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Ständer statt Hitlergruß: "Bruderschaft" bringt zärtliche schwule Nazis auf die Kinoleinwand (Bild: Pro-Fun Media)

Der dänische Regisseur Nicolo Donato hat sich in seinem Romantik-Drama "Bruderschaft" an ein absolutes Tabu-Thema gewagt.

Von Carsten Weidemann

Schwul und rechtsradikal? Für viele ist das zu Recht unvereinbar: Eine Ideologie, die menschenverachtend, rassistisch und ausgrenzend ist. Deren Anhänger bereit sind, Gewalt anzuwenden, um alles, was anders ist, zu vertreiben, das passt einfach nicht zusammen mit einem akzeptierenden Menschenbild, dass das "Andersein" zumindest toleriert. Und dennoch gibt es sie: Die Männer, die sich politisch Rechts verorten und zugleich auf Männer stehen. Eine der schillerndsten Figuren dieser Szene war der 1991 an den Folgen von Aids verstorbene Michael Kühnen, der Anführer der deutschen Neonazibewegung war.

Der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit hat Ende der Siebziger Jahre in seinem zweibändigen Werk "Männerphantasien" den Typus des faschistischen Mannes ausführlich analysiert. Und auch Helmut Blazek beschreibt in seinem 2001 erschienen Buch "Männerbünde" ausführlich, wie anziehend das unterdrückt homoerotische anziehend wirkt auf unreife junge Männer, die Sicherheiten und Identifikationsfiguren suchen. Sie landen dann mitunter bei der Kirche oder bei den Faschisten.

All diese Gedanken hatte sicherlich auch der der junge dänische Regisseur Nicolo Donato im Kopf und er wusste, dass es nicht einfach wird, einen romantischen Film über ein Paar schwule Neonazis zu drehen, aber hat es gewagt und dabei ein romantisches aber durchaus hartes Drama geschaffen.

Youtube | Der Trailer zum Film

Männerliebe im faschistischen Männerbund

Die Story: Lars, ein Sergeant in der Armee, wird nach einem vermeintlichen Flirt mit einem Kameraden entlassen und wird in eine ultranationale Gruppe rekrutiert, in der er auf den Skinhead Jimmy trifft. Da er sich durchaus zu profilieren weiß, stolpert er schnell die Karriereleiter hoch, ist jedoch nicht bei allen Mitstreitern gleich beliebt. Vor allem Jimmy macht aus seiner Abneigung keinen Hehl. Um die Wogen zu glätten, steckt Anführer 'Fatty' die beiden Männer zusammen in eine Wohnung, wo Jimmy den neuen Rekruten coachen soll. Aus Feindschaft wird Freundschaft, Bewunderung und letztendlich Leidenschaft.

Die Nazi-Szene wird hier niemals verherrlicht - umso mehr tritt die aufkeimende Liebesbeziehung in den Vordergrund. Der Kontrast zwischen dem alltäglichen Hass der Gruppe und der entstehenden Zärtlichkeit zwischen Lars und Jimmy könnte grösser nicht sein. Fern aller Klischees erzeugt trotz allen Unbehagens über die gezeigte Szene so etwas wie Wärme. Ein überraschender, kompromissloser Film, romantisch aber ohne Pathos, spannend und berührend, der bereits einige Preise bei schwul-lesbischen Filmfestivals erhielt.

Broderskab / Brotherhood, Drama, Dänemark 2009, FSK: 16, 97 Min, dänische OF mit dt. UT, Drehbuch: Rasmus Birch, Nicolo Donato; Kamera: Laust Trier-Mørk; Schnitt: Bodil Kjærhauge; Ton: Håkon Garpestad, Jason Luke; Produzent: Per Holst, Darsteller: Thure Lindhardt, David Dencik, Nicolas Bro, Claus Flygare, Michael Grønnemose, Anders Heinrichsen, Jon Lange.

Termine

15.-28.09. Berlin, Tilsiter Lichtspiele
09.10. Dortmund, Schauburg
10.10. Hannover, Apollo Kino
10.10. Düsseldorf, Bambi
14.10. Bochum, Metropolis
16.10. Oberhausen, Lichtburg
18.10. Köln, Filmpalette
26.10. Leipzig, Passage-Kinos


#1 schwarzwaldbub
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 15.09.2011, 13:00h
  • Ich habe gestern Abend auf Eins Festival die Doku mit dem Titel "Von Lust & Laster" gesehen. Es war sehr merkwürdig, daß in der Zeit von 1933 - 1945, als die Nazis an der Macht waren, auch Pornofilme gedreht wurden. Befremdlich war auch, daß darin auch Lesbenszenen (die auch gezeigt wurden) mit dabeigewesen sind.

    Es ist gut, daß der Filmemacher dieses Tabuthema anspricht, auch wenn es damals bei den Nazis auch schon Schwule (siehe Röhmputsch) gab. Schade ist es nur, daß es ein OmU ist!
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#3 daVinci6667
  • 15.09.2011, 16:53h

  • "Sie landen dann mitunter bei der Kirche oder bei den Faschisten."

    Sehr richtiger Satz! Sie kommen halt leider nicht klar mit ihren schwulen Anteilen und glauben so, diese bekämpfen zu können!

    Sexualkunde die selbstverständlich auch über die Gleichberechtigung andere sex. Orientierungen aufklärt, kann religiösen und rechtsgerichteten Extremismus verhindern und ist sehr wichtig für Erhalt und Weiterentwicklung unserer Demokratien!
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#4 JadugharProfil
  • 15.09.2011, 17:21hHamburg
  • Antwort auf #3 von daVinci6667
  • Ich hatte einmal das Glück, einen schwulen Neonazi kennenzulernen. Er war in einer widersprüchlichen paradoxen Situation. Auf der einen Seite wurde er von seinen eigenen Genossen mit dem Tode bedroht; es gab Anschläge auf seine Wohnung und trotz dieser tödlichen Angriffe hielt er zu ihnen, weil er abseits seiner Empfindungen seine Vorstellungen und Meinungen mit Neonazis teilte.
    Ich hätte an seiner Stelle diese Gruppe verlassen, wenn sie mein Leben bedrohen nur weil man homosexuell ist! Da gibt es ja dann keine Gegenseitigkeit!
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#5 X A7D23Anonym
#6 Film-FanAnonym
  • 15.09.2011, 19:00h
  • Schade, hier ist die mangelnde Synchronisation noch störender als z.B. bei englischen Filmen.

    Bei englischen Filmen versteht man doch noch ziemlich viel und muss nur sporadisch mitlesen. Oder kann sich manches aus dem Zusammenhang erschließen. Aber bei dänischer Sprache muss man ja komplett lesen und bekommt von den Bildern nicht mehr viel mit. Denn wer nicht gerade halber Däne ist oder an der dänischen Grenze wohnt, wird wohl so gut wie nichts verstehen. Und Dänisch ist ja auch nicht gerade eine Fremdsprache, die viele Deutsche lernen. Da stehen Englisch, Französisch und Spanisch weit davor.

    Schade um diesen tollen Film. So wird er von weniger Menschen gesehen, als es sein sollte.
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#7 Fiete_Jansen
  • 15.09.2011, 20:47h
  • Antwort auf #5 von X A7D23
  • Zu dem Thema empfehle ich auch noch den Film "Männer, Helden, schwule Nazis" von Rosa von Praunheim und das Buch "Schwule Nazis - und der rechtsruck in der Schwulenbewegung" von Markus Bernhardt.
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#8 JoAnonym
  • 15.09.2011, 22:30h
  • “Gekommen sind wir alle aus einem Grund, am Ende schieben wir uns kollektiv den Schwanz in den Mund"

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#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
#10 realityAnonym