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Heizte aus Frust Homogerüchte um den Bundestrainer an: Torhüter Roman Weidenfeller (Bild: Wiki Commons / Pro2 / CC-BY-3.0)

Nach seinem "Outing" von Bundestrainer Joachim Löw: Ein Kommentar zum "Nicht-Fall" Roman Weidenfeller

Von Dirk A. Leibfried

Man kann sich lebhaft vorstellen, was sich in diesen Tagen in der DFB-Zentrale in Frankfurt abspielt. Während Bundestrainer Joachim Löw gemeinsam mit Pressechef Harald Stenger wohl noch an einer Kommunikationsstrategie als Replik auf die Schimpftiraden des nicht nominierten Dortmunder Torwarts Roman Weidenfeller feilt, dürften die Zornesfalten bei Teammanager Oliver Bierhoff bereits bedenkliche und der Gesundheit abträgliche Ausmaße angenommen haben. Dabei hat Weidenfeller, will man einigen immer noch im gelb-schwarzen Meisterrausch befindlichen Medien Glauben schenken, doch lediglich "gescherzt". Doch das hat er mitnichten. Denn niemals zuvor hat ein Bundesliga-Profi die vermeintliche Homosexualität des Nationaltrainers so offen artikuliert wie Weidenfeller, der sogar noch einen Schritt weiter ging.

Selbstzweifel sind dem Keeper von Borussia Dortmund fremd. Der Meister-Torwart kassierte in der abgelaufenen Saison gerade mal 22 Gegentore, spielte 14 Mal zu Null. So einer ist eigentlich immer ein Kandidat für die Nationalmannschaft. Zumindest dem eigenen Selbstverständnis nach. Gut möglich, dass Löw und sein Torwarttrainer Andreas Köpke wirklich dem Jugendwahn verfallen sind und Weidenfeller mit seinen 31 Jahren einfach zu alt ist. Der Frust des BVB-Keepers ist also durchaus nachvollziehbar, wenn mit Ron-Robert Zieler (22) von Hannover 96 ein weiteres Torwarttalent in diesen Tagen an ihm vorbeizieht. Das entschuldigt aber nicht die schwulenfeindlichen Anspielungen in Richtung Löw.

Profi Weidenfeller wusste, was seine Worte bewirken

Dabei hat sich Weidenfeller nach dem Spiel gegen Nürnberg angeblich sogar noch gebremst: "Ich hatte dazu früher schon immer einen Spruch auf den Lippen, der sehr böse ist. Aber den verkneife ich mir jetzt lieber", sagte er. Doch der Nachsatz hat es in sich: "Vielleicht gibt es ja bald in irgendwelchen Jugendcamps noch weitere junge Torhüter, die dann eingeladen werden, wenn mal wieder einer ausfällt." Nein, er könne sich das überhaupt nicht mehr erklären. "Vielleicht sollte ich mir einfach die Haare schneiden. Oder etwas zierlicher werden. Ich weiß es nicht." Viel hinein zu interpretieren gibt es in diese Aussagen eigentlich nicht mehr.

Es ist davon auszugehen, dass ein 31-jähriger Profi sehr wohl weiß, was seine Worte bewirken können. Dass er Löw offenbar für schwul hält, ist dabei nicht einmal das Skandalöse. Vielmehr unterstellt er diesem, dass er nicht nach Leistung, sondern nach Aussehen aufstellt. Das ist dumm, abstrus und eine schallende Ohrfeige für den Bundestrainer. Doch offenbar scheint dies in Fußball-Deutschland, das sich immer so gerne modern und fortschrittlich präsentiert, niemanden zu interessieren. Homophobie ist in den Stadien der Republik offenbar immer noch salonfähig.

Was wird Bierhoff zu den verbalen Ausfällen sagen?


Bundestrainer Joachim Löw am Telefon: Stellt er nach Aussehen auf und nicht nach Leistung? (Bild: Wiki Commons / Steindy / CC-BY-SA-3.0)

Dabei war es doch ausgerechnet Bierhoff, der im März nach Ausstrahlung des "Tatort"-Krimis "Mord in der ersten Liga" beklagte, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht werde, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen. "Das sehe ich immer auch als einen Angriff auf meine Familie - die Familie der Nationalmannschaft." Hintergrund war das fiktive "Tatort"-Zitat: "Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten."

Unabhängig davon, dass es diesen "Volkssport" seit einigen Jahren tatsächlich gibt, sah sich Bierhoff damals zu einer Übersprunghandlung provoziert. Die Freude an der Arbeit werde der Nationalelf genommen, "wenn wir uns gegen haltlose Gerüchte wehren müssen". Bierhoff bierernst weiter: "Wir werden jetzt grundsätzlich bei der Nationalelf überlegen, wie wir mit solchen Dingen umgehen. Dass wir nicht wehrlos sind gegen Gerüchte und falsche Unterstellungen aller Art." Doch wer von Angriffen, Gerüchten und falschen Unterstellungen spricht, suggeriert natürlich immer auch, dass er Homosexualität nach wie vor als etwas Anrüchiges, etwas Verbotenes ansieht.

Man darf also gespannt sein, was Bierhoff zu den verbalen Ausfällen von Roman Weidenfeller sagen wird. Vielleicht sollte er sich vorher Rat einholen. Bei seinem Chef Theo Zwanziger. Der DFB-Präsident hat längst der Homophobie den Kampf angesagt, wirbt für Offenheit und Toleranz. Nur die Dummheit steht ihm dabei leider viel zu oft im Weg. Die Dummheit auf den Rängen und, ja, auch die Dummheit bei der ein oder anderen Pressekonferenz...

Dirk A. Leibfried arbeitet als Journalist und Kommunikationsberater in Kaiserslautern. Er ist Mit-Autor des Buchs "Das Schweigen der Männer - Homosexualität im deutschen Fußball", das im August 2011 im Verlag Die Werkstatt erschienen ist.



#1 userer
#2 HinnerkAnonym
  • 24.08.2011, 11:59h
  • "Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten."

    Nicht die halbe, aber es gibt schon Schwule in der Nationalmannschaft, die sich nicht outen. Wenn man Gerüchte und Vermutungen verhindern will, ist Offenheit das allerbeste.

    Würden sich die schwulen Spieler outen, gäbe es sowas gar nicht.
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#3 LukaboyAnonym
  • 24.08.2011, 12:12h

  • Seine Aussage war dumm und ein Angriff auf Loew weil er diesem unterstellt nach nach aussehen aufzustellen. Das die Aussage homophob ist würde ich nicht behaupten. Sonst könnte man einem Chef auch heterophobie vorwerfen wenn man der Meinung ist dieser Stelle nur attraktive Frauen ein. Das es im Fussball natürlich eine andere Brisanz hat, weil Homosexualität dort ein Tabuthema ist, verschärft die Sache zusätzlich. Die Aussage alleine ist aber nicht homophob.
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#4 kokAnonym
  • 24.08.2011, 12:24h
  • Antwort auf #1 von userer
  • "... liebt süße Berliner ..."

    Na, da ist doch ganz offensichtlich, wer hier nur auf's Äußere achtet. Und die Rede ist ja von Berlinern und nicht Berlinerinnen. Vielleicht ist der Wunsch Vater des Gedankens, was den Daddyfaktor des Herrn Löw angeht ...
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#5 JanoschAnonym
#6 HennesAnonym
  • 24.08.2011, 12:36h
  • Nicht nur das! Diese Äußerungen gehen ja auch in Richtung "Knabenliebhaber": Jugendcamp, junge Torhüter,zierlicher werden....."
    Man beachte die Wortwahl!
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#7 Wir kriegen euchAnonym
  • 24.08.2011, 12:38h
  • Antwort auf #2 von Hinnerk
  • Eben!

    Der "Volkssport" besteht doch darin, den Profi-Fußball weiterhin in widerlichster sexualrassistischer Manier

    frei und gesäubert von Schwulen halten, ihn weiterhin als schwulenfreie Zone aufrechterhalten zu wollen.

    Man stelle sich das mal im Zusammenhang mit anderen Rassismen vor - inzwischen dank eines Minimums an menschenrechtlichen Standards völlig undenkbar, nur eben bei Schwulen NICHT!

    Und die verlogenen "Sportjournalisten" sind an diesem menschenverachtenden Spielchen zur Bedienung der herrschenden Marktlogik ("Marktwert") an vorderster Front beteiligt.

    Wir müssen endlich der Realität ins Auge sehen:

    Kollektive Zwangsoutings sind der einzige Weg, diesen Teufelskreis ein für alle Mal zu durchbrechen!

    Und noch nie war das angesichts des aggressiven, kommerziellen Heterosexismus so lebenswichtig für homosexuell empfindende, männliche Jugendliche wie jetzt!

    Wenn plötzlich zehn namhafte Profis pro Land als schwul geoutet sind, wird man sie nur schwerlich allesamt mit fadenscheinigen Begründungen "entsorgen" können.

    Werdet endlich einer minimalen sozialen Verantwortung gerecht und beendet die sexuelle Apartheid im Fußball!
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#8 TIPP!Anonym
  • 24.08.2011, 12:42h
  • Ne, die könnten alle einen STERN-Titel machen mit Fotos von sich und der Headline:
    “Mein Arsch gehört mir!"
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#9 seb1983
  • 24.08.2011, 12:50h
  • Antwort auf #7 von Wir kriegen euch
  • Weidenfeller dürfte sich als Hitzkopf damit selbst ins Aus gestellt haben.

    Zum "Kollektiven Zwangsouting":
    Klingt nett, aber wie sollen "wir" das machen, wer ist überhaupt dieses "wir"?
    10 pro Land... Wer sammelt denn diese Infos und koordiniert das? Die nationalen Schwulenverbände, oder gleich die EU? Das schöne am "wir müssen" ist ja, dass jeder den anderen für angesprochen hält, aber nie sich selbst...

    Wahrscheinlicher ist dass sich als erster ein Spieler bei Karriereende hervorwagt und anschließend andere auf den Zug aufspringen.
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#10 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 24.08.2011, 14:12h
  • ich bin auch auf die Reaktion des DFB gespannt. Es ist einfach nicht hinnehmbar und wenn dieser Herr Weidenfeller auf beleidigte Leberwurst macht. Er hat den Bogen überspannt und sollte sich für seine Aussagen - Meinungsfreiheit hin oder her - einfach entschuldigen!
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