können. Er forderte die Mancunians auf, beim Aufräumen der Stadt mitzuhelfen.

Am späten Nachmittag hatten viele Bars des Village bereits auf Anweisung der Polizei ihre Außenterasse abgeräumt, später schlossen einige Lokale ganz, andere entschieden ausdrücklich, offen zu bleiben. Die Market Street, in der die Ausschreitungen am späten Nachmittag begannen, und Portland Street oder das Northern Quarter, wo sie sich am Abend fortsetzten, sind nur wenige Minuten entfernt.

"An Einbrüche durch die Hintertür gewohnt"


Kaputte Fensterscheiben an der Churchills-Bar und ein ausgebrannter Lieferwagen auf dem Parkplatz vor der Essential-Disco (Bild: LG Foundation)

Auf Twitter hatte es die Nacht immer wieder besorgte Tweets über die unklare Situation im Szene-Viertel gegeben. Leute berichteten von eingeschlossenen Freunden, ein User postete Updates: "Eine ganze Menge von Jugendlichen werden von der Polizei über die Canal Street gejagdt. Klingt, als hätten sie Spaß dran."

Dabei hatte die Polizei die Situation nicht unter Kontrolle: "Kinder versuchen, Sachen auf der Canal Street in Brand zu setzen. Ein Obdachloser beschimpft sie deswegen." Der Nutzer postete in der Nacht auch Fotos von der Canal Street, auf denen man nicht viel sieht. Erst am nächsten Tag gab es die ersten Bilder der Zerstörungen.

Auch viele Heteros sorgten sich auf Twitter auf ihre Art um die Canal Street, posteten Nachrichten, dass Drag Queens oder Lesben es den Jugendlichen mal zeigen sollten. Der wohl positiv gemeinte, wenngleich leicht homophobe und oft getweetete Spruch "I hope the lads at Canal Street give the rioters a good bumming" schaffte es als spontane Facebook-Gruppe auf bis jetzt 5.600 Fans. Auch der Spruch "They are used to having back doors smashed in" machte als Retweet die Runde.

Die Canal Street ist das Herz von Manchesters belebtem Homo-Viertel, bekannt und berüchtigt durch die britische Originalversion von "Queer as folk". Durch den Europride in 2003 und den Aufstieg von Billigflügen wurde die Stadt schnell zu einem internationalen Tourismusziel der Szene.

Youtube | Jugendliche plündern einen Supermarkt im Szene-Viertel von Birmingham

Szene in Birmingham und London betroffen


Die eingeschlagene Fensterscheibe des Buchladens "Gay´s the word"

Auch in Birmingham gab es in der zweiten Nacht in Folge Sorge um das schwule Viertel, das Szene-Magazin "Midlands Zone" berichtet, viele Kneipen hätten früh geschlossen. Am Abend spielten sich Ausschreitungen auch im Bereich der Szene ab - ein Supermarkt wurde geplündert, Passanten attackiert. Die Einrichtungen der Szene wurden, trotz zwischenzeitlicher Gerüchte, nicht beschädigt.

Die Randale in England waren am Samstag im nördlichen Londoner Stadtteil Tottenham ausgebrochen und hatte sich in den vergangenen Tagen immer weiter ausgebreitet. Am Montag gab es auch in Liverpool, Birmingham und Bristol erste Ausschreitungen. Ursprünglicher Auslöser war der Tod eines 29-jährigen bei einem Polizeieinsatz in London.

Am Montag hatten Jugendliche einen Stein durch die Scheibe des schwulen Buchladens "Gay's the Word" in London geworfen - die Hintergründe der Tat sind unklar. Es gab zu dem Zeipunkt um 12.30 Uhr keine Ausschreitungen in der Gegend, auch andere Geschäfte wurden nicht beschädigt. Der Buchladen blieb einem Bericht von "Pink News" zufolge geöffnet, Leute aus der Nachbarschaft brachten Blumen vorbei, um ihre Unterstützung für das 33 Jahre alte Geschäft auszudrücken. In Brighton gaben die Organisatoren bekannt, dass der CSD an diesem Wochenende nach Rücksprache mit der Polizei weiterhin stattfindet.



#1 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 10.08.2011, 11:39h
  • Üble Sache: Riecht nach Pogrom... oder doch nur übermütige Kinder? Gefährlich allemal...
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#2 FloAnonym
  • 10.08.2011, 11:57h
  • Diese Gewalt ist durch nichts zu entschuldigen und ich will das nicht rechtfertigen.

    Andererseits muss man auch sagen, dass sowas die natürliche Folge ist, wenn Konservative und Neoliberale ihre menschenverachtende Politik durchziehen, die nur Interessen der Wirtschaft bedient und sich nicht um die Menschen kümmert.

    Dann werden es immer mehr Menschen, die ausgeschlossen werden, die nicht mehr mitkommen. Die Frustration wird immer größer und irgendwann braucht man dann nur noch einen kleinen Funken, der zur Explosion führt und zu solchen bürgerkriegsartigen Zuständen führt, selbst in zivilisierten Ländern, wo man es nicht für möglich hielt.

    Fazit:
    Man kann nicht immer nur Politik zugunsten irgendwelcher Lobbygruppen eines globalisierten Turbo-Kapitalismus machen und die Menschen vergessen.

    Wer soziale Ungerechtigkeit sät, wird irgendwann Gewalt ernten!

    Das soll die Gewalt keineswegs rechtfertigen, sondern nur erklären, wie sowas entsteht. Und das gilt für unsere neoliberale Regierung in Deutschland ganz genau so...
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#3 HeidiAnonym
  • 10.08.2011, 12:00h
  • Wenn die Städte brennen, wenn der Mob aus den Vororten in die schicken Stadtteile einfällt, werden die Schwulen mit zu den ersten gehören, die angegriffen werden. Die jungen Leute der Zuwandererfamilien aus Asien, der Karibik und aus moslemischen Ländern haben keine berufliche Perspektive; ihre Familen wissen kaum, wie sie das Geld für die Ernährung zusammen bekommen sollen. Da sind dann reiche Schwulen ("double income, no kids"), die mit offenem Sportwagen durch die Gegend fahren, auch wochentags die Luxusrestaurants bevölkern und mehrmals im Jahr Urlaub machen, genau das richtige Ziel für diese Looser.
    Es ist eine Frage der Zeit, dass auch in Berlin die ersten Stadtteile brennen.
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#4 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 10.08.2011, 12:15h
  • Der Mythos des reichen Schwulen, ist genauso blöd und brandgefährlich wie die Nazi-Hetze gegen die mächtige internationale zionistische Verschwörung. Immer auf Biegen und Brechen ein paar Plattitüden parat zu haben, die ins enge Weltbild passen, wenn es irgendwo kracht, ist schamlos und macht Links- und Rechtsextrem irgendwie gleich ekelhaft!
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#6 SabineAnonym
  • 10.08.2011, 12:21h
  • Antwort auf #3 von Heidi
  • Klischees und Vorurteile in alle Richtungen sowie Panik bringen niemanden was und versperren die Sicht auf Lösungsansätze.

    Das Problem, als Schwule eher reich wahrgenommen zu werden, hat eventuell was für sich, spielte aber bei den Ausschreitungen keine Rolle: Da wurde alles auffindbare verwüstet.

    Und die Sachen haben einen sozialen Hintergrund, keinen der Einwanderung oder Religion: Gerade in Manchester waren auch sehr viele weiße Jugendliche an den Ausschreitungen beteiligt.
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#7 MarekAnonym
  • 10.08.2011, 12:42h
  • Antwort auf #1 von reiserobby
  • Quatsch, wieso soll das denn ein Pogrom sein?

    Die Ausschreitungen richten sich nicht speziell gegen Schwule, sondern insgesamt gegen Staat, Politik und Wirtschaft. Und wenn dann nach einigen Tagen auch ein Schwulenviertel dran ist, ist das noch lange kein Pogrom gegen Schwule...

    Das macht das natürlich nicht besser. Aber ich stimme Flo zu, dass es dafür halt auch Gründe gibt. Wenn im Zuge des globalisierten, entfesselten Turbo-Kapitalismus ohne Moral und ohne Blick auf die Menschen und die Umwelt, die soziale Situation immer schlimmer wird, passiert früher oder später sowas.
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#8 PercyAnonym
  • 10.08.2011, 12:43h
  • Der britische Geheimdienst und die CIA rechneten schon seit 2008 mit Bürgerkriegs-Szenarien in Europa. Sie halten in ihren Anylsen auch deutsche Ballungsgebiete im ökonomischen Krisenfall für unregierbar.
    Namentlich erwähnt in den Studien sind unter anderem das Rhein-Main-Gebiet, Teile Stuttgarts, Berlins, Hamburgs und Ulms. Dasselbe gilt für die USA.
    Im März 2009 wurde bekannt, dass seit 2008 in den USA 800 Internierungslager vorbereitet werden.

    23.02.2009

    Britain faces summer of rage - police
    Middle-class anger at economic crisis could erupt into violence on streets

    "Police are preparing for a "summer of rage" as victims of the economic downturn take to the streets to demonstrate against financial institutions, the Guardian has learned.

    Britain's most senior police officer with responsibility for public order raised the spectre of a return of the riots of the 1980s, with people who have lost their jobs, homes or savings becoming "footsoldiers" in a wave of potentially violent mass protests."

    www.guardian.co.uk/uk/2009/feb/23/police-civil-unrest-recess
    ion
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#9 ulliAnonym
  • 10.08.2011, 12:52h

  • Ein sozialer Hintergrund. Deswegen klaut man alles was nicht festgeschraubt ist. Meine Güte wir leben nicht in Afrika wo man wegen hunger klaut und einen Grund hat. Sollen die randalierer sich doch als stricher anbieten, dann können die sich auch ihr neuestes i iPhone leisten wenn es denen so wichtig ist, aber was zurzeit da abgeht in London ist das Ergebnis von schlechter Erziehung
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#10 MarekAnonym
  • 10.08.2011, 12:55h
  • Antwort auf #8 von Percy
  • Ja, das ist leider kein Geheimnis:
    auch in Deutschland wäre sowas möglich, wenn die Politik so weitermacht und es den Reichen immer mehr in den Arsch bläst und die kleinen Leute immer stärker belastet.

    Irgendwelche Konzernchefs fahren die Wirtschaft komplett vor die Wand (mit allen Folgen für Währungen, Inflation, Steuern, Sozialsysteme, etc.) und bekommen dafür noch Millionen-Abfindungen und die normalen Bürger zahlen die Zeche.
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