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  • 11.08.2011           28      Teilen:   |

"Bundestrainer Löw blockte beim Thema schwule Fußballer ab"

Die beiden Kaiserslauterer Journalisten Dirk Leibfried und Andreas Erb haben intensiv zum Thema Homosexualität im Fußball recherchiert
Die beiden Kaiserslauterer Journalisten Dirk Leibfried und Andreas Erb haben intensiv zum Thema Homosexualität im Fußball recherchiert

Dirk Leibfried und Andreas Erb haben mit "Das Schweigen der Männer" ein umfassendes Buch zum Thema Homosexualität und Fußball geschrieben. Im Interview erzählen die beiden Autoren von ihren Recherchen.

Homosexualität im deutschen Fußball? Wie schwul ist er denn, der Fußball?

Andreas Erb: Nun, der Fußball ist auf den ersten Blick eine schwulenfreie Zone. In einer Sphäre, die als echter Männersport begriffen wird, in der das Testosteron überschwappt und in der wenig Platz ist für Schwächen oder persönliche Neigungen - da gibt es "das Andere" schlichtweg nicht. Da haben Homosexuelle nichts verloren. Das aber nur auf den ersten Blick. Fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung sind homosexuell, sagt die Statistik. So gibt es auch in der Männerdomäne Fußball schwule Kicker. Die sich allerdings zumeist selbst den Regeln des Spiels unterwerfen und ihre Sexualität verstecken. Sie sprechen nicht darüber. Sie schweigen. Genauso wie Vereine, Verbände oder die Deutsche Fußballliga zu dem Thema schweigen...

Sie sagen also, dass es sie gibt, die schwulen Fußballer. Selbst im Umfeld der Nationalmannschaft seien mindestens zwei anzutreffen, schreiben Sie...

Erb: Wir haben breit recherchiert, vom Amateurvereinen über Proficlubs bis zur Nationalelf. Tatsächlich ist Homosexualität überall ein Tabu. Und tatsächlich gibt es auf allen Ebenen homosexuelle Spieler, die ihre Neigung bislang noch nicht öffentlich gemacht haben.

Sie nennen keine Namen?

Dirk Leibfried: Nun, im Amateurbereich haben wir mit Fußballern gesprochen, die uns ihre persönlichen Geschichten erzählen, vom Verstecken der Homosexualität bis zum Outing in der Mannschaft. Im Profibereich hatten wir ebenfalls Kontakte zu homosexuellen Spielern, die jedoch nicht öffentlich genannt werden wollen. Bedenkt man alleine die Reaktion von Bundestrainer Joachim Löw auf unsere Interviewanfrage, ist diese Vorsicht nachvollziehbar.

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Wieso?

Leibfried: Wenn Löw als Bundestrainer, als Vertreter der nationalen Sportelite, eine Anfrage zu einem gesellschaftlich derart relevanten Thema über Monate konsequent abblockt, dann zeigt diese Reaktion, dass es hier tatsächlich ein Problem gibt - ein Tabu eben.

Theo Zwanziger bezieht in Ihrem Buch jedoch ausführlich Stellung.

Erb: Das ist richtig. Der DFB-Präsident gilt als Vorreiter, wenn es darum geht, einen liberalen, weltoffenen Fußball zu gestalten. Dies bringt er in ausführlichen Statements zum Ausdruck. Dass er dabei im deutschen Fußball nicht immer auf ungeteilte Zustimmung stößt, beweist nicht nur die Löw-Reaktion. Auch die DFL hüllt sich in Schweigen, genauso wie zahlreiche Sponsoren des deutschen Fußballs sowie Proficlubs der Bundesliga, mit denen wir im Laufe unserer Recherchen ebenfalls in Kontakt standen.

Wie gehen denn nun die Bundesligavereine mit dem Thema Homosexualität um?

Erb: Gar nicht. Und genau das ist das Problem, das zu einem homophoben, also schwulen-feindlichen Klima im Fußball führt. Nach wie vor gilt der "schwule Pass" als "schlechter Pass", der Schiri wird als "schwule Sau" beschimpft oder der Gegner entsprechend verhöhnt. Im Gegensatz zu Problemen wie Rassismus und Rechtsextremismus, die in den 1990er Jahren durch klare Initiativen der Clubs oder Aktionen in den Stadien merklich eingedämmt wurden, gibt es beim Thema Homophobie noch Nachholbedarf.

Leibfried: Wir haben alle 36 Profivereine der Ersten und Zweiten Bundesliga zu diesem Thema kontaktiert. Das Ergebnis: Ernüchternd. Nur zwölf Vereine haben überhaupt auf unsere Anfrage geantwortet. Darunter waren acht Absagen. Lediglich vier Clubs haben Stellung bezogen zu der Frage, wie sie die Themen Homophobie und Homosexualität im Fußball einschätzen.

Um welche Clubs handelt es sich denn, was sind die Positiv-Beispiele?

Erb: Stellungnahmen kamen vom Hamburger SV und von Borussia Mönchengladbach. Auch der 1996er Europameister und heutige Vorstandschef Stefan Kuntz vom 1. FC Kaiserslautern hat sehr differenziert Stellung bezogen, ebenso FCK-Kapitän Martin Amedick. Bemerkenswert: der FSV Frankfurt. Als erster Proficlub wahrscheinlich weltweit hat der FSV vor wenigen Monaten eine Initiative gegen Homophobie gestartet - ein Vorstoß, der durchaus modellhaft sein kann für die gesamte Bundesliga.

Das Buch "Das Schweigen der Männer" schildert die großen Probleme, denen sich schwule Profispieler ausgesetzt sehen und begründet ihre Scheu vor einem Coming-out
Das Buch "Das Schweigen der Männer" schildert die großen Probleme, denen sich schwule Profispieler ausgesetzt sehen und begründet ihre Scheu vor einem Coming-out

Nach Ihrer Recherche: Würden Sie einem Profifußballer zum Outing raten?

Erb: Ja, aber. Er braucht einen gefestigten Charakter und eine gewaltige Portion Mut, um das wohl zu erwartende Medienecho nicht nur durchstehen, sondern im besten Fall aktiv mitgestalten zu können. Das Outing sollte im Vorfeld im persönlichen Umfeld, im Verein und in der Mannschaft abgestimmt sein. Mit der Voraussetzung eines sicheren Auftritts lassen sich wohl auch denkbare negative Reaktionen abfedern.

Sie denken an Schmährufe aus den Fanblöcken?

Leibfried: Rufe im Stadion können eine Hürde sein für einen schwulen Spieler bei der Entscheidung für ein Outing. Dazu kommt eben der journalistische Umgang mit dem Thema in den Medien, der in der Vergangenheit nicht immer glücklich war. Außerdem stellt sich die Frage nach der Reaktion der Vereine, also der Arbeitgeber, sowie der Sponsoren. Gerade die Sponsoren des deutschen Fußballs gehen, wie unsere Recherchen zeigen, entgegen ihren eigenen Ansprüchen nicht immer unverkrampft mit dem Thema Homosexualität um. Umso wichtiger ist es, wenn sich ein Sportler dafür entscheidet, sich zu seiner Sexualität öffentlich zu bekennen, dass er dies auf fundierter, durchdachter Basis tut.

Man könnte aber auch argumentieren: Die Gesellschaft ist mittlerweile so liberal, dass die sexuelle Orientierung längst keine Rolle mehr spielt. Warum also dann ein Outing? Und warum überhaupt ein Buch darüber?

Erb: Gerade dieses Negieren ist es, was die Bedeutung des Themas ausmacht. Klar, Sexualität sollte bei der Bewertung eines Fußballers keine Rolle spielen, da sind sich alle einig. Aber: In dessen Rollenbild wird Heterosexualität als selbstverständlich vorausgesetzt. Insofern spielt es natürlich eine Rolle, wenn ein Spieler homosexuell ist. Vor allem dann, wenn er aus Angst vor Schmähungen seine Neigung verbergen muss, wenn er eine Scheinehe führt, um in eine gewisse Rolle zu passen, wenn seine Leistungen unter dem Versteckspiel leiden. Ein solches Klima, das einer Persönlichkeit keinen Raum zur Entfaltung lässt, ist mit einer Gesellschaft, die sich als liberal und weltoffen versteht, nicht vereinbar. Genauso wenig wie es mit den Werten des Fußballs vereinbar ist. Deswegen ein Buch rüber...

Dirk Leibfried, Andreas Erb: Das Schweigen der Männer. Homosexualität im deutschen Fußball, 176 Seiten, Paperback, Fotos, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2011, 12,90 €

Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
Mehr zum Thema:
» Bestandsaufnahme: Homosexualität und Fußball (11.08.2011)
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Tags: fußball, bundesliga, joachim löw, tabu, dirk leibfried, andreas erb
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Reaktionen zu ""Bundestrainer Löw blockte beim Thema schwule Fußballer ab""


 28 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
11.08.2011
08:33:13


(-3, 11 Votes)

Von C.K


das das 'problem' darin bestehen könnte, daß einem so ein penetrantes "geforsche" einfach zu blöd und löw deswegen keine lust hat jedem dahergelaufenen schreiberling ein interview zu geben (welches 100% nur darum ginge, wer was nun nachm spiel macht), DAS kann natürlich nicht sein. es dreht sich nicht alles um sex im leben, und manche 'buchautoren', sollten ihre unausgelebten phantasien einfach versuchen in die tat umzusetzen als uns mit ihren hausfrauenpsychologischen rückschlüssen intellektuell zu beleidigen. und nicht so tun als ginge es ihnen um 'aufklärung' und werbung für toleranz. wo sind denn die bücher über schwule hanballer, rocker, hells angels, musikantenstadlsänger? die haben auch alle hohe einschaltquoten, aber die sind ja leider leider nicht so geil, und im trend... bücher sagen nicht nur was über den buchgegenstand, sondern auch etwas über die befindlichkeit der autoren sich genau diesem thema zuzuwenden. reich-ranicki würde sagen: "sie ficken, sie haben gefickt, sie werden ficken, wir haben es verstanden!" überflüssig!


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#2
11.08.2011
09:19:04


(+5, 5 Votes)

Von Robin


Ich weiß echt nicht, welche Probleme man im Fußball immer mit dem Thema Homosexualität hat. Soviel Verklemmtheit ist nur noch peinlich und macht diesen ganzen Fußball-Zirkus zu Witzfiguren...


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#3
11.08.2011
09:49:25


(+7, 7 Votes)

Von Geneigter Leser


Zitat: '... Erb: ... Vor allem dann, wenn er aus Angst vor Schmähungen seine Neigung [sic] verbergen muss ...'

Herr Erb, danke für Recherche und Veröffentlichung, allerdings 'neige' ich dazu Homosexualität nicht als "Neigung" zu bezeichnen (sprechen Sie bei Heterosexualität etwa auch von einer 'Neigung'? ), sondern als (wahlweise) sexuelle Identität/Ausrichtung/Orientierung.


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#4
11.08.2011
09:51:51


(+7, 9 Votes)

Von Alex
Antwort zu Kommentar #1 von C.K


Du verkennst die Lage. Fußball ist eine reine Männerdomäne, wo es um vermeintlich Männlichkeit geht. Diese sagt alles aus.
In der Volksmusik bspw. wird nciht gesagt "schwules Lied'l", im Fußball abe sehr wohl "schwuler Pass".
Fussball ist ein Massenphänomen, in Deutschland, Europa und der Welt die mit Abstand wichtigste Sportart. Altergruppenübergreifend sehen Millionen Menschen zu, sind Millionen begeistert.
Ein Doppelleben wird sonst in kaum einem Bereich erwartet.
Erst kürzlich gab es hier einen Artikel über eine schwulen Heavy Metal-Sängern. Schlager-Stars dürfen gleichfalls schwul sein, siehe Patrick Lindner.


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#5
11.08.2011
10:26:02
Via Handy


(-6, 10 Votes)

Von Schoki


"Bemerkenswert: der FSV Frankfurt. Als erster Proficlub wahrscheinlich weltweit hat der FSV vor wenigen Monaten eine Initiative gegen Homophobie gestartet - ein Vorstoß, der durchaus modellhaft sein kann für die gesamte Bundesliga." Also DAS stimmt ja mal gar nicht: Seit der Fc St. Pauli existiert, kämpfen sowohl die Spieler als auch die Fans für die Anerkennung von Homos! Das ist doch auch schon seit langem bekannt, und deren Präsident ist ja auch schwul... Also ich finde, dass das SEHR schlampig recherchiert worden ist! & @Alex: Ich kenne so manche Leute, die auch sagen, dass ein Lied schwul ist! Aber in der Musik herrscht von Anfang an
einfach ein anderes Klima, weil Musik nicht so "männlich" ist wie Fußball. (Wobei wir ja gesehen haben, dass Frauenfußball mindestens genauso spannend sein kann!)


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#6
11.08.2011
10:58:51


(+5, 5 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #1 von C.K


"...dreht sich nicht alles um sex im leben..."

nein, aber Homosexualität, bzw. die sexuelle Orientierung ist weitaus mehr, als bloß die Frage, was man im Schlafzimmer macht... wenn ein Herr Matthäus zum x-ten mal heiratet oder mit xseiner neuesten Eroberung auftritt, dann wird das doch auch breitgetreten, dann wird einem auch seine sexuelle Orientierung um die Ohren geschlagen.
Seltsamerweise stört sich da niemand dran - warum? Weil es eben nicht so aufgefasst wird.
Handelt es sich aber um einen gleichgeschlechtlichen Partner, so kommt gleich die Reduzierung aufs Schlafzimmer und derjenige hat gefälligst die Klappe zu halten.
Obwohl der Partner an der Seite selbstverständlich dazugehören sollte. Ist das etwa ok?


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#7
11.08.2011
11:54:07


(-1, 1 Vote)

Von anonymus


Die Schwierigkeit für einen geouteten Spieler liegt ja nicht n u r in den eigenen heimischen Stadien. Wer wird gern von 20 -40 000 Besuchern als Schwuchtel ausgebuht ...
Er wird auch von seinen Gegnern und in anderen Ländern zusätzlich fertig gemacht. Sich für die Gleichbehandlung und gegen Diskriminierung einzusetzen ist gut und schön aber ein jeder sollte sich ehrlich fragen ob er selbst dazu bereit wäre sich zum erhofften Wohle der Vielen Anderen den Raubtieren zum Fraß vorzuwerfen.


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#8
11.08.2011
12:14:11


(+4, 4 Votes)

Von Geneigter Leser
Antwort zu Kommentar #7 von anonymus


"(...) Sich für die Gleichbehandlung und gegen Diskriminierung einzusetzen ist gut und schön aber ein jeder sollte sich ehrlich fragen ob er selbst dazu bereit wäre (...)"

Selbstverständlich hat das jede/r für sich selbst zu entscheiden und sich vorher die Frage zu stellen, "bekomme ich genügend Unterstützung von Freunden, Familie Vereinskollegen?"

Andererseits, es waren schon immer einige wenige, die Mut und Ausdauer hatten und damit für viele, viele andere erreicht haben, dass sich gesellschaftliche Verhältniss nachhaltig veränderten (Beispiel: Harvey Milk oder auch die europäischen Gay Aktivisten, die in einem oft jahrzehntelangen und kräfteszehrenden Kampf dafür gesorgt haben, dass Schwule heute nicht mehr überall für "geisteskrank" oder "kriminell" gehalten werden).

"Die anderen" profitierten, ohne selbst auch nur einmal den Mund aufgemacht zu haben. Bewunderung und Dank gilt aber nicht diesen "passiv gebliebenen Konsumenten des Fortschritts", sondern den Mutigen und Kämpferischen. Hier ein Beispiel aus dem Profi-Fussball

Link zu www.queer.de


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#9
11.08.2011
13:00:38


(-4, 8 Votes)

Von Schwabenschwucht


Fußball: ein Sport von Proleten für Proleten!


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#10
11.08.2011
13:06:49


(+2, 2 Votes)

Von Geneigter Leser


Ergänzung zu meinem Kommentar # 8

Wie wichtig es sein kann Unterstützung durch Freunde, Familie und Vereinskameraden zu haben, zeigt dieser Artikel

Link zu www.taz.de

Und etwas mehr zu Harvey Milk gibt es hier

Link zu www.imdb.com


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