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Die Bilder des Terrroranschlags vom 11. September 2001 haben sich in unser Gedächtnis gebrannt, überwiegend Fernsehbilder, die die Skyline von New York in der Totalen zeigen. Die Redaktion des Magazins QUEER stand im September 2001 vor der Frage, wie man mit diesen Bildern, die aus einem Katastrophenfilm zu stammen scheinen, umgehen sollen. Einfach so zur Tagesordnung überzugehen, und aus dem üblichen kleinen schwul-lesbischen Kosmos zu berichten, erschien uns schwer möglich, das Thema gar nicht zu beachten gar unmöglich. Also machte sich der damalige QUEER-Redakteur Torsten Bless knapp zwei Wochen nach dem Anschlag auf nach New York, um mit Menschen aus der Community zu sprechen. Ihre Geschichten und Schicksale einzusammeln. Die Reportage, die er mitbrachte, erschien erstmals im Oktober 2001 in QUEER. Wir veröffentlichen diese nach wie vor berührende Geschichte noch einmal hier auf queer.de:


Stephanie Nolan vom schwul-lesbischen Buchladen (Bild: Torsten Bless)

Das World Trade Center stand nur wenige Blocks entfernt von der Hochburg der Homo-Community New Yorks. Bis in dieses Viertel reichte in den ersten Tagen das Sperrgebiet. "Alle Coffeshops, alte Restaurants hatten zu", erzählt Jim Scholle. "Am Mittwoch, dem zweiten Abend nach dem Anschlag, ging ich in den Hangar, die einzige Kneipe in der Christopher Street, die noch geöffnet hatte. Nur 20 Menschen standen hier, sie waren sehr ruhig, starrten auf den Fernseher." Creative Vision, der lesbisch-schwule Buchladen in der Hudson Street, konnte erst am Freitag nach dem Anschlag wieder aufmachen. Stephanie Nolan (34) war für diesen Tag eingeteilt, verzichtete aber auf ihren Nebenverdienst. "Erst am Sonntag habe ich mich in den Shop getraut." Von einem normalen Geschäftsbetrieb konnte keine Rede sein. "Die Menschen liefen wie Zombies durch die Strassen, erst seit wenigen Tagen läuft hier wieder alles halbwegs normal." Und Jim Scholle erzählt: "Ich saß auch eine Woche nach dem Anschlag noch immer im Büro und starrte auf die Wände, ich sah mich bei meinen KollegInnen um, und ihnen ging es ganz genauso. Meine Wohnung ist in einem erbarmungswürdigen Zustand, FreundInnen von mir haben in der selben Zeit ihre vier Wände neu gestichen, sie sind zu unglaublichen Aktivitäten aufgelaufen, nur um in Bewegung zu bleiben, nicht nachdenden zu müssen."

In den frisch renovierten, freundlichen Räumen des Lesbian, Gay, Bisexual & Transgender Centers in der West 13th Street gibt es demnächst eine Gedenkveranstaltung für die Lesben und Schwulen, die bei der Katastrophe ums Leben kamen. "Ihre PartnerInnen haben keinen Anspruch auf Hinterbleibenenbezüge , sie werden noch nicht einmal als Familienmitglieder anerkannt", erläutert Sprecher Robb Davies (28). "Für sie wird dies der einzige Raum sein, an dem sie gehört werden." Die Fernsehsender erzählen immer neue Geschichten von Vermissten und ihren Familien, blenden die Homos unter den Opfern aber konsequent aus. Weder die Lesbe im Pentagon, noch das schwule Paar mit Adoptivsohn aus dem gekaperten United-Airlines-Flug kommen in den Mainstream-Medien vor.

Kommen dann doch einmal vereinzelt aus der Community bekannte Gesichter vor, wird ihre sexuelle Veranlagung aus geblendet. Father Mychal Judge, seit Jahrhzenten ein beliebter Seelsorger bei den Feuerwehrmännern, wurde von Trümmern erschlagen, zu seiner Gedenkmesse kamen Hillary und Bill Clinton, sein Leben wurde auch im, von allen großen Fernsehsendern übertragenen Benefizspektakel mit riesigem Staraufgebot gewürdigt. Doch lediglich Paul Schindler widmete dem katholischen Priester und seinen Aktivitäten in der Lesben-und Schwulenszene in Igtny ein Titelstory.

Am Union Squate nehmen an jedem Tag Hunderte von Menschen aktiv Anteil an den Ereignissen und suchen den Austausch. Der Platz ist angefüllt mit Blumen, Kerzen und selbstgebastelten Gedenktafeln. Auch Timothy und seine Mitstreiter von Gay Men's Health Crisis, einem schwulen Aids-und Präventionsprojekt, sind mit einem eigenen Gedenkeckechen vertreten. Ihre Version der Nationalflagge samt Sternen in der linken Ecke besteht aus den Regenbogenfarben. Die Aneinanderreihung von Transparenten und Tafeln erinnert an einen Aids-Quilt. Chris Crain ziehlt im New York Blade parallelen zwischen der Aide-Krise und den aktuellen Ereignissen. Die Community habe solch immense Verluste bereits selbst erlebt und verarbeiten müssen. "Der Rest von Amerika kann aus unseren schmerzhaften Erfahrungen lernen." Der 48-jährige Autor und Schauspieler Harvey Fierstein (Das Kuckucksei) findet derartige Vergleiche obszön. "Es gab für uns selbst in den frühen Tagen von Aids die Möglichkeit, uns auf den Abschied von unsern FreundInnen vorzubereiten, das vermochten die Angehörigen hier nicht, die geliebten Menschen sind völlig ohne Vorwarnung ums Leben gekommen."

Knappe zwei Wochen nach den Anschlägen verändert sich allmählich die Stimmung in der Stadt, für manche liegt ein Gefühl von Aufbruch in der Luft. "Der Union Aquare ist jetzt nicht mehr ein Ort des Gedenkens, hier treffen sich die neuen Friedensinitiativen", bereichtet Jim Scholle. "Hier entwickelt sich gerade eine neue Bewegung, in welche Richtung sie sich entwickelt, weiß ich nicht, sie ist ja gerade mal ein paar Tage alt", ergänzt Sarah Schulman. Das Wohnzimmer ihere Kollegin Eve Ensler, Autorin der "Vagina-Monologe", wurde Geburtsstätte einer neuen Gruppe, Artists against War. Zu den GründerInnen zählen neben Schulman auch der schwule Schiftsteller Michael Cunningham und Urvashi Vaid, einst Präsidentin der National Gay and Lesbian Task Force. Dass Lesben und Schwule mit die Speerspitze der neuen Bewegung bilden, ist für Sarah Schulman kein Zufall. "In anderen Organisationen, in der Linken, der Abtreibungs-und ACT-UP-Bewegung wimmelte es nur so von uns. Wir sind diejenigen mit Organisationsfähigkeiten, Heteros haben seit dem Vietnamkrieg nichts mehr zustande gebracht." Sie hoffe, dass die Ereignisse auch die Homobewegung insgesamt radikalisiere. "Sie ist mir in den letzten Jahren viel zu wiet nach rechts abgedriftet."

An so viel Aktionismus mag Jon Schwarzbach (49), der Büroangestellte, der nur überlebte, weil er zu spät zur Arbeit kam, gar nicht denken. "In der ersten Zeit war ich vor allem mit mir selbst beschäftigt, habe auch neinen Freund zurück gestoßen, jetzt muss ich sehen, wie ich mein Leben wieder auf die Reihe bekommte." Edgar Rodrigues (42), der schwule Polizeibeamte, kämpft an Ground Zero, dem Ort des Geschehens, noch jeden Tag um das letzte bisschen Hoffung. "Wenn ich keine Überlebenden mehr finde, will ich zumindest dafür sorgen, dass die Hinterbliebenen ihre Angehörigen würdig begraben können." Stephanie Nolan sagt: "Unsere Generation hat so etwas noch nie erlebt. Solche Anschläge gab es immer nur anderswo, nie bie nuns. Ich bin froh, dass ich in Queens lebe, da wird so etwas nicht passieren." Und Jim Scholle fügt traurig an: "In meinem Kopf läuft der immer gleiche Film ab, ich sehe die Türme des World Trade Centers einstürzen. Nicht nur die Gebäude liegen in Schutt und Asche, auch manche meiner Illusionen. Ich fühle mich nicht mehr sicher in meiner Stadt."



#1 hwAnonym
  • 08.09.2011, 16:00h
  • Solche Bilder traumatisieren, auch weltweit. Hoffnungen und Sicherheit werden werden zu Staub und Asche.

    "Nicht nur die Gebäude liegen in Schutt und Asche, auch manche meiner Illusionen. Ich fühle mich nicht mehr sicher in meiner Stadt.".."

    Es war dies der zweite 11. September, der sich in das kollektvie Gedächtnis vieler Menschen der Erde einbrennen sollte.

    Der erste 11. September (1973).

    www.youtube.com/watch?v=SIHm8herJZs&feature=related

    www.youtube.com/watch?v=zqvmWveMS4w&feature=related

    Hier ist am Ende eines dokumentarischen Spielfilms ein Text von Amnesty International
    mit einem Original-Interview mit dem schwedischen Botschafter Harald Edelstam.

    Edelstam formulierte hier weitblickend die Aufgaben von Diplomatie und Diplomaten in barbarischen Zeiten.

    www.youtube.com/watch?v=ZIqaueniHfc

    Auf die Frage, ob ihm westliche Botchafter halfen, konnte er antworten: Ja. ....Der finnische Botschafter. Nur er.
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#2 antos
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#4 night washAnonym
  • 10.09.2011, 01:24h
  • Der extrem homophobe farbige Politiker Herman Cain wird auch innerhalb der Republikanischen Partei als äußerst konservativ eingestuft; neben schwulen Lebensentwürfen lehnt er Immigration in die USA und Schwangerschaftsabbrüche ab und ist ein Kritiker des Islam. In den Kreisen der Tea-Party-Bewegung gilt er als überaus populär.

    Wie überall auf der Erde hat dort, rechts von der Mitte, u.a. auch die Geschmacklosigkeit eine sichere Heimat.

    Herman Cain produces incredibly tasteless 9/11 video

    www.salon.com/news/2012_elections/index.html?story=/politics
    /war_room/2011/09/09/herman_cain_911
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#5 Geert
#6 The bubbleAnonym
  • 11.09.2011, 13:21h
  • 9/11 and the economy

    While 9/11 attacks exacted heavy economic price, main culprit was Bush - not bin Laden

    "So who is at fault? First of all, Bush. The previous president not only refused to do the obvious, that is, to fund the war via new taxes, he conducted himself with complete recklessness and lowered tax rates, especially on higher incomes. Hence, the war on terror was funded by loans. The federal government issued a huge amount of bonds and marketed them, among others, to the Chinese, the Saudis, the Russians and the Koreans. The loss of taxes during Bush’s term in office boosted America’s public debt by $1.5 trillion and he is the main culprit for the current, high rate between debt and production."

    The next guilty party is Dr. Alan Greenspan, who served as Fed Chairman until 2006. Greenspan sinned twice: Because he feared an economic catastrophe in the wake of the attacks, he lowered the interest rate to a very low level and kept it there even when the recovery was underway, thereby inflating the real estate bubble. "

    www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4120194,00.html
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#7 9/21 !Anonym