Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?14827

Die Vaterfigur fehlte dem schwulen Sohn (Bild: ZOOM Medienfabrik)

Im Kinofilm "Chi l'ha visto - Wo bist Du?" sucht ein junger Mann seinen Vater in Italien. Ein Roadmovie mit Sex, Drogen und Rock'n'Roll.

Von Carsten Weidemann

Trotz Mobil-Telefonen, trotz Google und trotz TV-Show, die Familien zusammenführen: Es ist durchaus möglich, im vereinten Europa komplett von der Bildfläche zu verschwinden. Aber nicht aus dem Gedächtnis der Familienangehörigen. Je unwahrscheinlicher die Auffindbarkeit der Verschwundenen, desto stärker bestimmen sie die Gedanken ihrer Zurückgebliebenen.

Im Spielfilmdebut der deutschen Regisseurin Claudia Rorarius begleitet der Zuschauer den Protagonisten Gianni Meurer auf einer Fahrt von Berlin, wo er bei seiner Mutter aufwuchs, nach Italien. Dort sucht Gianni, ein Mann in den frühen Dreißigern, nach seinem Vater, den er vor 25 Jahren zum letzten Mal gesehen hat. Alles, was Gianni neben seinen blassen Kindheitserinnerungen vom Vater hat, sind ein paar Briefe und ein Foto. Dieses Foto zeigt Gianni jedem, dem er auf dem Weg nach Rom begegnet, denn dort vermutet er den Vater. Doch ein Gerüst aus Lügen, dass er sich um seinen Vater aufgebaut hat, hält ihn davon ab seine wahre Zugehörigkeit zu erkennen.

Youtube | Offizieller Trailer

Sieht aus wie eine Doku, ist aber ein Spielfilm

Fiktion und Realität, Rolle und Schaupielerbiografie verweben sich in auf untrennbare Weise: Gianni Meurer heißt so auch im wahren Leben. In Deutschland ein bekannter Musicaldarsteller, ist er - wie im Film - Halbdeutscher und hat als Kind den Kontakt zu seinem Vater verloren. Der Film macht diesen konkreten biografischen Aspekt zum Ausgangspunkt einer fiktiven Spurensuche, während derer Gianni den jungen Deutschen Paul kennenlernt, mit dem er daraufhin einige Tage gemeinsam verbringt. Paul wird gespielt von Paul Kominek, der bislang vor allem als Musiker unter dem Namen "Turner" und "Pawel" seit vielen Jahren international durch Elektropop-Veröffentlichungen bekannt ist.

"Chi l'ha visto" keine Doku, auch wenn es mit der Ästhetik solcher Filme spielt. Es ist ein eindringliches, ruhiges und mit klarem Blick für die Schönheit der Landschaften Norditaliens fotografiertes Roadmovie, das sowohl um Fragen der persönlichen als auch der nationalen Identität kreist.